Terrorismus: Tunesien erhält militärische Ausrüstung von der Bundeswehr
Ursula von der Leyen sagte bei einem Besuch in Tunis die Lieferung militärischer Ausrüstung und eine verstärkte Ausbildung tunesischer Soldaten zu.
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Nach den Terroranschlägen auf Touristen in Tunesien weitet Deutschland seine militärische Kooperation mit dem nordafrikanischen Land aus. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte am Mittwoch bei einem Besuch in Tunis die Lieferung militärischer Ausrüstung für 1,2 Millionen Euro und eine verstärkte Ausbildung tunesischer Soldaten zu. Zudem soll Tunesien Unterstützung bei der Grenzsicherung erhalten. „Der Terror fordert uns heraus, schnell und konkret zu handeln“, sagte die CDU-Politikerin.
Ende Juni hatte ein Attentäter im Badeort Sousse 38 Urlauber erschossen. Bereits im März waren bei einem Angriff auf das Nationalmuseum Bardo in Tunis mehr als 20 Touristen getötet worden.
„Die Bundesregierung sieht sich in der Verantwortung, Ihnen in dieser Situation zur Seite zu stehen“, sagte von der Leyen. Die tunesischen Streitkräfte erhalten nun zunächst ein schwimmendes Dock für die Reparatur von Booten, eine Barkasse für Patrouillen, fünf Kleinlastwagen sowie 3000 Helme und 700 Doppelfernrohre.
USA
Die mächtigste Militärmacht der Welt organisiert die internationalen Luftangriffe. Ab August wurden zunächst IS-Stellungen im Irak bombardiert. Dabei kann sich Washington auf einen Hilferuf Bagdads berufen. Seit September kamen völkerrechtlich umstrittene Angriffe in Syrien hinzu. Sie galten neben dem IS auch der Al-Kaida-nahen Chorasan-Gruppe. Dabei werden auch Ölförderanlagen und Raffinerien gezielt zerstört. Nach US-Angaben sollten damit die Finanzquellen des IS ausgetrocknet werden. Seit dem 26. September bombardieren die USA auch IS-Stellungen bei der umkämpften Kurdenstadt Kobane in Nordsyrien (im Bild). Die USA bilden zudem syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS und die Regierung in Damaskus aus und liefern Waffen.
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Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei Luftangriffen in Syrien. Die Golfmonarchien sind vom IS bedroht, dessen „Kalifat“ einen Anspruch auf Herrschaft über alle Muslime erhebt. Zugleich drängen sie die USA auch zum Sturz der syrischen Regierung, die ihrerseits gegen die Islamisten einen Kampf um Leben und Tod führt.
Im Bild: Der Außenminister von Saudi Arabien, Saud al-Faisal.
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Die türkische Regierung leistet weiterhin nur humanitäre Hilfe und hat nach eigenen Angaben rund 200.000 Flüchtlinge aus der umkämpften Region Kobane aufgenommen. Im Bild ist ein türkische Helfer zu sehen, der Nahrung an die Flüchtlinge verteilt, Die Regierung in Ankara hat ein Mandat des Parlaments, militärisch in Syrien und dem Irak gegen Terrororganisationen vorzugehen. Sie fordert für ein Eingreifen aber eine umfassende internationale Strategie, die den Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad einschließt. Die Forderung nach einem Korridor für kurdische Volksschutzeinheiten durch die Türkei hat sie abgelehnt. Der Nato-Staat hat auch dem Anti-IS-Bündnis nicht die Nutzung türkischer Stützpunkte erlaubt.
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Als erstes EU-Land hat Frankreich im August Waffen geliefert und auch Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak geflogen. Dazu kommt Waffen- und Ausbildungshilfe für die irakischen Kurden.
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Washingtons engster Verbündeter fliegt ebenfalls Luftangriffe im Irak. Das Mandat des Parlaments schließt den Einsatz von Bodentruppen aus und beschränkt sich auf Einsätze im Irak. London liefert zudem Waffen an die irakischen IS-Gegner und leistet humanitäre Hilfe. Im Bild: Ein Jet der britischen Royal Air Force kehrt von einem Einsatz im Irak zurück.
