Sparhandy: Freenet könnte Deutschlandgeschäft von Mobilezone übernehmen
Der Telekommunikationsanbieter Freenet soll nach Informationen der WirtschaftsWoche am Kauf des Deutschlandgeschäfts der Schweizer Mobilfunkholding Mobilezone interessiert sein. Die Verhandlungen sollen weit fortgeschritten sein, wie mehrere Quellen der WirtschaftsWoche berichteten. Der Kauf wäre die erste große Amtshandlung des im Juni neu gestarteten Freenet-Vorstandschefs Robin Harries.
Zu dem Deutschlandgeschäft gehören neben dem Flaggschiff Sparhandy auch die Marken Deinhandy und der virtuelle Netzbetreiber High. Freenet wollte sich auf Anfrage zu einer möglichen Übernahme nicht äußern. Bis zum Redaktionsschluss erhielt die WirtschaftsWoche keine Antwort auf die Anfragen bei Mobilezone in Deutschland und in der Schweiz.
Das Deutschlandgeschäft gilt seit längerem als Sorgenkind innerhalb der Mobilezone Holding. Wegen einer schlechteren Entwicklung hierzulande hatte der börsennotierte Konzern schon im Dezember 2024 eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Die Holding macht 72 Prozent ihres Geschäfts in Deutschland. Hierzulande fiel der Umsatz im ersten Halbjahr 2025 um 9 Prozent. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) sank von 15,3 auf 13,3 Millionen Euro. Im Jahr 2024 war die Umsatzrentabilität bereits von 4,5 auf 3,0 Prozent gesunken. Der Vermittler schloss nur 499.000 neue Verträge ab – zehn Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Deutschland-Geschäftsführer Wilke Stroman hatte zuletzt erfolglos für das Präsidentenamt beim Fußballclub 1. FC Köln kandidiert, aber bei der Wahl am vergangenen Wochenende nur 25 Prozent der Stimmen bekommen. Die WirtschaftsWoche hatte über Auffälligkeiten im Geschäftsgebaren des Vermittlers berichtet.
Im Dezember gab es eine Serie von 54 mutmaßlichen Betrugsfällen in Berlin, die über Sparhandy aktiviert worden waren. Dabei fiel auf, dass bei Sparhandy online abgeschlossene Verträge wie Shopverträge wirkten. Das könnte Auswirkungen auf die Provisionszahlung haben. Mobilezone wies das vollumfänglich zurück.
Freenet dagegen hatte 2024 in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld seinen Umsatz um 3,9 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro und den Gewinn um 3,5 Prozent auf 521 Millionen Euro gesteigert. Ein Zukauf von Sparhandy und den übrigen Marken von Mobilezone in Deutschland könnte die Präsenz des virtuellen Netzbetreibers im Online-Geschäft deutlich stärken. In einem von Verdrängung geprägten Markt könnte allerdings eine Kannibalisierung stattfinden. Sparhandy vermarktet ohnehin bereits Verträge für Freenet.
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