Kochen im Freien: Jetzt läuft die Outdoor-Küche Siebträgermaschine und Luxusgrill den Rang ab
Beim Metzger für die Holzfällersteaks mit der guten Marinade, beim Bäcker für die pikanten Mais-Ciabattas und im Supermarkt für die mit buntem Pfeffer verfeinerte Kräuterbutter. An sonnigen Wochenenden heißt es: schnell sein. Sonst kommen einem die anderen Grillwütigen zuvor und was bleibt, sind ein paar unspektakuläre Weizenbrötchen und Nürnberger.
Die Liebe der Deutschen zum Grill ist eine oft besungene Geschichte. So gaben bei einer repräsentativen YouGov-Umfrage aus dem vergangenen Jahr 72 Prozent der Befragten an, gern zu grillen. Die diesjährige Verbrauchs- und Medienanalyse, eine großangelegte Studie zum Konsumverhalten in Deutschland, ergab, dass lediglich etwa 13 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren nie grillen.
Doch in den vergangenen Jahren hat sich der Trend weiterentwickelt. Weg von: Nur bei schönem Wetter ein leckeres Bratwürstchen. Hin zu: Warum nicht auch meine Pizza im Winter draußen backen? Es boomen die Outdoorküchen, sie sind das neue Statussymbol im Haushalt, nach Siebträgermaschine und Luxus-Gasgrill.
Gegrillt wird auch in der Mittagspause
Martin Klein hat in eine Outdoorküche inklusive Pizzaofen investiert. Der Familienvater sagt von sich, dass er schon begeisterter Brotbäcker war, bevor diverse Rezepte zunächst Social Media und anschließend zahlreiche Küchen überschwemmten. „Während Corona habe ich bestimmt 20 bis 30 Sauerteigansätze an Freunde verschenkt“, sagt Klein.
Tatsächlich ist der Ofen draußen aber eher selten in Betrieb. Ganz im Gegensatz zum Herzstück der Küche auf der Terrasse: dem Gasgrill. Auf dem bereiten Klein oder seine Frau auch öfter Mittagessen für die Kinder zu. Anders als das klassische Modell mit Kohle ist das Grillen mit Gas deutlich schneller vor- und nachbereitet und deshalb auch während der Mittagspause möglich.
Die steigende Beliebtheit der – oft teureren – Gasgrills ist für Volker Irle, Geschäftsführer des Branchenverbandes Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK) einer der vielen Gründe, wieso Menschen immer häufiger auch im Garten eine Küche haben wollen: „Wenn ich mir erstmal einen höherwertigen Gasgrill erlaube, dann ist die Überwindung nicht mehr so groß, noch mehr zu machen“, sagt der Küchenexperte.
Laut Grillfürst, einem der größten deutschen Vertriebe der Branche, geben Kunden für ihre Küche im Grünen durchschnittlich zwischen 10.000 und 15.000 Euro aus. Nach oben ist aber, wie bei allen Dingen, … Na, Sie wissen schon.
Klein konnte sich seinen Gartenwunsch im Vergleich dazu sehr günstig erfüllen. Ein befreundeter Schreiner fertigte seine Küchennische für 1000 Euro. Dazu kamen die Kosten für Grill, Mini-Kühlschrank und Pizzaofen. Das erste Mal in Betrieb nehmen konnte die Familie ihre maßgefertigte Outdoor-Anlage im August vergangenen Jahres. Damit gehört Klein zu einer immer weiter wachsenden Menge an Menschen.
Zwar nahm die Bedeutung der eigenen vier Wände und Gartenfronten schon mit der Corona-Pandemie und den Lockdowns zu. Die Leute waren gezwungen, sich zu Hause einzuigeln, konnten ihr Geld nicht für Reisen oder Restaurantbesuche ausgeben. Also verschönerten sie sich ihr Eigenheim – der Umsatz der deutschen Küchenindustrie erreichte 2022 beispielsweise einen nie dagewesenen Höhepunkt; das Grillgerätegeschäft verzeichnete ein Rekordplus.
Seitdem halten sich die Menschen zurück, die Umsätze waren zunächst leicht rückläufig und stagnieren jetzt. Zum einen machen die vielen Krisen die Verbraucher unsicherer, was Investitionen angeht. Zum anderen sind die meisten erstmal versorgt, wenn sie sich in Pandemiezeiten einen hochwertigen Grill geleistet haben. Irle von der AMK sagt dazu aber, dass das Thema Küche und vor allem Outdoorküche bei Kunden durchaus interessant geblieben sei.
Umsatzplus von bis zu 30 Prozent
Bestätigt wird das durch eine aktuelle Kundenumfrage von Grillfürst: Während erst zehn Prozent der Befragten schon eine Outdoorküche besitzen, plant fast ein Drittel, sich bald eine anzuschaffen. Seitdem der Trend vor etwa fünf Jahren aufkam, verzeichnet Grillfürst nach eigenen Angaben im Bereich Outdoorküche ein jährliches Umsatzplus zwischen 20 und 30 Prozent. „Richtig explodiert ist das Geschäft dann in den vergangenen ein bis zwei Jahren“, sagt Grillfürst-Geschäftsführer Joachim Weber. Im ersten Halbjahr 2025 habe sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht und mache jetzt etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus. Für das kommende Jahr bereitet sich das Unternehmen auf ein ähnlich starkes Wachstum vor.
Von diesem Erfolg wollen nun auch andere profitieren. Während es in Deutschland mittlerweile einige Start-ups gibt, die sich auf den Outdoorküchen-Bereich konzentrieren, ziehen auch klassische Küchenanbieter nach. So hat WMF im vergangenen April seine ersten Küchenelemente für draußen auf den Markt gebracht: „Wir sehen, dass die Nachfrage gerade bei Premium-Kunden immer weiter steigt“, sagt Rebecca Braun, Marketingverantwortliche bei WMF für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Eines der am meisten verkauften Stücke in der neuen Produktpalette ist die Plancha – eine durchgängige Platte, auf der auch Gerichte wie Pfannkuchen oder Rühreier zubereitet werden können. Diese Art, draußen zu kochen, kommt ursprünglich aus Spanien, wo Essen schon um einiges länger zelebriert wird als hierzulande.
Doch auch in Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die Essen nicht nur als reine Nahrungsaufnahme begreifen. So sagt auch Outdoorküchen-Besitzer Klein: „Draußen kochen fühlt sich einfach nach Sommererlebnis an, einfach weniger Alltag.“ Am liebsten würde der Münchener seine Küche noch um ein Waschbecken erweitern, um dreckiges Grillbesteck direkt abspülen zu können. Doch dafür fehlen ihm Platz und Wasseranschluss.
Neben Raum- und Rohrmangel können weitere Probleme auftauchen: „Wenn ich als Kunde meine Küche nach ein paar Jahren erweitern will, sollte der Kühlschrank ja dieselbe Farbe haben wie die Module, die schon seit drei Jahren da stehen“, sagt Grillfürst-Chef Weber.
Dazu müssten die Module aber – trotz Sonneneinstrahlung, Wind, Nebel, Kälte, Hitze – ihre Farbe behalten. Das Problem ist laut Weber gelöst: Die Produzenten hätten die Wetterbeständigkeit mittlerweile im Griff.
So kann, im besten Fall, aus einem Hype etwas Dauerhaftes werden.
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 10. August. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Interesses erneut.