Informatik-Studium: Unis produzieren keine Digitalisierungs-Experten
Platz 20: ProSiebenSat.1 Media AG
Schöne bunte Medienwelt: Sieben Prozent der jungen Informatiker wollen bei der ProSiebenSat.1 Media AG arbeiten.
Foto: dpaPlatz 19: Amazon
7,4 Prozent wollen nach ihrem Abschluss beim Online-Händler Amazon arbeiten.
Foto: APPlatz 18: Crytek
Ebenfalls 7,4 Prozent wollen zu dem Frankfurter Computerspielen-Entwickler Crytek.
Foto: dpaPlatz 17: Fraunhofer-Gesellschaft
Zur Fraunhofer-Gesellschaft wollen 8,1 Prozent der Informatiker.
Foto: dpaPlatz 16: Lufthansa-Systems
Ebenfalls 8,1 Prozent wollen zu Lufthansa Systems.
Foto: dpaPlatz 15: Bundesnachrichtendienst
Zu den Schlapphüten wollen 8,2 Prozent der jungen Informatiker.
Foto: dpaPlatz 14: Volkswagen
9,2 Prozent wollen nach dem Studium für VW arbeiten.
Foto: dpaPlatz 13: Siemens
9,4 Prozent der Informatiker wollen zu Siemens.
Foto: dpaPlatz 12: Daimler
9,5 Prozent wollen nach dem Studium für Daimler arbeiten.
Foto: APPlatz 11: Electronic Arts
Der Spieleentwickler EA ist für zehn Prozent der Befragten der Arbeitgeber schlechthin.
Foto: REUTERSPlatz 10: Porsche
Auf Platz zehn der Top-Arbeitgeber für junge Informatiker schafft es Porsche: Hier wollen 10,5 Prozent arbeiten.
Foto: APPlatz 9: Facebook
Facebook ist für 10,6 Prozent der jungen Informatiker der Arbeitgeber der Wahl.
Foto: dpaPlatz 8: Intel
12,2 Prozent wollen bei Intel arbeiten. Macht im Ranking Platz acht.
Foto: dpaPlatz 7: IBM
12,8 Prozent wollen gerne für IBM arbeiten.
Foto: dpaPlatz 6: BMW
13,2 Prozent wollen dagegen zu BMW.
Foto: REUTERSPlatz 5: SAP
Auf Platz fünf landet der Software-Hersteller SAP: Hier wollen 16,5 Prozent arbeiten.
Foto: dpaPlatz 4: Audi
Mit 16,7 Prozent schafft es Audi auf Platz vier unter den beliebtesten Arbeitgebern der Informatiker.
Foto: REUTERSPlatz 3: Apple
Zu Apple wollen 18,1 Prozent der Informatiker. Das Unternehmen belegt damit den dritten Platz.
Foto: REUTERSPlatz 2: Microsoft
24,7 Prozent wollen für Microsoft arbeiten. Damit belegt das Unternehmen Platz zwei - und zwar mit deutlichem Abstand zu...
Foto: dpaPlatz 1: Google
Fast die Hälfte der befragten Informatiker (44,3 Prozent) wollen für den Suchmaschinen-Riesen Google arbeiten.
Foto: REUTERSDie Digitalisierung ist auf dem Arbeitsmarkt angekommen: Unternehmen aus allen Branchen suchen technikaffine junge Talente, die ihnen helfen, ihr Unternehmen für den Markt 2.0 und darüber hinaus fit zu machen. Nur: Die Berufseinsteiger wollen offenbar lieber weiterhin Arzt, Anwalt oder Pilot werden, Softwareentwickler scheint trotz Digitalisierung ein Job für Nerds zu sein.
„In vielen der Positionen gibt es einen Mangel an qualifizierten Bewerbern“, bestätigt Frank Hensgens, Deutschland-Chef der Jobsuchmaschine Indeed. Dort habe man schon lange festgestellt, dass Unternehmen nach Experten aus dem IT-Bereich suchen, es aber kaum Bewerber gibt, die nach Stellen aus dem IT-Sektor suchen.
Er sagt: „Wir beobachten beispielsweise bei Positionen in den Bereichen “Embedded Software” und “Big Data“, dass die Jobangebote auf unserer Seite das Interesse von Jobsuchenden deutlich übersteigen. Das kann daran liegen, dass Technik nutzen und mit Technik arbeiten zwei Paar Schuhe sind. Ein anderer Grund mag die Geschwindigkeit sein, mit der sich Anforderungen an Berufsgruppen ändern, aber auch ganz neue Jobs entstehen.
