Kryptowährungen: Dieser Trend könnte das Comeback von Ether einläuten
Wer Geld in Ether investiert hat, konnte sich in den vergangenen Jahren nicht wirklich freuen. Der Kurs der zweitgrößten Kryptowährung ist allein im vergangenen Jahr um 40 Prozent gesunken – während Bitcoin und Co. im selben Zeitraum deutlich zugelegt haben.
Seit einigen Wochen notiert Ether sogar immer wieder unter der Marke von 2000 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit über zwei Jahren.
Der Abverkauf kam mit Ansage, meinen einige Analysten – und berufen sich dabei auf die Charttechnik. Mit ihr versuchen Marktbeobachter, anhand früherer Kursentwicklungen künftige Bewegungen zu antizipieren.
Vor kurzem kam es im Ether-Chart zu einem Kursmuster, das für Analysten den Beginn eines weiteren Abwärtstrends voraussagt: zu einem „Death Cross“, einem „Todeskreuz“.
Todeskreuz und Krisen-Alarm: War’s das jetzt mit Ether?
Davon spricht man, wenn die 50-Tage-Linie – also der Durchschnittskurs der vergangenen 50 Handelstage – die 200-Tage-Linie von oben nach unten kreuzt. Charttechniker sehen darin ein Zeichen für weiter sinkende Kurse.
Und in der Tat: Seit das „Todeskreuz“ zu sehen ist, hat Ether mehr als ein Fünftel an Wert abgegeben.
Zuletzt stand der gesamte Kryptomarkt unter Druck. Die Sorge vor einer anhaltend strafferen Geldpolitik traf zinssensible Digitalwährungen, ebenso wie die geopolitischen Unsicherheiten unter US-Präsident Donald Trump.
Bei Ether kommen allerdings weitere Probleme hinzu. Sie hängen mit dem System hinter der Kryptowährung zusammen und belasten den Kurs zusätzlich. Ether ist die Digitalwährung der Blockchain Ethereum. Die Blockchain ist das dezentrale Datenprotokoll, mit dem Transaktionen abgewickelt werden. Viele andere Krypto-Projekte nutzen die Ethereum-Blockchain, um eigene Anwendungen zu programmieren – sogenannte Layer-2-Netzwerke wie Arbitrum oder Base.
„Die Roadmap von Ethereum ist richtig“
Seit einer Systemumstellung im vergangenen Jahr – dem sogenannten Dencun-Update – wickelt Ethereum viele Transaktionen von diesen Layer-2-Netzwerken nicht mehr über das eigene Netzwerk ab, sondern über sekundäre Netzwerke. Das Ziel: Das Ethereum-Ökosystem günstiger und effizienter zu machen. Mittlerweile haben sich mit zum Beispiel Solana nämlich andere Krypto-Projekte etabliert, die deutlich günstiger sind als Ethereum.
Das Update hat dazu geführt, dass Ethereum über das Hauptnetzwerk weniger Gebühren einnimmt. Die Einnahmen über die Layer-2-Netzwerke kompensieren den Rückgang derzeit nicht. Laut dem Analyseportal The Block sind die Transaktionskosten bei Ethereum auf ein Vier-Jahres-Tief gesunken.
Barbara Schlyter, die den Bereich digitale Produkte bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS verantwortet, hält das Dencun-Update dennoch für notwendig. „Mittel- bis langfristig ist die Roadmap von Ethereum richtig. Wenn Ethereum die Basis-Infrastruktur für verschiedene Industrien werden will, müssen Transaktionen günstiger werden“, sagt sie. Genau dieser Schritt könnte nun wichtig werden für das Comeback von Ether.
Im Schatten der schwachen Kursentwicklung zeichnet sich nämlich ein Trend ab, von dem Ethereum und darauf basierende Krypto-Projekte bereits profitieren – und bei erfolgreicher Skalierbarkeit höhere Umsätze generieren könnten: die Tokenisierung.
Dieser Trend könnte Ether beflügeln
Die Idee hinter der Tokenisierung ist, dass materielle und immaterielle Güter in digitale Token auf der Blockchain umgewandelt werden. Ein Beispiel: Ein Anleger will in eine Ferienimmobilie investieren, hat aber nur ein kleines Budget. Die Immobilie wird nun in mehrere Token aufgeteilt, die dann zum Handel angeboten werden. So können auch Interessenten mit wenig Geld einsteigen.
Mehr noch: „Die Tokenisierung ist einer der Anwendungsfälle, hinter denen sehr viel Hoffnung steht, dass sie den Finanzmarkt effizienter machen könnten“, sagt DWS-Expertin Schlyter. Letztlich ließen sich auch Aktien und andere Kapitalmarktprodukte tokenisieren.
Der Vorteil: Käufer und Verkäufer könnten Wertpapiere direkt über die Blockchain handeln, ohne dabei auf Zwischeninstanzen wie Broker oder Clearingstellen angewiesen zu sein. Das wäre wohl deutlich günstiger. Einer der größten Fürsprecher der Tokenisierung ist Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock. Er ist überzeugt: Jede Aktie und jede Anleihe werde ihren eigenen Token haben.
Momentan umfasst der Markt für tokenisierte Güter rund 18,9 Milliarden Dollar. Der Krypto-Vermögensverwalter Bitwise glaubt, dass der Markt in einigen Jahren auf 100 Billionen Dollar anwachsen wird. Sollte dieser Fall eintreten, könnte das Ethereum-Netzwerk etwa 100 Milliarden Dollar Umsatz bringen – rund 40 Mal so viel wie heute, schätzt Bitwise.
Schon jetzt dominiert Ethereum den Markt für tokenisierte Güter. Knapp 80 Prozent dieser Güter gehen auf diese Blockchain zurück und auf Layer-2-Anwendungen, die auf ihr basieren. Die Frage ist jetzt: Wollen Anleger warten, bis die Tokenisierung Ether womöglich wieder interessanter macht?
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