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Klaus Fröhlich"Der Markt ist wieder geheilt"

Zinserhöhung in den USA, heftige Kursschwankungen: Wie wird das Börsenjahr 2016? Der für Börsengänge und Anleiheemissionen zuständige Chef von Morgan Stanley Deutschland spricht im Interview über die Aussichten am Markt.Heike Schwerdtfeger 01.01.2016 - 09:22 Uhr

Deutsche Bank:
Für Europa erwarten die Analysten der Deutschen Bank eine stetige Erholung, ähnliches gilt für Japan. In den USA dagegen wird in den kommenden Jahren dagegen ein vergleichsweise langsameres Wachstum von rund zwei Prozent erwartet. Optimistischer ist die Bank dagegen im Hinblick auf die Schwellenländer. Vor allem Russland und Brasilien dürften sich wieder etwas erholen.
BIP-Wachstum Deutschland: 1,9 Prozent
BIP-Wachstum Euro-Zone: 1,6 Prozent
BIP-Wachstum USA: 2,1 Prozent
BIP-Wachstum Weltwirtschaft: knapp 3,5 Prozent
Euro vs. Dollar (Q42016): 0,90 Euro/ Dollar
Dax-Ziel: 11.700 Punkte

S&P 500: 2170 Punkte

Gold: 1000 Dollar

Bundesanleihen 10 Jahre: 0,75 Prozent

US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,4 Prozent

Stand: Dezember 2015, teilweise aktualisiert

Foto: REUTERS

Deka Bank

Die Fondsspezialisten der Sparkassen erwarten, dass der Goldpreis im kommenden Jahr deutlich unter die kritische Marke von 1000 Dollar fallen wird.

S&P 500: 2000 Punkte

Nikkei: 17000 Punkte

Gold: 960 Dollar

Öl: 57 Dollar

Euro/Dollar: 1 Dollar

Bundesanleihen 10 Jahre: 1 Prozent

US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,9 Prozent

Foto: dpa

Postbank

Im Gegensatz zur Deka Bank ist die Postbank beim Goldpreis etwas optimistischer. Ein möglicher Impuls kommt von der Schmucknachfrage, da die Konjunktur in Indien zuletzt deutlich besser lief als erwartet.

S&P 500: 2250 Punkte

Nikkei: 21750 Punkte

Gold: 1100 Dollar

Öl: 57 Dollar

Euro/Dollar: 1 Dollar

Bundesanleihen Rendite 10 Jahre: 1,0 Prozent

US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,75 Prozent

Foto: dpa

Berenberg Bank

Deutschlands älteste Privatbank ist im Vergleich zur Konkurrenz vergleichsweise optimistisch, was den Euro angeht.

S&P 500: 2200 Punkte

Gold: 1150 Dollar

Öl: 55 Dollar

Euro/Dollar: 1,15 Dollar

Bundesanleihen 10 Jahre Rendite: 1,1 Prozent

US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,8 Prozent

Foto: CLARK/obs

Santander

S&P 500: 2250 Punkte

Gold: 1050 Dollar

Öl: 55 Dollar

Euro/Dollar: 1 Dollar

Bundesanleihen Rendite 10-jährige: 0,9 Prozent

US-Treasury Rendite 10-jährige: 2,75 Prozent

Foto: AP

Credit Suisse:

Die Schweizer erwarten, dass die Industrieländer ihr Wachstum 2016 ähnlich fortsetzen werden wie im aktuellen Jahr. Ganz anders dagegen die Entwicklungsländer, welche durch die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed belastet sein werden. Im Zuge dessen werden zwar die Zinsen leicht steigen und der Dollar weiter gegenüber anderen Währungen aufwerten. Eine abrupte Zinswende erwarten die Analysten allerdings nicht, auch die Inflation dürfte grundsätzlich gering bleiben.

