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KleinwagenSmart ist Schlüssel zu Daimlers Zukunft

Der neue Smart kommt, sogar als Viersitzer. Das gab es schon mal - und floppte. Doch Daimler hat gelernt und beweist, dass der City-Flitzer mehr als ein Mosaikstein im großen Premium-Konzept ist.Rebecca Eisert 17.07.2014 - 10:00 Uhr aktualisiert

Der Smart musste anfangs viel Spott ertragen: Mal wurde er „motorisierter Einkaufswagen“ oder schlicht „Bobbycar“ genannt. Doch selbst die über Jahre eingefahrenen Verluste haben Daimler nicht von dem Kleinstwagenkonzept abgebracht. 16 Jahre nach der Premiere des ersten Smart fortwo haben die Stuttgarter jetzt die dritte Generation ihres Winzlings vorgestellt.

Foto: REUTERS

Am Konzept des Stadtflitzers hat sich wenig geändert, bei Design und Technik schon: Wie der Vorgänger ist er exakt 2,69 Meter lang, die Dreizylindermotoren sitzen nach wie vor im Heck, auch die zweifarbige Lackierung bleibt erhalten. Doch sonst ist alles neu: Die Optik ist eigenständiger geworden, aber dennoch typisch Smart geblieben. Die Motoren stammen von Renault, der Kleinstwagen wurde zusammen mit den Franzosen entwickelt.

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Neben dem „Klassiker“ fortwo feierte auch gleich sein viersitziger Ableger Premiere: der forfour. Unter diesem Namen gab es von 2004 bis 2006 bereits einen Viersitzer von Smart, damals auf der Plattform eines Mitsubishi Colt. Der Wagen floppte am Markt. Der neue forfour teilt sich zwar wieder die Plattform mit einem Konkurrenten, dem Renault Twingo. Trotzdem soll alles besser – und vor allem eigenständiger – werden. So sind laut Smart nur zehn Prozent der Karosserieteile mit dem Twingo identisch, Gemeinsamkeiten gibt es nur unter dem Blech.

Foto: dpa

Zur Premiere der „jungen“ und „hippen“ Smart-Modelle gibt sich sogar Daimler-Chef Dieter Zetsche (im Bild mit Smart-Chefin Annette Winkler) in Jeans und Ledersneaker ungewohnt leger – sogar auf eine Krawatte hat er verzichtet.

Foto: REUTERS

Dank der Kooperation mit dem französisch-japanischen Autobauer Renault-Nissan könne Daimler den neuen Smart günstiger produzieren, bestätigte auch Konzernchef Dieter Zetsche zur Premiere in Berlin. „Mit dem Kooperationspartner Renault-Nissan zeigen wir auch, dass wir den Business Case deutlich verbessern können“, sagte er.

Foto: REUTERS

Gegenüber der zweiten Generation ist der fortwo zwar keinen Millimeter länger, aber zehn Zentimeter breiter geworden. Das soll nicht nur etwas mehr Platz im Innenraum bringen, sondern auch das Fahrverhalten stabiler machen. Die neuen Smarts sollen im November in den Handel kommen. Der Zweisitzer steht mit mindestens 10.300 Euro in der Preisliste, dafür gibt es einen 1,0-Liter-Saugmotor mit 60 PS. Für den forfour mit diesem Triebwerk werden 600 Euro mehr fällig. Dafür gibt es dann 80 Zentimeter mehr Länge, zwei Türen und zwei Sitzplätze mehr sowie mehr Platz für das Gepäck.

Foto: Presse

Die 60-PS-Version wird zum Marktstart allerdings noch nicht verfügbar sein, so lange bildet die 71 PS starke Variante des Dreizylinders die Einstiegsmotorisierung. Die kostet dann 10.895 Euro für den fortwo und 11.495 Euro für den forfour. Ein 0,9-Liter-Turbobenziner mit 90 PS rundet vorerst das Angebot nach oben ab, eine stärkere Brabus-Version wird später das obere Ende der Motorenpalette beschließen. Der 0,8-Liter-Diesel ist bereits bei den letzten Fahrzeugen der zweiten Generation aus dem Programm geflogen. Der Smart electric drive wird übrigens noch zwei Jahre auf Basis des alten Smarts weitergebaut, erst dann folgt der Umstieg auf die aktuelle Generation.