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Als einziges skandinavisches Land beteiligt sich Dänemark mit F16-Kampfflugzeugen am Kampf gegen den IS. Außerdem will Kopenhagen Militärausbilder entsenden. Im Bild: Premierministerin Helle Thorning-Schmidt.
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Für Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak stellt Belgien sechs Jagdbomber vom Typ F-16 (im Bild) zur Verfügung. Zusammen mit den Kampfjets wurden rund 120 belgische Soldaten nach Jordanien verlegt.
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Den Haag beteiligt sich mit sechs F-16 an dem Kampf. Zudem wurden rund 250 Soldaten nach Jordanien entsandt. Zusätzlich sollen 130 Militärausbilder irakische und kurdische Truppen ausbilden.
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Australiens Luftwaffe beteiligt sich im Irak am Kampf gegen den IS. Dafür werden 600 Soldaten abgestellt. Die Basis ist Dubai.
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Kanada will sich an Luftangriffen gegen den IS im Irak beteiligen. Das Parlament erteilte der Regierung dafür ein Mandat.
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Die Regierung schließt eine direkte Kriegsbeteiligung aus und beschränkt sich auf die Unterstützung der irakischen IS-Gegner. Dazu werden Infanteriewaffen wie Gewehre, panzerbrechende Waffen und andere Ausrüstungsgüter geliefert. Zudem werden irakisch-kurdische Kämpfer im Umgang mit Waffen und mit Minenräumgerät ausgebildet.
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Länder wie Italien, Spanien, Griechenland, Bulgarien, Tschechien, die Slowakei, Portugal, Polen, oder Norwegen liefern Waffen, bilden Kämpfer gegen den IS aus oder leisten humanitäre Hilfe. Zypern stellt eine Basis für Luftangriffe zur Verfügung.
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Ob sich der jüdische Staat am Kampf gegen den IS beteiligt, ist unklar. Ein hochrangiges Mitglied der Armee sagte, der jüdische Staat leite Geheimdiensterkenntnisse über den IS an die USA weiter.
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Der Iran ist zwar nicht Teil der Anti-IS-Koalition, aber eines der ersten Länder, die den Irak und die Kurden mit Waffen beliefert haben. Laut Teheran wäre ohne diese frühe Hilfe schon der ganze Irak von der IS erobert worden. Anders als die Türkei und Saudi Arabien steht der Iran aber hinter Syriens Präsidenten Baschar al-Assad.
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Zudem wird die militärische Ausbildungshilfe ausgeweitet und intensiviert. Unter anderem sollen Mechaniker geschult werden, die militärische Fahrzeuge aus deutschen Beständen reparieren sollen. Die Bundeswehr hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits 400 tunesische Soldaten ausgebildet.
Im Zentrum der deutschen Hilfsangebote steht aber die Sicherung der 600 Kilometer langen Grenze zu Libyen. Damit soll verhindert werden, dass islamistische Terroristen und Waffen nach Tunesien gelangen. Das Nachbarland ist in Herrschaftsgebiete zweier konkurrierender Regierungen und mehrerer Milizen zerfallen.
Bei der Grenzsicherung handelt es sich in erster Linie um eine polizeiliche Aufgabe. Inwieweit die Bundeswehr dabei helfen kann, ist unklar. „Entscheidend ist für mich das, was Sie als unsere Partner benötigen, um den Kampf gegen den Terror anzugehen“, sagte von der Leyen.
Die Ministerin traf in Tunis Präsident Béji Caïd Essebsi, Verteidigungsminister Farhat Horchani und Parlamentarier. Zudem besuchte sie das Bardo-Museum, den Ort des Anschlags vom März. Horchani würdigte die deutschen Hilfsangebote. „Wir bauen sehr auf die deutsche Unterstützung“, sagte er.