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Stelter strategischAktien im Angebot oder der Griff ins fallende Messer?

Ist es nach der deutlichen Korrektur an den Aktienmärkten schon wieder Zeit zuzugreifen? Oder fällt das Messer weiter? Die Entscheidung will wohlüberlegt sein. Eine Kolumne.Daniel Stelter 28.01.2016 - 06:00 Uhr

Never catch a falling knife?

Foto: dpa

Selbst wenn die Märkte nach dem turbulenten Jahresauftakt nun den Boden zu finden scheinen – für sogenannte Charttechniker ist die Sache klar. Eine Korrektur von zwanzig Prozent und mehr bedeutet Baisse, und damit sollte es, abgesehen von kleineren Erholungen, weiter bergab gehen. Eine solche Prognose würde eigentlich auch zu dieser Kolumne passen, warne ich doch schon lange vor mauen Renditen angesichts der hohen Preisniveaus an den internationalen Finanzmärkten.

Doch so einfach ist es nicht. Zum einen ist da die Empirie, die die Kollegen der Financial Times am vergangenen Samstag vorgelegt haben. Sie haben anhand historischer Daten festgestellt, dass jene, die an dem Tag, an dem die Märkte gegenüber der Spitze zwanzig Prozent verloren hatten,  Aktien gekauft hatten,  damit nicht so schlecht gefahren sind. Neunmal hat der S&P 500 seit 1950 mehr als zwanzig Prozent eingebüßt, und  nur zweimal haben die Käufer in den darauf folgenden zwölf Monaten richtig Geld verloren. Dies war 1973 und 2008 der Fall. Nach 2001 kam es nur zu einem leichten Verlust von einem Prozent. Und im Schnitt war der Ertrag der nächsten zwölf Monate immerhin zehn Prozent.

Zum Autor
Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, so eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“. Im Februar 2016 erscheint sein neues Buch, „ Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Es sind aber nicht solche Zahlenspiele, auf die man sich verlassen sollte, sondern auf die nächste Geldspritze der Notenbanken. Und dafür spricht in der Tat einiges

Dennoch bietet eine genauere Analyse der genannten Chartverläufe noch interessante Hinweise. In zwei Phasen ging es nach der 20 Prozent Korrektur noch weiter bergab: 1973 und 2008. 1973 lagen die Bewertungen, gemessen am Shiller-PE bereits unter dem langfristigen Durchschnitt, der allerdings durch die Jahre 1995 bis 2015 nach oben verzerrt ist. Nimmt man diese – auf lange Sicht als außergewöhnlich zu betrachtende - Periode aus, waren Aktien auch damals schon teuer. 2008 waren sie wie auch im Jahr 2000 sehr teuer.

Platz 25: Ukrainische Aktien

Der Konflikt mit den pro-russischen Separatisten im Osten des Landes, aber auch Misswirtschaft hat die Ukraine an den Rand des Staatsbankrotts getrieben. Der Internationale Währungsfonds hält Kiew mit Hilfskrediten über Wasser und fordert im Gegenzug Wirtschafts- und Sozialreformen. Der Leitindex PFTS verlor 2015 mehr als 35 Prozent, gleichzeitig brach die ukrainische Währung Hrywnja ein. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in die Aktien des Leitindex investierte, hat jetzt nur noch 44.950 Euro - also mehr als die Hälfte seines Geldes verloren, so viel wie mit keiner anderen Anlage.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 24: Brasilianische Aktien

Das südamerikanische Land durchlebt eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Inflation ist bereits zweistellig und Volkswirte fürchten, dass Brasiliens Wirtschaft bis 2017 um acht Prozent schrumpfen wird. Die Politik ist durch einen Korruptionsskandal gelähmt. Das belastete auch die Börse deutlich. Der Index Ibovespa verlor zwölf Prozent. Da gleichzeitig der Real gegenüber dem Dollar und dem Euro einbrach, vergrößert sich der Verlust für Euro-Anleger: Von 100.000 Euro bleiben nur 66.200 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 23: Brentöl

