Rüstungsindustrie: Rüstungsboom trägt Rheinmetall – Marine-Geschäft im Visier
Rheinmetall eilt wegen des internationalen Rüstungsbooms weiter von Rekord zu Rekord. Der Konzern baut seine Produktion deshalb aus und schaut sich für weiteres Wachstum nach neuen Geschäften um. Rheinmetall stehe im Bereich Marine im Gespräch mit Partnern und wolle dort investieren, sagte Rheinmetall-Chef Armin Papperger am Donnerstag zu Analysten. Bei Braunschweig übernimmt der Konzern einen Standort zur Entwicklung von Militär-Drohnen. Papperger erwartet nach dem Regierungswechsel in Berlin zudem milliardenschwere Bestellungen: Die Orderbücher könnten bis Mitte 2026 auf ein Volumen von 120 Milliarden Euro anschwellen.
Umsatz und Gewinn stiegen im ersten Halbjahr, doch fiel das Wachstum im zweiten Quartal weniger rasant aus als vom Markt erwartet: Die Rheinmetall-Aktien rutschten im Dax um gut fünf Prozent ab. Außerdem läuft es im zivilen Geschäft mit der Autoindustrie nicht rund. Über einen Verkauf der Sparte will Konzernchef Papperger bis zum Jahresende Klarheit schaffen. Die Jahresprognose bestätigte er. „Rheinmetall ist erfolgreich auf seinem Weg, ein globaler Rüstungschampion zu werden“, sagte der Konzernchef. „Unsere Auftragsbücher sind voll und werden sich in Zukunft weiter füllen.“ Der Umsatz legte im Halbjahr um 24 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zu, das Geschäft rund um Munition erreichte dabei einen Rekordumsatz von 1,3 Milliarden Euro. Rheinmetall will in Kürze in Niedersachsen die größte Munitionsfabrik Europas einweihen. Das operative Ergebnis stieg im Konzern um 18 Prozent auf 475 Millionen Euro.
Auftragsboom im vierten Quartal erwartet
Im zweiten Halbjahr rechnet Rheinmetall nun mit zahlreichen Bestellungen der Bundeswehr. Nach der Bundestagswahl im Februar und der folgenden Regierungsbildung werde „die Auftragsvergabe in Deutschland erst deutlich verspätet im zweiten Halbjahr anlaufen“. Vor allem im vierten Quartal werde es voraussichtlich „einen starken Auftragseingang“ geben, sagte Papperger.
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine wird die westliche Rüstungsindustrie dringend für die Stärkung der Streitkräfte gebraucht. Zusätzliche Dynamik gewinnt die Branche durch höhere Rüstungsausgaben der Nato-Staaten. Rheinmetall setzt auf Bündnisse mit anderen Rüstungsunternehmen, um den Boom bewältigen zu können. Gemeinsam mit der italienischen Leonardo wollen die Düsseldorfer in einem Gemeinschaftsunternehmen Panzer bauen. Sie verhandeln zudem exklusiv mit Leonardo über die Übernahme des Geschäfts mit Militärlastwagen von Iveco. Bis März solle hier Klarheit herrschen, sagte Papperger. Zudem kooperiert Rheinmetall mit dem US-Riesen Lockheed Martin und baut mit ihm in Weeze in Nordrhein-Westfalen Flugzeugteile. Der gemeinsame Bau von Raketen ist in Arbeit. Zivile Rheinmetall-Fabriken werden auf die Produktion für das Militär umgestellt, der VW-Standort in Osnabrück ist Gegenstand solcher Überlegungen. Eine Entscheidung gebe es hier aber noch nicht, sagte der Rheinmetall-Chef.
Sorgensparte Automobil
Papperger schielt nun auch auf Geschäfte rund um die Marine. „Ich glaube, dass wir in der Lage sind, auch auf der Marine-Seite ein großes Business zu schaffen – und wir werden dort investieren“, sagte er. Rheinmetall wolle das Produkt-Portfolio ausbauen. Papperger hatte zuletzt die Marine-Tochter von Thyssenkrupp (TKMS) ins Visier genommen. Bei TKMS kam er aber trotz der Abgabe einer ersten Offerte nicht zum Zuge.
Einzige Krisensparte im Rheinmetall-Reich ist der zivile Bereich Power Systems, der die Automobilindustrie beliefert. Hier brach das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58 Prozent auf 24 Millionen Euro ein. Papperger hat die Sparte zum Verkauf gestellt, Gespräche mit Interessenten laufen. Bis Jahresende strebt er nun eine Entscheidung an, hieß es in der Präsentation.