Foto: REUTERS

Commerzbank:

Deutschland dürfte laut den Commerzbank-Volkswirten besonders unter der Schwäche der Schwellenländer leiden, vor allem im Exportsektor. Deshalb bewegt sich das Wachstum nur noch auf dem Durchschnittsniveau der gesamten Euro-Zone. Die Weltwirtschaft werde dagegen vom Wachstum der USA getragen, die Zinswende in den USA stützt weiter den Dollar, der Ende 2016 fast die Parität zum Euro erreichen könnte. Insgesamt sei der Richtungswechsel beim US-Zins die gravierendste Veränderung gegenüber 2015. Aufgrund des verlängerten Anleihekaufprogramms werden weiterhin steigende Aktienkurse erwartet.

BIP-Wachstum Deutschland: 1,3 Prozent

BIP-Wachstum Euro-Zone: 1,3 Prozent

BIP-Wachstum USA: 2,5 Prozent

Brent-Öl Ende 2016: 63 Dollar

Dax-Ziel: 12.600 Punkte

Foto: dpa

JPMorgan Chase

Amerikas größte Bank, JP Morgan Chase, gibt zur Entwicklung des S&P 500 und des Nikkei vorsichtshalber gar keine Prognose ab. Zu Anleihen, Eurokurs und Rohstoffen haben die US-Banker allerdings eine Meinung:

Gold: 1 150 Dollar

Öl: 62 Dollar

Euro/Dollar: 1,13 Dollar

Bundesanleihen 10 Jahre Rendite: 1,15 Prozent

US-Treasury 10 Jahre Rendite: 2,75 Prozent

Foto: dpa

Fidelity:

Die Fondsgesellschaft erwartet, dass 2016 ein besseres Jahr für Aktien wird als dieses. Insbesondere der Konsum in den Industrieländern werde der Weltwirtschaft Auftrieb verleihen. Besonders US-Aktien dürften davon profitieren, so die Analysten. Während Europa von der Flüchtlingswelle profitieren dürfte, sind die Aussichten für die Schwellenländer weiterhin schlechter. Deren Aktien könnten allerdings Chancen bieten, da die massive Kurskorrektur bald vorbei sein dürfte. Interessant sind aber lediglich reformbereite Schwellenländer. Der Markt für Staatsanleihen dürfte im kommenden Jahr durch die Zinswende der Fed bestimmt werden. Dafür erwarten die Fidelity-Experten ein Comeback bei Unternehmensanleihen, deren Risikoaufschläge schrumpfen dürften.

Foto: AP

Bankhaus M.M.Warburg & CO

Das Bankhaus Warburg gibt ebenfalls keine Prognose für Nikkei und SP500 ab.

Gold: 1020 Dollar

Öl: 50 Dollar

Euro/Dollar: 1,10 Dollar

Bundesanleihen 10 Jahre Rendite: 0,75 Prozent

US-Treasury 10 Jahre Rendite: 2,60Prozent

Foto: CLARK/obs

DZ Bank:

Kaum zwei Monate alt, muss die DZ Bank ihre Prognose für 2016 schon wieder anpassen. Dabei war der Ausblick der DZ Bank-Analysten schon vorher nicht sonderlich rosig. Für die Weltwirtschaft sahen sie kaum Wachstumsimpulse, die Aktienmärkte würden weniger von Unternehmensgewinnen als von der Notenbankpolitik getrieben. Dabei ginge die Spanne zwischen der US-Zinspolitik und ihrem Counterpart in der Euro-Zone immer weiter auseinander. Die Analysten erwarteten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagenzins weiter auf minus 0,4 Prozent senken wird. Den Märkten dürfte das aber wenig Schwung verleihen, hier sehen die Experten wenig Impulse.  Mitte Februar reduzierte DZ-Bank-Analyst Christian Kahler sein Dax-Ziel von bisher 11.000 Punkten auf nur noch 10.300 Punkten. Auch für die Jahresmitte senkte Kahler das Ziel von 10.500 auf  9800 Punkte. Begründet hat der Analyst die neue Einschätzung mit den zahlreichen reduzierten Gewinnerwartungen von Unternehmen.

