Experiment in der City: Wie die Stadt der Zukunft aussehen könnte
Köln, Rio de Janiero, Paris, Peking, New York: Wie Metropolen die Schlüsselrolle der Zukunft der Menschheit zukommt.
Foto: Getty ImagesKöln! Ausgerechnet die Stadt der einstürzenden U-Bahn soll Vorbild für Europa sein. Indem sie Lösungen entwickelt, wie Metropolen wachsen, ohne in Abgasen zu ersticken und der Umwelt klaffende Wunden zuzufügen. Vielleicht ist die Kunde von den lokalen Kalamitäten ja nicht bis Brüssel gedrungen. Jedenfalls traut die EU-Kommission Köln wie Stockholm und Barcelona zu, Blaupausen für klimaneutrales Leben und Arbeiten zu liefern, und spendiert der Stadt dafür 8,3 Millionen Euro.
Die geht forsch ans Werk und modelt eine alte Arbeitersiedlung in ihrem Norden um: zum Musterquartier für eine grüne Energieversorgung und schadstoffarme Mobilität. Gut gedämmte Häuser senken drastisch den Heizbedarf; den Rest decken etwa Wärmepumpen, betrieben mit dem Strom neu installierter solarer Dachkraftwerke. Der füllt auch die Batterien von Elektroautos und -fahrrädern, die die Bewohner an zentralen Stellen per App leihen können. Zudem haben die Ämter virtuelle 3-D-Modelle des Sanierungsviertels erstellt. Mit ihnen können sie etwa simulieren, welche Verkehrsführung die wenigsten Abgase verursacht.
Bis 2020 soll das Werk vollbracht sein und Europa wissen, wie so eine Stadt der Zukunft Energieverbrauch und Verkehrsemissionen um 60 Prozent senkt. Initiativen wie die in Köln erfassen inzwischen den ganzen Erdball. Ob in Paris, New York, Peking oder Rio de Janeiro – überall kämpfen die Metropolen mit der gleichen Herausforderung: Wirtschaften sie weiter wie bisher, killen sie das Klima und bedrohen mit ihrem Ressourcenhunger das Überleben der Menschheit.
Platz 10: Regensburg
Regensburg schafft es als eine von drei bayrischen Städten in die Top-Ten. Die Donaustadt punktet mit ihren vielen Tüftlern: 5,8 von 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren 2014 Ingenieure (Rang 5). Insgesamt arbeitete sogar gut ein Viertel aller Beschäftigten in industrienahen Zukunftsbranchen, ebenfalls Rang fünf. Den Ingenieuren stehen allerdings nur wenige Kreative gegenüber: Nur 4,2 Prozent der Beschäftigten verdienen ihr Geld mit kreativen Dienstleistungen. Das reicht nur für Rang 44 von 69.
Platz 9: Wolfsburg
VW macht Wolfsburg fit für die Zukunft. Gut jeder zehnte Beschäftigte ist Ingenieur, das ist mit Abstand Platz eins im Städte-Vergleich. Den Spitzenrang holt sich Wolfsburg noch in zwei weiteren Kategorien: In keiner Stadt ist der Anteil der Erwerbstätigen in Forschung und Entwicklung höher und auch beim Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in industrienahen Zukunftsbranchen - 2014 waren es 58,5 Prozent - liegt die VW-Stadt ganz vorne. Besonders innovativ sind die vielen Ingenieure aber nicht: Auf 100.000 Erwerbstätige kamen 2012 nur 9,7 Patente, Rang 57.
Platz 8: Dresden
Dresden ist die Stadt der Kulturliebhaber. In der Spielzeit 2013/2014 ging jeder Bürger im Schnitt 1,8 Mal in die Oper oder das Theater – keine der 69 getesteten Städte erreicht einen höheren Wert. Doch die sächsische Landeshauptstadt kann nicht nur Kultur, sondern auch Forschung. Hochgerechnet auf eine Million Einwohner gibt es 20,7 Forschungsinstitute (Rang 6). Dazu kommen viele Akademiker, 2014 hatten rund ein Viertel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Hochschulabschluss (Rang 6).
