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Sennheiser „Wir wollen in den Hörsälen dieser Welt präsent sein“

Quelle: Presse

Der Audiospezialist Sennheiser hat seine Kopfhörersparte verkauft und konzentriert sich nun auf Bühnen- und Konferenztechnik. Damit endet eine Ära. Die Brüder Andreas und Daniel Sennheiser erklären, wie es weitergeht.

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WirtschaftsWoche: Herr Sennheiser, Sie haben die Kopfhörersparte für 200 Millionen Euro an den Schweizer Investor Sonova verkauft. Warum soll ausgerechnet ein Anbieter von medizinischen Hörsystemen der perfekte Partner für Sennheiser-Kopfhörer sein, die sich gegenüber Billigprodukten aus China und den Premium-Airpods von Apple behaupten müssen?
Daniel Sennheiser: Wir hätten uns keinen besseren Partner als Sonova für unser Consumer Electronics Business wünschen können. Uns verbindet nicht nur die Leidenschaft für einzigartige Audioerlebnisse, wir teilen auch sehr ähnliche Unternehmenswerte und den hohen Anspruch an Produktqualität. Damit haben wir eine hervorragende Basis für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft, denn wir werden gemeinsam unter dem Sennheiser-Markendach arbeiten. Sonova verfügt genau über die Kraft, die notwendig ist, um hochwertige Sennheiser-Produkte im hochdynamischen und wettbewerbsstarken Consumer-Markt noch sichtbarer zu machen.

Sie fokussieren sich nun auf Profi-Technik wie Mikrofone, Bühnen- und Konferenztechnik. In welches Projekt stecken Sie besonders viel Hoffnung?
Andreas Sennheiser: Das ist im Bereich Pro-Audio unsere neue Mikrofonserie Evolution Wireless Digital, die wir Anfang Juni vorgestellt haben. Hier bieten wir ein intuitiv bedienbares System, in dem wir herausragende Technologie und Software verbinden. Damit geben wir Musikern, die keinen Toningenieur haben, die Möglichkeit, herausragenden Sound auf die Bühne zu bringen. Und wir denken natürlich auch darüber hinaus – zum Beispiel in Richtung Remote Workflows und Remote Mixing.

Das heißt?
Andreas Sennheiser: Also Produktionen über verschiedene Standorte hinweg zu ermöglichen, ohne dass zwingend alle Beteiligten live an einem Ort sein müssen. Im Bereich Business Communications konzentrieren wir uns insbesondere auf Universitäten und entwickeln Produkte für Remote Learning and Lecturing. Das ist ein stark wachsender Markt, für den wir herausragende Lösungen entwickelt haben. Unser Ziel ist es, in der Mehrzahl aller Meetingräume und Hörsäle dieser Welt präsent zu sein.

Was haben Sie aus gut 15 Monaten Pandemie gelernt - für sich und Ihr Unternehmen?
Daniel Sennheiser: Wir haben die Auswirkungen der weltweiten Pandemie unmittelbar gespürt - insbesondere auf die Konzert- und Veranstaltungsbranche.  Aber, wir sind deutlich besser durch die Krise gekommen als erwartet, denn wir haben erst gar nicht versucht, langfristige Pläne oder Konzepte zu entwickeln. Stattdessen sind wir auf die verschiedenen Dynamiken der Pandemie in den einzelnen Märkten und Geschäftsfeldern immer mit größtmöglicher Flexibilität und Individualität eingegangen. Mit diesem Ansatz, einer unverändert starken Kundenfokussierung und einem zentralen Kostenmanagement konnten wir bereits Ende 2020 eine deutliche Stabilisierung unseres Geschäftes erreichen.

Was ist Ihre derzeit größte Herausforderung für Sennheiser?
Daniel Sennheiser: Wir sehen, dass es eines heute nicht mehr gibt: Planbarkeit und Vorhersehbarkeit. Wir müssen lernen, mit weniger klaren Strukturen und Daten, schnelle Entscheidungen zu treffen. Hier ist es einerseits wichtig, eine stringente Strategie zu haben. Aber, eine Strategie ist erstmal nur eine Absichtserklärung, man muss jederzeit offen bleiben für die Realität. Als Familienunternehmer tragen wir die Verantwortung für den Fortbestand unseres Unternehmens – über Generationen. Dazu gehört es, mutige Entscheidungen zu treffen, denn Verantwortung heißt eben nicht Wahrung des Status Quo.



Wenn Sie auf die vergangenen 15 Monate zurückblicken – worauf sind Sie besonders stolz?
Andreas Sennheiser: Wir sind unglaublich stolz auf unser gesamtes Team. Alle Mitarbeitenden haben vom ersten Moment der Pandemie an Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft gelebt, sich jederzeit gegenseitig unterstützt. Gemeinsam haben wir mit einer massiven Kraftanstrengung und sehr viel Herzblut, Flexibilität und Kreativität das Unternehmen durch die Krise getragen. Dabei haben wir immer engen Kontakt zu den Kunden gehalten und mit kreativen Konzepten wie #thisisyourcrew, #dontstopthemusic oder #dontstoptheeducation gezeigt, dass wir auch in diesen schweren Zeiten mit großer Leidenschaft an der Seite unserer Kunden stehen.

Mehr zum Thema: Auch in diesem Jahr veranstaltet die WirtschaftsWoche gemeinsam mit ihren Partnern das Gipfeltreffen der Weltmarktführer. Jetzt anmelden.

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