Ethereum-Kurs: 220 Prozent in wenigen Monaten: Ether nähert sich Allzeithoch
In der Welt der Kryptowährungen sind Anleger große Kursausschläge gewohnt, nach oben wie nach unten. Die Entwicklung der Kryptowährung Ether – nach Bitcoin die Nummer zwei am Markt – dürfte viele Investoren aber doch beeindruckt haben: Seit Mitte April ist der Ether-Kurs um fast 220 Prozent auf zuletzt über 4700 Dollar gestiegen. Allein in der Woche hat die Kryptowährung gut 29 Prozent zugelegt.
Ende vergangenen Jahres war Ether noch in einen starken Abwärtstrend eingetreten. In der Spitze verlor die Digitalwährung über 60 Prozent an Wert und rutschte zeitweilig unter die Marke von 2000 Dollar. Mit der jüngst starken Kurserholung kämpft sich Ether zurück aufs Vorjahresniveau.
Damit hat sich Ether zuletzt deutlich besser entwickelt als der Bitcoin. Der kommt seit dem Tiefpunkt Mitte April nur auf ein Kursplus von gut 60 Prozent. Auch die Kräfteverhältnisse am Kryptomarkt haben sich nun verschoben: Ether vereinnahmt nun 13,3 Prozent der Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen. Im April lag der Anteil nur bei 7,2 Prozent.
Über 150 Prozent im Plus: Was den Ether-Kurs treibt und wie weit es noch gehen kann
Für die Rally bei Ether gibt es vor allem drei Gründe:
1. Unternehmen gehen auf Ether-Shoppingtour
„Immer mehr Unternehmen kaufen Ether als strategische Reserve in ihren Firmenbilanzen“, beobachtet Barbara Schlyter, die bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS den Bereich digitale Produkte verantwortet. Die Softwarefirma BitMine zum Beispiel setzt immer stärker auf Ether. Durch neue Kapitalerhöhungen will sie bald fünf Prozent des Ether-Angebots halten. Mittlerweile sitzt BitMine auf über 833.000 Ether-Münzen im Wert von über drei Milliarden Dollar. Auch das Gamingunternehmen Sharplink fährt eine aggressive Ether-Strategie.
Damit nehmen sich die Unternehmen Strategy (vormals Microstrategy) zum Vorbild. Einst als Softwareunternehmen gestartet, hat Chef Michael Saylor Strategy mittlerweile zu einem sogenannten Bitcoin-Treasury-Unternehmen umgewandelt. Die Hoffnung: Mit Krypto-Beständen in den Bilanzen Rendite erzielen.
Bislang erwies sich Saylors Strategie als erfolgreich. Doch Blockchain-Expertin Schlyter warnt: „In einem Bärenmarkt drohen solchen Treasury-Unternehmen hohe Verluste durch Kursrückgänge. Dann besteht die Gefahr, dass sie ihre Kryptobestände reduzieren und die Kurse damit weiter drücken“. Das träfe dann auch Ether.
2. Das Interesse an Ether-ETFs steigt
Wenige Monate nach Zulassung der Bitcoin-ETFs folgte im vergangenen Jahr auch die Genehmigung für Ether-ETFs durch die US-Börsenaufsicht SEC. Doch anders als beim Bitcoin, der von der ETF-Zulassung stark profitierte, blieben die Ether-Indexfonds Ladenhüter.
Nun steigt aber die Nachfrage nach den Ether-ETFs. Laut dem Datenanbieter Coinmarketcap ist deren verwaltetes Vermögen allein seit Anfang Mai von 8,7 Milliarden auf 18 Milliarden Dollar angestiegen. An einigen Handelstagen floss sogar mehr Geld in die Ether-ETFs als in die Bitcoin-Indexfonds.
