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ModelloffensiveRenault startet Aufholjagd in Deutschland

Mit einer Modelloffensive wollen die Franzosen Marktanteil in Deutschland deutlich steigern und zehn Prozent mehr Autos verkaufen. Auch bei den Elektroautos steigt die Nachfrage – allerdings dank Preisnachlässen.Franz W. Rother 08.01.2016 - 08:25 Uhr

Renaults Espace.

Foto: REUTERS

Dreimal haben die Franzosen bereits Anlauf genommen – diesmal soll der Neustart gelingen. Mitte Februar, so hört man aus Paris, wird Konzernchef Carlos Ghosn die sportliche Submarke Alpine wiederbeleben und ein zweisitziges Coupé mit etwa 300 PS vorstellen, das wie schon in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Jagd auf Porsche machen soll – mit ähnlichen Fahrleistungen wie ein Porsche Cayman, aber zu einem deutlichen günstigeren Preis als der Wettbewerber aus Stuttgart. Der Porsche kostet in der Basisversion aktuell rund 51.400 Euro. Die Preislisten für den Alpine sind zwar noch nicht gedruckt. Angepeilt wird angeblich aber ein Preis um die 40.000 Euro. Und die ersten Bilder von dem Auto, dessen Design die legendäre Alpine A110 von 1962 zitiert, macht Appetit auf mehr.

Ja, das Autojahr 2016 verspricht spannend zu werden für die Manager von Renault. Im März kommt die vierte Generation des Mégane auf den Markt. Der französische Konkurrent war auf dem deutschen Markt für Kompaktautos einmal die Nummer drei hinter dem VW Golf und dem Opel Astra. Inzwischen rangiert das Modell in der Zulassungsstatistik nur noch auf Position 12. Und selbst in der Verkaufsstatistik der Renault Deutschland AG schaffte er es zuletzt nicht mehr auf Siegertreppchen.

Noch vor einigen Jahren galten Vans als das ultimative Familienauto. Doch wem ein Kombi heute zu schnöde ist, der greift heute zum SUV. Der Espace von Renault galt über vier Generationen als Inkarnation der Großraum-Limousine, weshalb die Franzosen nicht ganz auf einen Van verzichten wollten. Die Lösung des Dilemmas: ein Mischlingsrüde.

Foto: WirtschaftsWoche

Der Vergleich der Generationen IV und V zeigt: Das Fahrwerk des neuen ist SUV-typisch höher, die Reifen sind größer. Um aber keinen höhergelegten Van zu bekommen, haben die Franzosen gleichzeitig das Dach gekappt – so ist der Neue in der einen Hinsicht ein gutes Stück höher als der Alte, aber auch flacher geworden.

Foto: WirtschaftsWoche

Obwohl er seine Van-Basis verloren hat, bietet Renault den Espace weiterhin als Siebensitzer an. Erwartungsgemäß hat das luftige Raumgefühl der Großraum-Limousine etwas gelitten. Renault spricht aber davon, an anderer Stelle das Raumgefühl verbessert zu haben – so ist die Beinfreiheit in der zweiten Sitzreihe ein gutes Stück größer geworden. Die Ladehöhe seines Vorgängers erreicht der neue Espace aber natürlich wegen des neuartigen Konzepts nicht mehr – wobei laut Renault auch nur die wenigsten Kunden den Espace als Lastesel genutzt und bis unters Dach beladen haben.

Foto: WirtschaftsWoche

Sind alle sieben Sitze aufgestellt, passen noch 247 Liter in den Kofferraum. Über das Tastenfeld links im Ladeabteil können die fünf Rücksitze einzeln oder alle auf einmal umgelegt werden, dass eine ebene Ladefläche entsteht. Die ausgefahrenen Kopfstützen klappen bei dem Tastendruck selbstverständlich zuerst ein.

Foto: WirtschaftsWoche

So ensteht beim Siebensitzer ein bis zu 2.035 Liter großes Ladeabteil. Der Fünfsitzer schluckt sogar 2.101 Liter. Die hier ausgebaute Hutablage erweist sich allerdings als etwas fummelig: Es gibt keine durchgängige Führung, die Ablage muss jedes Mal rechts und links eingehakt werden. Das können andere Hersteller besser.

Foto: WirtschaftsWoche

Ebenfalls einen großen Schritt gewagt hat Renault im Innenraum des Espace. Der große Bildschirm steht senkrecht, die gesamte Bedieneinheit "schwebt" über der Mittelkonsole und dem Armaturenbrett. Ergonomisch ergeben auch die meisten Sachen Sinn, die Bedienelemente sind allesamt gut erreichbar – vom Fahrer und Beifahrer.

