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KryptowährungenDieser Trend könnte das Comeback von Ether einläuten

Die zweitgrößte Kryptowährung fällt und fällt. Doch bald könnte Ether aber von einer neuen Entwicklung in der Finanzwelt profitieren.Philipp Frohn 23.03.2025 - 10:09 Uhr
Der Ether-Kurs ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Foto: REUTERS

Wer Geld in Ether investiert hat, konnte sich in den vergangenen Jahren nicht wirklich freuen. Der Kurs der zweitgrößten Kryptowährung ist allein im vergangenen Jahr um 40 Prozent gesunken – während Bitcoin und Co. im selben Zeitraum deutlich zugelegt haben.

Seit einigen Wochen notiert Ether sogar immer wieder unter der Marke von 2000 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit über zwei Jahren.

Der Abverkauf kam mit Ansage, meinen einige Analysten – und berufen sich dabei auf die Charttechnik. Mit ihr versuchen Marktbeobachter, anhand früherer Kursentwicklungen künftige Bewegungen zu antizipieren.

Vor kurzem kam es im Ether-Chart zu einem Kursmuster, das für Analysten den Beginn eines weiteren Abwärtstrends voraussagt: zu einem „Death Cross“, einem „Todeskreuz“.

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Davon spricht man, wenn die 50-Tage-Linie – also der Durchschnittskurs der vergangenen 50 Handelstage – die 200-Tage-Linie von oben nach unten kreuzt. Charttechniker sehen darin ein Zeichen für weiter sinkende Kurse.

Und in der Tat: Seit das „Todeskreuz“ zu sehen ist, hat Ether mehr als ein Fünftel an Wert abgegeben.

Zuletzt stand der gesamte Kryptomarkt unter Druck. Die Sorge vor einer anhaltend strafferen Geldpolitik traf zinssensible Digitalwährungen, ebenso wie die geopolitischen Unsicherheiten unter US-Präsident Donald Trump.

Bei Ether kommen allerdings weitere Probleme hinzu. Sie hängen mit dem System hinter der Kryptowährung zusammen und belasten den Kurs zusätzlich. Ether ist die Digitalwährung der Blockchain Ethereum. Die Blockchain ist das dezentrale Datenprotokoll, mit dem Transaktionen abgewickelt werden. Viele andere Krypto-Projekte nutzen die Ethereum-Blockchain, um eigene Anwendungen zu programmieren – sogenannte Layer-2-Netzwerke wie Arbitrum oder Base.

„Die Roadmap von Ethereum ist richtig“

Seit einer Systemumstellung im vergangenen Jahr – dem sogenannten Dencun-Update – wickelt Ethereum viele Transaktionen von diesen Layer-2-Netzwerken nicht mehr über das eigene Netzwerk ab, sondern über sekundäre Netzwerke. Das Ziel: Das Ethereum-Ökosystem günstiger und effizienter zu machen. Mittlerweile haben sich mit zum Beispiel Solana nämlich andere Krypto-Projekte etabliert, die deutlich günstiger sind als Ethereum.

