Größter Wirtschaftskrimi der Internet-Szene: Kino.to - die Geschichte eines Millionenreibachs
Der Hauptschuldige - Dirk B. war der Kopf von Kino.to. Er bekennt sich schuldig und erhält 2012 eine Gefängnisstrafe von fast fünf Jahren.
Foto: dpaWenn morgens kurz nach acht der Wecker von Michael Hatscher klingelt, blickt er auf eine gelb angestrichene Wand und Gitterstäbe vor den Fenstern. Hatscher sitzt im Gefängnis, teilt sich zwei 15 Quadratmeter kleine Zimmer mit einem weiteren Häftling. Hier, hinter Stacheldraht in einem Backsteinbau im Zentrum der sächsischen Stadt Zwickau, verbringt der 48-Jährige seine Nächte. Tagsüber darf der gelernte Einzelhandelskaufmann raus, um zu arbeiten – einige Hundert Meter entfernt, von 10 bis 19 Uhr, in einem Handyladen in der Fußgängerzone. Danach hat er noch ein paar Minuten, um bei Rewe um die Ecke Getränke zu kaufen. Spätestens um 19.30 Uhr muss er wieder im Gefängnis sein.
Seit dem 21. März dieses Jahres ist das Hatschers Tagesablauf. Und es soll noch bis Juni 2015 so gehen. Es sei denn, er wird vorzeitig auf Bewährung entlassen.
Vor eineinhalb Jahren noch führte Hatscher ein komfortableres Leben. Er war einer der Köpfe von Kino.to, der wohl erfolgreichsten Internet-Seite Deutschlands. Das Portal galt als erste Adresse, um kostenlos Kinofilme und Fernsehserien am PC zu schauen. In der Spitze tummelten sich vier Millionen Besucher am Tag auf der Web-Site und genossen einen Streifen nach dem anderen. Zur Auswahl standen zuletzt Kopien von 21 000 Kinofilmen, 107 000 TV-Serien-Folgen und 7000 Dokumentarfilmen.
Kino.to machte einen Millionenreibach durch Werbung, die auf der Web-Site lief. Hatscher und seine Kollegen hatten ein ganz „neues Medium neben Fernsehen und Lichtspielhäusern“ geschaffen, sollten Ermittler später feststellen. Kino.to arbeitete so erfolgreich, dass seine Macher sogar erwogen, Ableger im Ausland zu gründen.
Startschuss mit Schuhmacher
Das Geschäft hatte nur einen Nachteil: Es war illegal. Die Filme und TV-Serien auf Kino.to waren allesamt unerlaubt kopiert. Am Ende sollte das Unterfangen als größter Urheberrechtsklau in die noch junge Internet-Geschichte Deutschlands eingehen.
Es ist nach 19.30 Uhr, eigentlich müsste Hatscher längst zurück im Knast sein. Doch heute sitzt er, in Jeans und Hemd gekleidet, in einer Bierkneipe in der Zwickauer Innenstadt und nippt an einer Cola. Er darf länger frei herumlaufen, weil die WirtschaftsWoche der Vollzugsanstalt auf einem Formular bestätigen wird, dass Hatscher seine und die Geschichte von Kino.to erzählt haben wird. Eineinviertel Jahre zuvor, im Februar 2010, hatte die WirtschaftsWoche erstmals Details der Jagd nach Hatscher und seinen Kollegen geschildert.
Hatscher kann sich an jenen Tag, als Kino.to binnen Stunden zusammenbrach, nur noch verschwommen erinnern. Es war Mittwoch, der 8. Juni 2011, als bewaffnete Polizisten seine dreistöckige Luxuswohnung in einer Zwickauer Villa stürmten und der Staatsanwalt Kino.to ein für alle Mal abschaltete. Rund ein halbes Jahr später, am 21. Dezember 2011, verurteilte das Amtsgericht Leipzig Hatscher zu dreieinhalb Jahren Haft.
Wie der Sachse und seine Komplizen es so weit bringen konnten, wie es ihnen gelang, Millionen Deutsche zu Schwarzsehern zu machen, was das runde Dutzend beteiligter Männer und Frauen antrieb und wie sie zu Werke gingen, all das blieb bis heute unter Verschluss. Hatschers Schilderungen sowie die Ermittlungsakten von Polizei und Staatsanwaltschaft zeichnen nun erstmals ein vollständiges Bild dieser großen Online-Bambule gegen die internationale Film- und Fernsehindustrie: eine Melange aus Naivität, Geltungssucht, krimineller Energie und Überheblichkeit, die den Beteiligten am Ende zum Verhängnis wurde.
Marktaussichten
Auch wenn das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) prognostiziert, dass die Zahl der Streaming-Nutzer bis 2018 stetig steigen wird: der Markt ist stark umkämpft, sodass kleinere Anbieter sich nur schwer durchsetzen können. Das haben Dienste wie Simfy bereits leidvoll zu spüren bekommen. Und die Konkurrenz nimmt noch zu.
Apple mit iTunes ist inzwischen auch Amazon mit seinem Musikangebot Prime Music in Deutschland verfügbar. Prime Music ist Bestandteil der Liefer-Flatrate Amazon Prime. Dort erhalten Kunden für eine Einmal-Gebühr von 49 Euro im Jahr die kostenlose Lieferungen eines Großteils des Warenangebots nach Hause.
Das Beispiel belegt: Konzerne wie Amazon oder Apple nutzen die Streaming-Plattformen zur Stärkung ihres Kerngeschäfts und haben daher größere Marktmacht, um sich gegenüber aufstrebenden Unternehmen durchzusetzen.
Foto: CLARK/obsHeute ist der neue Musik-Streaming-Dienst Apple Music in 100 Ländern an den Start gegangen. Die neue Streaming-App erlaubt den Zugriff auf den vollständigen Apple-Music-Katalog mit mehr als 30 Millionen Songs. Für Nutzer des Dienstes sind die ersten drei Monate der Mitgliedschaft kostenlos. Danach wird eine monatliche Gebühr von 9,99 Euro fällig. Für Familien gibt es ein besonders günstiges Angebot: für 14,99 Euro ist der Dienst für bis zu sechs Mitglieder verfügbar.
Gegen diese Anbieter tritt der kalifornische Konzern an:
Foto: dpaDie seit März 2012 existierende Plattform Spotify bietet mehr als 30 Millionen Songs an. Eine Gratis-Version erlaubt das Anhören der Musik mit Werbeunterbrechungen. Zusätzliche Premiumfunktionen wie das Downloaden von Liedern sind wie bei den meisten Streaming-Angeboten kostenpflichtig. Nach eigenen Angaben hat Spotify mehr als 75 Millionen Nutzer, 20 Millionen von ihnen zahlen. Der Streaming-Dienst ist in 58 Ländern verfügbar.
Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich
Foto: WirtschaftsWocheDie Streaming-Plattform Deezer ist vor allem in Frankreich sehr beliebt. 2007 startete sie als erster Gratis-Streamingdienst auf dem Markt. Heute kostet eine Mitgliedschaft, wie auch bei vielen anderen Diensten, Geld. Kostenlos gibt es nur ein Radio-Angebot und Lied-Ausschnitte. Die Plattform ist mittlerweile in mehr als 180 Ländern verfügbar.
Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich
Foto: ScreenshotMit Ampya versucht die ProSiebenSat.1 Media seit 2011 auf dem boomenden Markt der Streaming-Dienste Fuß zu fassen. Beflügelt durch viel Werbung auf den TV-Kanälen des Medienunternehmens zählt Ampya zu den bekanntesten Diensten in Deutschland. 2014 wurde Ampya von Deezer mit dem Ziel übernommen, in Europa noch weiter zu wachsen.
Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich
Foto: ScreenshotSeit 2012 ist WiMP aus der Bethaphase heraus. Gegründet wurde der Musikstreamingdienst in Norwegen, wo sein Mutterkonzern "Aspiro" sitzt. WiMP gibt es bis jetzt in fünf Ländern zu hören: Deutschland, Norwegen, Dänemark, Schweden und Polen. "Aspiro" spielt schon mit dem Gedanken WiMP auch in Finnland, Portugal, Österreich und der Schweiz zu etablieren. Mit einer hohen Sound-Qualität (gegen Aufpreis) und einem eigenen Redaktionsteam, das Musik empfiehlt, will sich WiMP von der Konkurrenz abheben.
Preis: 4,99 bis 19,90 Euro monatlich
Foto: WirtschaftsWocheNapster startete als Musiktauschbörse und wurde schnell zur Plattform für illegale Raubkopien. Auf rechtlichen Druck der Musik-Industrie wurde die Plattform 2001 geschlossen. Der legale Streaming-Dienst gleichen Namens bietet mehr als 25 Millionen Songs und ist damit einer der größten überhaupt. Nach einer kostenlosen Testphase gibt es den Dienst allerdings nur noch gegen Geld.
Preis: 7,95 bis 9,95 Euro monatlich
Foto: APMit Google Play Music mischt auch der Internetgigant beim Musik-Streaming mit. In der Standard-Version können einzelne Musikstücke über Google gekauft oder eigene Mp3s in die Cloud geladen werden. Danach stehen sie zum Anhören über den Stream bereit. Die kostenpflichtige "All inclusive" Version ermöglicht den Zugriff auf Googles Musik-Bibliothek mit mehr als 30 Millionen Titeln. Eine Testversion ist 30 Tage kostenlos verfügbar.
Preis: kostenlos bis 9,99 monatlich
Foto: ScreenshotDie Dienste des aus Ingolstadt stammenden Programms Juke sind nur über iOs und Android abzurufen. Die Plattform bietet zwar ein 14-tägiges Probe-Abo, jedoch nur einen einzigen Kostentarif, in dem alle Premiumfunktionen schon enthalten sind. Durch eine zweiwöchige, kostenlose Probeanmeldung bei Juke hat der User zusätzlich Zugriff auf Mixtapes und diverse Radiosender.
Preis: 9,99 Euro monatlich
Foto: ScreenshotDie nach einem haitischen Tanzstil benannte Musik-Plattform rara bietet, ähnlich wie Rdio, Spotify und co., eine Musikauswahl von rund 22 Millionen Titeln. Auf Wunsch kann der User über rara Songs nach Stimmungslage sortieren und eine Multifunktionsplattform benutzen.
Preis: 4,99 bis 9,99 Euro monatlich
Foto: ScreenshotDie von Skype-Mitgründer Janus Friis ins Leben gerufene Plattform Rdio startete erst 2012 in Deutschland. Mit etwa 32 Millionen Titeln in der Bibliothek und der Verfügbarkeit in 85 Ländern ist sie beim Angebot aber auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.
Preis: 4,99 bis 9,99 Euro monatlich
Foto: ScreenshotSimfy zählte einst zu den Marktführern in Deutschland. Doch das Unternehmen bekam Probleme, die Berliner Betreiberfirma wurde im Frühjahr 2015 aufgelöst. Große Plattenfirmen hatten dem Dienst die Lizenz entzogen. Simfy-Kunden werden an den Konkurrenten Deezer weitergeleitet.
Foto: ScreenshotDie Geschichte von Kino.to beginnt, lange bevor das Portal 2008 zum ersten Mal im Internet auftaucht. Es ist das Jahr 2001. Der deutsche Rennfahrer Michael Schumacher dominiert gerade die Formel 1. Motorsportfan Hatscher, der nach der Wende zwei Fotoläden betrieben und später ein Bowlingcenter und mehrere Spielhallen geleitet hat, ist davon so begeistert, dass er im Web ein Diskussionsforum über die Rennserie startet, in dem sich Formel-1-Fans austauschen können. Mit dem so gewonnenen Wissen über das Internet beginnt der damals 37-Jährige in seiner Freizeit, Speicherplatz für Daten bei Anbietern von Großrechnerleistung anzumieten und gegen Bezahlung weiterzuvermieten. Das Geschäft läuft so gut, dass Hatscher hierzu eine Firma namens Europe-Space Network gründet. Europe-Space prosperiert und sorgt für Hatschers Lebensunterhalt.
Irgendwann zu jener Zeit berichtet Dirk B. aus Leipzig einem Europe-Space-Kunden von einem Problem, das er gerade bei einem Projekt im Web hat. Der Europe-Space-Kunde empfiehlt Dirk B., sich an Hatscher zu wenden.
Dirk B. ist damals 29 Jahre alt, von Haus aus Fußbodenleger, wohnt in Leipzig und hat wie Hatscher das Internet als einträgliche Einnahmequelle entdeckt. Dazu baut er gerade eine Online-Tauschbörse namens Saugstube auf. Nutzer können hier Filme und Musik herunterladen und gleichzeitig anderen Stücke anbieten. Dazu benötigt Dirk B. für möglichst wenig Geld einen leistungsfähigen Großrechner, einen sogenannten Server, der für ihn die Daten speichert und verarbeitet.
Der entscheidende Kick
Hatscher, von Dirk B. darauf angesprochen, weiß Rat. Er kennt ein Schnäppchen-Angebot aus den USA. Da Hatscher anders als Dirk B. nicht nur gut Englisch spricht, sondern auch eine Kreditkarte besitzt, schließt er für Dirk B. den Vertrag mit dem US-Anbieter. Hatscher beteuert bis heute, dies gemacht zu haben, ohne zu wissen, was Saugstube.de überhaupt ist. Dirk B. verfügt damals, wie die Staatsanwaltschaft später bestätigt, „wegen einer Firmenaufgabe“ über kein Bankkonto.