Marktexperten glauben, dass die ETFs ein wichtiger Hebel für den Ether-Kurs bleiben – vor allem, weil sie für Investoren schon bald interessanter werden dürften. Bislang fehlt ihnen aus regulatorischen Gründen ein entscheidender Renditehebel: das Staking. Beim Staking geben Anleger Ether-Münzen für die Erzeugung neuer Coins frei und werden im Gegenzug mit weiteren Einheiten der Kryptowährung belohnt.
Seit dem Wiedereinzug von US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus weht aber ein kryptofreundlicherer Wind durch die USA. Wichtige Positionen in der einflussreichen Börsenaufsicht SEC hat Trump mit Krypto-Befürwortern besetzt. Experten gehen davon aus, dass die Regulatoren schon bald Staking-ETFs zulassen werden.
3. Ether profitiert von neuen Krypto-Gesetzen
Ether profitiert besonders stark vom neuen politischen Rückenwind. In den vergangenen Tagen profitierte die Kryptowährung – ebenso wie Bitcoin und Co. – von Trumps neuen Rentenplänen, die vorsehen, spezielle Altersvorsorge-Sparpläne für Digitalwährungen zu öffnen. Vor allem aber eines der neuen Kryptogesetze, die die USA derzeit vorantreiben, befeuert die Rally der zweitgrößten Kryptowährung: der sogenannte Genius Act.
Das Gesetz schreibt neue Regeln für den Stablecoin-Markt vor. Stablecoins sind wertstabile Token, die anders als der Bitcoin nicht im Wert schwanken und an eine Fiatwährung wie den Dollar gekoppelt sind. Eine Stablecoin-Münze entspricht also immer einem Dollar. Bislang sind sie vor allem eine Art Cash-Parkplatz für handelsfreudige Kryptoanleger. Doch immer mehr Unternehmen wollen Stablecoins nutzen, weil sie sich dadurch schnellere und günstigere Transaktionen erhoffen.
Ether und Stablecoins sind eng miteinander verwoben. Hinter Ether steht die Blockchain Ethereum – das digitale Datenprotokoll, in dem alle Transaktionen mit der Kryptowährung gespeichert sind. Ethereum stellt für viele Kryptoanwendungen die Infrastruktur bereit. Laut Daten der Analyseplattform DefiLlama läuft die Hälfte aller Stablecoin-Transaktionen über die Ethereum-Blockchain.
Um auf der Ethereum-Blockchain Transaktionen abwickeln zu können, brauchen Investoren Ether-Münzen. Der Stablecoin-Markt sorgt also für Nachfrage nach dem Token. Anleger spekulieren nun darauf, dass die Relevanz von Stablecoins in den nächsten Jahren zunehmen wird.
Der US-Finanzminister Scott Bessent geht davon aus, dass der Markt bis 2030 von derzeit gut 268 Milliarden Dollar auf 3,7 Billionen Dollar anwachsen wird. Wenn dieser Fall eintreten und Ether seine Dominanz halten sollte, würde die Marktkapitalisierung von Ether allein wegen der Stablecoin-Adaption bei 1,85 Billionen Dollar liegen. Das entspräche fast einer Vervierfachung gegenüber dem aktuellen Börsenwert. Bleibt die Anzahl an Token gleich, könnte der Kurs demnach bei 15.600 Dollar liegen. Andere Krypto-Projekte, die auf Ethereum aufbauen, oder reine Kursspekulation wären noch nicht inbegriffen. Aber: Dieses optimistische Szenario hängt maßgeblich davon ab, ob vor allem Unternehmen wirklich Stablecoins nutzen – und ob Ethereum seine Marktmacht aufrechterhalten kann.
Nun ist Ether nicht mehr weit von seinem Rekordhoch aus November 2021 entfernt. Damals notierte die Kryptowährung zeitweise bei rund 4890 Dollar. Aus charttechnischer Sicht hat Ether nun einen technischen Widerstand deutlich durchbrochen: Erstmals seit 2021 hat die Kryptowährung die Marke von 4000 Dollar sichtlich überschritten.
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 9. August. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.
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