Krypto-ABC: Die wichtigsten Begriffe verständlich erklärt
Der Fokus am Kryptomarkt liegt klar auf dem Bitcoin. Unter Altcoins versteht man Kryptowährungen, die nach der ältesten Digitalwährung erfunden wurden und eine Alternative zum Bitcoin darstellen. Beispiele dafür sind Ethereum, Cardano oder Solana.
Der Bitcoin ist nicht nur die dem Volumen nach größte, sondern auch die älteste Kryptowährung der Welt. Schon im Oktober 2008 skizzierte Satoshi Nakamoto, das Pseudonym des Bitcoin-Erfinders, in einem Whitepaper mit dem Titel „A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, wie so eine virtuelle Währung aussehen könnte. Kurz darauf, im Januar 2009, wurden die ersten Bitcoin geschürft. Weil Nakamoto unter einem Pseudonym agierte, ist bis heute unklar, wer genau den Bitcoin ins Leben gerufen hat.
Transaktionen von Kryptowährungen werden auf der Blockchain dokumentiert. Die Blockchain ist eine öffentliche, dezentrale Datenbank. Die Informationen werden nicht auf einem einzelnen Server, sondern auf vielen tausenden Rechnern gespeichert. „Chain“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Kette“.Jede Transaktion wird in einem Block gespeichert und an eine Kette der bereits vorhandenen Datensätze angehängt. Deshalb wird die Blockchain auch digitales Kassenbuch genannt. Die gespeicherten Daten können im Nachgang nicht mehr oder nur mit Zustimmung des Netzwerkes geändert werden. So soll ein fälschungssicheres Protokoll entstehen.
Ether ist hinter dem Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung und basiert auf der Ethereum-Blockchain. Im Vergleich zur Bitcoin-Blockchain gilt diese als moderner und leistungsfähiger und soll in Kürze auf das energiesparendere Proof-of-Stake-Verfahren umgestellt werden. Auch Smart Contracts können über Ethereum gehandelt werden. Beliebt ist die Kryptowährung auch, weil NFTs (non fungible Token) oft auf Ethereum basieren und deshalb mit Ether bezahlt werden.
Mining ist das Erzeugen (Schürfen) neuer Coins. Bei diesem Prozess stellen Miner im Fall des Bitcoin die Rechenleistung ihrer Computer zur Verfügung, um komplexe mathematische Aufgaben zu lösen. So werden Transaktionen verifiziert und auf der Blockchain gespeichert. Die Miner werden fürs Bereitstellen der Rechenleistung mit neu generierten Bitcoin belohnt.Bei einigen anderen Kryptowährungen basiert das Mining dagegen nicht auf Rechenleistung, sondern auf den Anteilen der Netzwerk-Teilnehmer an der jeweiligen Kryptowährung (siehe Proof of Stake). In diesem Fall wird das Mining deshalb auch oft als Staking bezeichnet. Auch dafür bekommen Teilnehmer eine Prämie, also quasi eine Art Verzinsung für ihren Anteil.
Minten bezeichnet das Erstellen eines NFTs (non fungible Token). Mit dem „Prägen“ des Bildes ist in diesem Fall das Hochladen in die Blockchain gemeint.
Die Abkürzung NFT steht für non-fungible Token, also nicht austauschbare Wertmarken. NFTs sind virtuelle Güter, die über die Blockchain gehandelt werden. Oft sind es etwa digitale Bilder oder Sammelkarten. Jeder NFT ist einzigartig. Wer einen kauft, wird in der Blockchain als Eigentümer registriert und kann so beispielsweise ein Echtheitszertifikat für ein virtuelles Bild oder ein digitales Kunstwerk vorweisen.
Mit dem Proof-of-Work-Verfahren werden neue Münzen einiger Kryptowährungen wie dem Bitcoin geschaffen. Dafür stellen die Miner die Rechenleistung des Systems zur Verfügung, um komplexe Aufgaben zu lösen. Wer es zuerst schafft, die Aufgabe zu lösen, darf den Block an die Blockchain anhängen und erhält eine Belohnung in Form digitaler Münzen. Der Proof-of-Work-Ansatz gilt als besonders energieintensiv.
Einige Blockchains basieren auf dem Proof of Stake-Verfahren. Anders als bei Proof of Work werden dabei fürs Mining keine umfangreiche Hardware und große Mengen an Rechenleistung benötigt. Proof of Stake gilt daher als wesentlich energieschonender.Statt dessen dürfen diejenigen Transaktionen und neue Coins freigeben, die einen besonders hohen Anteil an einer Kryptowährung halten. Sie werden dann Validatoren genannt. Der Prozess beruht auf einem Konsensmechanismus. Je höher der Preis, desto höher die Anzahl der Coins, um am Prozess teilzunehmen.
Smart Contracts sind virtuelle Verträge, die über die Blockchain getauscht werden. Diese treten unter bestimmten zuvor festgelegten Bedingungen selbstständig in Kraft. Insbesondere Banken und andere Finanzinstitute sehen in Smart Contracts einen großen Nutzen. Sie könnten zum Beispiel beim Börsenhandel Intermediäre – also zwischengeschaltete Stellen wie Wertpapierbroker– überflüssig machen.
Die Wallet ist eine Art digitale Geldbörse für Kryptowährungen. Sie ermöglicht es Nutzern, Kryptoguthaben zu kaufen und zu verschicken. Es gibt mehrere Arten von Wallets. Die Hardware-Wallet ist quasi ein USB-Stick, auf dem das Kryptovermögen und die Zugänge eines Nutzers gespeichert sind. Eine Paper-Wallet wird auf Papier ausgedruckt.Dafür wird ein QR-Code generiert, den man einscannen muss, um Transaktionen zu tätigen. Eine Software-Wallet kommt ohne externe Geräte oder Papierausdrucke aus. Hier werden die Daten in einem Computerprogramm gespeichert. Nutzer dürfen ihre Zugangsdaten nicht vergessen: Sonst bliebe ihnen der Zugriff auf ihr Kryptovermögen verwehrt.
Dieses Krypto-ABC entstammt dem großen Krypto-1x1 der WirtschaftsWoche: Das vollständige Dossier finden Sie hier zum Download

