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Peter Schöffel „Ich kann mir vorstellen, massiv in China zu investieren“

Peter Schöffel Quelle: PR

Der Familienunternehmer Peter Schöffel über den Kampf der Outdoor-Marke gegen Markenräuber, die Pläne für den Start in China und seinen Standardbrief für Kaufanfragen.

WirtschaftsWoche: Herr Schöffel, Sie haben mehr als 15 Jahre lang gegen Markenräuber um das Recht gekämpft, Outdoor-Jacken unter Ihrem Markennamen in China zu verkaufen. Haben Sie zwischendurch daran gezweifelt, ob Sie Erfolg haben werden?
Peter Schöffel: Ja, das kann ich nicht anders sagen, der Ausgang hing über sehr lange Zeit in der Schwebe. Es war ein unglaubliches Wechselbad, durch das wir als Unternehmen und auch ich persönlich gegangen sind. Besonders stark erinnere ich mich noch daran, wie wir vor knapp drei Jahren nach vielen vergeblichen Anläufen versucht haben, den Marken-Räubern unsere Marke abzukaufen.

Was passierte dann?
Das war ja das Schlimme – nichts! Unsere Anwälte hatten uns empfohlen: Biete denen einen Geldkoffer an, das kriegen wir irgendwie hin. Tatsächlich habe ich nicht einmal eine Antwort bekommen. Da wirst Du wahnsinnig, das ist ja mein Recht, meine Firma! Bis heute weiß ich nicht, was die mit unserer Marke wirklich vorhatten. Aber zum Glück sind wir hartnäckig geblieben, und am Ende ist es uns und unseren Anwälten gelungen, in China Herr über unseren Markennamen zu werden.

Durch den Rechtsstreit haben Sie Zeit verloren; Wettbewerber wie North Face, Columbia oder Jack Wolfskin sind schon seit Jahren auf dem Markt aktiv. Wie wollen Sie das aufholen?
Ja, das stimmt, aber wir sehen in China noch immer sehr gute Möglichkeiten für uns. Auch, weil wir uns intern bereits seit einiger Zeit auf den Schritt vorbereitet haben. Mein Vertriebschef war zusammen mit unserem Exportleiter bereits in China, um sich mit möglichen Partnern zu treffen, da sind unterschiedliche Modelle möglich. Natürlich haben wir auch intensiv Marktforschung betrieben. Aber vor allem habe ich einen Termin vor Augen, der uns sehr helfen wird.

Welchen?
2022 finden die Olympischen Winterspiele in Peking statt. Für uns könnte es da kein besseres Timing geben. Auch deshalb haben wir passend dazu unseren seit vielen Jahren laufenden Ausrüstervertrag mit dem Österreichischen Skiverband bis über Olympia hinaus verlängert. Schließlich sind es neben den Schweizern vor allem die Österreicher, die als Berater dort helfen, die Skigebiete zu entwickeln – ganz abgesehen davon, dass natürlich die österreichischen Skifahrer Medaillenkandidaten sind.

Reicht das?
Nein, aber wir rüsten auch noch diverse Skischulen wie etwa die aus Zermatt und vom Arlberg aus, die ebenfalls mit Ablegern in China vertreten sind. Das alles dürfte uns schon sehr helfen. Insofern haben wir zwar sicher Zeit verloren. Aber gerade das Thema Wintersport entwickelt sich in China ja gerade erst richtig, da wird Olympia einen ordentlichen Schub geben. Außerdem glauben wir, dass in China die Deutschland-Affinität recht hoch ist. Das „Ö“ in unserem Namen kann zwar außerhalb des deutschsprachigen Raumes kaum jemand richtig aussprechen – aber gerade das hilft uns, weil es für viele exotisch ist und uns hervorhebt.

Trotzdem wird die Zeit ziemlich knapp, oder?
Ja, ich bin heilfroh, dass die Markenurkunde jetzt hier bei uns ist und wir loslegen können. Jetzt haben wir aber ein Jahr Vorlauf, um die Distribution auf die Beine zu stellen. Und dann bin ich sehr zuversichtlich, dass wir die erste echte Schöffel-Jacke in China 2020 verkaufen werden.

Sie machen im Jahr einen Umsatz von gut 100 Millionen Euro – was versprechen Sie sich nun von China?
In dieser Hinsicht bin ich ganz demütig. Mir ist erst einmal die Relevanz dort wichtig, in den Skigebieten, unter den Outdoor-Sportlern. Die sollen uns als Marke erst einmal kennenlernen und uns gut finden. Schlicht herzugehen und zu sagen: Einwohnerzahl mal Stückpreis gleich potenzieller Umsatz - das liest sich in irgendwelchen Excel-Tabellen von Beratern sicher toll. Aber wir haben hier keine drängelnden Investoren, die uns auf Teufel komm raus zu Wachstum drängen. Dies ist meine Firma, ich hüte das Erbe vieler Generationen – ich muss hier niemandem utopische Wachstumszahlen aufmalen.

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