BIP-Wachstum Deutschland: 1,8 Prozent

BIP-Wachstum Euro-Zone: 1,5 Prozent

BIP-Wachstum Weltwirtschaft: 3 Prozent

Euro vs. Dollar (Q42016): 1,04 Euro/Dollar

Dax-Ziel: 10.300 Punkte

Dax-Ziel aktualisiert am 17.02.2016

Foto: dapd

BlackRock

Das BlackRock Investment Institut (BII) geht in seinem Kapitalmarktausblick für das Jahr 2016 davon aus, dass die weltweite Flut billigen Geldes ihren Höhepunkt erreicht hat und der Einfluss der Notenbanken im kommenden Jahr nachlässt. Entsprechend müssen Investoren die Konjunktur-, Kredit- und Bewertungszyklen wieder stärken im Auge haben. Für die Entwicklungen am Anleihemarkt ist man bei BII eher skeptisch. „Wir erwarten für 2016 geringe oder überhaupt keine Kursanstiege bei Anleihen und lediglich gedämpfte Zuwächse an den meisten Aktienmärkten“, heißt es im Ausblick. Eine Ausnahme bilden ausgewählte Hochzins- und Investmentgrade-Papiere sowie Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen.

Was Aktien anbelangt, setzt Black Rock auf Papiere aus Europa und Japan, bei vielen US-Aktien erscheinen die Bewertungen dagegen ausgereizt. Außerdem belaste der starke Dollar die Gewinne der US-Unternehmen. Die Volatilität der Märkte habe dafür nachgelassen. Doch auch ohne weitere politische Schocks könne es im kommenden Jahr zu starken Schwankungen kommen. Steigt der Dollar weiter, werden im kommenden Jahr die Rohstoffpreise noch weiter unter Druck geraten.

Foto: dpa

Columbia Threadneedle Investments

Der Vermögensverwalter Threadneedle Investments geht in seinem Kapitalmarktausblick davon aus, dass die Fed in den USA den Zins wieder erhöhen werde, wogegen die Notenbanken in Europa und Japan weiter bei ihrer expansiven Geldpolitik bleiben und möglicherweise neue Konjunkturprogramme anstoßen. In der Konsequenz kommt es zu einer Aufwertung des Dollars – mit negativen Konsequenzen für Schwellenländer und Rohstoffpreise. „Erfolg werden die Anleger haben, denen es gelingt, organisch wachsende Unternehmen zu finden, denn deren Aktien dürften gefragt sein und im Vergleich zu denen von Wettbewerbern mit einem Aufschlag gehandelt werden.“

Des Weiteren rechnen die Analysten Threadneedle mit geringen Wirtschaftswachstumsraten und niedrigen Renditen. Sie konzentrieren sich deshalb auf europäische Hochzinsanleihen anstatt auf Anleihen mit Investment-Grade-Rating. Auch europäische und japanische Aktien seien 2016 ein Kauf.

Foto: dpa

Deutsche Asset & Wealth Management

Auch Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset & Wealth Management, geht davon aus, dass die Fed den Zins erhöht und die Inflation wieder anziehen wird. Er rechnet damit, dass die konsum- und servicenahe Sektoren in den Industrieländern die Industriewerte übertrumpfen und Importe die Exporte überholen werden. Entsprechend empfiehlt er Aktien aus den Sektoren Gesundheit, Technologie, Konsum und Finanzen. „Im Rentenbereich sehen wir weiterhin Chancen bei US- und Euro-Unternehmensanleihen. Wer Staatsanleihen will, sollte sich in der Peripherie der Eurozone bedienen“, so Kreuzkamp in seinem Ausblick. Er rechnet allerdings damit, dass sich die Renditen für Aktien und Anleihen im Vergleich zu diesem Jahr verschlechtern.  Immobilien bleiben seiner Meinung nach eine der interessantesten Vermögensklassen. Ein ausgewogenes Portfolio im kommenden Jahr sieht seiner Meinung nach so aus:

 

