BMW: Autobauer fährt vorsichtig in die Zukunft
Das neue Motorenwerk des Münchner Autobauers BMW steht in Shenyang, einer Stadt im Nordosten Chinas ungefähr 250 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt. Drei Jahre wurde an dem Werk gebaut.
Foto: BMWIn dem ersten BMW-Motorenwerk außerhalb Europas werden die 3- und 4-Zylinder-Ottomotoren produziert. Diese versorgen die Fahrzeugwerke Tiexi und Dadong, die ebenfalls in Shenyang stehen. Es ist das weltweit vierte Motorenwerk des deutschen Autobauers.
Foto: BMWBesonders an den Motoren ist ihr Baukastensystem. 60 Prozent der Teile innerhalb der Verbrennungstypen und 40 Prozent zwischen Benzin- und Dieselmotoren sind gleich. Das schafft Synergien. Ein Motor wie auf dem Bild besteht aus bis zu 7000 Einzelteilen.
Foto: BMWZum neuen Motorenwerk gehört auch eine Gießerei. Hier sieht man einen sogenannten Sandkern. 20 Einzelteile aus dem Sandgemisch werden für den Motorenguss benötigt. 30 Tonnen Sand braucht das Motorenwerk am Tag. 90 Prozent können davon recycelt werden.
Foto: BMWNeben der Motorenmontage gehört zum Werk zudem auch eine Kurbelwellen-, Kurbelgehäuse- und Zylinderkopffertigung. An vielen Stellen ersetzen Roboter die Arbeit von Menschen.
Foto: BMWBWM betont gerne, dass die Autos in den Werken in China nach weltweit gültigen Standards des Unternehmens gebaut werden. Zumindest bei der Besichtigung fallen die zahlreichen Warnhinweise auf, die man in China sonst selten sieht.
Foto: BMWIm Werk arbeiten zudem rund 100 Mitarbeiter aus anderen BMW-Standorts, die die chinesischen Mitarbeiter schulen sollen.
Foto: BMWAber auch die gibt es. Rund 2.000 Mitarbeiter aus der Region sollen in Zukunft in der Fabrik eine Arbeit finden. Die Arbeitskräfte werden vor Ort ausgebildet. Das Unternehmen gilt aufgrund der Arbeitsbedingungen als beliebter Arbeitgeber in der Stadt. Im Schnitt sind die Mitarbeiter 27 Jahre alt. Die Fluktuation, die in China sonst bei zwischen 20 und 30 Prozent liegt, beträgt nach eigenen Angaben bei BMW nur drei Prozent.
Foto: BMWRund 300.000 Motoren können im Jahr im neuen Werk hergestellt werden. Die Kapazität soll aber an den Bedarf der chinesischen Automobilwerke angepasst werden. Dort verlässt im Schnitt jede Minute ein Auto das Werk in China.
Foto: BMW2015 liefen in China insgesamt 287.000 Auto vom Band. Laut BMW ist das Motorwerk der dritte Schritt der Lokalisierung für das Unternehmen im Land. Die erforderlichen Investitionen trägt BMW aus eigener Kraft. Die genauen Kosten für das neue Werk will das Unternehmen nicht nennen.
Foto: BMWBMW-Chef Harald Krüger will den Autobauer mit einer schrittweisen Weiterentwicklung für den wachsenden Konkurrenzdruck in der Branche wappnen. „In einem komplexen Wettbewerbsumfeld wird sich der Kostenwettbewerb weiter verschärfen“, sagte Krüger am Mittwoch auf der Bilanz-Pressekonferenz in München.
Neben der wachsenden Konkurrenz in der Oberklasse drängten auch neue, branchenfremde Spieler mit aggressivem Auftreten und großen finanziellen Spielräumen auf den Markt. Hinzu komme die andauernde wirtschaftliche und politische Unsicherheit. „Wir brauchen daher höchste Flexibilität, um in einem ungewissen Umfeld Kurs halten zu können“, sagte Krüger.
Neue Technologien und digitale Dienste veränderten zwar heutige Geschäftsfelder, doch werde der Wandel nicht abrupt eintreten, so Krüger. Daher werde man weiter mehrgleisig unterwegs sein: So will BMW stärker ins autonome Fahren investieren und die Entwicklung der E-Mobilität vorantreiben. Zugleich dürfte der Verbrennungsmotor aber noch auf Jahre hinaus eine wichtige Rolle spielen.
Neben einem BMW iNext zu Beginn der kommenden Dekade plant der Autobauer auch zusätzliche Plug-In-Hybrid-Modelle und arbeitet weiter an der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie. Mit dem Projekt i2.0 soll das automatisierte Fahren vorangetrieben werden, und auch neue Mobilitätsdienstleistungen sowie die Beteiligung an erfolgversprechenden Start-ups stehen auf Krügers Agenda. Zugleich wolle man Wachstumschancen in renditestarken Segmenten wie der Luxusklasse nutzen, sagte Krüger. Dafür schickt der Autobauer beispielsweise 2018 den X7 ins Rennen.
Die für den Wandel nötigen Investitionen kosten Geld, dazu passt auch Krügers vorsichtige Langfrist-Prognose: Vor Zinsen und Steuern sollen wie bisher 8 bis 10 Prozent vom Umsatz übrig bleiben. Für die Umsatzrendite vor Steuern strebt der Konzernchef von 2017 an mindestens 10 Prozent an.
Die vorsichtige Neuausrichtung spiegelt sich auch im Ausblick für das laufende Jahr wider: Zwar peilt das Unternehmen neue Bestmarken bei den Auslieferungen und dem Konzernergebnis vor Steuern an, rechnet aber lediglich mit leichten Zuwächsen. Einer „grundsätzlich positiven Entwicklung“ auf den Automobilmärkten stünden ein harter Wettbewerb, steigende Personalkosten und hohe Investitionen in Zukunftstechnologien gegenüber, erklärte BMW. Im vergangenen Jahr verkaufte der Hersteller 2,2 Millionen Autos und damit so viele wie nie zuvor. Der Umsatz kletterte um fast 15 Prozent auf 92,2 Milliarden Euro, und das Vorsteuerergebnis legte um knapp 6 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich verdiente BMW rund 6,4 Milliarden Euro und damit 10 Prozent mehr als vor Jahresfrist.