Dirk B.’s Saugstube.de floriert. Ende 2002 saugt die Web-Site immer mehr Nutzer an. Zudem zieht Dirk B. zunehmend Werbung auf das Portal. Zum Dank für die Hilfe wirbt er für Hatschers Firma Europe-Space auf Saugstube.de. So profitiert auch Hatscher vom Erfolg. Viel mehr haben beide zu dieser Zeit nicht miteinander zu tun, sagt Hatscher.
In der Liste der teuersten Filme aller Zeiten belegt Avatar den sechsten Platz - mit seinen 237 Millionen US-Dollar an Kosten. Umso mehr dürfte es Fox sich über den Kinokassenerfolg gefreut haben: "Avatar - Aufbruch nach Pandora" nahm an einem Wochenende die Eine-Milliarde-Dollar-Hürde (698 Millionen Euro). Bereits zweieinhalb Wochen nach seinem Kinostart spielte das Science-fiction-Opus von US-Regisseur James Cameron ("Titanic") allein in Nordamerika 352,1 Millionen Dollar ein.
Foto: APMit "Titanic" feierte Cameron im Jahr 1997 seinen größten Erfolg: Vor allem weibliche Fans brachen weltweit in Tränen aus, als Hauptdarsteller Leonardo di Caprio im eiskalten Meer versank. Weltweit spielte der Film rund 1,84 Milliarden Doller ein - die Produktionskosten von 200 Millionen Dollar wirken dagegen geradezu gering.
Foto: 20th Century FoxMit dem finanziellen Erfolg des Blockbusters "Titanic" kann der Klassiker "Terminator 2" nicht mithalten. Immerhin spielte der Actionfilm bereits am ersten Wochenende rund 32 Millionen US-Dollar ein. Insgesamt zahlten Fans von "Terminator 2" auf der ganzen Welt rund 520 Millionen Dollar für Kinokarten, Poster und andere Merchandise-Artikel. Die Produktionskosten summierten sich auf rund 120 Millionen, etwa halb so viel wie die Produktionskosten von "Titanic".
Foto: dpaAuch der Vorgängerfilm aus dem Jahr 1984 wurde für Cameron zum Erfolg. Mit "Terminator" erwirtschaftete der damals noch recht junge Regisseur einen weltweiten Umsatz von rund 80 Millionen Dollar - ein hoher Betrag im Vergleich zum recht bescheidenen Budget von 6,4 Millionen Dollar. Auch heute gilt "Terminator" noch als Kultfilm; die Hauptrolle als schießwütiger Cyborg verhalf Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger zum Durchbruch.
Foto: 20th Century FoxSchauspielerinnen Sigourney Weaver und Carrie Henn auf der Flucht vor mörderischen, schleimtriefenden "Aliens". Eine ganze Generation gruselte sich in den Kinosesseln; vor allem das Design der fiesen Außerirdischen wurde zur Legende. Weltweit spielte der Film rund 130 Millionen Dollar ein - bei „nur“19 Millionen Produktionskosten. In den USA war "Aliens" besonders erfolgreich: Dort zahlten Filmfans rund 85 Millionen Dollar für Kinokarten und Merchandise.
Foto: 20th Century FoxZu den älteren Filmen von James Cameron zählt "The Abyss": Der Streifen kam 1989 in die Kinos und spielte auf der ganzen Welt rund 90 Millionen Dollar ein, die Produktionskosten lagen bei 48 Millionen Dollar. Allein am ersten Wochenende zahlten Zuschauer rund 9,3 Millionen Dollar. Der Unterwasser-Thriller erhielt einen Oscar für die besten Spezialeffekte. Das Bild zeigt die Hauptdarsteller Ed Harris und Mary Elizabeth Mastrantonio.
Foto: 20th Century Fox„The Dark Knight Rises“ (2012) hatte ein Budget von rund 250 Millionen Dollar. Bei den Batmann-Filmen wird generell nicht an den Produktionskosten gespart: „Batman Begins" hatte bereits ein horrendes Budget von rund 150 Millionen US-Dollar.
Foto: dapd
Es scheint als hätte James Cameron ein Händchen für erfolgreiche Filme. Und geht dabei sparsam vor. Andere Erfolgsfilme gingen deutlich weniger ökonomisch mit dem Geld der Investoren um. Teurer als "Avatar" und damit auf Platz fünf der teuersten Filme aller Zeiten platzierten sich die beiden letzten Teile der Harry-Potter-Reihe. Für „Die Heiligtümer des Todes“ und „Der Halbblutprinz“ zahlte Warner Bros. 250 Millionen US-Dollar. Doch bereits nach acht Tagen hatte das Finale des kleinen Zauberlehrlings die Kosten wieder eingespielt.
Foto: rtrPlatz 3 für Teil 3: Schauspieler Tobey Maguire verlieh dem Comic-Helden "Spider-Man" so viel Einfühlungsvermögen und Verletzlichkeit, dass der Actionfilm auch in der Damenwelt gut ankam. Unter der Regie von Sam Raimi war der dritte und letzte Teil der erfolgreichste Spider-Man-Film und spielte weltweit über 890 Millionen Dollar ein. Die Kosten für die Produktion beliefen sich dafür auch auf über 258 Millionen Dollar.
Foto: rtrDisney knüpfte mit „Rapunzel - Neu verföhnt“ an die alte Märchen-Tradition an und scheute dabei keine Kosten. Mit rund 260 Millionen Dollar liegt der Animationsfilm auf Platz 2 der teuersten Filme aller Zeiten. Dem gegenüber steht ein weltweites Einspielergebnis von rund 570 Millionen US-Dollar.
Foto: dapdHollywood-Star Johnny Depp in der Rolle des Captain Jack Sparrow in der vierteiligen „Fluch der Karibik“-Reihe. Das Piratenepos von Produzent Jerry Bruckheimer schrieb Hollywoodgeschichte: Der dritte Teil „Am Ende der Welt“ ist mit einem Filmbudget von 300 Millionen US-Dollar der teuerste Film aller Zeiten. Eingespielt hat er immerhin rund 960 Millionen Dollar. Foto: Disney Enterprises/Peter Mountain
Foto: dpaDoch das soll sich ändern. 2004 hat Dirk B. wieder Probleme mit dem Internet. Der Server des Anbieters in den USA reagiert ihm zu langsam. Dirk B. sucht nach » » einer Alternative. Wieder ist es Hatscher, der hilft. Hatscher verhandelt via Skype-Videokonferenz mit Rechenzentren und wird fündig. Daraufhin verlagert Dirk B. den Betrieb von Saugstube.de auf einen Großrechner in Holland.