Foto: Presse

Der Zweisitzer wird wie seine Vorgänger weiter im französischen Smart-Werk in Hambach gefertigt. Die Motoren liefert Renault in seinem Fall nur zu.

Foto: Presse

Anders ist die Lage beim forfour: Er läuft gemeinsam mit seinem Schwestermodell Twingo im slowenischen Renault-Werk in Novo Mesto vom Band.

Foto: Presse

Maßstäbe setzen wollen beide Modelle nicht nur wieder bei der Farbvielfalt, sondern auch in Sachen Konnektivität. Hier verspricht Smart eine einfache Koppelung mit dem Smartphone und eine leichte Bedienung. Im Gegensatz zum Twingo soll der forfour auch mit einem hochauflösenden Display im Tachometer punkten – ganz ein Auto des Jahrgangs 2014 eben.

Foto: Presse

In insgesamt 16 Jahren Bauzeit hat das Kleinstwagen-Projekt von Daimler bereits viele Höhen und Tiefen erlebt. 1998 erblickte der Smart in seiner Ursprungsform das Licht der Welt. Als die erste Generation (links im Bild) auf den Markt kam, trug das damals einzige Modell von Smart noch den Namen „City-Coupé“. Erst mit der Modellpflege im Jahr 2003 (rechts) kam die heutige Bezeichnung „fortwo“ auf den Kofferraumdeckel. Der Grund: Der viersitzige „forfour“ stand bereits in den Startlöchern und kam 2004 auf den Markt.

Foto: Presse

Der gerade einmal 2,50 Meter lange Zweisitzer war ein Novum in der deutschen Autoindustrie. Wo andere Autos nur längs parken konnten, passte der praktische Stadtflitzer auch quer in sonst viel zu kleine Lücken. Diese nahezu unschlagbaren Vorteile im Stadtverkehr ließ sich der DaimlerChrysler-Konzern gut bezahlen, der Smart war stets teurer als geräumigere Modelle der Konkurrenz. Das zieht sich bis heute durch: Gebrauchtwagen der bis 2007 gebauten ersten Generation fallen nur langsam unter die Marke von 1.000 Euro.

Foto: Presse

Dafür gehört der Kleinstwagen dank seines niedrigen Gewichts und seinen kleinen Motoren zu den sparsamsten Gebrauchtwagen. Der ab 2000 angebotene Diesel mit 0,8 Litern Hubraum und 41 PS verbraucht in der Norm nur 3,4 Liter, die Benziner (45-80 PS) können da nicht mithalten.

Foto: Presse

Um aus Smart einen Hersteller mit mehr als nur einem Modell zu machen, entschieden sich die Verantwortlichen in Stuttgart, die Modellpalette um zwei emotionalere Fahrzeuge zu erweitern. Heraus kam dabei der Smart Roadster und das Roadster-Coupé (im Bild). Das Konzept der sportlichen Zweisitzer sollte an die puristischen Roadster der 1950er und 1960er Jahre erinnern. Da die Roadster-Modelle allerdings die 0,7-Liter-Benziner (61 oder 82 PS) und das nur mit langen Pausen schaltende Getriebe des Stadtflitzers fortwo übernehmen mussten, floppten sie am Markt – für einen sportlichen Zweisitzer war das einfach nicht sportlich genug. Nach nur zwei Jahren Bauzeit wurden sie 2005 eingestellt.

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2004 brachte Smart den „forfour“ auf den Markt, der erste Viersitzer der Marke – auf Wunsch war auch ein fünfter Sitzplatz erhältlich. Der forfour basierte auf der Plattform des Mitsubishi Colt und wurde zusammen mit diesem im niederländischen Mitsubishi-Werk Born gebaut. Auch die Technik teilte er sich mit dem Colt, die Motoren – allesamt Vierzylinder – hatten also nichts mit den Dreizylindern aus fortwo und Roadster gemeinsam.

Foto: Presse

Doch der forfour blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Lediglich im ersten Jahr übertraf er die Absatzziele, 2005 konnte Smart nur noch rund die Hälfte der angepeilten 80.000 forfour verkaufen. Er war für das besonders preissensible Kleinwagensegment schlicht zu teuer. Aus diesem Grund wurde die Produktion Mitte 2006 wieder eingestellt. So blieb mit dem Produktionsstopp des Roadsters ein Jahr zuvor nur noch der fortwo übrig. Smart fuhr zu dieser Zeit hohe Verluste ein und sollte sich fortan nur auf ein Modell konzentrieren, umd die defizitäre Marke in die schwarzen Zahlen zu führen.

