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DMG Mori SeikiJapanischer Konzern übernimmt Gildemeister

Seit 2009 arbeitet Gildemeister mit der japanischen DMG Mori Seiki zusammen, nun wollen die Japaner den Werkzeugmaschinenbauer übernehmen – die deutschen Manager erhoffen sich davon Krisenhilfe.dpa, Reuters 22.01.2015 - 09:53 Uhr aktualisiert Quelle: Handelsblatt

Im Werk der ehemaligen Gildemeister in Bielefeld: Der japanische Konzern DMG Mori Seiki übernimmt hier die Mehrheit.

Foto: dpa

Der vor der Übernahme stehende Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori Seiki stellt sich nach Rekordwerten im vergangenen Jahr auf schwierigere Zeiten ein. „Das Jahr 2015 wird herausfordernd und deutlich volatiler“, sagte Konzernchef Rüdiger Kapitza am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Der Währungsverfall in Russland, der starke Schweizer Franken und die Euro-Schwäche würden die ehemals unter Gildemeister firmierende Gesellschaft sicher belasten. „Neue Rekordwerte im Konzern sind 2015 eher unwahrscheinlich“, sagte Kapitza.

Von der am Mittwochabend angekündigten Übernahme durch den gleichnamigen japanischen Partner erhofft sich Kapitza Wachstumspotenzial. „Mit zusammen 11.600 Mitarbeitern und rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz werden wir Weltmarktführer.“

Umsatzanteile im Maschinenbau nach Ländern
Umsatzanteil im Jahr 2013: 2 ProzentUmsatzanteil im Jahr 2003: 0,2 ProzentQuelle: Branchenbericht Maschinenbau 2014 der Commerzbank
Umsatzanteil im Jahr 2013: 3 ProzentUmsatzanteil im Jahr 2003: 3 Prozent
Umsatzanteil im Jahr 2013: 4 ProzentUmsatzanteil im Jahr 2003: 4 Prozent
Umsatzanteil im Jahr 2013: 11 ProzentUmsatzanteil im Jahr 2003: 17 Prozent
Umsatzanteil im Jahr 2013: 13 ProzentUmsatzanteil im Jahr 2003: 20 Prozent
Umsatzanteil im Jahr 2013: 17 ProzentUmsatzanteil im Jahr 2003: 21 Prozent
Umsatzanteil im Jahr 2013: 17 ProzentUmsatzanteil im Jahr 2003: 28 Prozent
Umsatzanteil im Jahr 2013: 32 ProzentUmsatzanteil im Jahr 2003: 7 Prozent

Die japanische DMG hatte am Vorabend angekündigt, den deutschen Partner zu übernehmen. Mit einem Angebot je Aktie von 27,50 Euro wird der Bielefelder Konzern mit 2,2 Milliarden Euro bewertet. „Das ist ein sehr gutes Angebot, dem der Aufsichtsrat bereits einstimmig zugestimmt hat“, betonte Kapitza.

Er erwarte, dass die Anteilseigner das gleichfalls so sehen. „Es werden sicher deutlich über 50 Prozent, ich glaube sogar über 75 Prozent das Angebot annehmen.“ Anleger spekulieren allerdings auf eine höhere Offerte. Im Frankfurter Frühhandel legte die DMG-Aktie um 9,9 Prozent auf 27,80 Euro zu.

Bis Ostern soll der Zusammenschluss über die Bühne gehen. Der Tochtergesellschaft der japanischen DMG Mori Seiki zufolge liegt der Übernahmepreis knapp 29 Prozent höher als der Durchschnittskurs der Anteilscheine in den letzten drei Monaten.

Formal muss der Vorstand der deutschen DMG sich noch zu dem Angebot äußern. Laut Mitteilung hat dieser aber bereits zugesagt, den Übernahmeplan vorbehaltlich einer Prüfung zu unterstützen.