Anleihen: 48 Prozent

Aktien: 41 Prozent

Alternative Anlagen: 10 Prozent

Rohstoffe: 1 Prozent

Foto: dpa

FERI AG

Die Rohstoffpreise bleiben auch 2016 unter Druck, worunter die rohstoffexportierenden Länder leiden. Außerdem werten laut dem Kapitalmarktausblick von FERI fast alle Schwellenländer-Währungen gegenüber dem Dollar ab. Doch auch die US-Wirtschaft  bekommt im kommenden Jahr einen Dämpfer. Das Wachstum dürfte unterhalb der 2 Prozent-Marke liegen, der starke Dollar drückt die Exportquote, amerikanische Aktien sind überbewertet. Doch auch im Euroraum lasse der Aufschwung zu wünschen übrig – daran könne auch die expansive Geldpolitik der EZB nichts ändern. Entsprechend unattraktiv seien europäische Staatsanleihen.  Die deutschen Aktien dagegen profitieren 2016 von der expansiven Geldpolitik, sind zugleich aber anfälliger für außenwirtschaftliche Störungen. Die Renditen von Bundesanleihen dürften tendenziell sinken.

Foto: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Fröhlich, Sie erwarten für 2016 etwa zehn Börsengänge im Volumen von jeweils mindestens 250 Millionen Euro. Stehen die Kandidaten schon fest?

Klaus Fröhlich: Momentan führen wir wöchentlich Gespräche mit Unternehmen, die einen Börsengang in Erwägung ziehen. Aber das heißt nicht, dass es auch immer dazu kommen wird. Mitunter stellt sich auch die Frage, ob die Unternehmen wirklich an die Börse gehen sollten.

Klaus Fröhlich

Foto: PR

Welche Kapitalmarktbedingungen bräuchten Sie, damit sich Ihre Erwartungen erfüllen?

Zur Person
Klaus Fröhlich (42) ist Leiter des Kapitalmarktgeschäfts bei der US-Bank Morgan Stanley für Deutschland und Österreich.

Voraussetzung für die Börsengänge ist, dass die Volatilität am Markt niedrig bleibt, denn hohe Kursschwankungen sind Gift für Börsengänge. Dann beschäftigen sich die Fondsmanager und andere Großanleger lieber mit ihren bestehenden Portfolios und schauen sich nicht noch Neulinge an. Das Phänomen hat man ja bereits im Herbst gesehen. Als die Kurse durch die China-Angst und VW unter Druck kamen, hatten es Schaeffler und Covestro zunächst schwer mit ihren Börsengängen. Andererseits ist der Kapitalmarkt aber recht abgehärtet und Makroschocks werden relativ gut verkraftet. Es gab Jahre, etwa nach der Finanzkrise, da waren Börsengänge überhaupt nicht möglich. Jetzt aber ist der Markt wieder geheilt. Das beweist etwa der Börsengang des Automobilentwicklers Edag, der ja gut gelungen ist, obwohl während der Vermarktungsphase die Automobilbranche von Schlagzeilen geprägt wurde.

Ist es nicht angesichts der Geldschwemme der Notenbanken und den hohen Mittelzuflüssen bei Aktienfonds sehr leicht, Aktien an den Mann zu bringen?

Leicht sind Börsengänge nie. Wir müssen die Aktien schon bei einer Vielzahl von Investoren vermarkten, um solche Transaktionen erfolgreich zu platzieren. Die Fondsmanager machen stets sehr gründlich ihre Hausaufgaben und prüfen die Kennzahlen und das Management. Natürlich sind die Notenbanken eine gute Unterstützung, denn das Geld muss irgendwo hin. Die Investoren stecken ja den Kopf nicht in den Sand. Sonst hätten sie wegen der vielen Liquidität und bedingt durch die niedrigen oder sogar negativen Zinsen keine andere Chance, als den Kopf schnell aus dem Sand zu ziehen und dann bleiben Aktien eine gute Anlage. Außerdem haben deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahren viel Wert geschaffen.