Foto: AP

Um den Absatz wieder anzukurbeln, kam 2007 die stark überarbeitete zweite Generation des fortwo zu den Händlern. Etwa 90 Prozent aller Teile waren neu, einschließlich der Motoren und des stark kritiserten automatisierten Schaltgetriebes. Um den Smart auch auf anderen Märkten, etwa den USA, anbieten zu können, musste der Fußgängerschutz verbessert werden. Aus diesem Grund – und natürlich auch optischen Vorlieben – wuchs der zweite fortwo insgesamt 19,5 Zentimeter in die Länge. Mit dem nun 2,69 Meter langen Kleinstwagen war das anfangs beworbene Querparken nicht mehr möglich.

Foto: Presse

Im Herbst 2011 folgte eine dezente Modellpflege. Erstmals gab es etwa einen mattgrünen Lack, zudem wurde vorne eine neue Stoßstange mit LED-Tagfahrlichtern verbaut. Das Cabrio erhielt neue Stoffe für das Verdeck. Die Leistung der Motoren bleib unangetastet, der Verbrauch wurde aber durch die Bank gesenkt. Der Dieselmotor stand mit nur noch 3,3 Litern in der Liste.

Foto: Presse

Bereits 2009 liefen die ersten 100 Elektro-Smarts vom Band. Wer einen Smart electric drive fahren wollte, konnte diesen aber nicht kaufen. Die Fahrzeuge wurden nur an Kunden in Berlin verleast, die an dem Projekt „e-mobility Berlin“ teilnahmen. Das Projekt wurde gemeinsam von Daimler-Chef Dieter Zetsche und dem damaligen RWE-Vorsitzenden Jürgen Grossmann geleitet. Dabei wollten sowohl der Autobauer als auch der Energieversorger die Alltagstauglichkeit von Eletroautos in einem Flottenversuch testen.

Foto: dpa

Erst drei Jahre später kam die Serienversion des Smart electric drive (erkennbar an der metallicgrünen Sicherheitszelle) auf den Markt. Im Jahr 2013 wurden von dem mindestens 18.910 Euro teuren Elektro-Smart in Deutschland 1.900 Fahrzeuge privat zugelassen, womit der hierzulande die E-Auto-Statistik anführt. Der Preis bezieht sich allerdings auf eine Option mit Batterie-Leasing, was nochmals 65 Euro pro Monat kostet. Ein Smart electric drive mit Batterie kostet 23.680 Euro, die besser ausgestattete und etwas stärkere Brabus-Variante (82 statt 75 PS) mindestens 29.990 Euro.

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Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung im September 2013 für Daimler das Smart-Konzeptauto „forjoy“ vor. Optisch soll die Studie einen Ausblick auf die 2014er Smart-Generation geben. Was von dem Design im endgültigen Fahrzeug übrig bleibt, ist – wie bei einer Studie typisch – unklar. Nur soviel ist sicher: Das Serienmodell wird über ganz gewöhnliche Türen verfügen.

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Zwei Meter neunundsechzig – und keinen Millimeter mehr. Der neue Smart bleibt, was er  ist – ein ultrakleiner Stadtflitzer. Das Auto, das selbst noch im Hinterhof zwischen zwei Mülltonnen Platz findet, das vorwärts einparkt, wo „normale“ Autos längs zur Fahrbahn stehen. Die Schwaben haben den Rat „ändere nie ein funktionierende System“ befolgt und obendrein noch die Macken des Vorgängers beseitigt.

So gibt es jetzt endlich eine ordentliche Federung und eine Fünfgang-Handschaltung mit Schaltknauf. Die gewöhnungsbedürftige Halbautomatik gehört damit der Vergangenheit an. Daimler hat aus den Fehlern der selbigen gelernt. Den wohl größten haben Zetsche und der damalige Smart-Chef Andreas Renschler 2004 begangen. Den Smart forfour in Kooperation mit Mitsubishi.