Der Wechsel ins europäische Nachbarland erweist sich für Dirk B. als Glücksgriff. Der Umsatz von Saugstube wächst rasant, ebenso die Zahl der Nutzer. Dirk B. entscheidet, sein Geschäft zu professionalisieren. 2005 reist er nach Lloret de Mar an der spanischen Costa Brava. Dort gründet er die Firma PAD Medianet, eine Kapitalgesellschaft, die als Hülle für die Geschäfte seiner Web-Site und künftiger Internet-Unternehmen dienen soll. Dirk B. entscheidet sich für den Firmensitz in Spanien unter anderem, weil die Behörden dort als weniger aktiv bei Internet-Delikten gelten.
Anbieter: Apple
Inhalte: Kinofilme, TV-Serien, Dokus
Titel: 45.000 Filme, 90.000 TV-Episoden weltweit
Technik: VoD & Kauf; Download & Stream auf PC/Mac und iOS-Geräte, TV über Apple TV
Leihdauer: max. 30 Tage, ab Start 48 Stunden
Preis/Film: 2,99-3,99 € , 3,99-4,99 € (HD)
Info: Kauffilme lassen sich nicht auf DVD brennen
Foto: ScreenshotAnbieter: Google
Inhalte: Kinofilme
Titel: einige Hundert
Technik: VoD; Download & Stream auf PC, Android App
Leihdauer: max. 30 Tage, ab Start 48 Stunden
Preis/Film: 2,99-3,99 €; 3,99-4,99 € (HD)
Info: Noch geringes Angebot
Foto: ScreenshotAnbieter: Google
Inhalte: Kinofilme, TV-Serien
Titel: rund 30
Technik: VoD, Stram
Leihdauer: unbegrenzt
Preis/Film: frei
Info: Winziges Angebot, Oldie Titel, werbefinanziert
Foto: ScreenshotAnbieter: Amazon
Inhalte: Kinofilme, TV-Serien
Titel: rund 2500
Technik: VoD; Stream, iOS-App, PS3-App, Sony-Smart-TV-App
Leihdauer: unbegrenzt
Preis/Film: Flatrate 6,99 €/Monat
Info: Besonderes Preismodell
Foto: ScreenshotAnbieter: ProSiebenSat1
Inhalte: Kinofilme, TV-Serien, Dokus, Konzerte
Titel: rund 45.000
Technik: VoD & Kauf; Download & Stream auf PC/Mac, Smart-TV-Aps
Leihdauer: max. 30 Tage, ab Start 48 Stunden
Preis/Film: 1,99-3,99 €; 2,99-4,99 € (HD); Flatrate ab 9,99 €/Mo.
Info: Verfügbar für fast alle Smart-TV; kein DVD-Brennen
Foto: ScreenshotAnbieter: Media Saturn Holding
Inhalte: Kinofilme, Dokus, Konzerte
Titel: rund 7000
Technik: VoD & Kauf; Stream, Smart-TV-App über Set-Top-Box
Leihdauer: max. 30 Tage, ab Start 48 Stunden
Preis/Film: 0,99-3,99 €; 1,49-4,99 € (HD)
Info: Wiedergabe auf DivX-fähigen Geräten
Foto: ScreenshotAnbieter: Microsoft
Inhalte: Kinofilme
Titel: einige Hundert
Technik: VoD; Stream
Leihdauer: unbegegrenzt
Preis/Film: frei
Info: Vorwiegend ältere Filme der 50er bis 70er Jahre
Foto: ScreenshotAnbieter: ProSiebenSat1
Inhalte: TV-Serien, Kinofilme, Konzerte
Titel: rund 1600
Technik: VoD; Stream auf PC und iOS-Geräten
Leihdauer: unbegrenzt
Preis/Film: frei
Info: Schwerpunkt Eigenproduktionen
Foto: ScreenshotAnbieter: RTL-Gruppe
Inhalte: TV-Sendungen, TV-Serien, Nachrichten
Titel: rund 17.000
Technik: VoD; Stream auf PC, Smartphone-App
Leihdauer: 24 - 48 Stunden
Preis/Film: 7 Tage frei, dann 0,99-2,49 €; Serien-Abo 4,99 €
Info: Schwerpunkt Eigenproduktionen
Foto: ScreenshotAnbieter: Deutsche Telekome
Inhalte: Kinofilme, TV-Serien, Dokus, Konzerte
Titel: rund 15.000
Technik: VoD & Kauf; Download & Stream auf PC/Mac, Samsung-Smart-TV-App
Leihdauer: 48 Stunden
Preis/Film: 0,99-4,99 € nach Qualität; Flatrate ab 4,99 €/Monat
Info: Kauffilme lassen sich nicht auf DVD brennen
Foto: ScreenshotIn den kommenden drei Jahren treffen sich Hatscher und Dirk B. immer häufiger, reisen gemeinsam nach Spanien, freunden sich an. Hatscher hilft Dirk B. gar, eine Wohnung in Lloret de Mar einzurichten.
Den entscheidenden Kick bekommt die Freundschaft im April 2008, als Dirk B. Hatscher in sein neues Wunderwerk einweiht. Er habe, so Dirk B., eine ganz neue Seite programmieren lassen, „etwas mit Streaming“. Hatscher behauptet, zu diesem Zeitpunkt technisch nicht auf der Höhe der Zeit gewesen zu sein. „Ich wusste gar nicht so recht, was Streaming ist“, sagt er heute über die Technologie, bei der Nutzer wie bei YouTube Internet-Videos in Echtzeit abspielen können. Dirk B. nennt seine neue Web-Site Kino.to. Den Namen hatte er sich schon 2006 gesichert. Die Internet-Seite ist im Südsee-Staat Tonga registriert, unter falschem Namen und falscher Adresse.
Die Idee für das Streaming-Portal Kino.to hatte jedoch nicht Dirk B. Sie stammt von einem jungen Wiener Internet-Unternehmer namens Valentin Fritzmann. Das sagte der spätere Kino.to-Technikchef Bastian P. vor Gericht in Leipzig. Fritzmann habe ihm von Web-Sites wie Kino.to in den USA berichtet, die sehr erfolgreich liefen.
Der Österreicher sorgt dafür, dass Kino.to zum Millionengeschäft wird. Er bucht binnen kurzer Zeit den größten Teil der Werbefläche auf der Web-Site. Dafür überweist er Dirk B. jeden Monat um die 150 000 Euro. Laut Hatscher kommt der Umsatz von Kino.to anfangs fast ausschließlich von Fritzmann, erst später auch von anderen Werbekunden.
