BrandIndex: Umbruch bei Versicherern - Herr Kaiser hat ausgedient
Ein hartes Jahr
2014 war für die privaten Krankenkassen ein schwieriges Jahr. Nur jeder fünfte Versicherer konnte die Zahl der Vollversicherten steigern. Wir zeigen ihnen die fünf Gewinner mit den größten Zuwächsen und die fünf größten Verlierer: Auf Platz fünf der Gewinner steht die R+V Versicherung, die 1208 neue Vollversicherte im Jahr 2014 bekam.
Foto: dpaTop 4: Axa
Viertgrößter Gewinner unter den Privaten Krankenkassen ist die Axa mit 1.495 neuen Vollversicherten. Damit ist die Axa mit 791.219 Versicherten die drittgrößte Private Krankenkasse Deutschlands.
Foto: REUTERSTop 3: Hansemerkur
Zu den großen Gewinnern gehörte 2014 auch die Hansemerkur. Insgesamt gewann sie 3.432 neue Vollversicherte dazu. Absolut betrachtet bleibt die Hansemerkur allerdings ein kleiner Fisch und schafft es nicht einmal unter die zehn größten Privaten Krankenversicherungen Deutschlands.
Foto: dpaTop 2: HUK-Coburg
Den zweitgrößten Zuwachs verzeichnete im vergangenen Jahr die HUK-Coburg, die 4.152 Vollversicherte für sich gewinnen konnte. Gemessen an der absoluten Zahl (401.718) der Vollversicherten ist die HUK-Coburg auf Platz sechs unter Deutschlands Privaten Krankenversicherungen.
Foto: dpaTop 1: Debeka
Mit Abstand größter Gewinner des vergangenen Jahres ist die Debeka – wieder einmal. Die größte Private Krankenkasse konnte die Zahl ihrer Vollversicherten um 29.602 steigern und baute ihre Führungsposition damit weiter aus. Insgesamt sind bei der Debeka nun 2,27 Millionen Vollversicherte.
Foto: dpaGothaer
Zu den größten Verlierern unter den Privaten Krankenversicherern im Jahr 2014 zählt die Gothaer. Sie verlor 3.898 Vollversicherte und gehört absolut betrachtet nicht einmal zu den größten zehn.
Foto: dpa-dpawebBBKK
Die Bayerische Beamtenkrankenkasse (BBKK) gehört ebenfalls zu den größten Verlierern. Sie verlor 8.613 Vollversicherte und belegt absolut betrachtet den neunten Platz unter Deutschlands größten Privaten Krankenversicherungen.
Foto: dpaAllianz
Drittgrößter Verlierer war im vergangenen Jahr die Allianz Private Krankenversicherungs AG, die 13.801 Vollversicherte gehen lassen musste. Gemessen an den absoluten Vollversichertenzahlen, ist sie die viertgrößte PKV in Deutschland.
Foto: dpaCentral
Ebenfalls zweistellig ging es für die Central Versicherung nach unten. 21.225 Vollversicherte verließen die Private Krankenkasse im vergangenen Jahr. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, dann gibt die Central im nächsten Jahr ihren achten Platz unter Deutschlands größten PKV an die BBKK ab.
Foto: dpaDKV
Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) musste am stärksten Federn lassen – sie verlor 21.824 Vollversicherte. Die DKV ist zwar weiterhin die zweitgrößte Private Krankenkasse Deutschlands, der Abstand zur Axa wird allerdings immer kleiner. Trotz des enormen Rückgangs zeigte sich der DKV-Chef Clemens Muth zuletzt zuversichtlich, da das Schlimmste bereits überstanden sei.
Foto: dpa-dpaweb
Der sympathische Herr Kaiser als Prototyp des deutschen Versicherungsvertreters hat sich nicht nur aus der Werbung verabschiedet. Die klassische Versicherungsagentur der zahlreichen deutschen Versicherungsgesellschaften steht seit einigen Jahren in der Kritik von Verbraucherorganisationen und Politik. Intransparente Provisionen und Vertragskosten insbesondere bei Produkten der privaten Altersvorsorge sind seit einigen Jahren immer wieder hochbrisante Medienthemen.