Der Verfall der Ölpreise – bedingt durch die Wachstumssorgen in den Schwellenländern und die unverändert hohen Fördermengen der Opec – hielt das ganze Jahr an. Kurz vor Weihnachten fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar auf das Elf-Jahrestief von 35,98 Dollar und ist seither nur leicht gestiegen. In Dollar gerechnet liegt der Jahresverlust bei gut 35 Prozent, in Euro sind es 28,16 Prozent. Das heißt: Aus 100.000 Euro wurden 71.850 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 22: Aktien Griechenland

Anders als für die nur noch wenigen Besitzer griechischer Anleihen war für die Besitzer griechischer Aktien ein schlechtes Jahr: Fünf Wochen lang war im Sommer die griechische Börse wegen des drohenden Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro-Raum geschlossen. Als die Börsen im August wieder öffneten, ging es weiter bergab: Der Leitindex ASE brach in diesem Jahr um 25,37 Prozent ein – von 100.000 Euro blieben Anlegern nur 74.630 Euro übrig.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 21: Magere Schweine

Nicht nur Öl, Industrierohstoffe und Metalle sind 2015 unter die Räder gekommen, sondern auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelte Terminkontrakte auf Nutztiere: Der Preis für magere Schweine zum Beispiel fiel hier um 27 Prozent. In Euro gerechnet liegt der Verlust bei 19,34 Prozent. Somit bleiben von 100.000 investierten Euro noch 80.660 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 20: Kaffee

Auf dem Preis für die schwarzen Bohnen lastet unter anderem der heftige Verlust des brasilianischen Real zum Dollar, da Brasilien das mit Abstand wichtigste Kaffee produzierende und exportierende Land ist. Gleichzeitig sind die Ernteaussichten gut, das erwartete hohe Angebot drückt zusätzlich auf den Preis. In Euro gerechnet fiel der Terminkontrakt für am Chicago Board of Trade gehandelten Kaffee um 19,28 Prozent. Das entspricht bei einer Anlage von 100.000 Euro einem Verlust von 19.280 Euro.

Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 19: US-Junk-Bonds der Energiebranche

Der Verfall der Öl- und Gaspreise ließ die Ausfälle bei amerikanischen Energieunternehmen mit schwacher Bonität nach oben schnellen. Die Folge: Die Kurse der Junk-Bonds (Schrottanleihen) dieser Unternehmen fielen rasant. In Dollar gerechnet ist ein Verlust von 23,9 Prozent aufgelaufen, in Euro sind es mehr als 15 Prozent. Aus 100.000 Euro sind so bei dieser Anlage nur noch 84.440 Euro geworden.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 18: Aktien Schwellenländer

Die Emerging Markets machten Anlegern auch 2015 nicht viel Freude. Der MSCI Emerging Markets verlor über 16 Prozent. Auch hier machte für Euro-Anleger der Dollar-Anstieg einiges wett, den der Index notiert in der US-Währung. Wer 100.000 Euro in den MSCI Emerging Markets investiert, hat jetzt noch 92.560 Euro auf dem Konto.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: REUTERS

Platz 17: Gold

Gold glänzte auch 2015 nicht. Im Gegenteil: In Dollar gerechnet verlor der Preis für eine Feinunze erneut 9,8 Prozent. Ein Trost für Euro-Anleger: Dank der Aufwertung des Dollars zur europäischen Gemeinschaftswährung haben sie nur ganze wenig verloren. Aus 100.000 in Gold angelegten Euro wurden 99.880 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: REUTERS

Platz 16: Deutsche Staatsanleihen

Es war vor allem die Europäische Zentralbank die mit ihren Anleihekäufen die Kurse auch der deutschen Staatsbonds immer weiter nach oben trieb. Im Gegenzug sackten die Renditen. Zuletzt sind sie aber wieder gestiegen – so dass für Anleger mit Bundesanleihen nur magere Erträge aus Kursgewinnen und Zinsen blieben. Wer 100.000 Euro in einen Korb aus Bundesbonds steckte hat jetzt 100.310 Euro auf dem Konto. Das ist weniger als sich im Schnitt mit Tagesgeld erwirtschaften ließ.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 15: Tagesgeld

Das Niedrigzinsumfeld macht deutschen Sparern weiter zu schaffen. Der durchschnittliche Satz für Tagesgeld lag 2015 bei gerade mal 0,43 Prozent. Wer 100.000 Euro in Tagesgeld investierte, hat somit gerade mal 430 Euro verdient.

