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Drastischer PersonalabbauAutozulieferer Musashi macht zwei Werke dicht

Nach jahrelanger Auftragsflaute wird Musashi die Standorte in Hann. Münden und Leinefelde schließen. Die Wettbewerbsfähigkeit leidet unter hohen Stromkosten.Melanie Bergermann 30.06.2025 - 15:12 Uhr
Autozulieferer geraten durch steigende Produktionskosten zunehmend in Liquiditätsprobleme. Foto: dpa

Der japanische Autozulieferer Musashi stellt eine ganze Reihe an Komponenten her, die in Fahrzeugen verbaut werden, wie etwa Zahnräder für Getriebe. Allein in Europa betreibt das Unternehmen neun Werke, davon sechs in Deutschland. Vom Konzernumsatz in Höhe von rund zwei Milliarden Euro, kommt rund ein Viertel aus Europa.  Zu den Kunden zählen große Autokonzerne wie VW und andere Zulieferer wie ZF Friedrichshafen. Rund 16.000 Mitarbeiter beschäftigt Musashi insgesamt, rund 2000 davon arbeiten in Europa.

Schon seit 2018 läuft es bei den europäischen Werken nicht mehr rund. Bezogen auf die Anzahl der verkauften Teile ist der Absatz um 40 Prozent zurückgegangen. Verantwortlich hierfür sei unter anderem der schwächelnde Fahrzeugabsatz generell in Europa und der von asiatischen Herstellern getriebene Preiskampf, sagt Simon Beckers, Finanzvorstand der europäischen Musashi-Tochter: „Unsere asiatischen Konkurrenten können Schmiedeteile inklusive Transportkosten zwischen 20 und 25 Prozent günstiger anbieten als wir.“ Das liege vor allem an den günstigeren Kosten für Energie und Stahl. „Die Energiekosten in Deutschland müssen deutlich sinken“, sagt Co-Geschäftsführer David Beckers. „Wenn sich nicht drastisch etwas ändert, sind in Deutschland produzierende Unternehmen aus den Bereichen Schmiede- und Zerspanungstechnik nicht mehr wettbewerbsfähig.“

Schon 2022 gab es wegen der angespannten Lage ein Sanierungsprogramm: Die Kosten sollten gedrückt und die Produktivität gesteigert werden. Im Folgejahr kamen die europäischen Werke dann auch zumindest knapp wieder in die schwarzen Zahlen. Doch schon im zweiten Halbjahr 2024 sollen die neun Werke in Summe wieder Verlust gemacht haben, heißt es im Unternehmensumfeld. Insgesamt soll sich der Verlust nach Steuern seit 2021 auf rund 100 Millionen Euro belaufen.

Verhandlungen mit dem Betriebsrat

Besonders betroffen: Das Musashi-Werk in Hann. Münden, im Landkreis Göttingen. Der Standort soll trotz Sanierungsprogramm durchgängig Verlust gemacht haben.

Der Betriebsrat und die IG Metall wurden am Montag darüber informiert, dass Musashi das Werk schließen wird, ebenso wie den Standort im thüringischen Leinefelde. Simon Beckers sagt, die beiden Werke mit weniger Personal weiter zu betreiben, sei keine Option gewesen. „Neben den hohen Fixkosten etwa für den Zugang zu Energie, sind zum Betrieb der Werke eine Mindestmenge an Personal und bestimmten Fachkräften nötig – unabhängig davon wie viel produziert wird.“ Man operiere aktuell schon sehr nah und teils unter der wirtschaftlich tragfähigen Untergrenze.

Das Werk im niedersächsischen Lüchow soll weiterbetrieben werden – aber mit deutlich weniger Personal als bislang. Mehrere hundert Mitarbeiter sind von den Maßnahmen betroffen. Ziel sei es letztlich eine langfristige Perspektive für die verbleibenden Mitarbeiter in Deutschland zu schaffen, sagt David Beckers. „Der Plan ist, die restlichen Standorte langfristig zu halten. Die bessere Auslastung soll dabei helfen.“  Aber auch durch eine noch höheren Automatisierungsgrad und weitere Energieeinsparungen sollen „die Kosten so weit sinken, dass die europäischen Musashi-Standorte wieder wettbewerbsfähig werden.“

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