Vorstandschef Rüdiger Kapitza sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es handele sich um ein „Topangebot“. Insgesamt werde das deutsche Unternehmen so mit knapp 2,2 Milliarden Euro bewertet. Vorstand und Aufsichtsrat hätten die Kooperationsvereinbarung im Grundsatz einstimmig gebilligt.

Die beiden Unternehmen waren in den vergangenen Jahren durch Überkreuzbeteiligungen zusammengerückt. Kapitza hatte im März vergangenen Jahres gesagt, er könne sich als möglichen Zeitpunkt für einen Zusammenschluss das Jahr 2020 vorstellen.

Nun sagte der Manager, man wolle die erfolgreiche Kooperation sichern und die bisherige Strategie weiterverfolgen. Dazu gehöre etwa die Erschließung weiterer asiatischer Märkte. Die Produktionsstandorte und Jobs sollen demnach erhalten bleiben.

Das Vorhaben sichere deutsche Arbeitsplätze. „Wir brauchen alle Leute“, sagte Kapitza. Man suche weitere Ingenieure. Das deutsche Management wird nach Worten des Vorstandschefs voll integriert. Schon jetzt genehmigten sich die Unternehmen Entscheidungen gegenseitig in ihren Gremien. In einem gemeinsamen Unternehmen solle es eine höhere Geschwindigkeit geben.

Produkte des Maschinenbaus
Einfache Maschinen und Geräte für einen geringen Preis aus gegebenenfalls weniger hochwertigem Material; oftmals für einen breiten Markt.Quelle: Branchenbericht Maschinenbau 2014 der Commerzbank
Die Qualität und Funktionalität dieser Maschinen liegt zwischen High- und Lowtech-Bereich – gut genug, aber nicht auf dem neuesten Stand der Hightech-Maschinen.
Sehr effiziente und hochpreisige Maschinen und Anlagen mit neuester Technologie, oftmals stark an Kundenwünsche angepasst. Ein hoher Grad an Automation und Softwareeinsatz kennzeichnet diesen Typ.
Hersteller von – in größeren Serien hergestellten – Standardmaschinen sind einem höheren Wettbewerbsdruck ausgesetzt, wobei die Konkurrenz im Midtech- in den nächsten Jahren stärker sein wird als im Hightech-Bereich, unter anderem durch Markteintritt chinesischer Hersteller.
Spezialmaschinenhersteller erfahren wenig Wettbewerb aus Niedriglohnländern. Bei der Abgrenzung von Spezialmaschinen wird als Stellvertreter für andere, schwer quantifizierbare Kriterien die Drittverwertbarkeit der hergestellten Maschinen betrachtet. Einfache Verwertung deutet auf Standardmaschinen, schwerliche Verwertbarkeit auf Spezialmaschinen hin.
Standard- und Spezialmaschinen deutscher Hersteller sind überwiegend dem Hightech-Bereich zuzuordnen. Es wird erwartet, dass die Unternehmen künftig zusätzlich zu Hightech verstärkt Midtech-Produkte anbieten werden. Dabei können Spezialmaschinen sowohl Hightech- als auch Lowtech-Merkmale aufweisen.

Noch unklar ist, ob DMG Mori Seiki weiter im MDAX notiert bleibt. Dies hängt davon ab, wie viele Eigner die Offerte aus Japan annehmen und wie viele Anteilsscheine nach einer Übernahme noch frei gehandelt werden. Kapitza rechnet nach eigenen Worten damit, dass viele Aktionäre zugreifen. „Ein besseres Angebot wird es wohl nicht geben.“

Die ehemalige Gildemeister arbeitet mit den Japanern seit 2009 immer enger zusammen. Zudem hielten die Deutschen zuletzt einen Anteil von knapp 10 Prozent an DMG Mori Seiki. Die Umbenennung des Bielefelder Unternehmens war ein weiteres Symbol für die enge Verflechtung mit dem japanischen Konzern gleichen Namens.

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