Uber
Gegründet: 2009
Sitz: San Francisco
Uber bietet Chauffeurfahrten und Ride-Sharing an. Technische Grundlage ist eine App, die mithilfe von Geodaten Fahrer und Fahrgast über deren Smartphones zusammenbringt. Uber ist bereits in mehr als 50 Ländern weltweit aktiv. In Deutschland wurde der Fahrdienst sehr kontrovers diskutiert. Ubers Wert wird inzwischen auf mehr als 61 Milliarden Dollar geschätzt, damit sind die Kalifornier bisher das mit Abstand wertvollste noch nicht börsennotierte Start-up aller Zeiten. Kein anderes Start-up hat jemals so viel Geld bekommen wie Uber: 6,7 Milliarden Dollar flossen in 12 Runden von 52 Investoren in die Kassen der Taxischrecks.

>>Hier geht es zum großen Artikel zu den Börsen-Anwärtern aus dem Silicon Valley

Foto: REUTERS

Actifio

Gegründet: 2009

Sitz: Waltham, Massachusetts

Actifio stellt Software zur Daten-Virtualisierung her. Das Unternehmen bekam bisher 208 Millionen Dollar Eigenkapital in sechs Runden von sieben Investoren, darunter Greylock Partners, North Bridge Venture Partners, TCV.  Die bisher letzte Kapitalspritze bekam das Softwareunternehmen im März 2014 mit 100 Millionen Dollar.

Foto: PR

AirBnB
Gegründet: 2009
Sitz: San Francisco
Mit einem Wert von rund 27 Milliarden Dollar das zweitteuerste Startup aus den USA. Bei Airbnb können Privatleute ihre Wohnungen und Häuser gegen Geld an andere Privatleute vermieten. Airbnb präsentiert die Wohnungen auf seiner App, wickelt die Kommunikation zwischen den Parteien ab und verwaltet die Zahlungen treuhänderisch. Dafür nimmt das Unternehmen eine Gebühr von rund elf Prozent der Miete. Das Geschäft wächst schnell und ist inzwischen weltweit populär. Einige Städte, darunter New York, San Francisco und Berlin, haben den Service aber inzwischen reguliert, weil sich herausstellte, dass die Kurzfrist-Vermietung an Orten mit besonders knappem Wohnungsmarkt das Mietniveau zusätzlich antreibt.

Foto: REUTERS

Zuora

Gegründet: 2007

Sitz: Foster City, Kalifornien

Abwickeln und Analysieren von Zahlungsströmen aus Abos, etwa für Spotify, Netflix oder Verlage, das ist das Geschäft von Zuora (im Bild: CEO Tien Tzuo). Salesforce-Gründer Marc Benioff ist ein prominenter Unterstützer und privater Investor seit deren Anfangstagen. Zuora bekam bisher 243 Millionen Dollar in insgesamt sechs Runden von 17 unterschiedlichen Investoren. Der Wert des Unternehmens wird allerdings auf weit mehr als eine Milliarde Dollar geschätzt. Zuora gilt mit 880 Punkten im Ranking als einer der drei aussichtsreichsten Börsenkandidaten.

Foto: PR

Nutanix

Gegründet: 2009

Sitz: San Jose, Kalifornien

Nutanix macht Software für Datenzentren. Das Start-up bekam 312 Millionen Dollar in fünf Investment-Runden von 11 Investoren; darunter Battery Ventures, Khosla Ventures und Wellington Partners. Einige der Nutanix-Investoren waren auch bei Square investiert, dem Onlinebezahldienst von Twitter-Gründer Jack Dorsey, der Ende 2015 an die Börse ging.

Foto: Nutanix

Okta

Gegründet: 2009

Sitz: San Francisco

Okta macht sein Geld mit Internet-Sicherheitssoftware. Okta hat im Ranking von CB Insights einen der höchsten Scores, ein Börsengang wäre also jederzeit möglich. Das Geschäftsfeld ist sehr lukrativ. Mit Andreessen Horowitz und Sequoia sind zwei der namhaftesten Risikokapitalgeber an Bord.