Foto: WirtschaftsWoche

Auch die umlaufende Beleuchtung, deren Farbe selbstverständlich im Menü einstellbar ist, wertet den Innenraum auf. An einer anderen Stelle zahlt der Kunde aber den Preis für das schicke Design: Der Cupholder ist unter die frei schwebende Mittelkonsole gewandert, im Bild nur schwer erkennbar. Wer dort während der Fahrt den Becher mit dem heißen Kaffee von der Tankstelle abstellen will, muss viel Feingefühl und Geschick mitbringen.

Foto: WirtschaftsWoche

Die Menüführung des "R-Link 2" genannten Multimediasystems ist insgesamt gelungen. Die Auswahlfelder sind angenehm groß, die Funktionen logisch angeordnet. Für die wichtigsten Elemente sind rechts vom Bildschirm auch einige Schnellwahltasten erhalten geblieben. Einen Nachteil hat Renault aber auch nicht ausmerzen können: Je nach Sonneneinstrahlung spiegelt das Display stark – und die zahlreichen Fingerabdrücke verbessern die Lesbarkeit auch nicht gerade. Renault-Kunden sollten sich aber daran gewöhnen: Das System wird in mehr oder weniger abgewandelter Form künftig bis hinab zum Kompaktwagen Megane verbaut werden.

Foto: WirtschaftsWoche

Wer den Touschscreen nicht mag, kann das System auch über den Zentralcontroller und die umliegenden Schnellwahltasten bedienen. Da die Bildschirmoberfläche allerdings auf die Touch-Bedienung optimiert ist, macht der Dreh-Drück-Steller es an einigen Punkten komplizierter als nötig.

Foto: WirtschaftsWoche

Direkt hinter dem Controller liegt die Taste für die Fahrmodi des Espace: Je nach Modus werden nicht nur die optionale Luftfederung, Allradlenkung, Automatikgetriebe oder das Ansprechverhalten des Motors angepasst, sondern auch das Lichtambiente oder etwa die Massagefunktion der Sitze, die im gewählten Komfort-Modus automatisch aktiviert wird. Mit wenigen Ausnahmen kann sich der Fahrer auch einen eigenen Modus konfigurieren – nur den Sport-Sound des Motors kann er nicht mit der Eco-Einstellung kombinieren.

Foto: WirtschaftsWoche

Renault hat sein Flaggschiff auch mit zahlreichen Assistenzsystemen ausgerüstet. Dazu gehört neben einem Spurhalte- und Abstandswarner auch ein erweiteter Parkassistent. Dieser lenkt rechts wie links das Auto in alle möglichen Parklücken, solange diese 60 Zentimeter länger als das 4,86 Meter messende Auto sind. Die Kontolle über Gas und Lenkung behält weiterhin der Fahrer.

Foto: WirtschaftsWoche

Nicht nur die Lichtstimmung im Auto wird je nach Fahrmodi angepasst – von einem sportlichen Rot bis zu einem entspannenden Blau –, auch im Fahrerdisplay sind verschiedene Grafiken möglich. Mal mit großem Drehzahlmesser, mal mit großem Tacho. Einzig die Tankanzeige und die Kühlwassertemperatur bleiben immer gleich.

Foto: WirtschaftsWoche

Praktisches Detail: Das Handschuhfach ist eine zwölf Liter große Schublade. Der Inhalt kann also nicht heruasfallen. Zudem ist das Handschuhfach kühlbar.

Foto: WirtschaftsWoche

Die vielen Einstellmöglichkeiten im Innenraum sollen aber nicht von dem Ablenken, was der Espace sehr gut kann: entspanntes und komfortables Dahingleiten. Im Sport-Modus verhilft die Allrad-Lenkung dem 4,86 Meter langen Auto zwar zu einer erstaunlichen Handlichkeit, das Fahrwerk lässt aber dennoch kein richtiges Sport-Feeling aufkommen. "Eco" oder "Comfort" passen deutlich besser zum Charakter des Autos und auch zu den Motoren. Egal ob Benziner oder Diesel: Der Espace muss mit 1,6-Liter-Vierzylindern auskommen, was für die Größe des Autos nicht nach sonderlich viel klingt.

Foto: WirtschaftsWoche

Im Alltag reichen die Motoren aber mehr als aus. Nur wer die 160 PS des Diesels oder 200 PS des Benziners voll ausreizt, kommt schnell an die Grenzen der Aggregate. Die Normverbräuche von 4,7 beziehungsweise 6,2 Litern rücken dann in weite Ferne. Bei entspannter Fahrweise sind aber Verbräuche zwischen sechs und acht Litern möglich. Als Einstiegsvariante bietet Renault auch einen 130-PS-Diesel mit Sechs-Gang-Handschaltung an, der auf einen Normverbrauch von 4,2 Litern kommt. Bei den ersten Testfahrten stand dieser Motor aber noch nicht zur Verfügung.