Hinzu kommt, dass sich Verbraucher immer häufiger über das Internet informieren. Bei einer Suche nach bestimmten Versicherungen findet der erste Markenkontakt zumeist im Internet statt. Vergleichsrechner mit einer klaren Fokussierung auf die Suche nach dem billigsten Tarif heizen den Trend noch weiter an. Tatsächlich hat sich der Anteil der Internet-Versicherungsabschlüsse in den letzten zehn Jahren von drei Prozent in 2004 auf elf Prozent in 2014 fast vervierfacht. Bei jungen Leuten bis 30 Jahren liegt die Quote mit 19 Prozent am höchsten und macht deutlich, was perspektivisch auf die Branche zukommt.
Wen haben die Deutschen im Kopf, wenn es um Versicherungen geht?
Von allen 30 Versicherermarken im YouGov BrandIndex erzielt die HUK-Coburg derzeit bei Verbrauchern insgesamt die höchsten Werte im Relevant-Set. Jeder fünfte Deutsche (20 Prozent) zieht die HUK-Coburg für den Abschluss einer Versicherung in Betracht. Die langjährige Markenstrategie der Preisgünstigkeit, über Jahrzehnte durch Produktwerbung für Kfz-Versicherungen kommuniziert, hat sich damit ausgezahlt: Nach Verträgen ist die HUK-Coburg seit einigen Jahren zumindest bei den Autoversicherungen führend und sie wächst weiter.
Jedoch hat der Marktführer Allianz die mit Abstand höchste Qualitätsbeurteilung aus Verbrauchersicht, bleibt aber in der Gunst der Kunden auf dem zweiten Platz mit 15 Prozent Markenpräferenz zurück.
Eine ultramoderne Internetstrategie, die Internet-User in nur drei Klicks zu einer ersten Preisschätzung führt, soll unter anderem die Allianz ins digitale Zeitalter führen und zeigt auch schon erste Wirkung: Die Markenpräferenz für die Allianz ist seit März 2015 um einen Prozentpunkt gestiegen.
Andere Agenturversicherer wie AXA (10 Prozent Präferenz unter den Deutschen), DEVK (9 Prozent) und ERGO (9 Prozent) folgen der Allianz mit einigem Abstand. Unter den Direktanbietern stehen HUK24 (13 Prozent), CosmosDirekt (9 Prozent) und ERGO Direkt (8 Prozent) recht nahe beieinander. Dies sind aktuelle Ergebnisse der Repräsentativbefragungen für den YouGov Markenmonitor BrandIndex, der u.a. die Präsenz, Word-to-mouth, Werbeerinnerung, Markengesundheit und Beliebtheit von über 700 Marken in Deutschland täglich erhebt.
Gesetzliche Krankenversicherung
Nie zuvor gab es mehr Mitglieder als zum 1. Juli 2015 – rund 53,55 Millionen Menschen sind Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Basierend auf Daten des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) veröffentlichte der Dienst für Gesellschaftspolitik (Dfg) ein Ranking der Krankenkassen mit dem größten Mitgliederschwund und den größten Zuwächsen. Wir zeigen die fünf Gewinner und Verlierer der vergangenen sechs Monate.
Foto: dpaVerlierer: IKK Südwest
Einen Mitgliederschwund von 10.682 Personen hat die IKK Südwest zu beklagen. Insgesamt sind circa 650.000 Menschen dort versichert.
Foto: dpa, dpaGewinner: Techniker Krankenkasse
Den mit Abstand größten Mitgliederzuwachs bekam die Techniker Krankenkasse: 145.825 neue Mitglieder durfte die größte deutsche Krankenkasse seit dem 1. Januar begrüßen.
Foto: dpaGewinner: pronova BKK
37.805 neue Mitglieder konnte die pronova BKK gewinnen. Die Krankenkasse schloss sich zum 1. Juli 2015 mit der Vaillant BKK zusammen.
Foto: ScreenshotGewinner: Handelskrankenkasse
Ein Plus von 28.613 Mitgliedern verbuchte die Handelskrankenkasse (hkk). Die Ersatzkasse gliederte Anfang 2008 die IKK Weser-Ems ein und hieß fortan „hkk“. Seit dem 1. Juli 2014 wird wieder der alte Name „Handelskrankenkasse“ geführt.
Foto: PRVerlierer: Deutsche BKK
Ein Minus von 14.070 Mitgliedern verbuchte die Deutsche BKK. Die Betriebskrankenkasse entstand 2003 durch eine Fusion der Volkswagen BKK und der Betriebskrankenkasse Post.