Das Update hat dazu geführt, dass Ethereum über das Hauptnetzwerk weniger Gebühren einnimmt. Die Einnahmen über die Layer-2-Netzwerke kompensieren den Rückgang derzeit nicht. Laut dem Analyseportal The Block sind die Transaktionskosten bei Ethereum auf ein Vier-Jahres-Tief gesunken.

Barbara Schlyter, die den Bereich digitale Produkte bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS verantwortet, hält das Dencun-Update dennoch für notwendig. „Mittel- bis langfristig ist die Roadmap von Ethereum richtig. Wenn Ethereum die Basis-Infrastruktur für verschiedene Industrien werden will, müssen Transaktionen günstiger werden“, sagt sie. Genau dieser Schritt könnte nun wichtig werden für das Comeback von Ether.

Im Schatten der schwachen Kursentwicklung zeichnet sich nämlich ein Trend ab, von dem Ethereum und darauf basierende Krypto-Projekte bereits profitieren – und bei erfolgreicher Skalierbarkeit höhere Umsätze generieren könnten: die Tokenisierung.

Dieser Trend könnte Ether beflügeln

Die Idee hinter der Tokenisierung ist, dass materielle und immaterielle Güter in digitale Token auf der Blockchain umgewandelt werden. Ein Beispiel: Ein Anleger will in eine Ferienimmobilie investieren, hat aber nur ein kleines Budget. Die Immobilie wird nun in mehrere Token aufgeteilt, die dann zum Handel angeboten werden. So können auch Interessenten mit wenig Geld einsteigen.

Mehr noch: „Die Tokenisierung ist einer der Anwendungsfälle, hinter denen sehr viel Hoffnung steht, dass sie den Finanzmarkt effizienter machen könnten“, sagt DWS-Expertin Schlyter. Letztlich ließen sich auch Aktien und andere Kapitalmarktprodukte tokenisieren.

Der Vorteil: Käufer und Verkäufer könnten Wertpapiere direkt über die Blockchain handeln, ohne dabei auf Zwischeninstanzen wie Broker oder Clearingstellen angewiesen zu sein. Das wäre wohl deutlich günstiger. Einer der größten Fürsprecher der Tokenisierung ist Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock. Er ist überzeugt: Jede Aktie und jede Anleihe werde ihren eigenen Token haben.

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Momentan umfasst der Markt für tokenisierte Güter rund 18,9 Milliarden Dollar. Der Krypto-Vermögensverwalter Bitwise glaubt, dass der Markt in einigen Jahren auf 100 Billionen Dollar anwachsen wird. Sollte dieser Fall eintreten, könnte das Ethereum-Netzwerk etwa 100 Milliarden Dollar Umsatz bringen – rund 40 Mal so viel wie heute, schätzt Bitwise.

Schon jetzt dominiert Ethereum den Markt für tokenisierte Güter. Knapp 80 Prozent dieser Güter gehen auf diese Blockchain zurück und auf Layer-2-Anwendungen, die auf ihr basieren. Die Frage ist jetzt: Wollen Anleger warten, bis die Tokenisierung Ether womöglich wieder interessanter macht?

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