Foto: WirtschaftsWoche

Renault erwartet ohnehin, dass sich der Großteil der Kunden für den 160-PS-Diesel entscheiden wird – und zwar in Kombination mit der "Intens"-Ausstattung. Der schwächere Selbstzünder und der Benziner werden nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ein ähnliches Bild erwartet Renault auch bei den Ausstattungslinien: Für die Basisversion "Life" werden sich die Kunden eher weniger entscheiden, die Top-Ausstattung "Initiale Paris" werden auch nur wenige ordern. "Intens" wird das Rennen machen. Mit den wichtigsten Assistenzsystemen, dem R-Link 2 und Voll-LED-Scheinwerfern ist diese Version auch gut ausgestattet. "Initiale Paris" bietet zudem noch die Allrad-Lenkung, das adaptive Fahrwerk und ein Bose-Audiosystem in Serie.

Foto: WirtschaftsWoche

Ab Mai ist der Espace für 33.550 Euro erhältlich. Dafür gibt es den kleinen Diesel mit Handschaltung in der "Life"-Ausstattung. Der 200-PS-Benziner mit Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe steht ab 38.450 Euro beim Händler (ab "Intens", "Initale Paris" ab 44.500 Euro). Das teuerste Modell ist der 160-PS-Diesel für 40.150 Euro (Intens) oder 46.200 Euro (Initiale Paris) zu haben.

Foto: WirtschaftsWoche

Doch mit dem Modellwechsel soll beginnt die Aufholjagd: Olivier Gaudefroy, der Vorstandschef der deutschen Vertriebsgesellschaft, will mit dem neuen Mégane im Kompaktwagen-Ranking wenigstens bis auf Platz fünf vorfahren. Ein aggressives Pricing – das 100 PS starke benzingetriebene Basismodell kostet 16.790 Euro, rund 1000 Euro weniger als ein schlechter ausgestatteter VW Golf – sowie ein ausdrucksstarkes Design und eine Fünfjahres-Garantie sollen Renault in diesem Segment Marktanteilsgewinne bringen.

Zehn Prozent Wachstum im laufenden Jahr

Das gilt auch für den neuen Scénic, der zum Jahresende kommt und dabei vom Minivan zum stylischen Crossover mutiert. Die neue Mittelklasse-Limousine Talisman, die im Sommer startet und den glücklosen Vorgänger Laguna vergessen machen soll, ist hierzulande wohl eher für Achtungserfolge gut. Aber für Gaudefroy zählt anderes mehr: „Am Jahresende 2016 werden die jüngste Modellpalette aller Autohersteller in Deutschland haben“, sagte er auf der Jahrespressekonferenz in Düsseldorf.

Damit verknüpft er hohe Erwartungen an seine Händler für das laufende Jahr: „Ich erwarte ein Absatzplus von wenigstens zehn Prozent.“ Exakt 110.583 Pkw hat Renault 2015 in Deutschland abgesetzt – am Ende dieses Jahres sollten es dann schon 122.000 Autos sein. Der Marktanteil der französischen Automarke soll darüber von heute 3,8 auf über vier Prozent steigen.

Renault-Vorstand Stefan Müller

Aufholjagd in Europa mit der Oberklasse

von Franz W. Rother

2015 war so gesehen für Renault Deutschland nur ein Übergangsjahr: Ein Verkauf von 177.500 Pkw und leichten Nutzfahrzeugen der Marken Renault und Dacia bedeutete einen Zuwachs von rund 4600 Einheiten oder 2,7 Prozent. Dass es nicht mehr wurde, lag vor allem am schwachen Abschneiden von Dacia: Die Billigmarke scheint ihren Zenit überschritten zu haben. Im vergangenen Jahr wurden lediglich knapp 47.500 Fahrzeuge der Marke verkauft – 6,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Renault subventioniert E-Autos – und verkauft mehr

Gaudefroy erklärte dies mit dem hohen Privatkundenanteil und dem wachsenden Wettbewerb in dem Segment. Fakt ist aber auch: Im Unterschied zu Renault hatte die rumänische Tochtermarke im abgelaufenen Jahr keine Neuheiten zu präsentieren. Und in diesem Jahr stehen auch nur ein paar Facelifts an. Es bleibt also schwierig. Trotzdem will Gaudefroy Kurs halten: „An der Rabattschraube wird nicht gedreht.“ Immerhin soll das Werbebudget erhöht werden.

