Zollstreit: Börsen feiern einen nahenden Zoll-Deal – womöglich zu früh
Anleger hatten zuletzt darauf gesetzt, dass sich die Europäische Union und die USA im Zollstreit einander annähern würden. Nun sieht es aus, als könnten sie damit richtig gelegen haben: Wie die „Financial Times“ (FT) unter Berufung auf Insider berichtet, könnte sich die EU auf Zölle in Höhe von 15 Prozent für Importe in die Vereinigten Staaten einlassen. Vorbild wäre das neue Abkommen der USA mit Japan.
Die EU würde so vermeiden, ab 1. August pauschal 30 Prozent Zoll zu zahlen, wie von US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellt. Trump selbst deutete am Mittwoch am Rande einer Veranstaltung an, dass sich die EU und die USA einem Abkommen nähern. Von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) waren ähnliche Töne zu hören.
Kommt der Deal zustande, bliebe mehr oder weniger der Status Quo bestehen: Seit April werden in den USA für EU-Importe zehn Prozent „Basiszoll“ fällig, zusätzlich zu den davor schon bestehenden durchschnittlich 4,8 Prozent. Zölle in Höhe von 15 Prozent würden sich vom aktuellen Niveau also kaum unterscheiden.
Die großen Profiteure
Einen Unterschied würde das in Aussicht gestellte Abkommen allerdings für Europas Autokonzerne machen. Für Autos gelten momentan 27,5 Prozent Zoll. Ein 15-Prozent-Deal wäre für europäische Autoexporteure also eine deutliche Erleichterung. Ihre Aktienkurse reagierten denn auch besonders stark auf den FT-Bericht. Ob Volkswagen, Mercedes, Porsche oder BMW: Die Aktien von Automobilherstellern legten am Mittwoch deutlich zu.
Die Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgang der Zollverhandlungen stützen auch den Dax. Am Mittwoch sprang er kurz vor Handelsschluss rund 1,5 Prozent in die Höhe. Nachbörslich ging es weiter leicht nach oben. Für Euphorie ist es allerdings noch zu früh.
Noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern. Trump erklärte Berichten zufolge, eine schnelle Einigung wie mit Japan sei nicht in Sicht. Die EU solle ihren Markt stärker für die USA öffnen, dann könne man über einen niedrigeren Zoll sprechen. Auch das Weiße Haus dämpft die Erwartungen: Solange der Präsident kein Handelsabkommen ankündige, befinde man sich im Bereich der Spekulation. Es hängt also mal wieder alles an Donald Trump.
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