Foto: PRVerlierer: DAK-Gesundheit
Ähnlich schlecht lief es bei der DAK-Gesundheit: Zur Jahresmitte hatte die Krankenkasse 30.532 Mitglieder weniger als noch zum 1. Januar. Zuletzt sorgten Uneinigkeiten mit Pflegediensten für negative Schlagzeilen.
Foto: dpaVerlierer: BKK Pfalz
Insgesamt 209.512 Menschen versichert die BKK Pfalz – 11.942 Personen weniger als noch zu Jahresbeginn.
Foto: ScreenshotVerlierer: Barmer GEK
Die Liste der Verlierer wird angeführt von der Barmer GEK: Die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands verlor insgesamt 39.397 Mitglieder im ersten Halbjahr des Jahres 2015. Bundesweit will die Barmer GEK nun einige Häuser schließen und ihr Netzwerk verkleinern.
Foto: dpaGewinner: AOK Baden-Württemberg
Dicht dahinter, mit einem Zuwachs von 28.555 Mitgliedern, folgt die AOK Baden-Württemberg. Diese Zahlen sorgen für Zufriedenheit beim Vorstandsvorsitzenden Christopher Hermann.
Foto: dpa Picture-AllianceGewinner: AOK Plus
Mit deutlichem Abstand zum Spitzenreiter belegt die AOK Plus den zweiten Platz der Gewinner. 54.752 Menschen entschieden sich seit Jahresbeginn für die Allgemeine Ortskrankenkasse für die Länder Sachsen und Thüringen.
Foto: dpa Picture-AllianceDie zunehmende Bereitschaft, Versicherungen direkt über das Internet, telefonisch oder bei Bedarf bzw. in Kombination schriftlich abzuschließen, eröffnet nicht nur klassischen Direktversicherern eine Chance zur Neukundengewinnung. Durch zunehmende Online-Werbung konnten Direktanbieter wie HUK24, CosmosDirekt und ERGO Direkt ihre Markenpräferenz in der direktaffinen Zielgruppe um rund vier Prozentpunkte in den letzten sechs Monaten steigern.
Im selben Zeitraum holen auch die DEVK (+ 5 Prozentpunkte auf 11 Prozent Markenpräferenz), ERGO (+3 PP, auf 11) und Gothaer (+3 PP auf 10) durch ihre vertrieblichen und kommunikativen Online-Strategien in dieser Zielgruppe auf. Damit vollziehen die Versicherer das, was die Kunden schon seit geraumer Zeit wünschen: Der Online-Dialog soll ein Kommunikationsweg zur Versicherungen sein wie jeder andere auch.
Die Generation Y ist in Versicherungsfragen markenfokussierter
Das große Wachstumspotenzial für das Privatkundengeschäft im Versicherungsmarkt liegt jedoch bei den jungen Leuten bis 30 Jahre. Sie werden mit Berufseinstieg, Familiengründung und Immobilienerwerb weitere Risiko- und Altersvorsorgeprodukte abschließen wollen. Trotz aller Medienkompetenz fehlt diesen potenziellen Neukunden aber häufig noch die notwendige Versicherungskompetenz, um sich durch den Versicherungsdschungel im Internet einen Weg zu bahnen. Deswegen ist die Markenorientierung in dieser Zielgruppe wesentlich stärker ausgeprägt als bei älteren Versicherungsnehmern. So ist es nicht verwunderlich, dass bei den bis 30-Jährigen die Allianz das Ranking der Markenpräferenz mit 20 Prozent anführt.
Es folgen vier weitere Marken mit Service- und Beratungsangeboten zu Hause oder in einer Versicherungsagentur: HUK-Coburg, AXA, ERGO und Gothaer. Unter den Top Ten der Markenpräferenz bei jungen Menschen ist nur eine Direktversicherung zu finden: die HUK24.
Der Aufbau und die Pflege der Markenattraktivität insbesondere über Online-Präsenz wird in den nächsten Jahren immer wichtiger werden – auch für Versicherungsgesellschaften. Hierfür haben die Traditionsmarken in der Branche eigentlich eine wesentlich bessere Ausgangssituation als reine Direktversicherer. Doch es wird sich zeigen, ob das alleine auf Dauer ausreicht.