Platz 7: Karlsruhe
Hier studieren die Techniker: 2013 hatten gemessen an 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 3,5 Studenten ihren Abschluss in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) gemacht - Rang zwei. Im Städte-Durchschnitt war es nur einer von 100. Trotzdem arbeiten in Karlsruhe nur wenige in Forschung und Entwicklung, 2013 waren gerade einmal 47 von 1000 Erwerbstätigen dort beschäftigt (Rang 40).
Platz 6: Stuttgart
Innovative Schwaben: 35,7 Patente kamen 2012 auf 100.000 Erwerbstätige, Platz fünf im Städte-Vergleich. Aber nicht nur Tüftler fühlen sich in Stuttgart wohl, 8,8 Prozent der Beschäftigten arbeiteten 2014 im Bereich Kreative Dienstleistungen (Rang 9). Die sind allerdings meist zugezogen, auf 1000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte kamen 2013 gerade einmal vier Neu-Akademiker mit einem Abschluss in Kreativ-Fächern (Rang 36).
Platz 5: Heidelberg
Die Universitätsstadt am Neckar ist eine Hochburg der Kreativen. 1,8 Hochschulabsolventen in Kreativ-Fächern kamen 2013 auf 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Rang 2). Stichwort Kultur: Die Heidelberger gehen gerne in die Oper und ins Theater, im Schnitt nahm jeder Bürger in der Spielzeit 2013/2014 1,3 Mal im Schauspielhaus Platz (Rang 5). Dazu hat die Stadt mit dem größten Zukunftspotential in Baden-Württemberg viele Forschungsinstitute – hochgerechnet auf eine Million Einwohner erreicht Heidelberg einen Wert von 39,5 (Rang 5).
Platz 4: Jena
Jena ist die Stadt mit dem größten Zukunftspotential Ostdeutschlands. Das liegt an den gut ausgebildeten Beschäftigten: Auf 100 Erwerbstätige kamen 2014 30,2 Akademiker, Rang zwei von 69 Städten. Gute Perspektiven haben auch die Unternehmen, die in Jena besonders Industrie-4.0-affin sind. Schlagwörter wie Big Data und Smart Services auf den Unternehmenswebsites finden sich nur bei den Firmen der Siegerstadt häufiger.
Platz 3: München
Die attraktivste Stadt 2015 hat auch gute Aussichten für 2030: Bei der Akademikerquote schafft es die bayrische Landeshauptstadt auf Platz drei, 28,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hatten 2014 einen Hochschulabschluss. Stichwort kluge Köpfe: Jeder Zehnte verdiente in München 2014 sein Geld mit kreativen Dienstleistungen (Rang 4). Zukunftspotential haben auch die Unternehmen: Ihre Websites zeigen, dass sie fit für die Industrie 4.0 sind (Rang 5).
Platz 2: Erlangen
Mittelfranken schlägt Oberbayern: Erlangen hat das größte Zukunftspotential Bayerns. Warum? Erlangen ist besonders innovativ. 88,3 Patente kamen 2012 auf 100.000 Erwerbstätige, das ist mit Abstand der Spitzenwert. Das liegt auch an den vielen Akademikern: Knapp ein Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hatten 2014 einen Hochschulabschluss, ebenfalls Spitzenwert. Dazu studieren die Nachwuchs-Tüftler gleich vor Ort: 2,5 MINT-Absolventen kamen 2013 auf 100 Beschäftigte, immerhin Platz fünf. München schafft es mit 1,3 nur auf Platz 23.
Platz 1: Darmstadt
Nicht Berlin, Hamburg oder Köln: Darmstadt ist Deutschlands Stadt mit dem größten Zukunftspotential. In keiner Stadt gibt es mehr Hochschulabsolventen im naturwissenschaftlichen Bereich. 5,1 neue MINT-Akademiker kamen 2013 auf 100 Beschäftigte. Stichwort: Vernetzte Firma. Geht es um Schlagwörter der Industrie 4.0 sind die Darmstädter Unternehmen ebenfalls ganz vorne. Bei den Beschäftigten in industrienahen Zukunftsbranchen kann Hessens viertgrößte Stadt allerdings noch nachbessern. Dort arbeiteten 2014 nur 13,3 aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, das reicht nur für Rang 22.
