Attentat in Utah: So radikal reagiert Donald Trump auf die Ermordung von Charlie Kirk

Es passierte ausgerechnet auf einem Uni-Campus. Kritisches Denken, offene Debatte und die Lust am Streit – das soll hier Alltag sein. Genau deshalb wählte Charlie Kirk am Mittwoch die Utah Valley University mit ihren rund 40.000 Studierenden als Bühne.
„The American Comeback“ heißt seine Tour, mit der er durchs Land zog, um junge Menschen für Donald Trumps Politik zu gewinnen. „Turning Point USA“ ist seine rechtskonservative Bewegung, die Charlie Kirk bereits als 18-Jähriger mitgegründet hat.
Der 31-Jährige gilt heute als der wichtigste MAGA-Einflüsterer für die junge Wählerschaft, mehr als acht Millionen Follower hat er auf Instagram, mehr als fünf Millionen auf der Plattform X. Als Trump am 5. November erneut zum US-Präsidenten gewählt wurde, waren Kirks Freudentränen live im Stream zu sehen.
Wer war Charlie Kirk?
Für seine Gegner war Kirk ein Hetzer, für seine Anhänger ein Held. Er provozierte – und schätzte doch den Widerspruch. „Prove me wrong Table“ nannte er den Tisch, den er bei seinen Veranstaltungen demonstrativ aufbaute, um sich von seinen Kritikern vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Abtreibungen, Abschiebungen, Israel-Kritik: Es waren umstrittene, teils polemische und heftige Diskussionen – immer aber auch: „free speech“, der freie Austausch von Meinungen, der in Amerika obersten Verfassungsrang hat.
Doch am Mittwoch wurde der Austausch nicht durch Worte beendet – sondern durch eine Waffe.
Kirk wurde während seines Auftritts regelrecht hingerichtet, offenbar vom Dach eines Universitätsgebäudes, rund 20 Minuten, nachdem er auf die Bühne gegangen war. Im Netz kursieren Videos von dem Angriff. Details zum Täter und Motiv waren in der Nacht zu Donnerstag noch nicht bekannt. Doch bereits jetzt ist klar: Das Attentat auf Charlie Kirk ist ein Angriff auf die DNA der USA.
Politische Gewalt in den USA nimmt zu
Nicht erst seit Trumps neuer Amtszeit steht das Land vor einer Zerreißprobe. Die politische Gewalt nimmt zu: Auf Trump selbst gab es mehrere Anschlagsversuche. Im Juni wurden in Minnesota die demokratische Kongressabgeordnete Melissa Hortman und ihr Ehemann erschossen. Der demokratische Senator John Hoffman und seine Frau wurden bei einem weiteren Angriff verletzt. Im April wurde das Haus von Gouverneur Josh Shapiro, ebenfalls Demokrat, in Brand gesetzt – als Motiv nannte der Täter „Hass auf Shapiro“. 2022 stürmte ein Mann das Haus von Nancy Pelosi – damals Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses – und verletzte ihren Ehemann schwer. 2021 erstürmten Trumps Anhänger das Kapitol. 2020 planten Bewaffnete die Entführung der demokratischen Gouverneurin von Michigan.
Wer politische Gegner mundtot macht oder gar tötet, zerstört genau das, was er vermeintlich schützen will: die Freiheit – die in den USA immer mehr zum Kampfbegriff wird.
Kirks Ermordung droht nun als Treibstoff für die weitere Polarisierung und Radikalisierung missbraucht zu werden. „Wir haben kein Waffenproblem – wir haben ein Demokratenproblem“, zischt die republikanische Aktivistin Isabella Maria DeLuca schon auf X. Sie war am Sturm auf das Kapitol beteiligt und wurde von Trump noch am ersten Tag seiner neuen Amtszeit begnadigt.
Es wäre jetzt an Trump, die weitere Spaltung seines Landes zu verhindern. Ausgerechnet.
Doch der US-Präsident schimpfte in seiner Fernsehansprache am Mittwochabend bereits selbst über die „radikale Linke“. Ihre „Art von Rhetorik“ sei „direkt verantwortlich für den Terrorismus, den wir heute in unserem Land erleben, und sie muss sofort aufhören.“
Radikale Linke? Sofort aufhören? Das klingt nicht nach einem Ende – sondern vielmehr nach dem Anfang einer neuen Eskalation, die für die USA fatale Folgen haben kann.
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