Stand: 30.12.2015, Quelle: FMH Finanzberatung

Foto: dpa

Platz 14: Euro-Junkbonds

Junk-Bonds sind Anleihen von Unternehmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität bescheinigen. Dafür bieten die Papiere höhere Zinsscheine als Anleihen von kreditwürdigeren Schuldnern. Die Kurse der auch Schrottanleihen genannten Papiere fielen jedoch im Jahr 2015. Die höheren Kupons kompensierten das aber zumindest teilweise. Aus 100.000 in einen Junk-Index angelegten Papiere wurden so 101.260 Euro.

Stand: 29.12 2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 13: Aktien Euro-Zone

Die Spreizung im Euro-Raum ist recht groß. Der größte Gewinner in diesem Jahr ist bislang die Börse in Dublin, die mehr als 30 Prozent zulegte. Die Indizes in Spanien, Luxemburg und vor allem in Griechenland und Zypern stürzten dagegen ab. Der Euro Stoxx 50 für die Standardwerte im Euro-Raum gewann 5,1 Prozent, somit wurden aus 100.000 Euro 105.100 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 12: Schweizerische Aktien

Die schweizerische Notenbank schockte Investoren im Januar mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses für den Franken. Die Börse stürzte zunächst ab, erholte sich aber später wieder zum großen Teil. Auf Jahressicht hat der Leitindex SMI gut ein Prozent eingebüßt. Gleichzeitig stieg aber der Franken zum Euro. Das sorgt dafür, dass Euro-Anleger mit einer Anlage in SMI-Aktien 9,95 Prozent Gewinn machten.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 11: Deutsche Aktien

Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Dax gesteckt hat, kann sich über ein Plus von 10,26 Prozent, also von 10.260 Euro freuen Noch viel besser entwickelten sich Nebenwerte. Der MDax der mittelgroßen Aktien legte rund 23 Prozent zu, der TecDax 34 Prozent. Auch an anderen europäischen Börsen hatten die Small Caps oft die Nase vorn.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 10: Russische Aktien

Bei russischen Aktien sahen viele Investoren nach dem Einbruch der vergangenen Jahre wieder Einstiegschancen – obwohl die russische Wirtschaft weiter unter den Sanktionen wegen des Konflikts mit der Ukraine leidet. Das machte auch dem Rubel zu schaffen. Der Leitindex Micex der Börse Moskau stieg um fast 26 Prozent. Wegen des Rubel-Verfalls bleiben Euro-Anlegern davon aber nur 11,01 Prozent. Aus 100.000 Euro ergaben sich deshalb „nur“ 111.010 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg

Foto: dpa

Platz 9: US-Dollar

Das stärkere Wirtschaftswachstum in den USA und die erste Leitzinserhöhung der US-Notenbank haben den Dollar angetrieben. Die US-Währung hat 2015 zum Euro bislang 11,2 Prozent zugelegt. Für Anleger die in US-Wertpapiere oder in andere in Dollar denominierten Anlagen investierten, bringt das deutliche Währungsgewinne.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 8: Amerikanische Staatsanleihen

Die Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember konnte US-Bonds bislang nicht viel anhaben. Unter dem Strich und im Mittel aller Laufzeiten sind die Kurse etwas höher als zu Jahresbeginn – und die Renditen entsprechend leicht gesunken. In Dollar gerechnet brachten US-Staatsanleihen Investoren so einen Gesamtertrag aus Zinsen und Kursgewinnen von gut einem Prozent. Da der US-Dollar jedoch deutlich zulegte, profitierten Euro-Anleger: Sie können sich 100.000 in US-Staatsanleihen angelegten Euro jetzt über einen Depotstand von 111.650 Euro freuen.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: AP

Platz 7: US-Aktien

Die US-Börsen haben sich von ihrem Einbruch im Sommer erholt – und nach jüngsten Spurt bislang ein mageres Jahresplus geschafft. Der gestiegene Dollar hilft aber Euro-Investoren, die nicht währungsgesichert in den USA angelegt haben. Der S&P 500 stieg in Euro gerechnet um 11,81 Prozent. Aus 100.000 Euro wurden bis kurz vor Jahresschluss 111.810 Euro.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 6: Chinesische Aktien