Zahlen belegen das. 75 Prozent des globalen Energieverbrauchs und gar 85 Prozent aller Treibhausgasemissionen gehen laut Vereinten Nationen (UN) auf das Konto der Städte. Wird nicht gegengesteuert, drohen diese Werte noch zu steigen. Nach einer aktuellen Studie des Expertenrats der Bundesregierung zu globalen Umweltveränderungen drängen bis 2050 weitere 2,5 Milliarden Menschen in die Städte. Würden ihre Unterkünfte wie gehabt gebaut, erwärmte sich die Erde bedrohlich um mehr als zwei Grad Celsius, warnt das Gremium.
Doch so groß die Probleme auch sind: So wie die Städte einst die Wiege der Zivilisation waren, können sie wieder eine Geburtsstätte sein – dieses Mal für ein grünes Jahrhundert. Den Metropolen kommt die Schlüsselrolle bei der Gestaltung unserer Zukunft zu, erklärt etwa der Frankfurter Stararchitekt Albert Speer. Zugleich mahnt er: „Die Welt hat nur Bestand, wenn die Städte nachhaltig werden.“
Sie müssen dazu Arbeit, Verkehr, Wohnen und Energieversorgung radikal neu organisieren. Besonders fortschrittliche Städte verwandeln sich dazu in Innovationslaboratorien. Einige wie Wien, Amsterdam oder Kopenhagen haben umfassende Smart-City-Strategien entwickelt. Und können damit ein Motor des technischen und gesellschaftlichen Fortschritts und damit des Wohlstands werden.
So könnte die Stadt der Zukunft 2020 aussehen.
Foto: WirtschaftsWoche
Schon heute erbringt London etwa die Hälfte der britischen Wirtschaftsleistung; die mehr als 6000 Technologieunternehmen in und um San Francisco – von Google bis Apple – haben unser Leben um Suchmaschinen und das iPhone bereichert. IT-Konzerne wie Cisco, IBM und Siemens preisen die digitale Vernetzung aller Lebensbereiche einer Kommune als Königsweg und hoffen auf Aufträge.
Sie werden kommen. Die Beratung Arthur D. Little sagt voraus, dass sich die Umsätze mit der intelligenten Aufrüstung unserer Städte weltweit schon in vier Jahren auf 2,1 Billionen Dollar verdoppeln werden – das entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung Frankreichs.
Zu nichts weniger als zur „Avantgarde der digitalen Transformation“ will der italienische Vordenker Carlo Ratti die Städte machen. Der Ingenieur und Architekt vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) möchte sie dazu mit Sensornetzwerken überziehen, die jede Regung registrieren. Die Echtzeitdaten, so Rattis Vision, bringen Transparenz, vereinfachen die Kommunikation zwischen Verwaltung, Bürgern und Wirtschaft, erleichtern es, Verkehrsströme zu lenken.
Virtual Reality wird die Realität verdrängen
Noch sind Datenbrillen, die uns in eine 3-D-Welt transportieren, nicht perfekt, ihre Bilder pixelig. Doch bald schon sei die Technik gut genug, um sie täglich zu benutzen, sagt David Roberts von der Singularity University. Und dann mache sie Dinge möglich, die die Realität nicht bieten könne: Sich an beliebige Orte teleportieren, fliegen wie ein Vogel, sein Aussehen verändern. "Die Zukunft wird viel seltsamer", sagt Roberts, "als wie heute noch denken."
Mobilität wird kostenlos
Ins selbstfahrende Auto steigen - und nichts für den Trip bezahlen: Das könne eines Tage vielleicht wahr werden, sagte Martin Hofmann, CIO bei Volkswagen. Der Grund: Solarstrom werde immer preiswerter, Tanken eines Tages spottbillig. Vielleicht verdienen Taxianbieter dann beispielsweise Geld mit Werbung, die auf Bildschirmen im Auto läuft.
Fleisch kommt aus dem Labor
Fleisch herzustellen, sei heute eine unglaublich ineffiziente Angelegenheit, sagt der US-Ökonom Nicholas Haan. Die Tierhaltung verbrauche Unmengen an Wasser, Energie und produziere erhebliche Mengen an Klimagasen. Die Lösung komme aus dem Labor: Fleisch aus der Petrischale, im Labor gezüchtet. Ein Hamburger aus dem Kunstfleisch koste inzwischen nur noch 12 Dollar. Bald könne die Methode helfen, die weltweite Ressourcenverschwendung zu stoppen und den Hunger zu besiegen.