Immer krimineller
Dirk B. weiß, mit wem er sich einlässt. Mindestes einmal reist er nach Wien, um Fritzmann zu treffen. Die Firmengruppe des Österreichers und seines Vaters Robert steht nicht nur hinter einem beliebten deutschen Internet-Portal für Hacker und Raubkopierer namens Gulli.com. Das Familienunternehmen verdient sein Geld auch damit, ahnungslosen Internet-Nutzern Abos für Software zu verkaufen, die sie eigentlich kostenlos haben könnten. Daneben betreibt Fritzmann ein Callcenter, um die Überweisungen dafür einzutreiben. Gelingt das nicht, setzt er Anwälte auf die Opfer an. Dirk B. stört sich an Fritzmanns Geschäften nicht, Hauptsache, das Geld fließt.
Und das tut es. Kaum freigeschaltet, erweist sich Kino.to als Bombenerfolg. Nach nur zwei Wochen bringt es die Web-Site auf 40 000 Besucher pro Tag. Mehrfach bricht das Portal unter dem Ansturm zusammen. Dirk B. braucht noch mehr Server, Hatscher hilft und wird damit für Dirk B.’s Kino.to zur Hebamme. „Ich habe in Amsterdam neue Server gemietet, das war die Geburtsstunde von Kino.to“, sagt Hatscher. Dass dies zugleich der Zeitpunkt ist, an dem er sich endgültig strafbar gemacht hat, wird Hatscher sich in gut drei Jahren vorhalten lassen müssen.
Zunächst plagen die zwei jedoch andere Probleme. Alles läuft zu provisorisch. Dirk B. kopiert von Hand Internet-Links zu raubkopierten Filmen in eine Datenbank. Die Links klaut er sich von anderen Web-Sites meist aus den USA zusammen. Was fehlt, ist eine echte Benutzeroberfläche für Kino.to, in die Dirk B. geklaute Filme problemlos einpflegen kann. Das Problem löst Bastian P., der bei Hamburg wohnt. Bastian P. und Dirk. B kennen sich seit der Schulzeit. Bastian P. arbeitet immer mal wieder für Dirk B., erst neben dem Philosophie-Studium, später Vollzeit.
Auf Bastian P. geht die erste Version der Web-Site Kino.to zurück. Durch ihn erlebt Kino.to den endgültigen Durchbruch. Nun können Nutzer selbst Filme einstellen. Dazu müssen sie sich über ein elektronisches Kontaktformular die Freigabe bei den Kino.to-Betreibern besorgen. Die Entscheidung, wer Kino.to mit geklautem Material versorgen darf, trifft ein Kreis von acht zentralen Personen, die mittlerweile bei Kino.to mitwirken. Zu ihnen zählen neben Hatscher und Dirk B. auch Bastian P. und die Eheleute Karin und Bernd N., die aus einem kleinen ostfriesischen Dorf stammen und als Angestellte für Kino.to arbeiten.
MacGyver (1985-1992)
Der von Richard Dean Anderson gespielte Tüftel-Held aus der Fernsehserie wird jetzt von Mercedes reaktiviert - als Werbeträger für einen neuen Mini-Van. In den 80er Jahren begeisterte er Fernsehzuschauer durch seine Fähigkeit zur praktischen Anwendung der Naturwissenschaften mit alltäglichen Gegenständen. Statt Schusswaffen zu nutzen kam er meist mit Klebeband und einem Schweizer Messer aus.
Foto: dpaMiami Vice (1984-1989)
Cooler und attraktiver als James "Sonny" Crockett (Don Johnson) war seinerzeit kein Fernseh-Polizist. Gemeinsam mit seinem Partner Ricardo "Rico" Tubbs (Philip Michael Thomas) brachte er der Drogen-Mafia von Miami schwerste Verluste bei. 2006 gab es eine Kino-Fassung mit Colin Farrell in der Hauptrolle.
Foto: dpaCHiPs (1977-1983)
Die Handlung in dieser Serie um die Motoradpolizisten der California Highway Patrol war stets völlig belanglos. Aber Erik Estrada als Officer Francis Llewellyn "Ponch" Poncherello und sein Partner Officer Jonathan "Jon" Baker (Larry Wilcox) trugen hautenge Uniformen, weshalb die Serie in der Schwulenszene auch heute noch großen Anklang findet.
Foto: dpaA-Team (1983-1987)
In den 70er und 80er Jahren wurden viele Fernsehhelden als Vietnam-Veteranen vorgestellt. Das "A-Team" sind vier ehemalige Soldaten, die Menschen in Notlagen helfen – dabei aber selbst von der Militärpolizei gejagt werden. Sie ballern zwar stets aus allen Rohren, aber wie in allen Actionserien dieser Art werden Menschen nie ernsthaft getroffen.
Foto: dpaKnight Rider (1982-1986)
Die Rolle des Michael Knight machte David Hasselhoff zum weltweit bekannten Fernsehgesicht. Der eigentliche Held der Serie war allerdings das sprechende Super-Auto "KITT". Michael und KITT brachten gemeinsam im Auftrag der "Foundation für Recht und Verfassung" so manchen Übeltäter hinter Gittern.
Foto: dpaMagnum (1980-1988)
Auch Thomas Sullivan Magnum IV. (Tom Selleck) ist ein früherer Soldat, der sich als Privatdetektiv ein erstaunlich luxuriöses Leben auf Oahu, Hawaii, leistet. Er lebt im Gästehaus eines berühmten Schriftstellers, der selbst jedoch nie zu sehen ist. Der Witz der Serie entsteht aus der Streitereien mit dem Verwalter des Anwesens, Jonathan Quayle Higgins III. (John Hillerman).
Foto: WirtschaftsWoche, dpa
Der Mann aus Atlantis (1977-1978)
Den wohl unglaubwürdigsten Serienheld jener Zeit spielte Patrick Duffy. Er kam auf nie ganz geklärte Art und Weise aus einem untermeerischen Atlantis, konnte schneller als ein Delfin schwimmen (dank seiner Schwimmhäute!) und reiste unter anderem auch mal in das Italien des 16. Jahrhunderts. Die Serienfolgen wurden immer abstruser und bald wollten die Zuschauer das nicht mehr sehen.
Foto: GemeinfreiEin Colt für alle Fälle (1981-1986)
Lee Majors war bereits als "6-Millionen-Dollar-Mann" mit bionischen Gliedmaßen ein Held. In die Fernsehgeschichte ging er aber vor allem als Stuntmann Colt Seavers ein, der nebenbei zusammen mit seinem tollpatschigen Neffen Howie (Douglas Barr) und der überaus attraktiven Jodie (Heather Thomas) stets unschuldige Kautionsflüchtlinge einfängt. Den Titelsong "The Unknown Stuntman" hatte Produzent Glen A. Larson geschrieben und Majors selbst gesungen.
