Roboterbauer Kuka führt weitere Gespräche mit möglichen Investoren

Nach dem Ja zum Übernahmeangebot aus China verhandelt der Roboter- und Anlagenbauer Kuka mit weiteren potenziellen Investoren. So soll der 49-Prozent-Anteil für Midea gewährleistet werden.

Was Roboter schon heute alles können
Im Geschäft persönlich vom Roboter begrüßt zu werden - auch das kann bald für mehr Menschen Realität sein. „Pepper“ hat Knopfaugen, und er ist in astreinem Deutsch recht schonungslos: „Meiner bescheidenen Meinung nach ist dieses Modell nicht besonders schmeichelhaft für Ihre Figur. Dürfte ich Ihnen ein paar neu eingetroffene Modelle zeigen, die mir für Sie besonders gut gefallen?“ Eigene Infos werden per QR-Code auf dem Smartphone gespeichert, den der Roboter im Geschäft dann scannt. In Japan ist Pepper (von SoftBank) bereits aktiv. Quelle: dpa
„iPal“ ist ein künstlicher Freund und Spielgefährte. Der Roboter ist so groß wie ein sechsjähriges Kind. Er kann singen und tanzen, Geschichten vorlesen und spielen. Durch Gesichtserkennung und automatisches Lernen wird „iPal“ mit der Zeit immer schlauer. Er erinnert sich an Vorlieben und Interessen des Kindes. „iPal“ ist keine gefühllose Maschine“, behauptet John Ostrem vom Hersteller AvatarMind. „Er kann Emotionen erspüren und fühlt, wenn das Kind traurig ist.“ Der Roboter, der in rosa oder hellblau angeboten wird, übernimmt auch gleich ein paar vielleicht leidige Erziehungspflichten: Der eingebaute Wecker holt das Kind aus dem Schlaf. Die Wetter-App sagt ihm, was es anziehen soll, und eine Gesundheits-App erinnert ans Händewaschen. „iPal“ wurde vor allem für den chinesischen Markt entwickelt. Ostrem erläutert: „Dort gibt es in den Ein-Kind-Familien viele einsame Kinder, deren Eltern wenig Zeit haben und die einfach niemanden zum Spielen haben.“ Anfang 2016 soll es „iPal“ dort für etwa 1000 US-Dollar (knapp 900 Euro) geben. Quelle: dpa
Wer auf Reisen die Zahnbürste vergessen hat, kann sie bald von einer freundlichen Maschine aufs Zimmer gebracht bekommen. „Relay“, der Service-Roboter, wird in einigen US-Hotels im Silicon Valley getestet. Die Rezeptionistin legt Zahnbürste, Cola oder Sandwich in eine Box im Roboter, dann gibt sie die Zimmernummer des Gastes ein. „Relay“ kann sich selbst den Fahrstuhl rufen – auch wenn er noch ziemlich lange braucht, um wirklich einzusteigen. Er scannt vorher sehr ausgiebig seine gesamte Umgebung, um ja niemanden umzufahren. Vor der Zimmertür angekommen, ruft der Roboter auf dem Zimmertelefon an. Wenn der Hotelgast öffnet, signalisiert ihm „Relay“ per Touchscreen: Klappe öffnen, Zahnbürste rausnehmen, Klappe wieder schließen. „Das Hotel ist für uns erst der Anfang“, sagt Adrian Canoso vom Hersteller Savioke. „Wir wollen „Relay“ auch in Krankenhäuser, Altenheime und Restaurants bringen, einfach überall dahin, wo Menschen essen oder schlafen.“ Quelle: PR
„Budgee“ trägt die Einkäufe und rollt hinterher. Per Funksender in der Hand oder am Gürtel gesteuert, kann er bis zu 22 Kilogramm schleppen, so der US-Hersteller. Er folgt Herrchen oder Frauchen mit mehr als 6 Kilometern pro Stunde. Die Batterie hält angeblich zehn Stunden. „Budgee“ lässt sich zusammenklappen und im Kofferraum verstauen. Die ersten Vorbestellungen werden ausgeliefert, Stückpreis rund 1400 US-Dollar. Quelle: PR
Roboter können nicht nur Einkäufe schleppen, sondern auch für viele Menschen unliebsame Arbeiten im Haushalt abnehmen – und damit sind nicht nur die Staubsaug-Roboter gemeint. Der „PR2“ des Institute for Artificial Intelligence (IAI) der Universität Bremen kann auch in der Küche zur Hand gehen, zumindest in der Laborküche. Quelle: dpa
Ja, heutige Roboter können bereits feinmotorische Aufgaben übernehmen und etwa zuprosten, ohne dass das Sektglas zu Bruch geht. Das ist aber nicht die Besonderheit an diesem Bild. Der Arm rechts gehört Jordi Artigas, Wissenschaftler am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. Der Roboterarm wird von Sergei Wolkow gesteuert – und der war nicht in Oberpfaffenhofen, sondern auf der Internationalen Raumstation ISS, wie im Hintergrund auf dem Monitor schemenhaft zu erkennen ist. Der „Tele-Handshake“ war nach Angaben des DLR ein weltweit einzigartiges Experiment. Quelle: dpa
Solche Aufgaben, wie etwa dieses Zahnrad zu greifen und weiterzugeben, konnte der DLR-Roboter „Justin“ schon 2012. Dass er aus dem All gesteuert wird, ist jedoch neu und bislang einzigartig. Quelle: dpa