Foto: Okta

Git Hub

Gegründet: 2008

Sitz: San Francisco

Git Hub ist ein Online-Netzwerk, auf dem Programmierer Tools finden und auch Open Source Codes teilen können. Das Unternehmen bekam in nur zwei Runden schon 350 Millionen Dollar. Und diese beiden VC-Investoren sind die größten und bekanntesten, die es gibt: Sequoia Capital und Andreessen Horowitz, gegründet und geführt unter anderem von dem Erfinder des ersten kommerziellen Webbrowsers Netscape.

Foto: PR

Snapchat
Gegründet: 2011
Sitz: Los Angeles
Instant Messaging Dienst, bei dem die User kurze Videoschnipsel oder Fotos versenden, die sich nach wenigen Sekunden selbst löschen. Snapchat gehört zu den zehn teuersten Start-ups der Welt mit einem geschätzten Wert von rund 14 Milliarden Dollar. Facebook hatte versucht, Snapchat 2013 zu kaufen, scheiterte aber, und kaufte sich WhatsApp für 18 Milliarden Dollar. So viel dürfte Snapchat an der Börse eher nicht einspielen. Zuletzt hat der Investor Fidelity sogar einen Teil des Werts seines Snapchat-Investments abgeschrieben, weil der wohl zu teuer eingekauft war.

Foto: dpa

Zenefits

Gegründet: 2013

Sitz: San Francisco

Zenefits bietet Personalmanagement-Software in der Cloud. Erst vergangenen Mai erhielt das Unternehmen eine halbe Milliarde Dollar Wagniskapital, unter anderem von Andreessen Horowitz und TPG Capital.

Foto: PR

Mule Software

Gegründet: 2006

Sitz: San Francisco

MuleSoft’s Platform ermöglicht es den Kunden (ausschließlich Firmen, kein Privatkundengeschäft) über eine Programmierschnittstelle (API) verschiedene eigene und fremde Software zu kombinieren. Das Unternehmen hat bereits Kunden im mehr als 60 Ländern, darunter etwa BMW und Boeing. Salesforce-Gründer und Multimilliardär Marc Benioff hat auch hier seine Finger als Investor über Salesforce Ventures im Spiel. Insgesamt hat Mule bisher in sieben Runden 260 Millionen Dollar bekommen. Wie das Start-up Okta erzielte Mule im Ranking 910 von 1000 möglichen Punkten. Das Unternehmen dürfte auf der Liste für mögliche Börsengänge im kommenden Jahr ganz oben stehen.

>>Hier geht es zum großen Artikel zu den Börsen-Anwärtern aus dem Silicon Valley

Foto: PR

Was halten Sie denen entgegen, die behaupten, Investmentbanken polieren die Unternehmen vor dem Börsengang auf und danach verlieren sie für mehrere Quartale den Glanz.

Aufpolieren machen wir bei Morgan Stanley nicht, weil weder die Unternehmen noch die Käufer etwas davon haben. Bei einem gut laufenden Börsengang haben alle etwas davon. Denn auch der Verkäufer hält ja meistens noch Aktienpakete, an deren guter Entwicklung er ebenfalls interessiert ist.