10 Prozent aller Waren kommen aus dem 3-D-Drucker
3-D-Druck werde die Art, wie wir Güter produzieren, schon bald massiv verändern, sagt Andre Wegner, CEO des US-Unternehmens Authentise. Zehn Prozent aller Waren würden im Jahr 2027 nicht in Fabriken hergestellt, sondern vor Ort gedruckt - etwa Autoteile oder Werkzeuge. In fünf Jahren können man sich sogar Schuhe daheim drucken, so eine Vorhersage des Sportartikelherstellers Nike.
Niemand kann mehr Lügen
In fünf Jahren wird es unmöglich werden, jemanden anzulügen, prophezeit Salim Ismail, Exekutive Direktor der Singularity University. Denn dank künstlicher Intelligenz würden Computer immer besser darin, unsere Emotionen zu entschlüsseln. Apps könnten bald anhand unserer Sprache erkennen, wenn wir etwas vortäuschen.
Wir wissen alles, was in der Welt passiert
Bald wissen wir über nahezu alles Bescheid, was in der Welt passiert, glaubt Singularity-University-Redner Salim Ismail. 500 Milliarden Geräte werden 2020 ans Internet angebunden sein und Daten über alles Erdenkliche zugänglich machen. Nebenbei vernetzen Ballons, Drohnen und Satelliten den gesamten Planeten und bringen mehrere Milliarden Menschen ins Netz, die heute noch offline sind.
Gentests kosten so viel wie eine Toilettenspülung
Ein menschliches Genom zu entziffern, kostete im Jahr 2001 rund 100 Millionen Dollar. Inzwischen sind es nur noch 1000 Dollar. Und im Jahr 2022, sagt Singularity-University-Gründer Peter Diamandis (der Mann im Roboter), werde die Analyse des Erbguts eines Menschen nur noch ein paar Cents kosten - so viel wie eine Toilettenspülung, sagt Diamandis. Dann lassen sich Infektionen oder Krebs blitzschnell diagnostizieren - und maßgeschneiderte Therapien entwickeln.
Jeder hat einen Tricorder daheim
Blutwerte messen, Krankheiten erkennen: Dafür müssen Menschen bald nicht mehr unbedingt den Arzt besuchen. Stattdessen werden Geräte, nicht viel größer als Smartphones, die Aufgaben übernehmen, glaubt Zukunftsforscher Salim Ismail. Zahlreiche Startups entwickeln solche Tricorder. Viele sind im Rennen um einen 10-Millionen-Dollar-Preis der X-Prize-Stiftung. Die wird noch diesen Sommer den Gewinner küren.
Künstliche Intelligenz wird größer als wir selbst
Die Intelligenz des Menschen sei nur wenig größer als die eines Gorillas, sagt KI-Experte Neil Jacobstein. Denkende Maschinen können eines Tages in vielen Bereichen schlauer werden als wir. Beim Sehen und Erkennen von Gegenstände seien sie uns heute schon überlegen. Eines Tages werde die Menschheit künstliche Gehirne bauen, so groß wie ein Haus. Selbst ein Geist wie Albert Einstein dürfte dagegen verblassen.
Roboter werden unsere Einkäufe liefern
Noch bringt der Postbote Pakete vor die Tür. Doch bald werden das Roboter schneller und preiswerter erledigen, glaubt Brad Templeton, Software-Unternehmer und Guru für selbstfahrende Autos. Templeton berät das Startup Starship Technoogies, das noch dieses Jahr in Großbritannien Lieferroboter auf Bürgersteigen von Vororten ausschwärmen lassen will.
Ganz so weit wollen die Stadtoberen im benachbarten Boston noch nicht gehen. Doch den Anfang haben sie gemacht. Beispielsweise nutzen sie Daten von Googles Navigations-App Waze, mit der sich deren Benutzer gegenseitig über Staus oder Unfälle informieren, um Ampeln zu schalten oder Rettungswagen loszuschicken. Zugleich hat die Verwaltung eine Reihe von Service-Apps entwickelt. Über sie können die Einwohner die Stadt via Smartphone auf Schlaglöcher, verbogene Verkehrsschilder und überquellende Mülleimer hinweisen. Die Stadt meldet, wenn der Missstand beseitigt ist.
