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KryptowährungenHandel mit Ether-ETFs startet: Was Anleger jetzt wissen müssen

Nach der Zulassung der Bitcoin-ETFs gehen nun auch Indexfonds für die zweitgrößte Kryptowährung Ether an den Start. Das könnte den Kurs weiter treiben – aber nicht sofort.Philipp Frohn 23.07.2024 - 10:01 Uhr

In den USA können Anleger nun auch in Ether-ETFs investieren.

Foto: REUTERS

Was für manche nur nach einem weiteren Vertriebsweg für Finanzinstitute klingt, ist für die Kryptobranche ein Meilenstein. Die US-Börsenaufsicht SEC gab in der Nacht zum Dienstag bekannt, dass ETFs für Ether – nach Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung – starten dürfen. Anleger haben große Erwartungen: Mit den Indexfonds wird Ether einfacher und erstmals auch für institutionelle Investoren handelbar. Nun hoffen Anleger auf weitere Kurssteigerungen.

Im Mai hatte die US-Börsenaufsicht den Weg für eine Genehmigung frei gemacht, eine finale Zulassung stand bislang aus. Nun dürfen acht Anbieter die Ether-ETFs zum Handel anbieten. Dazu gehören neben BlackRock, dem größten Vermögensverwalter der Welt, auch 21Shares und Ark, hinter der die bekannte Tech-Investorin Cathie Wood steht.

„Dies ist ein zusätzlicher Schritt in den Investmentmainstream und unterstreicht die jüngste Zeitenwende im Sektor“, sagt Timo Emden von Emden Research über die Zulassung der Ether-ETFs. „Die regulatorischen Daumenschrauben werden weiter gelockert.“

Lange war unklar, ob die SEC den Anträgen auf Ether-ETFs stattgeben wird. Vor allem der Mechanismus, um neue Digitalmünzen zu generieren, löste Bedenken bei den Aufsehern aus. Der unterscheidet sich von dem beim Bitcoin. Neue Ether-Einheiten entstehen durch das sogenannte Staking. Stark vereinfacht ausgedrückt geben Ethereum-Anleger beim Staking ihre Coins für die Erzeugung weiterer Digitalmünzen frei und bekommen als Belohnung neue Ethereum-Einheiten. Die US-Börsenaufsicht sieht hier ein Wertpapiergeschäft, für das aber eine entsprechende Lizenzierung fehlt.

Die Anbieter haben auf die Skepsis der SEC reagiert und bieten die ETFs ohne Staking an. Es steht also die Frage im Raum, ob Anleger zu den Indexfonds greifen oder doch lieber direkt in Ether investieren. Hier können sie nicht nur von möglichen Kurssteigerungen profitieren, sondern auch laufende Erträge durch Staking-Rewards erzielen.

Bislang keine Kursexplosion bei Ether

Dass der Ether-Kurs bislang kaum auf die finale Zulassung reagierte, überrascht Analyst Emden nicht: „Die Marktreaktion fällt überschaubar aus, da Anleger die finale Zulassung im Vorfeld antizipiert haben.“ Allein seit Jahresbeginn stieg der Kurs um gut 46 Prozent auf zuletzt 3440 Dollar.

Die Zulassung der Bitcoin-ETFs im Januar hatte den gesamten Kryptomarkt nach oben gezogen. Außerdem profitiert auch Ether von der Aussicht auf sinkende Zinsen und einer möglichen Rückkehr von Ex-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus. Der Republikaner hat sich zuletzt kryptofreundlich positioniert.