Lauter lustige Knubbelnasen - Weltpremiere vom neuen Smart

Der neue forfour muss klappen

Der Viersitzer sah nicht aus wie ein Smart und hatte auch nicht dessen Architektur. Basis war eine Mitsubishi-Plattform. Das Modell machte weder seinen Besitzern noch den Mercedes-Managern viel Freude. „Die Kosten sind völlig aus dem Ruder gelaufen“, erinnert sich Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach. Nach anfänglich guten Verkaufszahlen, brach die Nachfrage dramatisch ein.

Daimler hatte den Wettbewerb auf dem Kleinwagenmarkt unterschätzt, 2006 wurde der forfour eingestellt. Eine Schmach für den erfolgsverwöhnten Premiumautobauer. In den Stuttgarter Büros ist die Anspannung dieser Tage denn auch merklich höher. „Dieser Schuss muss sitzen“, sagt Bratzel. Ein zweites Mal möchte sich keiner blamieren. Die Chancen stehen gut, dass es dazu nicht kommen wird.

Die neuen Smarts und Twingo im Vergleich
Maße: fortwo: 2,69 x 1,66 x 155 forfour: 3,49 x 1,66 x 1,55Motorisierung: Dreizylinder-Motoren mit 45 kW/60 PS, 52 kW/71 PS und 66 kW/90 PS; Die 60-PS-Version wird zum Marktstart allerdings noch nicht verfügbar sein, sie folgt 2015. Getriebe: Halbautomatik ade! 5-Gang-Schaltung manuell oder 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe "twinamic"Kofferraumvolumen: forfour: 730 bis 975 LiterAusstattungsvarianten: Drei Stück: passion, prime und proxy; zu ihren Ausstattungsmerkmalen zählen u.a. Multifunktionslenkrad in Leder, Kombiinstrument mit 3,5" Farb-Display sowie Sitzheizung.Markteinführung: 22.November 2014; ab 2. Oktober auf dem Pariser Autosalon zu sehenPreis: fortwo ab 10.895 Euro forfour ab 11.495
Gesamtlänge: 3,59 Metern (zehn Zentimeter kürzer als der Vorgänger)Kniefreiheit hinten: 13,6 Zentimeter (Klassenbestwert)Kofferraumvolumen: 165 bis 285 LiterMotorisierung: Benzinmotor 1.2 LEV (Low Emission Vehicle) 16V 75Preis: 9990 Euro (Grundausstattung)Ausstattungsvarianten: Expression, Dynamique, Paris

Smart fortwo und Smart forfour basieren auf der neuen gemeinsam mit Renault entwickelten Plattform, die auch den neuen Twingo trägt. Daimler ließ sich bei der Entwicklung wenig reinreden. „Renault musste da manche Kröte schlucken“, glaubt Bratzel. So etwa den Heckantrieb, den die Schwaben bei den Franzosen durchsetzen.

Die gemeinsame Plattform macht die Modelle deutlich wirtschaftlicher. Und – auch das lässt auf eine erfolgreiche Zukunft für den Viersitzer hoffen – produziert wird im slowenischen Werk Novo Mesto, wo der Stundenlohn maximal 40 Prozent des deutschen Niveaus erreicht. Smart-Chefin Annette Winkler, die seit 2010 die Geschäfte der Mercedes-Tochter lenkt, hat ihre Hausaufgaben gemacht.

