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Notenbank FedTrump entlässt Fed-Gouverneurin Cook: Sorge um Unabhängigkeit der Notenbank

Seit Monaten liefert sich US-Präsident Trump eine Keilerei mit der Notenbank Fed, weil er Zinssenkungen will. Jetzt greift er zu härteren Mitteln. 26.08.2025 - 10:31 Uhr
Fed-Gouvaneurin Lisa Cook: „Der Präsident gab an, mich ‚mit Gründen‘ zu feuern, während rechtlich keine Gründe existieren.“ Foto: REUTERS

US-Präsident Donald Trump greift in die Personalpolitik der Notenbank Federal Reserve (Fed) ein. Fed-Gouverneurin Lisa Cook werde mit sofortiger Wirkung aus ihrem Amt im Vorstand entlassen, teilte der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social mit. Als Grund nannte der Präsident in seinem Brief an Cook, dass es hinreichende Gründe für die Annahme gebe, dass sie in einem oder mehreren Hypothekenverträgen falsche Angaben gemacht habe.

Ein Präsident kann per Gesetz Zentralbank-Gouverneure nur entlassen, wenn es hinreichende Gründe gibt. Cook machte deutlich, dass sie um ihren Posten kämpfen will. „Der Präsident gab an, mich ‚mit Gründen‘ zu feuern, während rechtlich keine Gründe existieren – und er keine Vollmachten hat, dies zu tun“, hieß es in einer Stellungnahme ihrer Anwaltsfirma, die unter anderem der Finanzdienst Bloomberg und die Website „Axios“ verbreiteten. Sie werde weiter ihr Amt ausüben. Cook kann vor Gericht die Wiederherstellung ihres Mandats beantragen.

Schon vor Tagen hatte sich angedeutet, dass der US-Präsident Cook loswerden will. Auf eine Frage eines Journalisten, ob er sie feuern werde, hatte er gesagt: „Ja, ich werde sie feuern, wenn sie nicht zurücktritt.“

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Cook war zuletzt in die Schlagzeilen wegen Vorwürfen über Unregelmäßigkeiten bei der Aufnahme von Krediten für Immobilien geraten. Der Chef der staatlichen Häuserfinanzierungsbehörde hatte sich in einem Brief an US-Justizministerin Pam Bondi gewandt und die Vorwürfe darin thematisiert.

Cooks Entlassung stellt nun eine Eskalation in Trumps Bestreben dar, die Führung der Fed nach seinen Vorstellungen umzubauen. Die Abberufung Cooks, deren Amtszeit bis 2038 gelaufen wäre, könnte Trumps Pläne beschleunigen. Er hat bereits die Fed-Gouverneurin Michelle Bowman zur obersten Bankenaufseherin befördert und erwägt offenbar, den von ihm ernannten Gouverneur Christopher Waller zum Nachfolger von Notenbankchef Jerome Powell zu machen. Dessen Amtszeit endet im kommenden Mai.

Trump will Senkung des Leitzinses

Der Präsident drängt die Notenbank seit Monaten zu aggressiven Zinssenkungen, während die Währungshüter angesichts anhaltender Inflationssorgen eine stabile Geldpolitik verfolgen. Der Notenbank-Rat zögert auch wegen Trumps Importzöllen. Forderungen Trumps an den Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, zurückzutreten, blieben erfolglos. Und seinen Drohungen, ihn notfalls zu feuern, folgten bislang keine Taten.

Lisa Cook: Amtszeit eigentlich bis 2038

Ökonomin Cook ist seit Mai 2022 Mitglied des Vorstands. Ihre Amtszeit läuft nach Fed-Angaben eigentlich bis zum 31. Januar 2038. Vor ihrer Berufung war sie unter anderem als Professorin für Wirtschaftswissenschaften und Internationale Beziehungen an der Michigan State Universität tätig.

„Das Manöver ist durchsichtig und perfide. Trump geht es nicht nur um die unmittelbare Mehrheit, die er im siebenköpfigen Fed-Direktorium schaffen kann, wenn er Cook ersetzt“, kommentiert Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt Hamburg Commercial Bank. „Es geht ihm auch darum, die Wiederernennung der Fed-Präsidenten der zwölf Fed-Distrikte zu beeinflussen, was am 1. März 2026 für alle Fed-Präsidenten ansteht.“

Notenbank-Personalie belastet Dax

Der deutsche Aktienmarkt startet mit Verlusten in den Handel. Der sich zuspitzende Machtkampf um die personelle Besetzung der US-Notenbank Fed sowie eine drohende erneute Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China halten die Anleger vorerst in der Defensive.

In den ersten Handelsminuten fiel der Leitindex Dax um 0,7 Prozent auf 24.110 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen büßte ebenfalls 0,7 Prozent auf 30.855 Zähler ein. Für den EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone ging es um 0,9 Prozent abwärts.

Eskalation zwischen Trump und Notenbank treibt Goldpreis an

Der Goldpreis wiederum ist nach der Eskalation im Konflikt zwischen der US-Regierung und der Notenbank Fed deutlich gestiegen. In der Nacht zum Dienstag legte der Preis für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) an der Börse in London in kurzer Zeit um fast 40 US-Dollar zu und stieg bis auf rund 3386 Dollar. Am Morgen kostete Gold zuletzt 3376 Dollar je Feinunze.

Gold gilt bei vielen Investoren als sogenannter sicherer Hafen und wird deshalb besonders in Krisen und bei Unsicherheiten nachgefragt.

Zudem mache die Eskalation zwischen Trump und der Fed ein Szenario wahrscheinlicher, in dem die Fed zunehmend politisch dominiert werde, kommentierten Analysten der Dekabank. Dies könnte zu Zinssenkungen in den USA führen.

Die Aussicht auf sinkende Zinsen in den USA erhöht in der Regel die Nachfrage nach dem Edelmetall, das keine Marktzinsen abwirft.

dpa, rtr
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