Start-up-Finanzierung: Früheres Start-up der Woche Eeden fährt 18-Millionen-Euro-Finanzierung ein
Seit August 2019 forscht und entwickelt das Start-up Eeden mit Sitz in Münster an einer eigenen Recyclingtechnologie für Textilien. Die Besonderheit: Das Unternehmen schafft es, die beiden dominantesten Faserarten der Textilwirtschaft – Baumwolle und Polyester – aus Mischtextilien zurückgewinnen. Unter anderem deshalb hat die WirtschaftsWoche Eeden im Oktober 2024 als „Start-up der Woche“ vorgestellt. Nun hat das Technologieunternehmen eine erfolgreiche Erstrundenfinanzierung – im Start-up-Jargon Series-A genannt – in Höhe von 18 Millionen Euro eingefahren, wie die WirtschaftsWoche exklusiv vorab erfuhr.
Angeführt wurde die Runde vom niederländischen Venture-Capital-Fonds Forbion. Als neue Investoren beteiligen sich zudem Henkel Ventures, der strategische Venture-Capital-Fond des Düsseldorfer Konsumgüterherstellers Henkel, sowie NRW Venture, der Venture-Fonds der Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen NRW Bank. Auch die bisherigen Investoren haben sich erneut beteiligt, darunter die Risikokapitalunternehmen TechVision Fonds (TVF), der bundeseigene High-Tech Gründerfonds (HTGF), sowie D11Z Ventures, die Frühphasen-Investmentgesellschaft von Lidl-Gründer Dieter Schwarz.
Die Finanzierung ermöglicht Eeden den Bau einer Demonstrationsanlage in Münster. Dabei wollen die Gründer Steffen Gerlach und Tobias Bornhorst vor allem die großtechnische Verarbeitung ihrer Recyclingtechnologie optimieren und kommerzieller Projekte mit Schlüsselakteuren der Textilindustrie umsetzen. Das Potenzial für industrielles Textilrecycling ist jedenfalls riesig: Nach einer Schätzung der Unternehmensberatung McKinsey stammen nicht einmal ein Prozent aller weltweiten Textilien aus recycelten Fasern.
Bereit zum Skalieren
„In den vergangenen Jahren haben wir eine bewährte Lösung entwickelt, die das Potenzial hat, den langfristigen Bedarf der Branche nach leistungsfähigen, kosteneffizienten und zirkulären Materialien zu decken“, sagt Eeden-CEO Gerlach. „Wir sind stolz darauf, dass unsere neuen und bestehenden Investoren an unseren Ansatz glauben und unsere Vision teilen. Mit ihrer Unterstützung sind wir bereit, unsere Technologie zu skalieren und Textilabfälle in Materialien zu verwandeln, die die Industrie wirklich braucht.“
Tatsächlich setzen Herausforderungen wie steigende Kosten, knappe Ressourcen, schwankende Materialverfügbarkeiten und gesetzliche Vorgaben die Textilindustrie zunehmend unter Druck. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, suchen Marken und Hersteller verstärkt nach Materialien, die Leistungsfähigkeit, Skalierbarkeit und Zirkularität zu wettbewerbsfähigen Preisen vereinen. Denn die wachsenden Berge von Textilabfall ziehen zahlreiche gesetzliche Regelungen nach sich. Ab Januar 2025 müssen die EU-Mitgliedsstaaten getrennte Sammelsysteme für Alttextilien einführen.
„Wegweisende Lösung“
Eeden hat hierfür eine chemische Recyclingtechnologie entwickelt, die aus Baumwoll-Polyester-Mischgeweben reine Zellulose und PET-Bausteine, sogenannte Monomere, zurückgewinnt. Die aufbereiteten Rohstoffe können zur Herstellung neuer Lyocell-, Viskose- und Polyesterfasern eingesetzt werden und bieten damit eine ressourcenschonende Alternative zu konventionellen Fasern sowie Zugang zu neuen zirkulären Wertschöpfungsketten.
„Eeden hat eine wegweisende Lösung entwickelt, die das Recycling von Mischfaser-Textilien in großem Maßstab nicht nur technologisch, sondern auch kommerziell in naher Zukunft möglich machen kann“, sagt Alex Hoffmann, General Partner beim Lead-Investor Forbion. „Wir sehen in ihrem Ansatz ein enormes Potenzial und freuen uns, das Team dabei zu unterstützen, diese bahnbrechende Technologie in den industriellen Maßstab zu überführen."
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