Smart auf einen Blick
Die Idee zu Smart stammt von Swatch-Gründer Nicolas G. Hayek. Er wollte ein kleines, buntes und vor allem günstiges Auto mit elektrischem Antrieb. Auch eine Kooperation mit Transportunternehmen wie der Bahn sah der Visionär vor. Smart wurde 1994 als Micro Compact Car als Tochtergesellschaft von Daimler und der SMH SA Sociéte Suissse de Microélectronique et d´Horlogerie gegründet. 1998 verkaufte Hayek seine Anteile an Daimler-Benz. Man war sich über die Ausrichtung des Projekts nicht einig.
Sein bisher bestes Jahr erlebte Smart 2008 mit einem Absatz von 134.700 Stück. Seither bröckeln die Verkaufszahlen. 2013 fiel Smart unter die 100.000 Stück-Marke. Im ersten Halbjahr 2014 setzten die Schwaben 46.816 Stadt-Autos ab. Das neue Smart forfour-Modell soll die Perspektive deutlich verbessern.
Seit 2008 setzt Mercedes in Kooperation mit dem Mietwagenunternehmen Europcar auf Carsharing unter dem Namen Car2go. 600.000 Kunden nutzen das Netz in Europa und Nordamerika weltweit. Von den rund 11.000 Fahrzeugen sind 1200 reine Elektro-Autos. Sitz von Car2go war bis Ende 2012 Ulm. Dann firmierte das Unternehmen um in die Daimler Mobility Services GmbH, die verschiedene Mobilitätsdienste wie park2gether oder die Mobilitätsplattform moovel beherbergt.
Das elektrische Smart-Portfolio mit den E-Varianten des Smart fortwo Coupé und Cabrio werden ergänzt durch das smart E-bike, das seit 2012 auf dem Markt ist. Gut möglich, dass Daimler in Kürze auch noch in den Markt für Bike-Sharing einsteigt.
Nach Smart fortwo als Coupé und Cabrio sowie dem neuen Smart forfour, der wie der Zweisitzer auch in einer elektrischen Variante zu haben sein dürfte, denkt Smart-Chefin Annette Winkler bereits über weitere Modelle nach. Ein E-Scooter steht ganz oben auf der Liste. Der sollte eigentlich schon 2014 kommen, wurde zugunsten der neuen fortwo und forfour-Modelle aber verschoben.
Dichter Verkehr, Smog und 160 Städte mit mehr als einer Million Einwohner. Smart erhofft sich viel vom Reich der Mitte. China ist nach Deutschland und den USA bereits der drittwichtigste Markt. Man habe es geschafft, die Marke als "Lifestyle- und Premiumprodukt" zu positionieren, freut sich Chefin Annette Winkler. Seit 2009 ist Smart vor Ort, seit November 2013 mit der elektrischen Version. 16.000 Fahrzeuge haben die Händler 2012 abgesetzt. Nach den ersten sieben Monaten 2013 waren es schon über 10.000. Das Händlernetz soll auf über 90 wachsen.
Produziert wird der Smart fortwo seit 1998 im französischen Hambach. Die Fabrik dort trägt den Namen "Smartville", die Stadt trägt mittlerweile ebenfalls diesen Spitznamen. 2008 erreichte die Gesamtproduktion eine Million Fahrzeuge. Rund 2000 Mitarbeiter sind im Werk Hambach beschäftigt.
In der Schweiz kommen auf einen Smart 35 Einwohner. So groß ist die Dichte der City-Mobile in keiner anderen Stadt. Auf Platz zwei landet Rom mit 43 Einwohnern pro Smart.

Fehlt nur noch, dass die Kunden den neuen Premium-Kleinwagen nachfragen. Die Absatzzahlen der Konkurrenten BMW Mini und Audi A1 belegen – Lifestyle-Flitzer liegen im Trend. Das Kleinwagensegment gewinnt insgesamt an Bedeutung – 2011 lag der Anteil von Kleinwagen an den Neuzulassungen in Deutschland noch bei 5,8 Prozent. 2013 waren es schon 7,9 Prozent. Dabei ist es den Premiumhersteller gelungen, den klassischen Volumen-Marken wie Fiat und Ford in den vergangenen Jahren Marktanteile abzuluchsen.

