Kryptobörse: Die Coinbase-Aktie explodiert – lohnt sich jetzt der Kauf?
Über der Krypto-Welt strahlt wieder die Sonne. Seit vergangener Woche haben die Kurse von Digitalwährungen stark angezogen. Der Bitcoin schoss nach einer monatelangen Schwächephase wieder über die Marke von 100.000 Dollar. Ether kämpfte sich aus dem Abwärtssog und legte innerhalb einer Woche gut 50 Prozent an Wert zu. Und auch bei Krypto-Aktien geht es wieder aufwärts – vor allem bei einer.
Einer der großen Gewinner an der Börse ist Coinbase, eine der größten Kryptobörsen weltweit. In den vergangenen fünf Handelstagen hat sie auf Euro-Basis 25 Prozent an Wert zugelegt. Die Kursexplosion hängt nicht nur mit dem sich aufhellenden Marktumfeld für Kryptowährungen zusammen, sondern mit einem besonderen Ereignis: Coinbase steht kurz vor der Aufnahme in den US-Leitindex S&P 500.
Schon am nächsten Montag wird die Aktie in den Index aufgenommen und ersetzt dort den Finanzdienstleister Discover Financial Services. Auf der Kurznachrichtenplattform X jubelt Coinbase-Chef Brian Armstrong, dass sein Unternehmen damit einen „Meilenstein“ erreicht habe. „Krypto ist hier, um zu bleiben“, schrieb er. Tatsächlich ist Coinbase das erste reine Kryptounternehmen, das in den marktbreiten Index aufgenommen wird.
Nun fragen sich viele Anleger: Lohnt sich jetzt ein Kauf?
Coinbase-Aktie kaufen?
Die Aufnahme in den S&P 500 ist für Coinbase nicht nur für die Reputation wichtig. Sie könnte auch die Aktie weiter in die Höhe treiben. Denn: Viele Anleger investieren über ETFs in den S&P 500. Laut dem Onlineportal ETFdb kommen allein die drei größten Indexfonds auf den S&P 500 auf ein Volumen von 1,8 Billionen Dollar. Ab Montag fließt nun also ein kleiner Teil der monatlichen Sparraten auf solche ETFs automatisch in die Coinbase-Aktie. Die Kryptobörse wird ein Bestandteil in vielen ETF-Portfolios – wenn auch nur ein kleiner.
Coinbase dürfte einen Anteil von rund 0,1 Prozent am S&P 500 ausmachen. Die enthaltenen Unternehmen werden nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Das größte Unternehmen im S&P 500 ist Apple mit einem Börsenwert von 2,8 Billionen Dollar. Coinbase bringt nur 65 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage. In der Vergangenheit löste der Sprung in den S&P 500 bei anderen Unternehmen Kursfeuerwerke aus, allerdings vor allem im Vorfeld dieses Ereignisses: Zwischen Ankündigung und finaler Aufnahme im Dezember 2000 legte etwa die Tesla-Aktie knapp 70 Prozent zu.
Die Trump-Sonderkonjunktur
Seit Beginn der Bitcoin-Hausse im Sommer 2023 hat die Coinbase-Aktie fast 320 Prozent Plus gemacht. Interessierte Anleger sollten gleichwohl vorsichtig sein. Die Aktie ist sehr volatil und hängt stark von den Entwicklungen am Kryptomarkt ab. Als der Wahlsieg von Donald Trump den Markt Ende vergangenen Jahres befeuerte, stieg der Nettogewinn von Coinbase im vierten Quartal 2024 auf gut 1,3 Milliarden Dollar. Es war bis dato der höchste Gewinn der Firmengeschichte.
Im ersten Quartal dieses Jahres – als der Bitcoin schwächelte – brach der Nettogewinn von Coinbase allerdings um 94 Prozent auf 66 Millionen Dollar ein. Damit lag er deutlich unter den Einschätzungen von Analysten und unter dem Niveau von vor der Trump-Wahl (75 Millionen Dollar).
Analysten geben sich mit Blick auf die weitere Entwicklung der Coinbase-Aktie optimistisch. Laut dem Finanzdatenanbieter Bloomberg raten 18 Analysten zum Kauf, 18 zum Halten und nur einer zum Verkauf. Allerdings ist die Aktie recht sportlich bewertet. Analysten prognostizieren, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis in zwölf Monaten bei einem Wert von 39 liegen wird. Erschwerend kommt hinzu: Im Schnitt gehen Analysten nicht davon aus, dass die Coinbase-Aktie noch viel Kurspotenzial hat. Im Durchschnitt setzen sie das Zwölf-Monats-Kursziel bei 259 Dollar. Das entspricht in etwa dem aktuellen Niveau.
Die Aufnahme in den S&P 500 könnte gleichwohl noch für positive Überraschungen sorgen. Nach der Meldung haben bereits einige Analysten ihre Einschätzungen nach oben korrigiert.
Krypto-Steuer: Jetzt wird's teuer!
Viele Marktbeobachter halten es für realistisch, dass Bitcoin und Co. ihre jüngste Rekordjagd fortsetzen. Davon würde Coinbase in mehrfacher Hinsicht profitieren, etwa durch Transaktionserlöse und Verwahrgebühren für Bitcoin-ETFs. Außerdem will das Unternehmen eine weitere Ertragssäule stärken, indem es die Krypto-Derivateplattform Deribit übernimmt.
Für die Übernahme müsste Coinbase erst einmal 2,9 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Neben einer 700 Millionen Dollar schweren Direktzahlung soll der Deal elf Millionen Coinbase-Aktien umfassen. Mittelfristig könnte die Deribit-Übernahme dann durchaus Geld in die Coinbase-Kasse spülen: Der Handel mit Derivaten gilt als margenträchtig.
Coinbase-Investoren der ersten Stunde dürften nun die Hoffnung hegen, dass sich ihr Investment endlich auszahlt. Wer die Coinbase-Aktie seit Börsengang im April 2021 hält, liegt trotz der jüngsten Rally auf Euro-Basis noch immer gut 21 Prozent im Minus. Ein reines Bitcoin-Investment hätte im selben Zeitraum ein Plus von über 60 Prozent gebracht.
Lesen Sie auch: Die Finanzämter eröffnen die Jagd auf Kryptoanleger