Krypto-ABC: Die wichtigsten Begriffe verständlich erklärt
Der Fokus am Kryptomarkt liegt klar auf dem Bitcoin. Unter Altcoins versteht man Kryptowährungen, die nach der ältesten Digitalwährung erfunden wurden und eine Alternative zum Bitcoin darstellen. Beispiele dafür sind Ethereum, Cardano oder Solana.
Der Bitcoin ist nicht nur die dem Volumen nach größte, sondern auch die älteste Kryptowährung der Welt. Schon im Oktober 2008 skizzierte Satoshi Nakamoto, das Pseudonym des Bitcoin-Erfinders, in einem Whitepaper mit dem Titel „A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, wie so eine virtuelle Währung aussehen könnte. Kurz darauf, im Januar 2009, wurden die ersten Bitcoin geschürft. Weil Nakamoto unter einem Pseudonym agierte, ist bis heute unklar, wer genau den Bitcoin ins Leben gerufen hat.
Transaktionen von Kryptowährungen werden auf der Blockchain dokumentiert. Die Blockchain ist eine öffentliche, dezentrale Datenbank. Die Informationen werden nicht auf einem einzelnen Server, sondern auf vielen tausenden Rechnern gespeichert. „Chain“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Kette“.Jede Transaktion wird in einem Block gespeichert und an eine Kette der bereits vorhandenen Datensätze angehängt. Deshalb wird die Blockchain auch digitales Kassenbuch genannt. Die gespeicherten Daten können im Nachgang nicht mehr oder nur mit Zustimmung des Netzwerkes geändert werden. So soll ein fälschungssicheres Protokoll entstehen.
Ether ist hinter dem Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung und basiert auf der Ethereum-Blockchain. Im Vergleich zur Bitcoin-Blockchain gilt diese als moderner und leistungsfähiger und soll in Kürze auf das energiesparendere Proof-of-Stake-Verfahren umgestellt werden. Auch Smart Contracts können über Ethereum gehandelt werden. Beliebt ist die Kryptowährung auch, weil NFTs (non fungible Token) oft auf Ethereum basieren und deshalb mit Ether bezahlt werden.
Mining ist das Erzeugen (Schürfen) neuer Coins. Bei diesem Prozess stellen Miner im Fall des Bitcoin die Rechenleistung ihrer Computer zur Verfügung, um komplexe mathematische Aufgaben zu lösen. So werden Transaktionen verifiziert und auf der Blockchain gespeichert. Die Miner werden fürs Bereitstellen der Rechenleistung mit neu generierten Bitcoin belohnt.Bei einigen anderen Kryptowährungen basiert das Mining dagegen nicht auf Rechenleistung, sondern auf den Anteilen der Netzwerk-Teilnehmer an der jeweiligen Kryptowährung (siehe Proof of Stake). In diesem Fall wird das Mining deshalb auch oft als Staking bezeichnet. Auch dafür bekommen Teilnehmer eine Prämie, also quasi eine Art Verzinsung für ihren Anteil.
Minten bezeichnet das Erstellen eines NFTs (non fungible Token). Mit dem „Prägen“ des Bildes ist in diesem Fall das Hochladen in die Blockchain gemeint.
Die Abkürzung NFT steht für non-fungible Token, also nicht austauschbare Wertmarken. NFTs sind virtuelle Güter, die über die Blockchain gehandelt werden. Oft sind es etwa digitale Bilder oder Sammelkarten. Jeder NFT ist einzigartig. Wer einen kauft, wird in der Blockchain als Eigentümer registriert und kann so beispielsweise ein Echtheitszertifikat für ein virtuelles Bild oder ein digitales Kunstwerk vorweisen.
Mit dem Proof-of-Work-Verfahren werden neue Münzen einiger Kryptowährungen wie dem Bitcoin geschaffen. Dafür stellen die Miner die Rechenleistung des Systems zur Verfügung, um komplexe Aufgaben zu lösen. Wer es zuerst schafft, die Aufgabe zu lösen, darf den Block an die Blockchain anhängen und erhält eine Belohnung in Form digitaler Münzen. Der Proof-of-Work-Ansatz gilt als besonders energieintensiv.
Einige Blockchains basieren auf dem Proof of Stake-Verfahren. Anders als bei Proof of Work werden dabei fürs Mining keine umfangreiche Hardware und große Mengen an Rechenleistung benötigt. Proof of Stake gilt daher als wesentlich energieschonender.Statt dessen dürfen diejenigen Transaktionen und neue Coins freigeben, die einen besonders hohen Anteil an einer Kryptowährung halten. Sie werden dann Validatoren genannt. Der Prozess beruht auf einem Konsensmechanismus. Je höher der Preis, desto höher die Anzahl der Coins, um am Prozess teilzunehmen.
Smart Contracts sind virtuelle Verträge, die über die Blockchain getauscht werden. Diese treten unter bestimmten zuvor festgelegten Bedingungen selbstständig in Kraft. Insbesondere Banken und andere Finanzinstitute sehen in Smart Contracts einen großen Nutzen. Sie könnten zum Beispiel beim Börsenhandel Intermediäre – also zwischengeschaltete Stellen wie Wertpapierbroker– überflüssig machen.
Die Wallet ist eine Art digitale Geldbörse für Kryptowährungen. Sie ermöglicht es Nutzern, Kryptoguthaben zu kaufen und zu verschicken. Es gibt mehrere Arten von Wallets. Die Hardware-Wallet ist quasi ein USB-Stick, auf dem das Kryptovermögen und die Zugänge eines Nutzers gespeichert sind. Eine Paper-Wallet wird auf Papier ausgedruckt.Dafür wird ein QR-Code generiert, den man einscannen muss, um Transaktionen zu tätigen. Eine Software-Wallet kommt ohne externe Geräte oder Papierausdrucke aus. Hier werden die Daten in einem Computerprogramm gespeichert. Nutzer dürfen ihre Zugangsdaten nicht vergessen: Sonst bliebe ihnen der Zugriff auf ihr Kryptovermögen verwehrt.
Dieses Krypto-ABC entstammt dem großen Krypto-1x1 der WirtschaftsWoche: Das vollständige Dossier finden Sie hier zum Download

Womöglich könnte der Ether-Kurs nach der Zulassung auch erst mal nachgeben. Anleger, die auf die Genehmigung spekuliert hatten, könnten ihre Gewinne versilbern und den Ether-Preis damit drücken. Beim Bitcoin war dies zunächst der Fall. „Erst auf mittelfristige Sicht dürfte sich die Wirkung der jüngst zugelassenen Anlagevehikel entfalten“, erwartet Analyst Emden.

Für deutsche Anleger sind die neuen Ether-ETFs aus regulatorischen Gründen nicht investierbar. Sie profitieren nur, wenn der Ether-Kurs durch Liquiditätszuflüsse steigt. Deutsche Anleger haben aber andere Möglichkeiten, um in die Kryptowährung zu investieren. Über börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen (ETPs) können sie über klassische Anbieter wie die Consorsbank oder die ING bei Ether einsteigen. Auch bei Neobrokern wie Trade Republic können Anleger in die Digitalwährung investieren.

Lesen Sie auch: Warum Anleger auf einen weiteren Bitcoin-Boom spekulieren

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