Sogar ein im Internet für jeden einsehbares Zeugnis lassen sich die Ämter ausstellen. Der CityScore gewichtet mehr als 20 Leistungskategorien: Verfügbarkeit von freiem WLAN etwa, beseitigte Graffiti oder das Tempo, mit dem die städtischen Bediensteten Bürgeranfragen beantworten. Liegt der Wert über eins, macht die Stadt einen guten Job. Fällt er darunter, verfehlt sie ihre Ziele. Dann wird es hektisch im Büro von Bürgermeister Martin Walsh. Sofort sinnt eine Eingreiftruppe über Abhilfe nach.
In ihrem Buch „Wie wir uns morgen bewegen werden“ zeigen Christoph Markmann, Bernadette Förster und Heiko von der Gracht 88 Innovationen der Mobilität. Acht besonders interessante Projekte.
Platz 8: Ein Drache für den Frachter
Früher segelten die Schiffe mit dem Wind, ein Drache soll nun auch modernen Frachtern beim Spritsparen helfen. Das „Sky Sail“ soll automatisch ausgerichtet werden und so zwischen 10 und 30 Prozent des Treibstoffverbrauchs einsparen. Die Krise der Reedereien hat auch auch die Erfinder in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Zieht der Welthandel an, könnte diese Innovation dennoch wieder gefragt sein.
Erhältlich ist das Buch beim Finanzbuchverlag (19,99 Euro, ISBN 978-3-86881-595-5).
Foto: PressePlatz 7: Der Parkhausroboter
Sieht aus wie ein normales Parkhaus, ist aber revolutionär. Hinter den Mauern dieses Forschungsprojektes des Fraunhofer-Instituts arbeitet ein Parkhausroboter, der gleich mehrere Herausforderungen der Mobilität lösen soll.
Foto: PresseNeu an diesem Konzept ist der Kombinutzen für die Logistik: Dem Parkhausroboter ist es egal, ob er ein Auto oder eine Palette vollautomatisch vom Eingang weg zum Lagerplatz befördert. Er macht beides zentralgesteuert - und schafft damit auch stadtnahe Lagerfläche. Auf Wunsch kann der Roboter gleich noch den Akku von Elektroautos lagern.
Foto: PressePlatz 6. Hausgemachter Diesel
Warum Biokraftstoff aus Südamerika importieren, wenn man ihn im eigenen Garten produzieren kann? Schon heute lässt sich Biosprit aus Algen produzieren, bisher sind die Anlagen aber noch zu groß. Aber möglicherweise könnten die Algentanks bald schon im Auto eingebaut sein - und dort direkt frischen Sprit produzieren. Auch Bill Gates engagiert sich. Er hat einen zweistelligen Millionenbetrag in ein Start-up gesteckt, das eine Technologie entwickelt, mit der man im großen Stil Biosprit aus Algen gewinnen kann.
Foto: PressePlatz 5: der Zug auf der Straße
Der Zug auf der Straße ist längst mehr als eine Zukunftsvision. Das Navigationssystem von Pkw oder Lkw ermittelt Nähe, Tempo und Richtung einer vernetzten Kolonne und klinkt das Fahrzeug dort ein. Dann übergibt das On-Board-System die Kontrolle über das Fahrzeug an den Kolonnenführer und sein Leitsystem. Diese koordinierten Kolonnen könnten so Staus und Auffahrunfälle in Zukunft vermeiden.
Foto: PressePlatz 4: Das Faltauto
Ein Klapprad kennt jeder - doch die Stadtautos der nächsten Generation könnten ebenfalls faltbar sein. Das CityCar lässt sich ineinanderschieben und kann durch zwei Lenkachsen eine 180-Grad-Wende hinlegen. Entwickelt wurde das Faltauto vom Smart Cities Project des Massachusetts Institute of Technology (MIT) gemeinsam mit General Motors.
Foto: PressePlatz 3: Luft im Tank
Eine Luftnummer mit Zukunft: Statt Benzin tankt diese Knutschkugel namens Airpod Druckluft und fährt damit 100 Kilometer weit - und deutlich günstiger als mit Benzin. Und das völlig ohne Akku, allerdings auch nicht besonders schnell. Der Airpod ist daher eher als Stadtauto geeignet. Der indische Autohersteller Tata hat sich die Technologie gesichert - und testet erste Modelle auf dem indischen Markt.