Börsengang: Fakten und Begriffe
IPO steht für „Initial Public Offering“, was so viel wie „erstmaliges öffentliches Angebot“. Im Angelsächsischen spricht man bei einem Börsengang auch von „going public“. Es geht also um den Börsengang, der Anlegern erstmals öffentlich Teile des Unternehmens in Form vom Aktien anbietet. Die Aktien sind dabei ein – meist winziger – verbriefter Anteil am Eigenkapital eines Unternehmens.
Eine Neuemission ist ein Angebot neu geschaffener Wertpapiere. Das können Aktien, Anleihen, Zertifikate oder sonstige Wertpapiere sein. Kommen etwa bei einem Börsengang neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung auf den Markt, spricht man von einer Neuemission.
Sie legt den Zeitraum fest, innerhalb dessen ein Anleger neu emittierte Wertpapiere zeichnen kann, also sich durch schriftliche Erklärung die Übernahme eines bestimmten Betrags zusichern kann. Nur wenn die Nachfrage schwach ist, wird eine Zeichnungsfrist auch mal verlängert.
Vor Beginn der Zeichnungsfrist nennt das Unternehmen eine Preisspanne, zum Beispiel von 20 bis 25 Euro. Die Investoren teilen dann mit, wie viele Aktien sie zu übernehmen bereit sind und nennen dafür einen Preis innerhalb der Preisspanne. Kommen nicht genug Anfragen zusammen, kann das Unternehmen – der Emittent – die Preisspanne auch senken. Aus den Zeichnungsaufträgen ermittelt der Emittent dann den Ausgabepreis, zu dem es die Aktien den Investoren überlässt.
Bei vielen Börsengängen können über das genannte Emissionsvolumen hinaus in den Tagen nach der Erstnotiz an der Börse weitere Aktien ausgegeben werden. Diese Mehrzuteilung wird auch Greenshoe genannt. Sie kommt bei hoher Nachfrage nach den Wertpapier zum Einsatz. Wie groß der Greenshoe ist, muss im Börsenprospekt stehen.
Nachdem die Aktien zum Ausgabepreis an die Anleger verteilt worden sind, wird es ernst: Die Aktien werden zum ersten Mal an der Börse gehandelt. Aus Kauf- und Verkaufsangebot wird der erste Kurs im Handel ermittelt – die Aktie notiert zum ersten mal an der Börse. Die Erstnotiz erfolgt zum angekündigten Datum, der erste Handelskurs sollte über dem Ausgabepreis liegen.
Wertpapiere, die an einer Börse gehandelt werden, unterliegen bestimmten Spielregeln. An einem regulierten Markt sind diese besonders umfassend und verlangen zum Beispiel Banken, die den Handel betreuen und Berichtspflichten, wie die Veröffentlichung von Quartalsberichten nach bestimmten Vorschriften. Am unregulierten Markt sind die Vorschriften lascher und die eine Überwachung des Handels – etwa bei der Kursbestimmung - greift nicht.
Beim Börsengang kommt eine zuvor festgelegt Zahl an Aktien in den Börsenhandel. Der Wert all dieser Aktien zusammen entspricht dem Platzierungsvolumen. Dabei kann es sich um neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung (Neuemission) oder um Aktien der bisherigen Eigentümer und vorbörslichen Investoren handeln.
Multipliziert man den Aktienkurs mit der Zahl aller frei handelbaren Aktien eines Unternehmens, erhält man den Börsenwert eines Unternehmens. Dieser entspricht der Marktkapitalisierung gleichgesetzt. Die Aktien, die nicht zum Handel an der Börse zugelassen sind, – also im Bestand des Unternehmens verbleiben – sind dabei unberücksichtigt.
Unternehmen lassen selten alle Aktien an der Börse zum freien Handel zu, sondern lediglich einen Teil. Liegt etwa der Streubesitz bei 30 Prozent, sind auch nur 30 Prozent der Eigenkapitalanteile an der Börse handelbar. Je höher der Streubesitz, umso liquider ist der Handel und umso geringer die Kursschwankungen, die sich aus Kauf- und Verkaufsorders ergeben.
In der Regel verbleibt bei einem Börsengang ein großer Teil der Aktien in Besitz von den bisherigen Eigentümern. Während der Haltefrist – auch Lock-up-Periode genannt – dürfen sie aus diesem Bestand keine Aktien verkaufen. Eine lange Haltefrist gilt als Bekenntnis zu einem Unternehmen.
Die Konsortialbanken begleiten den Börsengang und anschließenden Aktienhandel für ein Unternehmen. Das lassen sich die Banken natürlich vom Unternehmen bezahlen. Eine besondere Aufgabe fällt den Konsortialbanken zu, die sich als Designated Sponsor engagieren. Sie sorgen dafür, dass der Handel liquide bleibt, auch wenn zum Beispiel Käufer keinen Verkäufer der Papiere finden. Dann übernehmen sie den Part des Verkäufers, damit immer ein Kurs gestellt werden kann.
Darunter versteht man das Verfahren, mit dem der Preis für neu an die Börse zu bringende Aktien festgelegt wird. Da vor der Emission von neuen Aktien kein Börsenhandel mit diesen Papieren stattfindet, kann dieser Preis nicht durch Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt werden. Beim angelsächsischen Auktionsverfahren geben die Banken, die das Unternehmen an die Börse bringen, eine Preisspanne vor. Innerhalb dieser können Investoren ihre Gebote abgeben. Auf Grund der vorliegenden Orderlage wird der tatsächliche Emissionskurs letztlich aus dem Gebots-Durchschnitt gebildet. Früher wurde das heute kaum noch gebräuchliche Festpreisverfahren angewandt, bei dem sich die beratenden Banken und die AG schon vor Verkaufsangebot auf einen Preis einigten, den Anleger dann akzeptieren mussten.
Die Roadshow ist eine Werbetour eines Unternehmens bei möglichen Investoren. Dabei wird versucht, möglichst viele Investoren zu gewinnen, die den angestrebten Preis für die Aktien zu zahlen bereit sind. Die Roadshow ist daher wichtig, um die richtige Preisspanne auszuloten.

