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Bold Woman AwardGründung zum scheinbar unmöglichen Zeitpunkt

Miriam Wohlfarth ist eine der ersten und erfolgreichsten Fintech-Gründerinnen Deutschlands. Dabei war dieser Weg alles andere als absehbar.Emma Möllenbrock 05.06.2025 - 20:01 Uhr
Miriam Wohlfarth ist Fintech-Gründerin und die Gewinnerin des diesjährigen Bold Women Awards Foto: imago images/Jakob Hoff

Miriam Wohlfarths Traum war es immer, ein Unternehmen zu gründen. Mit 39 Jahren wagte sie diesen Schritt, mitten in der Finanzkrise gründete sie das Fintech-Start-up Ratepay. Ihr war aufgefallen, dass es in Deutschland keinen Zahlungsdienstleister gab, der Onlineshops eine Möglichkeit für Ratenkauf oder Kauf auf Rechnung anbot. Also schloss sie diese Lücke und wurde eine der ersten weiblichen Fintech-Gründerinnen aus Deutschland.

Für ihren unternehmerischen Mut und ihr Wirken wurde Miriam Wohlfarth am Donnerstagabend in Berlin mit dem Bold Woman Award ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich von der Champagnermarke Veuve Clicquot verliehen und würdigt Unternehmerinnen, die mit Mut, Innovationskraft und Weitblick neue Wege gehen. Eigenschaften, die Wohlfarth mit ihrer Laufbahn verkörpert.

Dabei ist der Lebenslauf der heute 55-Jährigen alles andere als geradlinig: Zunächst brach Wohlfarth ein Studium der Politikwissenschaften und Geschichte ab, machte eine Weltreise und begann nach ihrer Rückkehr eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau.

Bold Woman Award
Der Bold Woman Award wird jährlich von dem Champagnerhaus Veuve Clicquot Ponsardinvergeben und zeichnet außergewöhnliche Unternehmerinnen aus, die mit Mut, Innovationskraft und visionärem Denken neue Wege gehen. Die Auszeichnung wird inzwischen in über 50 Ländern verliehen.
Der Award ist inspiriert von Barbe-Nicole Clicquot, auch bekannt als Madame Clicquot. Sie übernahm Anfang des 19. Jahrhunderts im Alter von 27 Jahren nach dem Tod ihres Mannes das Familienunternehmen Clicquot und gründete es im Jahr 1810 unter dem Namen Veuve Clicquot Ponsardin neu – „Veuve“ ist französisch für „Witwe“. Sie führte das Haus zu internationalem Erfolg – zu einer Zeit, als weibliche Führungspersönlichkeiten in der Wirtschaft die Ausnahme waren. Das Champangerhaus rief den Bold Woman Award 1972 anlässlich seines 200. Geburtstags in Leben.

Auf eine perfekte Vita legt die Gründerin ohnehin keinen Wert. In einem Interview sagte sie einmal, es sei kein gerader Karriereweg nötig, um ans Ziel zu kommen. Viel mehr sollte man auf das eigene Bauchgefühl hören. Mit ihrem Bauchgefühl lag sie am Ende richtig, auch wenn vor ihrer Gründerzeit noch verschiedene andere berufliche Stationen folgten – von Hapag-Lloyd bis zum Online-Payment-Start-up Bibit Global Payment Services.

Immer wieder wurde sie in dieser Zeit von Kollegen gefragt, ob sie nicht bei einem Start-up einsteigen wolle – doch sie lehnte dankend ab. Ihr gefiel ihr Job, außerdem war sie schwanger mit ihrer Tochter. Ganz los ließ sie der Traum vom eigenen Unternehmen jedoch nicht, weshalb sie 2009 alles auf eine Karte setzte und Ratepay gründete. Bereits ein Jahr später konnte sie die Otto Group als Partner gewinnen, die sich an dem Fintech beteiligte. 2011 übernahm der Konzern das Start-up vollständig.

Das Unternehmen etablierte sich rasch als einer der führenden Zahlungsdienstleister in Deutschland und setzte erfolgreich auf das Prinzip „Buy Now, Pay Later“. Mit maßgeschneiderten Lösungen für Händler und Marktplätze erzielte Ratepay den Status eines Unicorns – ein Start-up mit einer Bewertung über einer Milliarde Euro.

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Risikobereitschaft führte sie zum Ziel

Unter Wohlfarths Führung ist das Unternehmen seit 2016 außerdem profitabel geworden, womit die Gründerin bewies, dass Risikobereitschaft auch in schwierigen Zeiten zum Erfolg führen kann: „Innovationen entstehen nur, wenn jemand mal ohne Schwimmflügel ins kalte Wasser springt,“ sagt sie in einem Interview mit dem Campus-Verlag. Diese Risikobereitschaft und Zielstrebigkeit zieht sich durch ihren ganzen Lebenslauf.

Denn ihr Weg als Gründerin ist mit Ratepay noch nicht abgeschlossen: 2016 war sie Mitgründerin des Finanznachrichtenportals paymentandbanking.com. Im Lockdown 2020 folgte die Gründung eines weiteren Fintechs: Banxware. Das Unternehmen ermöglicht es Plattformen, wie etwa Onlinemarktplätzen, direkt über ihre Dienste Geschäftskredite anzubieten. So können Händler unkompliziert und schnell an Finanzierung gelangen.

Als eine der wenigen Frauen in der männerdominierten Finanz- und Tech-Branche setzt Miriam Wohlfarth sich intensiv dafür ein, dass Frauen in Führungsrollen sichtbarer werden. Ebenso wichtig ist ihr die Förderung von Kindern. Schon früh sollten nach ihrer Meinung Talente abseits von Geschlechterklischees entdeckt und gefördert werden. Sie ist außerdem Gesellschafterin bei der Initiative Startup Teens, die sich dafür einsetzt, Jugendliche mit Zukunftskompetenzen wie unternehmerischem Denken, Coding und Persönlichkeitsentwicklung auszustatten.

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