Nach dem Ja zum Übernahmeangebot aus China verhandelt der Roboter- und Anlagenbauer Kuka mit weiteren potenziellen Investoren. Auf die Frage, wie sicher gestellt werde, dass der Haushaltsgeräte-Hersteller Midea nicht über die - von der Politik favorisierte - Schwelle von 49 Prozent der Anteile komme, sagte Vorstandschef Till Reuter am Mittwoch in München, dies könne man nur gewährleisten, wenn Andere diese Aktien übernähmen. "Hier gibt es nach wie vor Gespräche." Mit wem verhandelt wird, wollte er nicht sagen. Die Gespräche seien hochvertraulich. Es gehe darum, ob neben den beiden heutigen Großaktionären Voith und Loh weitere langfristige Investoren an Bord kommen.

Übernahmen chinesischer Firmen in Deutschland

Nach der Ankündigung der Übernahmeofferte wurde in der Politik die Sorge vor einem Abfluss deutscher Technologie nach China laut. Die Suche nach einem europäischen Alternativangebot für Kuka blieb indes erfolglos. "Fakt heute ist: Es liegt ein Angebot vor, es gibt kein weiteres Angebot", sagte Reuter. Er verwies darauf, dass die Chinesen sich mit 45, 49 oder 50 Prozent der Kuka-Anteile zufrieden geben würden. "Generell wäre Midea bereit, darüber hinausgehende Aktien zu den gleichen Konditionen anzudienen." Finanzchef Peter Mohnen sagte, es gebe "keinen Mechanismus", wie dies umgesetzt werden könne.

Vorstand und Aufsichtsrat von Kuka hatten am Dienstag den Anteilseignern empfohlen, die 4,5 Milliarden Euro schwere Offerte aus China anzunehmen. "Wir haben einen attraktiven Preis für unsere Aktionäre", sagte Reuter mit Blick auf die gebotenen 115 Euro je Aktie. Er selbst werde die Hälfte seiner etwas mehr als 20.000 Anteilsscheine verkaufen und die andere Hälfte behalten. Finanzchef Mohnen will seine gut 2200 Aktien nach eigenen Angaben komplett abgeben.

Hoffen auf Wachstum in China

Die Vorstände bekräftigten ihren Wunsch, dass die Großaktionäre Voith und Loh an Bord bleiben. Diese lassen sich bisher nicht in die Karten schauen. Kuka-Betriebsratschef Armin Kolb hält "eine gesunde Mischung" aus Großaktionären für das Beste für den Konzern. "Man wird sehr deutlich sehen, wie viel Unternehmertum es im deutschen Mittelstand gibt, oder ob es nur um Geld geht." Durch die Job- und Standortgarantien bis 2023 sei "eine gewisse Beruhigung in der Belegschaft" zu spüren.

Kuka-Chef Reuter betonte: "Es ändert sich für die Mitarbeiter gar nichts." Finanzvorstand Mohnen ging davon aus, dass der Konzern 2023 an seinem Stammsitz Augsburg sogar mehr Beschäftigte haben könnte als jetzt, weil Kuka künftig gemeinsam mit Midea schneller wachsen könne. Bisher war der Plan, 2020 zwischen 4,0 und 4,5 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 7,5 Prozent Marge zu erzielen. "Wir glauben, dass wir diese Ziele schneller erreichen können", sagte Mohnen. 2020 könne man zehn Prozent höher liegen, dies werde aber jetzt in Ruhe analysiert.

Reuter erläuterte, Wachstumschancen gebe es vor allem in China, dem weltgrößten Robotermarkt. Auch die Digitalisierung der Produktion, der Ausbau des Logistikgeschäfts sowie der Einstieg in den Markt für Serviceroboter für zuhause sollen für Schub sorgen. In allen Bereichen sei die Partnerschaft mit dem Haushaltsgeräte-Hersteller Midea von Vorteil. In China werde man das Ziel von einer Milliarde Umsatz früher als 2020 erreichen. Auch im Logistikgeschäft könne man künftig eine Milliarde erlösen, zuletzt waren es rund 600 Millionen Euro.

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