Kaum eine Börse war so in den Schlagzeilen wie die chinesische. Bis zum Frühjahr stieg sie rasant – dann kam der Absturz. Dabei schreckten die Sorgen um eine Abschwächung der Wirtschaft der Volksrepublik die Investoren weltweit auf. Dennoch notierten der Leitindex Shanghai Composite immer noch deutlich fester als zu Beginn 2015 und auch der Yuan hat auf Jahressicht zum Euro zugelegt. So wurden aus 100.000 im Shanghai Composite angelegten Euro 116.980 Euro.

Stand: 30.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: REUTERS

Platz 5: Japanische Aktien

Die Notenbank pumpt weiter Geld in den Markt und das Reformprogramm von Ministerpräsident Shinzo Abe zur Ankurbelung der Wirtschaft greift – wenn auch langsamer als viele erwartet hatten. Entsprechend holprig ging es auch 2015 am japanischen Aktienmarkt zu. Unter dem Strich gilt jedoch: Der Nikkei 225 Index gewann 2015 gut neun Prozent. Gleichzeitig wertete der Yen zum Euro kräftig auf. 100.000 in den Index investierten Euro vermehrten sich deshalb auf 120.020 Euro.

Stand: 30.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: AP

Platz 4: Griechische Staatsanleihen

Auch sie verblüffen Investoren und gelten als zu riskant für eine seriöse Anlage. Im Sommer fürchteten die wenigen Anleger, die noch griechische Bonds handeln, den Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum. Die Kurse der Staatsbonds fielen drastisch. Sie erholen sich jedoch seit das dritte Hilfspaket für Hellas freigegeben wurde. Die Folge: Wer 100.000 Euro in griechische Staatsbonds steckte, hat jetzt 121.190 Euro.

Stand: 29.12,2015. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 3: Irische Aktien

Der Leitindex der irischen Börse hat sich am besten im ganzen Euro-Raum geschlagen. Mit voraussichtlich sechs Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts hat die grüne Insel 2015 im Euro-Raum auch beim Wirtschaftswachstum die Nase weit vorn. Der Index stieg um 30,64 Prozent – aus 100.000 Euro wurden so 130.640 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: REUTERS

Platz 2: Jamaikanische Aktien

Die Börse des sich gerade von einer Rezession erholenden Landes ist der zweite große Sieger unter den weltweiten Anlageklassen. Die Börse ist indes sehr klein, gehandelt werden täglich gerade mal Aktien für rund 700.000 Dollar, das ist ein Fraktal der täglich sieben Milliarden Dollar gehandelten Aktien des amerikanischen Dow Jones Index. Wer 2015 jedoch 100.000 Euro in den jamaikanischen JSE Market investierte, hat jetzt 204.680 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: REUTERS

Platz 1: Venezolanische Aktien

Die Börse in Caracas ist der Überraschungssieger des Jahres. Und das, obwohl die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge in der Rezession steckt. An der Börse werden jedoch nur sehr wenige Aktien gehandelt, die Umsätze liegen täglich bei meist nur ein paar tausend Dollar. Aktien sind aber für venezolanische Investoren eine Möglichkeit, ihre Bolivar vor dem Wertverfall angesichts der Inflation von 160 Prozent zu retten. Außer den heimischen Investoren legt kaum jemand Geld in Caracas an. Dennoch: Theoretisch konnten Anleger 361.80 Euro verdienen, wenn sie Anfang des Jahres 100.000 Euro in Venezuelas Leitindex IBC investierten.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: REUTERS

Konzentriert man sich nun auf diese Kennzahl, zeigt sich, dass in acht von den neun Fällen, in denen nach 20 Prozent Verlust deutliche Gewinne zu erzielen waren, die Aktien schon vor dem Einbruch relativ günstig bewertet waren. Umgekehrt: nur einmal gelang ein schneller Wiederanstieg der Kurse, obwohl die Aktien zuvor schon relativ teuer waren. Das war der Fall im Jahr 1970. Womit ich zu dem Schluss komme, dass für die Frage, ob man heute in Aktien investieren oder die Finger davon lassen sollte, letztlich doch die Bewertung eine entscheidende Rolle spielt.

