Preisfrage: So setzt sich der Preis für Biokartoffeln zusammen
Ob frittiert, gekocht oder aus dem Ofen: Die Kartoffel gehört zu den beliebtesten Beilagen auf den Tellern der Deutschen. Mit rund 64 Kilogramm pro Kopf konsumierten die Menschen in Deutschland laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) jährlich zuletzt so viele Kartoffeln wie seit zwölf Jahren nicht mehr.
Die gestiegene Beliebtheit zeigt sich auch auf den heimischen Äckern. Rund 12,7 Millionen Tonnen betrug die Kartoffelernte 2024 – der höchste Wert seit 2004. In Deutschland wurden 2024 somit fast 2 Millionen Tonnen mehr Kartoffeln geerntet als noch im Vorjahr.
Auch bei den Preisen ging es in den letzten Jahren aufwärts, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. Verglichen mit dem Jahr 2020 waren Kartoffeln im Januar 2025 rund 15 Prozent teurer, im Juli 2024 lag dieser Wert sogar zeitweise bei fast 70 Prozent. Doch wie setzt sich der Preis für Kartoffeln überhaupt zusammen – und warum schwankt er so stark?
Ein deutscher Onlinebiohändler gibt Einblick in die Preisentwicklung seiner Kartoffeln. Ein Kilogramm kostet den Verbraucher hier 3,30 Euro. 50 bis 60 Prozent des Preises ergeben sich schon im Anbau und der Erzeugung. Hierunter fallen die Kosten für den ökologischen Anbau frei von chemischen Pestiziden, Zertifizierungen und der Einhaltung von Bio-Standards. Hinzu kommen die Arbeitskosten für Pflege, Ernte und Bodenbearbeitung.
20 bis 30 Prozent des Endpreises fallen für die Verpackung und den Transport der Kartoffeln an. Hierzu gehören umweltfreundliche Verpackungsmaterialien sowie der Transport vom Hof zum Händler oder Logistikzentrum.
1,88 €
Anbau und Erzeugung
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0,89 €
Verpackung und Transport
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0,53 €
Händler- und Vertriebsaufschlag
Bild: Imago Images
Angekommen im Handel oder im Logistikzentrum müssen die Kartoffeln gekühlt, gelagert und gegebenenfalls weitertransportiert werden. Das schlägt – zusammen mit den Gewinnmargen der Händler – nochmal mit 10 bis 20 Prozent des Preises zu Buche, den der Verbraucher letztendlich zahlen muss.
Kartoffelernte: Preis hängt vom Wetter ab
Grundsätzlich unterliegt der Preis für Kartoffeln saisonalen Schwankungen und ist stark von den Witterungsbedingungen abhängig. So hat sich im Frühling und Frühsommer letzten Jahres die Frühernte von Kartoffeln in Deutschland wegen des vielen Regens verzögert. Länder wie Ägypten und Israel, aus denen Deutschland Kartoffeln importiert, waren auf den hohen Bedarf nicht eingestellt.
Dieses Zusammenspiel aus mehreren Faktoren kann schnell dazu führen, dass die Nachfrage nach Kartoffeln das Angebot auf dem Markt übersteigt. Die Folge: Die Preise steigen.
Die gegenteilige Entwicklung vollzog sich dann im Spätsommer des vergangenen Jahres. Das überwiegend trockene Wetter sorgte dafür, dass die Erntearbeiten in den meisten Regionen zügig fortschritten. Nun gab es mehr Kartoffeln, als überhaupt nachgefragt wurden, die Preise fielen.
Zum allgemeinen Anstieg der Kartoffelpreise haben auch Entwicklungen bei den Erzeugerpreisen in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren beigetragen. 2024 waren sie rund 115 Prozent höher als noch im Jahr 2020, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen.
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