WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Rechtsberatung Anwälte: Die heimlichen Herrscher in deutschen Unternehmen

Seite 5/6

Die Macht des Rechtsberaters war Christian Strenger, Mitglied in der Corporate-Governance-Regierungskommission, die Regeln für gute Unternehmensführung und -kontrolle aufstellt, ebenfalls nicht geheuer. Strenger reichte Klage gegen Koerfer ein. Als Anwalt sei Koerfer wirtschaftlich abhängig von Schaeffler und könne daher nicht unvoreingenommen die Interessen von Continental wahrnehmen. Außerdem geriet Koerfer in die Kritik, weil ihm angeblich die Zeit und die Expertise für den Aufsichtsratsvorsitz bei Conti fehle.

Der Angesprochene kommt in Wallung, wenn er solche Vorwürfe hört. „Dass ein Großaktionär Positionen im Aufsichtsrat mit Personen seines Vertrauens besetzt, ist nicht nur vom Gesetzgeber so vorgesehen, sondern auch gängige Praxis“, hält der impulsive Anwalt dagegen. Im Übrigen sei sein beruflicher Hintergrund sicher nicht von Nachteil gewesen: „Unter meinem Aufsichtsratsvorsitz haben wir wesentliche Fortschritte bei der Corporate Governance gemacht.“ Der Jurist hat eine Geschäftsordnung eingeführt, die sicherstellt, dass der Aufsichtsrat nunmehr in alle wesentlichen Geschäftsvorfälle eingebunden ist.

Graue Eminenzen

Koerfer tritt schließlich den Rückzug an. Als Conti-Chef Neumann durch den Schaeffler-Manager Elmar Degenhart ersetzt wird, gibt er im September 2009 die Leitung des Kontrollgremiums ab – um die Balance zwischen beiden Unternehmen zu halten. Sein Ausflug ins Rampenlicht ist nach wenigen Monaten beendet.

Koerfer sagt heute, dass er die Gemengelage bei Conti falsch eingeschätzt habe. Machtspiele und Eitelkeiten seien aber überwunden: „Wir ziehen jetzt alle am gleichen Strang und in die gleiche Richtung.“ Mittlerweile ist Koerfer von Allen & Overy zur Kanzlei Oppenhoff & Partner gewechselt und fährt nun nach Köln zur Arbeit. Sein Büro liegt in Domnähe, direkt am Rheinufer. Hier kann Koerfer, nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit, endlich wieder ruhig arbeiten. Schaeffler berät der Jurist nach wie vor.

Der elitäre Club der Schattenmänner hat neben prominenten Größen wie Hoffmann-Becking, Rieger, Thoma oderKoerfer weitere Mitglieder. So betrieb der Münchner Wirtschaftsjurist Reinhard Pöllath vor Jahren für die Milliardärsfamilie Herz die Übernahme des Nivea-Konzerns Beiersdorf. Ein Jahr lang leistete Pöllath dazu Überzeugungsarbeit beim Beiersdorf-Großaktionär Allianz und dem damaligen Beiersdorf-Chef Rolf Kunisch.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%