Foto: dpaDrei Engel für Charly (1976-1981)
Drei unglaublich attraktive Detektivinnen lösen ihre Fälle im Auftrag von Charly Townsend. Der Witz war, dass Charly immer nur aus einem Lautsprecher sprach und nie zu sehen war. Aber wen interessierte schon Charly, wenn man Farrah Fawcett, Kate Jackson und Jaclyn Smith zusammen sehen konnte. Sie waren stilbildend für Mode und Makeup der späten 70er Jahre.
Foto: dpaStarsky & Hutch (1975-1979)
Dave Starsky (Paul Michael Glaser ) und Ken "Hutch" Hutchinson (David Soul) sind zwei coole Bullen in der imaginären Stadt Bay City. Die Serie lebte von den witzigen Dialogen der beiden Helden und ihres Freunds und Informanten Huggy Bear (Antonio Fargas).
Foto: dpa„Am Anfang gingen die Links ohne Kontrolle online, später wurde jeder Link geprüft“, erinnert sich Hatscher. Damit wollen die Kino.to-Macher verhindern, dass Kinderpornos bei ihnen landen und die Polizei die Web-Site ins Visier nimmt.
Je besser das Geschäft mit den Raubkopien läuft, desto mehr wird Kino.to zum richtigen Unternehmen. Bastian P. avanciert zum technischen Leiter. Es erfordert viel Arbeit, die vielen Links zu geklauten neuen Filmen freizuschalten. Dirk B. stellt deshalb Helfer ein. Die Mitarbeiter müssen am Tag je bis zu 3000 Links prüfen und freigeben, dafür zahlt Dirk B. ihnen zwischen 2000 und 3000 Euro pro Monat. Dreimal die Woche tagt via Skype-Konferenz der enge Kreis der Kino.to-Macher. Sitzungen im größeren Kreis finden alle 14 Tage statt.
Während Kino.to boomt, wird Hatscher mit seinem eigenen Unternehmen Europe-Space langsam unzufrieden. Im Juli 2008 laufen die Geschäfte schlecht. Da hat Dirk B. eine Idee. Er fragt Hatscher, erzählt dieser, ob er einen Filehoster einrichten wolle. Das ist ein Internet-Portal, in das Kino.to Filme und Serien direkt einstellen könnte, ohne ständig nur auf andere Videostreamingportale wie Megavideo verlinken zu müssen. Denn Kino.to ist zu der Zeit nicht mehr als eine bessere Internet-Seite mit vielen Links.
Hatscher willigt ein. Binnen zwei Tagen programmiert er den Filehoster Freeload.to. Den ersten Film, den er einstellt, rufen binnen Stunden 2000 Nutzer ab. Es ist der Streifen „Sex and the City“. Keine Woche später steigt die Zahl auf 10 000 Nutzer täglich. Dirk B. und seine Leute werden zu Meistern, illegal kopierte Filme und Tonspuren zu besorgen, meist aus konspirativen passwortgeschützten Internet-Zirkeln. Dort bieten Raubkopierer aus aller Welt, die die Streifen im Kino abgefilmt oder DVD-Prototypen kopiert haben, ihre Beute an.
Gemeinsame Weihnachtsfeier in 2008
Entsprechend konspirativ ist das Klima auch bei Kino.to. Viele Beteiligte kennen sich nur aus Videokonferenzen. Um die Stimmung zu verbessern, lädt Dirk B. im Dezember 2008 zur gemeinsamen Weihnachtsfeier. Die Zugereisten aus ganz Deutschland treffen sich im Steakhouse Escados in der Leipziger Innenstadt. Man spricht über alles Mögliche, nur nicht über Kino.to. Die Teilnehmer sind voneinander so angetan, dass sie sich auch 2009 und 2010 treffen wollen.
Bis dahin lassen es sich die Macher von Kino.to gut gehen. Hatscher erreicht zunächst ein Einkommen von 7000 bis 8000 Euro im Monat, 2009 sind es 15 000 Euro. Der zweifache Vater, der von seiner Frau getrennt lebt, bereist die Welt und ist einen Großteil des Jahres unterwegs: Singapur, Kuala Lumpur, Hongkong, Tokio. Besonders Asien tut es Hatscher an. Auf den Philippinen lernt er seine heutige Freundin kennen.
Zugleich achtet Hatscher darauf, dass er in der Öffentlichkeit nicht allzu sehr auffällt. Er kauft sich einen schlicht wirkenden Audi A4 Avant, allerdings mit 3-Liter-Motor und Vollausstattung. Preis: 70 000 Euro. In sein letztes Domizil vor der Verhaftung, eine repräsentative 175-Quadratmeter-Wohnung über drei Etagen in einer alten Villa mit Aussichtsturm, wird er 2010 ziehen.
Dirk B. als Kino.to-Chef und Eigentümer verdient inzwischen Millionen. Doch ihn zieht es nicht in die große weite Welt, sondern immer häufiger in die spanische Rummelhochburg Lloret de Mar, wo sein Unternehmen PAD Medianet sitzt. Irgendwann entschließt er sich, ganz nach Lloret zu ziehen, 2009 schließlich nach Mallorca.
Hatscher, 48, der Serverbeschaffer für Kino.to wurde zu drei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt.
Foto: Christoph Busse für WirtschaftsWocheAnders als Hatscher wirft Dirk B. mit Reichtum um sich. Er kauft sich Luxuskarossen: erst einen Audi Q7, dann einen Audi Q7 V12 und einen Mercedes G AMG, kurz vor seiner Verhaftung noch den Supersportwagen Audi R8. Und er legt sich eine Kreditkarte nach der anderen zu. „Als Kompensation dafür, dass er anfangs keine hatte“, sagt Hatscher. „Ich habe versucht, auf dem Teppich zu bleiben, und ihn immer gewarnt, nicht so viel Aufsehen zu erregen.“
Fühlen sich Dirk B., Hatscher und Bastian P. anfangs vor Verfolgern sicher, kommen sie im Laufe des Jahres 2009 zunehmend in die Bredouille. Beim Serverbetreiber Euroaccess in Holland, mit dessen Hilfe Kino.to die Raubkopien unter die Internet-Nutzer bringt, beschweren sich immer mehr Filmstudios und Verleiher über Urheberrechtsverletzungen. Zudem verklagt die holländische Antipiraterie-Organisation BREIN den Serverbetreiber.