So fährt die Konkurrenz
Im Kleinwagensegment ungeschlagen: Absatz (Deutschland): 68.343Länge: 3,9 Meter Verbrauch gesamt: 5,0 Liter Super/100 kmGrundpreis: 16.275 Euro
Die Premiumflitzer der Bayern sind den Stuttgartern beim Absatz und der Produktvielfalt weit voraus.Absatz (Deutschland): 34.263; weltweit: 305.000 (alle Zahlen 2013)Länge: 3,70 Meter Verbrauch gesamt: 5,3 Liter Super/100 kmGrundpreis: 17.450 Euro
Auch die Ingolstädter fahren Smart mit ihrem A1 davon - sind allerdings auch preislich deutlich darüber angesiedelt und das Modell mehr als einen Meter länger.Absatz (Deutschland): 27.267; weltweit: 123.000Länge: 3,91 Meter Verbrauch gesamt: 5,0 Liter Super/100 kmGrundpreis: 16.750 Euro
Er ist und bleibt der kürzeste Flitzer auf Deutschlands Straßen, beim Absatz kann es Smart aber nicht mit BMW und Audi aufnehmen. Absatz (Deutschland): 26.009; weltweit: 98.000Länge: 2,69 MeterVerbrauch gesamt: 4,7 Liter Super/100 kmGrundpreis: 9490 Euro
Twingo und Smart teilen sich eine Plattform, 70 Prozent der nicht-sichtbaren Komponenten sind identisch, 95 Prozent der sichtbaren Teile jedoch unterschiedlich. So kommt der Twingo auch auf rund einen Meter mehr Länge und einen deutlich günstigeren Preis.Länge: 3,59 Meter Verbrauch gesamt: 5,6 Liter Super/100 kmGrundpreis: 9590 Euro Absatz (Deutschland): 19.187
Die Japaner teilen sich die Plattform mit dem Citroen C1 und dem Peugeot 107, um Kosten zu sparen. Beim Absatz fahren Japaner und Franzosen den Premiumherstellern noch deutlich hinterher.Absatz (Deutschland): 9025Länge: 3,41 MeterVerbrauch gesamt: 4,6 Liter Super/100 kmGrundpreis: 8950 Euro
Länge: 3,44 MeterVerbrauch gesamt: 4,6 Liter Super/100 kmGrundpreis: 8990 EuroAbsatz (Deutschland): 4903
Ein gefährlicher Verfolger. Opel hat mit dem Adam den Sprungs ins quirlige Lifestyle-Segment geschafft und versucht ähnlich wie Mini mit einer Vielzahl von Derivaten und Ausstattungspaketen an Marge herauszupressen, was nur geht. Absatz (Deutschland): 21.122Länge: 3,7 Meter Verbrauch gesamt: 5,0 bis 5,3 Liter Super/100 kmGrundpreis: 11.750 Euro
Volumenhersteller wie Ford haben bei der heißen Schlacht auf dem Kleinwagenmarkt das Nachsehen. Die Premiumanbieter graben dem US-Hersteller Marktanteile ab.Absatz (Deutschland): 8407Länge: 3,62 MeterVerbrauch gesamt: 5,9 Liter Super/100 kmGrundpreis: 7990 Euro

In den weitgehend gesättigten Märkten sind die kleinen Modelle eine der wenigen Möglichkeiten für die Hersteller, ihre Marktanteile zu halten. Denn sie werden als Zweit- oder Drittwagen angeschafft. Wer ausreichend hohe Stückzahlen verkauft und Synergien durch Plattformen oder Kooperationen hebt, wie Daimler mit Renault, „für den ist es auch lukrativ“, erklärt Bratzel.

Der CO2-Killer in der Gesamtbilanz

So ist der Smart für Daimler mehr als ein nettes Zubrot. Er wird immer mehr zu einer tragenden Säule im Gesamtkonzept des Konzerns. Seine größte Wirkung entfaltet der Kleine in der CO2-Flottenbilanz. Allein im Mai konnte Mercedes (ohne Vans) seinen Flottenausstoß in Deutschland um mehr als vier Gramm pro Kilometer senken. „Das ist richtig viel“, lobt Bratzel. Zum Vergleich: Die neue Mercedes S-Klasse pustet zwischen Stadtfahrt und Autobahn 115 bis 279 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft, der Smart zwischen 86 und 104 g/km. Der Smart fortwo electric drive – von dem 2013 in Deutschland immerhin 1900 Stück privat zugelassen wurden und damit die Statistik der E-Autos in Deutschland anführt – fährt vollständig emissionsfrei.

Seine Rolle als Bilanz-Schöner erfüllt der Smart bereits bravourös – nicht weniger erfolgreich setzt Chefin Winkler das Stadtmobil als Vorreiter für neue Mobilitätskonzepte ein. „Mit Car2Go hat Daimler das Carsharing auf eine ganz neue Stufe gehoben“, zieht CAM-Leiter Stefan Bratzel die Bilanz aus dem fünfjährigen Bestehen.

