Preisfrage: Wie sich der Preis für den Führerschein zusammensetzt
Für viele junge Menschen ist der Führerschein die erste große Investition. Mit Konfirmations-, Taschengeld oder dem Minijob finanzieren sie sich ihre Fahrerlaubnis. Doch die Preise steigen: Die Fahranfänger müssen immer mehr zusammensparen. Im Schnitt kostet der Führerschein über 3000 Euro und damit 55 Prozent mehr als noch 2019. Das geht aus dem Branchenbericht des Fahrschulvereins Moving International Road Safety Association hervor.
Auf den Fahrschulrechnungen können die Schülerinnen und Schüler nachvollziehen, wie sich der Gesamtpreis zusammensetzt. Für einen Führerschein Klasse B bestehen Kosten für: Grundgebühr, Kosten pro Fahrstunde, Lehrmaterial, Anmeldung zu der theoretischen und praktischen Prüfung, Erste-Hilfe-Kurs, Sehtest, Passbilder und Führerscheinantrag. Der ADAC hat eine durchschnittliche Übersicht der einzelnen Kostenbestandteile eines Führerscheins im Jahr 2024 erstellt:
Die Academy Go! Fahrschule in Düsseldorf bestätigt, dass ihre Preise sich ähnlich zusammensetzten, wobei die Vorstellungen zu den Prüfungen durch die Fahrschulen in der ADAC-Tabelle ausgelassen seien. Diese betragen für die theoretische Prüfung knapp 50 Euro, für die praktische Prüfung 189 Euro.
Es gibt keinen festen Pauschalpreis für den Führerschein der Klasse B. Laut Angaben des Fahrschulvereins Moving aus dem Jahr 2019 unterscheiden sich die Preise stark zwischen Ost- und Westdeutschland, ländlichen Regionen und Großstädten sowie der Größe der Fahrschule. Die Gesamtkosten hängen auch davon ab, wie viele Fahrstunden ein Fahrschüler benötigt und ob er die Prüfungen beim ersten Versuch besteht.
Wohin fließt das Geld für den Führerschein?
Stark vereinfacht ergeben sich fünf Bestandteile, in die durchschnittlich 3070 Euro fließen: Umsatzsteuer, Personal, Fahrzeug- und fahrzeugunabhängige Kosten und Gewinn. Laut des Branchenberichts von Moving sei der durchschnittliche Gewinn der Fahrschulen im prozentualen Anteil dennoch gleich geblieben – seit 2021 sogar leicht gesunken.
895 €
Personalkosten
+
796 €
Gewinn
+
796 €
Fahrzeuge, Versicherungen, Miete, sonstige Kosten
+
583 €
Umsatzsteuer
=
3070 €
Bild: Bundesdruckerei
Quelle: Moving International Road Association E.V., eigene Recherche
Der Grund für den Anstieg der Führerscheinkosten liegt laut Moving, ADAC und einem Sprecher des Fahrschulfranchises Academy bei den anderen Kostenbestandteilen.
36 Prozent des Nettoumsatzes einer Fahrschule fließen in die Personalaufwendung. Die Personalkosten sind laut Moving seit 2018 um 50 Prozent gestiegen. Die Gehälter seien angehoben worden, um dem Fahrlehrermangel entgegenzuwirken: Bundesweit fehlen über 11.000 Fahrlehrerinnen und -lehrer. Der Anteil der über 60-Jährigen läge in der Berufsgruppe bei 37 Prozent.
Zusätzlich sei die Nachfrage sehr hoch: Prüfungen und Fahrstunden, die während der Corona-Pandemie nicht stattgefunden haben, mussten nachgeholt werden. Laut Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes steigt die Anzahl der durchgeführten praktischen Fahrprüfungen seit der Pandemie weiter an. Zusätzlich ist die Durchfallquote unter den Fahrschülern laut TÜV-Verband sowohl bei der theoretischen als auch bei der praktischen Prüfung gestiegen. Die durchgefallenen Schüler weiter zu unterrichten nimmt weitere Zeit in Anspruch.
15 Prozent des Nettoumsatzes fließen in die Fahrzeuge und damit in Anschaffung, Wartung, Reparatur und Kraftstoff. Die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise sowie neue Anforderungen an die Fuhrparks der Fahrschulen – in denen nun sowohl Schalt- als auch Automatikwagen vorhanden sein müssen – erhöhen die Kosten für die Fahrzeuge laut Moving ebenfalls von im Schnitt 28.000 Euro auf 38.000 Euro pro Jahr.
Fahrschulen müssen sich vor Unfällen durch Fahrschüler absichern. Auch dieser Kostenpunkt ist in den letzten Jahren gestiegen: Laut Vergleichsportal Verivox kostet die Versicherung eines Neuwagens im Schnitt 20 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.
Für die durchschnittlichen Kosten von 3070 Euro heißt das: Die Kostenbestandteile steigen zwar in totalen Zahlen, aber nicht in ihren Anteilen. Die Fahrschulen geben höhere Kosten durch Inflation, Personalmangel, Versicherungen und Fahrzeugkosten an die Fahrschüler weiter.
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