Und die Elektroautos? Renault zählt zusammen mit seinem japanischen Partner Nissan zu den Pionieren auf dem Markt für E-Mobile in Europa und ist mit einem Marktanteil von über 50 Prozent Weltmarktführer. Konzernchef Ghosn wollte ursprünglich bis zum 2016 rund 1,5 Millionen Elektroautos verkaufen, hat dieses Ziel inzwischen aber wieder kassiert – bislang hat man nur knapp 300.000 Stromer an den Mann bringen können. In Deutschland fanden im vergangenen Jahr nur rund 2000 Elektrofahrzeuge von Renault einen Abnehmer – 1606 Autos der Typen Zoë, Kangoo und Fluence, dazu 369 Twizy.

Mit dem Talisman zeigt Renault einen Nachfolger für Laguna und Latitude. Und will verlorenes Terrain in der Mittelklasse gut machen. Für Sicherheit sorgt eine Armada an radar-, ultraschall- und kamerabasierten Systeme wie Sicherheitsabstands-Warner, Notbremsassistent mit Geschwindigkeitswarner, Totwinkel- und Spurhalte-Warner, Fernlichtassistent und adaptiver Tempomat. Elektrisch verstellbare Vordersitze, die heizen oder kühlen können und auch eine Ambiente-Beleuchtung hat der Viertürer an Bord. Navigationsbefehle erhält die Limousine über das Multimediasystem R-Link 2.

Foto: PR

An Bord der 4,85 Meter langen Limousine hat der französische Autobauer eine Fülle an technischen Schmankerln gepackt. Neben LED-Scheinwerfern und einem Head-up-Display beispielsweise auch das hauseigene Multi-Sense-System, mit dem sich Lenkung, Gangwechsel, Dämpfung und Ansprechverhalten des Motors sowie auch die Innenraumbeleuchtung, Klimatisierung und Motorensound regeln lassen. Basisdiesel ist der 1,5-Liter große dCI 110, darüber rangiert der 1,6-Liter große Selbstzünder, der wahlweise mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe verfügbar ist. Die Leistungsspitze markiert der Diesel dCI 160. Die beiden Benziner leisten 150 beziehungsweise 200 PS und sind mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verbunden.

Foto: PR

Das Design stammt vom Niederländer Laurens van den Acker, der unter anderem auch Twizy und Captur gestaltet hat. Das Modell wird offiziell auf der IAA Mitte September in Frankfurt vorgestellt. Zu den deutschen Händlern kommt es im Januar 2016.

Foto: PR

Für Sicherheit sorgt eine moderne Armada radar-, ultraschall- und kamerabasierter Systeme wie Sicherheitsabstands-Warner, Notbremsassistent mit Geschwindigkeitswarner, Totwinkel- und Spurhalte-Warner, Fernlichtassistent und adaptiver Tempomat.

Foto: PR

Fast selbstständig in Parklücken kann das Fahrzeug mit dem Einparkassistenten manövrieren. Die dynamische Allradlenkung kümmert sich nicht nur um die Lenkpräzision, sondern verbessert auch die Fahrsicherheit. Bei niedrigen Geschwindigkeiten schlagen die Hinterräder minimal in entgegengesetzter Richtung zur Vorderachse ein. Das Angebot an Triebwerken für den Talisman umfasst zwei Turbobenziner und drei Turbodiesel, die ein Spektrum von 110 bis 200 PS abdecken. Außer manueller Sechs-Gang-Schaltung gibt es je nach Modell auch ein Sechs- und ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Foto: PR

Seit Mai 2015 hat sich die Nachfrage nach Zoe und Twizy spürbar belebt. Der Grund: Renault Deutschland zahlt beim Kauf eines Zoe einen Bonus von 5000 Euro und subventioniert den Twizy mit 1000 Euro. Laut Vertriebsvorstand Christophe Mittelberger haben sich die Bestellungen für den kompakten, elektrogetriebenen Viertürer seitdem verdoppelt. Aktuell werden in Deutschland jeden Monat rund 300 Renault Zoë geordert – mehr, als das Werk liefern kann. Interessenten müssen sich deshalb auf längere Lieferzeiten einstellen. Für Deutschland-Chef Gaudefroy ist das ein klarer Beleg für die These, dass die Kaufzurückhaltung bei Elektromobilen hierzulande weniger auf die geringe Reichweite der Fahrzeuge zurückzuführen ist, sondern auf die hohen Preise.“

Dass Renault trotz der Preisnachlässe mit Elektroautos noch Gewinne einfährt, muss allerdings bezweifelt werden. Gaudefroy gab sich in dem Punkt schmallippig: „Dazu äußern wir uns nicht.“

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