KI-Zweifel bei Nvidia-Zulieferer: Foxconn setzt alles auf KI
Der Quartalsgewinn des als Foxconn bekannten taiwanesischen Chip-Zulieferers Hon Hai Precision Industry enttäuscht den Markt. Im vierten Quartal des Finanzjahrs 2024 blieb er hinter den Schätzungen der Analysten zurück, da die schwachen iPhone-Verkäufe in China das Ergebnis belasteten und das Unternehmen mehr in die Produktion von KI-Servern investierte. Laut den Finanzzahlen sank der Nettogewinn im vierten Quartal um 13 Prozent auf umgerechnet 1,4 Milliarden Dollar (46,3 Milliarden Taiwan-Dollar). Analysten hatten hingegen einen Anstieg um 2,3 Prozent erwartet.
Der Vorstandsvorsitzende Young Liu erklärte, dass sein Unternehmen keine Verlangsamung der Nachfrage nach KI-Servern von Cloud-Service-Anbietern feststelle. Vielmehr prüfe es Möglichkeiten, die Produktion in mehreren US-Bundesstaaten auszuweiten – und damit das Ziel von US-Präsident Donald Trump zu unterstützen, die Produktion zurück nach Amerika zu verlagern.
Foxconn ist zwar als iPhone-Fertiger bekannt, ist jedoch auch ein wichtiger Hersteller von Servern für Nvidia. Die Serverproduktion ist parallel zum Boom der Nachfrage nach Nvidia-Chips, die die KI-Entwicklung vorantreiben, gewachsen. Der Großteil des Umsatzes wird jedoch nach wie vor mit iPhones erzielt, und Apple meldete im Weihnachtsquartal einen überraschenden Rückgang der Verkäufe seines Vorzeigeprodukts. Entsprechend verlangsamten sich auch die Foxconn-Verkäufe im Dezemberquartal.
Während große Tech-Firmen von Microsoft bis Amazon weiter kräftig in Rechenzentren investieren wollen, hat der Aufstieg des chinesischen Start-ups DeepSeek Zweifel daran geweckt, ob all diese Ausgaben gerechtfertigt sind. Foxconn, das von riesigen Produktionsstätten in China aus Elektronik in die ganze Welt liefert, hat zudem mit der Ungewissheit über die Zölle der Trump-Administration im laufenden Jahr 2025 zu kämpfen.
Aus Sicht der Bloomberg-Analysten Steven Tseng und Sean Chen könnte der Rückgang im Smartphone-Bereich auf einen Modellwechsel zurückzuführen sein, entsprechend besteht die Hoffnung, dass es im ersten Quartal des Jahres 2025 wieder aufwärts geht.
Die Experten bleiben für den Bereich KI optimistisch: „Die starken Aussichten für KI-Server sollten die schleppenden iPhone-Verkäufe in diesem Jahr auszugleichen“, sagte Tseng. „Wir gehen davon aus, dass das Cloud-Hardware-Geschäft in diesem Jahr mehr als 40 Prozent des Foxconn-Umsatzes ausmachen wird, verglichen mit 30 Prozent im Jahr 2024, während der Anteil der intelligenten Unterhaltungselektronik, der hauptsächlich aus iPhone-Verkäufen besteht, von 46 Prozent im Jahr 2024 auf unter 40 Prozent fallen wird.“
Die Foxconn-Erlöse sind in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um 25 Prozent gestiegen und damit schneller als im letzten Jahr. Dies spiegelt den Quartalsumsatz von Kunde Nvidia in Höhe von 11 Milliarden US-Dollar wider, den das Unternehmen mit seinem fortschrittlichsten Blackwell-Chip erzielte. Der Chiphersteller bezeichnete dies als „schnellsten Produktanstieg“ in der Geschichte des Unternehmens.
Foxconn hat derweil seine Investitionen in den USA ausgebaut, um dort mehr KI-Server herzustellen. Letzten Monat gab Apple eine Kooperation zur gemeinsamen Produktion von Servern in Houston bekannt, auf denen die Apple-KI Apple Intelligence laufen soll.
„Wir sind aktiv dabei, unsere früheren Erfahrungen mit der Globalisierung zu reproduzieren und uns auf die Produktion in den USA zu konzentrieren“, so Vorstandschef Liu in einer Telefonkonferenz mit Analysten. „Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Kunden, um unsere Produktionskapazitäten anzupassen.“ Zeitgleich bauen die Taiwaner auch in Mexiko die nach eigenen Angaben größte KI-Server-Montageanlage der Welt.
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