Nutzen jetzt die Private-Equity-Investoren die Geldschwemme als Ausstiegsmöglichkeit, oder wird mit den Erlösen aus dem Börsengang tatsächlich Wachstum finanziert?

Es gab in den vergangenen 18 Monaten etwa mit Zalando und Rocket Internet durchaus Unternehmen, die über die Börse ihr Wachstum finanzieren wollen. Es stecken also nicht nur Private-Equity-Verkäufe in der Pipeline.

Etwa mit dem Börsengang von Covestro haben Sie manchen Fondsmanager glücklich gemacht, der sich über hohe Kursgewinne freuen kann. Halten die Fondsmanager gewöhnlich lange an den Titeln fest oder machen sie gleich nach ein paar Prozentpunkten Gewinn Kasse?

Wir wissen nicht, wer kurzfristig Kasse macht. Das Spektrum reicht vom traditionellen Fondsmanager bis hin zu Hedgefonds. Manche kaufen die Aktien und halten sie lange, um sie zu beobachten, andere nehmen die Gewinne aus einem Börsengang schnell mit. Und wenn jemand damit Liquidität für den Markt bietet, dann ist das im Nach-IPO-Markt auch sinnvoll, damit andere Anleger die Aktien kaufen können. Sonst hingen die ja komplett fest.

Lassen sich denn angesichts von Zinserhöhungen in den USA sowie ersten Inflationswarnungen für Europa überhaupt noch Anleihen platzieren?

Sehr gut sogar. Ich überlege zwar auch häufig, ob das noch interessant ist, aber wir haben mehr Nachfrage als Angebot. Momentan glauben 80 Prozent der Investoren, dass die US-Notenbank FED die Zinsen um 25 bis 50 Basispunkte erhöhen wird. Das ist die klare Erwartung und die steckt schon in den Kursen. Größere Ungewissheit herrscht darüber, wie schnell die Erhöhungen weitergehen könnten. Da gehen die Erwartungen etwas mehr auseinander, aber überwiegend wird mit einem langsamen Zinsanstieg gerechnet.

Durch so genannte Private Placements gehen immer mehr Aktien und Anleihen außerhalb der Börse an Investoren. Können Sie beziffern, welches Volumen da bewegt wird?

Bei Privatplatzierungen von Anleihen gehen sehr viele Pakete gleich an Großinvestoren, bei den Aktien ist das in Europa weniger ausgeprägt. Anders ist es in den USA, dort wird ein Vielfaches etwa der Technologieaktien direkt über Privatplatzierungen an spezielle Fonds abgegeben.

Wie legen Sie als Experte Ihr Geld an?

Ich habe kein privates Depot, weil ich keine Zeit habe, mich darum zu kümmern. Ich würde aber jedem raten, nur dann am Aktienmarkt zu investieren, wenn man die Unternehmen gut versteht und kennt.

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