Prognostiziertes Wachstum in der Shared Mobility
Die Unternehmensberatung Roland Berger hat in der Studie "Shared Mobility" die vier Märkte mit dem größten Potenzial beziffert. Für das Carsharing sehen die Berater bis 2020 einen Markt mit Umsätzen mit 3,7 bis 5,6 Milliarden Euro. Bei jährlichen Wachstumsraten von 30 Prozent.
Im Grunde geht es um die gute alte Fahrgemeinschaft oder auch private Taxidienste - Fahrer und solche, die gefahren werden wollen, finden sich per Smartphone-App. Unternehmen wie Carpooling und das 2009 gegründete und von Google protegierte Portal Uber, sind bereits über die Start-Up-Phase hinaus. Der Dienst ist neben gut zwei Dutzend US-Städten auch in Berlin, München, Zürich und London aktiv und hat einen Wert von 18 Milliarden US-Dollar. Roland Berger rechnet in diesem Segment bis 2020 mit Zuwachsraten von 35 Prozent p.a. Der Markt soll dann 3,5 bis 5,2 Milliarden Euro schwer sein.
In diesem Bereich gibt es schon eine ganze Reihe von privaten wie auch öffentlichen Anbietern. Städte wie Kopenhagen etwa wollen die Radler in der Stadt massiv fördern. Hier sind Wachstumsraten von 20 Prozent per annum drin, so Roland Berger. Der Markt wird bis 2020 voraussichtlich ein Volumen von 3,6 bis 5,3 Milliarden Euro erreichen.
Bis zu einem Drittel des innerstädtischen Verkehrs kommt zustande, weil Menschen einen Parkplatz suchen. Auch die Autokonzerne begreifen den Parkplatzmangel zunehmend als kritischen Punkt im System und bieten erste Lösungen an. Smart hat eine eigene Parkplatz-App entwickelt, Mercedes investiert in das Start-Up Park2gether. Derzeit der größte und bekannteste Anbieter ist parkatmyhouse.com, in den BMW i Ventures seit Juli 2011 investiert.Roland Berger geht von einem jährliche Wachstum von 25 Prozent bis 2020 aus. Der Markt soll dann ein Umsatzvolumen von 1,3 bis 1,9 Milliarden Euro erreichen.

Seit 2008 eilt Car2go von Rekord zu Rekord und zählt aktuell 600.000 Kunden in 25 Städten von bis. Bereits fünf Prozent aller Smarts stehen in einer Car2Go-Flotte. Bis 2020 will Daimler 40 bis 50 weitere Standorte weltweit erschließen. Von kleinen Rückschlägen wie eben in London lässt man sich dabei nicht abschrecken. In der Briten-Metropole floppte das Konzept. „Zu viele administrative Hürden“, nennt Car2Go-Europa-Geschäftsführer Thomas Beermann Gründe für den Rückzug, außerdem angelnde Unterstützung der Kommunen und das innige Verhältnis der Briten zu ihrem Privatauto.

600.000 Nutzer weltweit in über 25 Städten von Berlin bis Vancouver. Car2Go hat sich seit 2008 rasant entwickelt.

Foto: Presse

Milliardenschwerer Markt fürs Teilen

Kein Grund, nicht weiterzumachen, findet Christian Freese, Mobilitätsexperte der Unternehmensberatung Roland Berger und Co-Autor der Studie Shared Mobility, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. „Das Potenzial des Marktes ist noch riesig“. Roland Berger geht bis 2020 von jährlichen Wachstumsraten im Carsharing von 30 Prozent aus. Freese: „Shared Mobility ist keine Non-Profit-Veranstaltung“, stellt er klar. Nach den Berechnungen von Roland Berger ist der dann Markt 3,7 bis 5,6 Milliarden Euro schwer. Tendenz steigend. In fünf bis zehn Jahren werden die Hersteller signifikante Umsätze machen. Doch schon jetzt lohnt sich der Einstieg.

Automobilindustrie

Wie Hersteller mit Minis endlich Geld verdienen wollen

von Franz W. Rother

„Die Hersteller können auf diesem Weg noch wesentlich mehr über ihre Kunden“, betont Freese. Carsharing sei daher eine riesige Chance für die Autokonzerne, direkt an Daten zu kommen, die sonst – wenn überhaupt – nur den Händlern bekannt seid. Ganz nebenbei lässt sich die Kundschaft mit Elektroautos vertraut machen und – so hofft Daimler-Chef Zetsche – die Generation Z für sich begeistern, also die Jahrgänge ab 2000, die mit Smartphone und sozialen Medien aufgewachsen sind.  

