Autoindustrie: Es kann noch alles gutgehen für Volkswagen und Mercedes

Es gibt Situationen im Leben, die kann man nur noch mit Humor ertragen. Die deutsche Autoindustrie ist an diesem Punkt angelangt. Nach den Verwerfungen von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg, nach Halbleiter-Knappheiten und extrem volatilen Rohstoffpreisen, nach einer förmlich explodierenden E-Auto-Konkurrenz aus China und dem Kollaps des China-Geschäfts, nach all dem folgte: Donald Trump.
Sein Zoll-Chaos stelle alles Ungemach, das davor war, in den Schatten, heißt es aus deutschen Autokonzernen. Die Lage sei so undurchschaubar wie seit vielen Jahren nicht, ach was, wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, meint ein Insider. Jede Strategie eines Vorstands werde zu einem Glücksspiel, das „streng genommen kein Aufsichtsrat abnicken kann“. Denn: Wer heute Millionen oder Milliarden bewegt, um sich an die Trump-Zölle anzupassen, könne schon morgen feststellen, dass Trump seine Meinung geändert habe, Ausnahmen schaffe oder sie wieder zurücknehme. Betriebswirtschaft helfe da nicht mehr weiter, denn alle Formeln hätten zu viele unbekannte Variablen. „Vielleicht“, sagt der Insider, „könnten uns Chaos-Forscher helfen.“
Et hätt noch emmer joot jejange
Wohl auch nicht. Deshalb: Humor! Rheinischer Humor. Das „Rheinische Grundgesetz“ hat 11 Artikel. Mir erscheint Artikel 3 besonders relevant in diesem Zusammenhang: „Et hätt noch emmer joot jejange“ (Es ist bisher noch immer gut gegangen). Ja, wirklich – mit ein wenig Glück – auf längere Sicht kann immer noch alles gut gehen für Volkswagen, Mercedes und BMW.
Volkswagen und Mercedes melden heute einen rund 40-prozentigen Gewinneinbruch im ersten Quartal. Die Zahlen sind schon grottenschlecht, obwohl die Zölle noch gar nicht ihre zerstörerische Wirkung entfalten konnten. Das ist wahrlich nicht gut.
Auch nicht gut ist, dass die am Dienstag verkündeten Zoll-Erleichterungen die Lage für die deutschen Hersteller wohl nicht substanziell verbessern werden. Noch versuchen die Autokonzerne zu verstehen, was die Ausnahmen überhaupt bedeuten könnten, und warten auf Umsetzungsregeln der Trump-Administration. Aber so viel ist schon klar: Die Erleichterungen sind vergleichsweise klein und bedeuten im Umkehrschluss, dass Trump von seinem grundsätzlichen Kurs nicht abweicht.
Trumps Sturheit ist eine Chance
Dass trotzdem noch alles gut gehen kann, liegt genau an dieser Sturheit. Der völlig entfesselte Präsident brettert so schnell in die falsche Richtung, dass er bald schon an die Wand fahren könnte. Durch die Zölle werden die meisten in den USA angebotenen Modelle nach vorläufigen Prognosen der deutschen Hersteller um hunderte, eher aber um tausende Dollar teurer – entweder durch die Zölle, sonst später durch die Kosten der Produktionsverlagerung in die USA. Solche Preissteigerungen könnte Trump politisch wohl kaum aushalten. Also müsste er seine Zölle bald einkassieren – oder er und die Zölle werden abgewählt.
Die deutschen Autobauer und Zulieferer senken derweil mit großen Sparprogrammen schon seit Monaten ihre Kosten; sie haben milliardenschwere Programme aufgesetzt, um die Lage im chinesischen Markt zu verbessern, bei Volkswagen etwa mit einem völlig neuen Produktportfolio; sie bauen die Produktion in USA weiter aus, was ungeachtet der dortigen Politik Sinn ergibt; sie gehören weiterhin zu den innovativsten Anbietern im Markt; sie sehen den wichtigen Konkurrenten Tesla straucheln, haben ihn technologisch teils eingeholt, teils überholt; und sie könnten profitieren, wenn Europa und China als Freihandelsfreunde näher zusammenrücken.
Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass die deutsche Autoindustrie länger durchhält als der Isolationist im Weißen Haus. Was dann nicht nur Artikel 3 des Rheinischen Grundgesetzes bestätigen würde, sondern auch Artikel 4: „Wat fott es, es fott“ (Was fort ist, ist fort).
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