Serien gehören zu den beliebtesten illegalen Downloads auf P2P-Plattformen. Die Experten von Torrentfreak haben das Downloadverhalten untersucht und sind zu interessanten Ergebnissen gekommen. Ermittelt wurden sowohl die Internet- als auch die Fernsehzuschauerzahlen der jeweiligen Top-Episoden einer Serie.
Foto: dpaPlatz 10: Revolution
Eine Welt ohne Strom ist heutzutage kaum vorstellbar. Wie so eine Welt aussehen könnte, zeigt die Science-Fiction-Serie Revolution, die auf dem amerikanischen TV-Sender Network NBC ausgestrahlt wird. Die Serie wird seit dem 17. September 2012 in den USA gesendet. Die erste Staffel wurde zunächst auf 13 Episoden angesetzt, starke Einschaltquoten bewogen NBC dazu sie auf 22 zu erweitern.
Torrent-Downloads: 2.130.000
Fernsehzuschauer: 11.650.000
Foto: dapdPlatz 9: Fringe – Grenzfälle des FBI
Die Mystery-Serie wird seit dem 9. September 2008 auf dem Murdoch-Sender Fox ausgestrahlt. In Deutschland wurde die Serie zum ersten Mal am 16. März 2009 auf ProSieben gezeigt. Die Serie läuft in Amerika derzeit in der fünften und auch letzten Staffel. Insgesamt wurden 100 Folgen gedreht.
Torrent-Downloads: 2.280.000
Fernsehzuschauer: 3.120.000
Foto: CLARK/obsPlatz 8: Dr. House
Krankenhausserien gibt es wie Sand am Meer. Dr. House war allerdings etwas anders als die üblichen Arztserien. House, gespielt vom britischen Schauspieler Hugh Laurie, war kein Arzt der verständnisvollen Sorte, sondern ein misanthropischer Griesgram, dessen trockener Humor Millionen Zuschauer zum Lachen brachte. Gedreht wurden acht Staffeln und insgesamt 177 Episoden. In Deutschland lief am 4. Dezember 2012 die letzte Dr. House-Folge.
Torrent-Downloads: 2.340.000
Fernsehzuschauer: 9.780.000
Foto: dapdPlatz 7: Homeland
Die US-Serie sicherte sich bei der diesjährigen Golden-Globe-Verleihung die Preise in der Kategorie Beste Serie-Drama und Beste Serienhauptdarstellerin-Drama (siehe Foto: Claire Danes). Weitere vier Nominierungen erhielt Homeland für die Verleihung 2013. Die Serie basiert lose auf der israelischen Serie Hatufim und feierte ihre Premiere am 2. Oktober 2011 auf dem US-Kabelsender Showtime.
Torrent-Downloads: 2.400.000
Fernsehzuschauer: 2.360.000
Foto: WirtschaftsWochePlatz 6: The Walking Dead
Die Zombie-Serie versetzt seit 2010 ihre Zuschauer in Angst und Schrecken. Der Schocker basiert auf der gleichnamigen Comicbuchreihe von Robert Kirkman und zeigt den Überlebenskampf einer kleinen Gruppe von überlebenden Menschen. Bisher strahlte der Pay-TV-Sender AMC drei Staffeln von The Walking Dead aus, die Produktion einer vierten Staffel wurde im Dezember 2012 genehmigt.
Torrent-Downloads: 2.550.000
Fernsehzuschauer: 10.870.000
Foto: dapdPlatz 5: Breaking Bad
Wie aus einem gewöhnlichen Bürger ein schwerer Krimineller wird, das zeigt die US-Serie Breaking Bad. Die Premiere der Serie fand am 20. Januar 2008 statt. Hauptdarsteller ist Bryan Cranston, der für seine schauspielerische Leistung in Rolle des Chemielehrers Walter White drei Emmys erhielt. Seit dem 6. Dezember 2012 wird die fünfte und letzte Staffel der Erfolgsserie gedreht.
Torrent-Downloads: 2.580.000
Fernsehzuschauer: 2.980.000
Foto: dapdPlatz 4: How I Met Your Mother
Die US-Sitcom How I Met Your Mother ist eine Dauergast im Ranking der beliebtesten Serien. Sie wird mittlerweile seit 2005 ausgestrahlt und läuft in Amerika derzeit in der achten Staffel. Seit ihrer Premiere konnte die Comedy-Serie fast durchgehend durchschnittlich neun Millionen Zuschauer an die Fernsehschirme locken. Immerhin knapp drei Millionen verfolgen über illegale Kanäle das Geschehen.
Torrent-Downloads: 2.960.000
Fernsehzuschauer: 10.140.000
Foto: HandelsblattPlatz 3: The Big Bang Theory
The Big Bang Theory zeigt das Leben von zwei Physiknerds. Die bitterkomische Serie bedient die gängigsten Klischees über übermotivierte Wissenschaftler. Besonders der spezielle Charakter von Dr. Dr. Sheldon Lee Cooper, gespielt von Jim Parsons, gibt der Serie besonderen Witz. Zurzeit wird in den USA die sechste Staffel ausgestrahlt.
Torrent-Downloads: 3.200.000
Fernsehzuschauer: 15.820.000
Foto: dapdPlatz 2: Dexter
Kann ein Serienkiller ein Serienprotagonist sein? Ja, er kann. Dexter Morgan, gespielt von Michael C. Hall ist so ein Antiheld. Im normalen Leben Familienvater und Forensiker, wird er nachts zum Rächer der Getöteten. Dabei verschwimmt die Grenze zwischen Antiheld und Held. Der Zuschauer muss selbst entscheiden, was er von Selbstjustiz Dexters hält. Untermalt wird die Serie mit einer Reihe von Elementen schwarzen Humors. Sie ist eines der erfolgreichsten Produkte des Kabelsenders Showtime und erfreut sich auch im Internet größter Beliebtheit. Die Showtime-Serie Dexter erreichte per Torrent sogar mehr Zuschauer als über das Fernsehen.
Torrent-Downloads: 3.850.000
Fernsehzuschauer: 2.750.000
Foto: dapdPlatz 1: Game of Thrones
Die Mittelalter-Serie erhielt 2012 einen Golden Globe in der Kategorie Bestes Kostüm. Wie bei Dexter findet auch Game of Thrones mehr Zuschauer im Internet als im Fernsehen. Viele Zuschauer umgehen mit den illegalen Downloads die Kosten für den Pay-TV-Sender HBO auf dem die Serie ausgestrahlt wird. Außerdem gibt es ungeduldige Zuschauer aus Australien, wo die Serie mit einwöchiger Verspätung ausgestrahlt wird, obwohl keine Synchronisation notwendig ist. Von dort werden die meisten Torrent-Downloads verzeichnet.