Foto: PressePlatz 2: Logistiker schauen in die Röhre
Um die Lieferwagen ganz aus den Städten zu verbannen, könnte auch ein unterirdisches Tunnelsystem den Transport übernehmen. Die Rohrpost reich für zwei komplett beladene Europaletten. Die fahrerlosen Kapseln werden elektrisch angetrieben und vollautomatisch zum Ziel gesteuert. Doch einfach dürfte das System trotzdem nicht zu etablieren sein...
Foto: PresseSchon am U-Bahn-Bau in Köln sieht man, wie schwierig es ist, unterirdische Infrastruktur aufzubauen. Die Hindernisse sind groß - von Bürgerprotesten, über Probleme mit der Bodenbeschaffenheit bis hin zu archäologischen Funde. Es darf daher bezweifelt werden, dass dieses System sich wirklich flächendeckend durchsetzen kann.
Foto: PressePlatz 1: Das fliegende Auto
Im Jahr 2015 können alle Autos fliegen, zumindest im Film „Zurück in die Zukunft II“. In der Realität sind die Flugautos bisher nicht über der Status von Prototypen hinaus gekommen. Doch auch die EU unterstützt weiter Forschungen in die Technologie, beispielsweise beim Start-up Mycopter. Ein serienreifes Modell hätte viele Vorteile: der Stau wäre ein Relikt der Vergangenheit.
Foto: PresseNoch viel weiter als Boston hat Chinas einstige Hauptstadt Nanjing die Datenerfassung getrieben. Ob Behörden, Polizei, Gesundheitsamt oder Stadtwerke – alle sind vernetzt und tauschen Informationen aus, um Planungen abzustimmen, zu beschleunigen und Fehler zu vermeiden. Zudem informiert die Stadt auf diesem Weg die Einwohner automatisch über Neuerungen, Unternehmen über öffentliche Ausschreibungen, und sie verschickt elektronisch Strafzettel für zu schnelles Fahren. Jeden Tag gehen rund 25 Millionen Nachrichten raus.
Anders als viele asiatische, amerikanische und auch europäische Metropolen habe Deutschland die Digitalisierung bisher „ziemlich verschlafen“, kritisiert der Stuttgarter Fraunhofer-Experte Alanus von Radecki. Er leitet ein Netzwerk, das für die Bundesregierung die Stadt von morgen entwirft. Bei aller Euphorie für den digitalen Wandel warnt er davor, Städte einseitig nur als einen Markt zu begreifen und vor allem auf Technologie zu setzen. „Probleme wie Einkommensgerechtigkeit und überteuerter Wohnraum kann sie allein nicht lösen.“
Das muss man Wiens Oberbürgermeister Michael Häupl nicht zweimal sagen. Er will das Heft des Handelns in der Hand behalten, statt Lösungen der Fantasie und dem geschäftlichen Interesse von Technologiekonzernen zu überlassen. So beschloss der Stadtrat, dass Mobilität nicht mehr als einen Euro pro Tag kosten darf, damit jeder sie sich leisten kann. Seit das Jahresticket nur mehr 365 Euro kostet, fahren mit ihm schon 700.000 Wiener Bus, Tram und U-Bahn – erstmals mehr, als Autos in der Stadt angemeldet sind.
Um das Wohnen bezahlbarer zu machen, sollen zumindest die Nebenkosten sinken, indem der Strom- und Wärmebedarf abnimmt. Weil rund 220.000 Wohnungen der Stadt gehören, kommt das Dämmen von Gebäuden zügig voran. Ebenso die Umstellung auf zentral erzeugte, energieeffiziente Fernwärme. Dabei zapft die städtische Wien Energie nun auch die Abwärme aus Industriebetrieben an, die vorher ungenutzt entwich. So wird der bekannte Waffelproduzent Manner von Herbst an 600 Haushalte mit warmem Wasser fürs Heizen und Duschen aus seinem Backprozess versorgen.
Österreichs Kapitale will bis 2050 rund 40 Prozent weniger Energie verbrauchen; die Hälfte sollen Wind, Sonne und Wasserkraft produzieren. Eine Mammutaufgabe, wo doch die 1,8-Millionen-Einwohner-Stadt allein vergangenes Jahr 43.000 Bürger dazugewann.