Und da ist zunächst festzuhalten, dass US-Aktien nach wie vor recht teuer sind. Das kann  auf lange Sicht – und diese kann, wie letzte Woche diskutiert, sehr lange sein – eher maue Renditen bedeuten. Europäische Aktien sind zwar deutlich günstiger. Doch auch dies ist keine Garantie dafür, dass sie sich besser entwickeln – schon gar nicht, wenn die Wall Street weiter fällt (was nicht ausgeschlossen ist) ,und die EU weiterhin ihre Probleme nicht in den Griff bekommt (was sogar wahrscheinlich ist).

Auf der anderen Seite hat sich seit Jahresbeginn eigentlich nicht so vieles verändert. Die Zinsen bleiben auf Rekordtief, allen gegenteiligen Beteuerungen der Fed zum Trotz, der sinkende Ölpreis befördert die Konsumlaune in den Industrieländern, China hat die üblichen Probleme eines Schwellenlandes beim Umbau der eigenen Wirtschaft, und der dortige Aktienmarkt hat eigentlich keine Bedeutung, weil er weder für die Finanzierung der Unternehmen noch als Vermögensklasse der Investoren wirklich relevant ist. Und sollte es dennoch zu Problemen kommen, verfügt die Regierung über genug Macht und Mittel diese zu bereinigen.

Dem gegenüber stehen allerdings die ebenfalls schon lange bekannten Probleme: die Kapitalflucht aus China und den anderen Schwellenländern und der Druck auf die Ölexporteure, Vermögenswerte zu verkaufen, wirken wie ein gigantischer Margin Call für die Finanzmärkte. China hat nur eine begrenzte Finanzkraft, um eine Abwertung des Renmimbi zu verhindern. Sie wird spätestens in drei Jahren aufgebraucht sein, womit sich der deflationäre Druck weltweit verschärft. Wie das halt ist am Ende eines Schulden-Super-Zyklus.

Im verzweifelten Versuch, die schmerzhaften Folgen dieses Schuldenbooms aufzuschieben, haben die Notenbanken soviel Geld in die Finanzmärkte gepumpt, dass man überall viel Risiko für wenig Rendite bekommt. Natürlich ist es besser, den Dax bei einem Stand von 9.500 Punkten zu kaufen als bei 11.000. Doch das allein kann als Kaufargument nicht genügen. Natürlich hat man mit Cash einen sicheren Verlust– doch dieser ist bekannt. Nicht bekannt ist, ob es wirklich nicht noch weiter nach unten geht. Ich gebe zu bedenken, dass es in einem Umfeld von mageren Renditen zwölf  Jahre dauert, um einen Verlust von 30 Prozent wieder wettzumachen – und das unter der Annahme einer Nachsteuerrendite von drei Prozent im Jahr.

Zur Erinnerung: 2001 war nur Dank der massiven Intervention der Fed für den Investor ein verlustfreier Einstiegszeitpunkt. Wer heute kauft, setzt wieder auf die Notenbanken. Auf die Notenbanken und ihre erneute Fähigkeit, das System eine Runde weiter zu bekommen und darauf, dass das Vertrauen der Finanzmärkte in die Notenbanken Bestand hat. Erstes halte auch ich für sehr wahrscheinlich,  Zweites aber für zunehmend zweifelhaft. Das muss einem nur klar sein. Es sei denn, das vorherrschende Motiv für Aktien ist die Angst vor zu hohen Cash-Beständen auf dem Bankkonto. Auch ein ehrenwertes Motiv, ist es doch nur eine Frage der Zeit bis es zu den ersten Bail-ins, also der Beteiligung bei Bankensanierungen, kommt.

Letzte Woche habe ich selbst, wie auch in meiner Kolumne erwähnt, taktisch auf eine Korrektur gesetzt. Ansonsten halte ich an meiner simplen Strategie der Diversifikation fest. Wenn Sie noch untergewichtet sind mit Aktien, nutzen Sie die Schwäche zum gezielten Zukauf von Qualität. Ansonsten: Kurs halten! Das Messer kann noch weiter fallen, egal was die Anlageberater erzählen.

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