Das bestätigt auch eine Umfrage des IT-Beratungsunternehmens Avanade unter IT-Entscheidungsträger aus sieben Ländern – darunter 126 aus Deutschland – zum Thema Digital Workplace. 91 Prozent der Befragten gehen demnach davon aus, dass die heutigen Teenager Jobs mit dem Schwerpunkt Data und Analytics übernehmen werden, die es heute noch gar nicht gibt. Das stellt den akademischen Ausbildungsbetrieb vor Herausforderungen: Wer heute ein IT-Studium beginnt, dessen Wissen ist in drei Jahren völlig veraltet. Entsprechend sagen Nutzer von Stack Overflow, einem Internetforum rund um das Thema Softwareentwicklung, dass ein IT-Studium ohne entsprechendes Selbststudium nicht den nötigen Erfolg haben wird.
Ohne Selbststudium klappt es nicht
Für WirtschaftsWoche Online befragte Stack Overflow stichprobenartig Studenten der Fachrichtungen Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurwissenschaften, Informatik, Medieninformatik, Bioinformatik, Mediendesign, Computer Engineering, Technische Informatik, Energie und Automatisierungssysteme, Elektrotechnik sowie Medienwirtschaft, ob sie glauben, dass ein Studium beziehungsweise eine duale Ausbildung die schnellen Entwicklungsprozesse im IT-Sektor inhaltlich abfangen könnte.
52,4 Prozent sagten, dass an Universitäten nur gelegentlich auf neue Entwicklungen hingewiesen werde, man sich das entsprechende Wissen aber selbst aneignen müsse. Nur 26 Prozent sagten, dass die Universitäten einen guten Einblick in aktuelle Entwicklungen hätten und diese auch in die Lehrinhalte einfließen ließen. Das deckt sich mit der kürzlich erschienen Umfrage unicensus kompakt, nachdem ein Studium zwar vieles kann, nur eben nicht auf den Beruf vorbereiten.
„Ich habe den Eindruck, dass die Uni fachlich vor allem eine Basis legt, auf die sich später im Beruf aufbauen lässt“, sagt Nora Berg. Sie macht derzeit ihren Master in Informatik an der HAW Hamburg und arbeitet dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin.
So habe man im Berufsalltag mit einer großen Anzahl an speziellen Frameworks zu tun, die abhängig vom Projekt eingesetzt werden. „Die Uni lehrt uns daher abstrakt das Wissen, wozu Frameworks da sind, wie man mit einem Framework umgeht, wie man sich darin einarbeitet, und worauf man achten muss, aber nicht alle Frameworks einzeln - auch wenn wir natürlich mal eins nutzen zum Beispiel Ruby on Rails. Ähnlich verhält sich das dann auch bei Programmiersprachen, Versionsverwaltungstools und anderem Wissen.“
Während 53,5 Prozent der von Stack Overflow befragten Studenten angaben, dass der von den Unis vermittelte Stoff veraltet oder nicht ausreichend sei, so dass sie sich autodidaktisch auf den Beruf vorbereiten müssen, sieht Berg die Studenten in der Pflicht. „Insgesamt denke ich, dass die Uni die Grundlagen gut vermitteln kann, und es liegt später an einem selber, sich zu spezialisieren und mit der technischen Entwicklung mitzugehen.“ Das sei in Fächern wie Medizin oder Jura ja schließlich nicht anders.
„Für meinen Job, der aber direkt mit meinem Masterthema verknüpft ist, habe ich mir zum Beispiel zusätzliches Wissen über Graphentheorie und Netzwerke angeeignet, das über den Vorlesungsstoff hinausgeht“, sagt sie.
Dieses Extrawissen erwerben die meisten (angehenden) IT-Profis laut Umfrage online (43,9 Prozent), über ihre eigenen Netzwerke, Messen oder IT-Events (26,67 Prozent) oder in klassischen Büchern (20,59 Prozent). Nur rund elf Prozent bilden sich in den Universitäten weiter. Entsprechend sagen nur rund 20 Prozent, dass ein IT-Studium zwingend notwendig ist, um im Beruf Fuß zu fassen.
Dass deshalb eine neue Offenheit der Unternehmen gegenüber Quereinsteigern notwendig ist, bestätigt auch eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, wonach zunehmend Fachkräfte in artverwandten Bereichen arbeiten – ohne ein entsprechendes Zeugnis.
„Diese Art der Umorientierung und Qualifikation wird ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung sein. Bereits jetzt arbeitet weltweit nur einer von vier Software-Spezialisten für ein Software-Unternehmen, in den USA arbeiten sogar nur sieben Prozent der Entwickler in Software-Unternehmen“, so Hensgens von Indeed.
Wer fitte Entwickler für die Digitalisierung des eigenen Unternehmens sucht, muss also entweder die Erwartung über Board werfen, dass der für ihn passende Spezialist fertig von der Uni kommt, oder er muss auch Leuten eine Chance geben, auf deren Zeugnis nicht „Informatik-Profi“ steht. Dieses Abrücken vom Altbewährtem – glatter Lebenslauf, Einser-Abschluss - erfordert Mut. Aber dieser Mut lohnt sich bekanntlich schon, seit dem der erste Mensch auf die Idee kam, von seinem Baum herab zu steigen.