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AutoindustrieDer Phantomschmerz des Verbrenners

Das Verbrennerverbot ist zum Symbol für den industriellen Abstieg Deutschlands geworden – und vernebelt den Blick, wie die Autobranche sich in Zukunft behaupten kann. Also: weg damit! Ein Kommentar.KOMMENTAR von Horst von Buttlar 01.10.2025 - 08:02 Uhr
Mitarbeiter der Porsche AG montieren im Hauptwerk in Stuttgart den Motor eines Porsche 911 Foto: dpa

Ich wäre ja für ein Aus des Verbrennerverbots. Aber aus anderen Gründen, als Sie vielleicht denken. Das Ende des Verbrenners ist zu dem Symbol für den industriellen Abstieg Deutschlands geworden – und für den Kampf um den Standort.

Der Verbrenner ist auf der einen Seite: Phantomschmerz, Schicksalsfrage, Grabenkampf, er ist Leitmotiv im nicht abklingenden Stakkato der Massenentlassungen, und jetzt auch noch mitverantwortlich für den Aufstieg der AfD.

Auf der anderen Seite haben sich die Befürworter des Verbrenner-Aus, ähnlich wie bei der Atomkraft, formal verschanzt. Bei der Kernenergie hieß es oft: Der Ausstieg ist beschlossene Sache. In der Autobranche lautet das Mantra: Der Elektromobilität gehört die Zukunft. Streng genommen sind das keine Argumente, sondern Formeln und Parolen.

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Millionen Autos
weniger werden laut Schätzungen in Europa verkauft

Diese Auf- und Überladung einer ­Antriebstechnologie vernebelt den Blick, wie komplex und vielschichtig die Herausforderungen der Autobranche sind. Der Verlust von Marktanteilen in China? Die neuen Angreifer von BYD bis Xiaomi? Haben nix mit dem EU-Verbrennerverbot zu tun. Das gleiche gilt für den Rückstand bei Software und Vernetzung oder die Tatsache, dass der europäische Markt um zwei Millionen Autos geschrumpft ist.

Was würden Trump und die Chinesen tun?

Genauso müßig ist es allerdings, immer und immer wieder zu feixen, welche Versäumnisse es in Wolfsburg, München und Stuttgart gegeben hat, welche Fehlentscheidungen. Fakt ist: Die Autobauer haben umgestellt und respektable Modelle.

Aber der Hochlauf ist zäh, der Verlauf der Transformation dieser Schlüsselbranche ist – vor allem bei den Zulieferern – so herausfordernd und teils verheerend, dass man nicht einfach zuschauen kann. Das sollte die Leitfrage für den Autogipfel nächste Woche sein, wenn schon die Politik das Ganze zur Chefsache macht.

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Was würden die Chinesen oder ­Donald Trump tun? Den europäischen Markt vor den BYDs dieser Welt mit ­Zöllen abschotten, den Verbrenner laufen lassen – und deutsche E-Autos massiv subventionieren. Das will hier keiner, aber das ist die harte Realität der Weltwirtschaft, in der mit anderen Bandagen und ohne reine Lehren gespielt wird.

Keine technologische Dolchstoßlegende!

Ein Ende des Verbrenners darf nicht zur technologischen Dolchstoßlegende werden. Ein Ende des Verbots würde den Blick schärfen und die politische Fixierung lösen.

Die Autokonzerne hätten keine Ausflüchte und Ausreden mehr. Sie könnten entscheiden, wie stark sie auf E-Antriebe, auf Hybride oder noch auf den Diesel setzen. Damit hätten auch die Zulieferer Klarheit, die teils massiv in neue Technologien investiert haben, ohne dass die Umsätze entsprechend kommen.

Und noch etwas wäre vom Tisch: Das ständige Hin und Her und Rein und Raus. Die Autobranche braucht Planbarkeit, Beständigkeit – und natürlich auch Ehrgeiz. Wenn aber andere Regelsysteme greifen, wie etwa der CO2-Preis, wird sich der Markt entsprechend entwickeln.

Das stärkste Argument für ein Aus bleibt der Klimaschutz; doch angesichts des Ausscherens der USA werden ein paar Jahre keinen Unterschied machen. Der Treiber für den Umstieg ist eh nicht die Klimabewegung – sondern sind die Angreifer aus China, die den Weltmarkt aufrollen.

Es hilft niemandem, wenn Süddeutschland so entkernt wird, dass wir um den Preis Zehntausender Arbeitsplätze 2035 Ausstiegsdaten feiern, die für das Welt­klima irrelevant sind. Wenn der Elektromobilität die Zukunft gehört, wird sie diese auch von allein gewinnen.

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