"Die iPhone-Liebe spielt uns in die Karten", freut sich Smart-Chefin Winkler. Denn es spielt in der Shared Mobility eine wichtige Rolle. Dank Suchen, Mieten und Bezahlen übers mobile Internet laufen Unmengen an kostbaren, digitalen Bewegungsmustern zusammen. Mit dem High-Tech drängen aber auch Konzerne wie Google und Apple auf den Markt. Sie werten schlicht Daten aus und setzen sie in ein passendes Produkt um, dazu muss man nichts vom Autobauen verstehen. „Das ist eine große Bedrohung für die Konzerne“, warnt Freese.

Daimler hat sich gut positioniert. Car2Go ist der am schnellsten wachsende Anbieter in Deutschland. Gelungen ist das, weil die Schwaben von Beginn an nicht mit Investitionen gegeizt haben. „Beim allen Shared Mobility Angeboten gilt es, von Anfang an groß zu denken“, erklärt Mobilitätsexperte Freese, „vorsichtiges Testen ist wichtig, reicht aber nicht aus". Der Kunden möchte von Beginn ein umfassendes, funktionierendes Angebot. Damit täten sich die großen Unternehmen oft schwer.

Daimler dagegen hat Car2Go wie ein Startup aufgestellt – klein und agil und mit viel finanzieller Feuerkraft. BMW musste schließlich nachziehen, fährt aber noch hinterher. Opel beginnt erst zum Jahresende mit einem eigenen Carsharing-Angebot und Audi zieht es vor, das Thema vollständig zu ignorieren. Das könnte sich schon bald rächen. „DEN Autofahrer und DEN Bahnfahrer gibt es nicht mehr“, beobachtet Freese. Mit der U-Bahn zum Fernbahnhof, mit dem Zug in die City und von der den letzten Kilometer mit den Carsharing-Auto – das soll Normalität werden. „Derjenige wird verlieren, der auf sein Verkehrsmittel beharrt“, prophezeit der Mobilitätsforscher, „Die Hersteller müssen ihren Egoismus überwinden und sich im Geiste öffnen.“

Für Smart-Chefin Annette Winkler offenbar kein Problem, sie sagt: „Wir wollen Services bieten für ein einfaches und bequemes Leben in der Stadt“. Smart sei ein „Think Tank“, der viele neue Ideen zulasse. Das kauft man der 54-Jährigen ab, denn Daimler investiert wie kein anderer Autobauer in Start-ups, um in der Shared-Mobility-Welt Fuß zu fassen und will das Angebot an Mobilitätsdienstleistungen systematisch erweitern. Seit 2011 bringt die Onlinebörse Park2gether in Berlin und Hamburg private Parkplatzbesitzer und Suchende zusammen. Die Mobilitäts-App moovel stellt individuelle Fahrpläne zusammen – als Kombination aus öffentlichem Nahverkehr, Taxi, Mitfahrgelegenheit, Mietfahrräder oder Fernverkehr mit der Deutschen Bahn – oder natürlich Car2go.

Imagewerte passen nicht zum Anspruch

Das alles kostet Geld, viel Geld – und wirft so gut wie nichts ab. Car2Go ist erst in wenigen Städten profitabel. „Da darf man nicht zu kurzfristig denken und jeden Cent gegenrechnen“, verteidigt Bratzel die Investitionen. „In Zukunft zählt allein, wer den Kundenkontakt hat.“ Mit Smart, das steht fest, hat Daimler den Schlüssel zur Generation Z fest in der Hand. Einzig - die Zielgruppe will noch nicht so richtig mitziehen.

Die aktuellen Imagewerte, die das Marktforschungsinstitut YouGov aus Köln ermittelt hat, zeigen: mit im Schnitt 8 Punkten auf einer Skala von - 100 bis + 100 ist Smart weit vom Premium-Image der Mutter Mercedes (37 Punkte) entfernt. Konkurrent Mini erreicht immerhin 14 Punkte und Opel überflügelt die kleinen Lifestyle-Flitzer regelrecht mit 20 erreichten Punkten. Die anvisierte junge Zielgruppe der bis 30-Jährigen bewerten Smart sogar noch einen Tick schlechter als der Durchschnitt. Insgesamt liegt Smart damit gleich auf mit Renault. Man scheint sich doch mehr zu teilen als nur eine Plattform.

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