Torrent-Downloads: 4.280.000
Fernsehzuschauer: 4.200.000
Foto: WirtschaftsWocheDirk B. und inzwischen auch Hatscher spüren, dass es eng werden könnte. Aufhören, berichtet Hatscher, kommt nicht infrage. Stattdessen kommt ihnen der Zufall zur Hilfe. Ein Deutsch-Russe unter ihren Helfern kennt einen Serverbetreiber bei Moskau, stellt den Kontakt zum Unternehmen her. Dirk B. und Hatscher entscheiden daraufhin, mit ihren Kino.to-Daten von Holland nach Russland zu fliehen.
Die Opfer wehren sich
Unterliefen die beiden mit Kino.to bis dahin eher dreist das Urheberrecht, entfalten sie nun ganz gezielt Energie, um staatlichen Verfolgern ein Schnippchen zu schlagen. Hatscher und Bastian P. programmieren die Kino.to-Web-Site so um, dass niemand von Russland aus sie erreichen kann. Damit kann der Server, auf dem Kino.to läuft, auf russischem Staatsgebiet keine Urheberrechte verletzen und von dortigen Behörden auch nicht verfolgt werden.
Zwar halten die Betreiber von Kino.to so erst einmal die russische Staatsmacht auf Abstand. In den Folgemonaten muss Hatscher jedoch immer wieder mit den Russen telefonieren, weil zunehmend Hacker Kino.to so lange angreifen, bis die Web-Site zusammenbricht. Hinter den Attacken steckt meist das Konkurrenzportal Movie2k.to. Hatscher vermutet aber auch, dass einige Videothekenketten, die besonders von Kino.to getroffen sind, Angriffe veranlassen.
Als Hatscher im Februar 2010 in der WirtschaftsWoche liest, wie die Filmbranche Jagd auf Kino.to macht, wird es ihm mulmig. „Es wurde mir klar, dass ich mit Copyrightverletzung Geld verdiene“, behauptet er heute. Gleichwohl gibt er zu, sich schon vorher Scheinadressen in Zwickau ausgedacht zu haben, die er zur Registrierung etwa bei Serverbetreibern benutzt hat. Als die in dem Artikel auftauchten, räumt er zudem ein, „da wurden wir hellhörig, haben unsere Sicherheitsvorkehrungen noch mal verbessert“.
Tatsächlich lassen sich Dirk B., Hatscher und Co. bis zu ihrer Verhaftung im Juni 2011 noch einige „Sicherheitsvorkehrungen“ einfallen, um die Spuren besser zu verwischen. So bezahlt Kino.to die Mitarbeiter, die Filme prüfen und freischalten, bald nicht mehr über Dirk B.’s Firma PAD Medianet im spanischen Lloret de Mar. Denn auch diese wurde in dem WirtschaftsWoche-Artikel ausdrücklich genannt.
Der Jäger - Matthias Leonardy, der Chef der Antipiraterie-Organisation GVU, besorgt in Hollywood Geld, um Verräter zu bezahlen.
Foto: Wirtschaftswoche PrintStattdessen springt Kino.to-Technik-Chef Bastian P. mit seiner Firma Prompt Systems ein. Um an ihr Geld zu kommen, mussten die Mitarbeiter Rechnungen „über angeblich erbrachte Web-Dienstleistungen“ schreiben, heißt es in der Anklageschrift gegen Dirk B. Von November 2010 an zahlt Kino.to die Löhne dann nur noch bar aus.
Derweil wird Dirk B. der Chefposten bei Kino.to zu stressig. Er zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück und überlässt Bastian P. den Job. Der erhält dafür von Kino.to fürstliche 60 000 Euro pro Monat.
Irgendwann im Sommer 2010 fallen die miteinander verheirateten Mitarbeiter Bernd und Karin N. auf. Sie lassen sich von anderen Videoportal-Betreibern bestechen, um deren Filme auf der Kino.to-Web-Site prominenter zu platzieren. Dadurch rufen mehr Nutzer die Filme ab, das fremde Videoportal verdient mehr. Als Dirk B. davon erfährt, gerät er außer sich und feuert die zwei. „Ich habe danach versucht, ihn zu überreden, sie machen zu lassen“, erinnert sich Hatscher, der zu dieser Zeit unterwegs auf den Philippinen und nur via Skype erreichbar ist. Doch ohne Erfolg.
Damit läutet Dirk B. für Kino.to das Totenglöcklein. Denn Bernd und Karin N. schalten auf Rache. Ende 2010 schreiben sie an die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Hinter der von Matthias Leonardy geführten GVU stecken mehrere amerikanische Filmstudios wie Warner, Sony und Disney. In einer E-Mail bietet das Paar Insiderinformationen über Kino.to an und verlangt dafür ein Honorar in Millionenhöhe.
Die Verhaftung rückt näher
Von da an geht alles ganz schnell. Die GVU prüft die Glaubwürdigkeit der Absender. Ein Mitarbeiter trifft sich mit Bernd und Karin N. Sodann treibt die GVU bei ihren Mitgliedern in der Filmbranche einen sechsstelligen Euro-Betrag auf. Bernd und Karin N. erklären sich mit der Summe zufrieden und übergeben das Material. Anfang 2011 stellt die GUV Strafanzeige in Dresden gegen die Betreiber von Kino.to. „Bis zur Verhaftung waren wir sicher“, behauptet Hatscher. „Wir sind am Ende nur aufgeflogen, weil wir aus unseren eigenen Reihen verraten wurden.“
Harte Gefängnisstrafen gegen Raubkopierer gab es zu jener Zeit in Deutschland noch keine. „Ich wusste, dass die GVU auf mich zukommen, Fragen stellen könnte“, sagt er, während er noch mal an seiner Cola nippt. „Für mich war Kino.to aber nie eine strafbare Handlung. Bis zu jenem Moment, als die Polizei in meiner Wohnung stand, hätte ich nie gedacht, dass ich je verhaftet oder gar verurteilt würde.“
Inzwischen sind die meisten Kino.to-Macher verurteilt, Firmengründer Dirk B. zu viereinhalb Jahren Haft, Technik-Chef Bastian P. zu drei Jahren und zehn Monaten. Bisher unbehelligt sind die Österreicher Valentin und Robert Fritzmann.
Hatscher bastelt derweil an seiner Zukunft als Internet-Gründer nach der Entlassung. Jede Minute, die er einen eigenen Computer habe, nutze er dafür, sagt er. Die Benutzeroberfläche seines neuen Portals sei programmiert. „Es hat mit Sprachen zu tun“, deutet er an, „und diesmal ist alles völlig legal.“ Mehr will er noch nicht verraten.