Das ehrgeizigste Projekt startet Wien im nordöstlich gelegenen Stadtteil Aspern, wo rund um einen künstlichen See ein Quartier für 20.000 Bewohner und ebenso viele Arbeitsplätze entstehen. Dort erkunden Versorger, Netzbetreiber, der Technologiekonzern Siemens und Forscher mit realen Daten, wie viel Technik wirklich für eine grüne Energiezukunft notwendig ist. Dazu haben die Partner ein sechsstöckiges Wohnhaus, ein Studentenwohnheim und einen Kindergarten vom Keller bis zum Dach mit Sensoren, Wärmepumpen, Solarkollektoren, Fotovoltaik, Batterien, Heizstäben und einem riesigen Erdwärmespeicher vollgestopft.
Es ist eine äußerst raffinierte Anordnung. Die Ingenieure erfassen sogar, welche Hausecke gerade im Schatten liegt und daher eine höhere Heizleistung braucht als die sonnenbeschienene Seite.
Nach ersten Erkenntnissen kann der Geschäftsführer des Aspern Smart City Research-Konsortiums, Reinhard Brehmer, Erfreuliches berichten. Richtig dimensioniert ist die grüne Energieversorgung billiger als neu verlegte Fernwärme oder Gasleitungen
Vernetzt gegen den Verkehrskollaps
So weit wie der Energiebereich ist der Verkehr noch nicht. Im Gegenteil: Den lärmgeplagten Einwohnern der Ballungsräume droht ein Horrorszenario. Laut UN soll sich das städtische Verkehrsaufkommen bis 2050 noch einmal verdreifachen.
Was aber lässt sich tun, damit der Verkehr nicht völlig zusammenbricht und Abgaswolken die Städte verpesten?
Statt es mit einer Citymaut für Autos wie London, Stockholm oder Singapur zu probieren, testet das niederländische Amsterdam, von der EU gerade zu Europas Innovationshauptstadt gekürt, kreativere Lösungen. Um Autos aus dem Zentrum fernzuhalten, baut die Verwaltung große Parkplätze am Stadtrand. Wer dort sein Auto abstellt und auf die Straßenbahn umsteigt, zahlt nur einen Bruchteil der hohen Parkgebühren in der Innenstadt. Dort reduziert die Stadt die Stellplätze zudem systematisch und baut dafür lieber neue Fahrradwege.
Die 350 Elektroautos des Carsharing-Anbieters Car2Go, einer Daimler-Tochter, parken umsonst. Privatleute und Unternehmer, die ein E-Mobil anschaffen, erhalten sofort einen Parkplatz, statt auf einer Warteliste zu landen. Und die Stadt fördert den Kauf elektronischer Fahrzeuge mit Zuschüssen von 5000 bis zu 40.000 Euro für Lkws. An fast 2000 Stationen lassen sich die Fahrzeuge laden, annähernd so viele, wie es in ganz Deutschland gibt. Bis 2025 sollen auch alle städtischen Busse elektrisch fahren.
Lkws und Kleintransporter würden die Rathauspolitiker am liebsten aus dem Zentrum verdrängen. Die Fahrer sollen stattdessen ihre Waren an Sammelpunkten vor den Toren Amsterdams auf Fracht-Fahrräder und 1,7 Meter schmale und neun Meter lange E-Transporter umladen. „Täglich verstopfen halb leere Lastwagen die Straßen“, schimpft Bert Roozendaal vom privaten Transporteur Transmission, der das grüne Verteilsystem aufbaut. „Jedes unserer Fahrzeuge hält vier bis fünf Lkws aus der Stadt “, sagt er.
Deutsche Politiker bringen weniger Mut für solche Innovationen auf – egal, welcher Couleur. So besetzt Stuttgart, obwohl grün regiert, seit Jahren den Spitzenplatz bei schlechter Luft und Zahl der Staus.
Immerhin: Erste smarte Mobilitätsprojekte hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn mit angestoßen. Seit einigen Monaten stellt der VSS Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart Wochen- und Monatskarten auf die Polygo Card um. Sie berechtigt zum Fahren mit Bussen und Straßenbahnen, zum Ausleihen von Fahrrädern und Carsharing-Autos sowie zum Befüllen der Akkus von E-Mobilen an Schnellladestationen. Alles entspannt mit einer Karte.
In der Vernetzung von Verkehrsmitteln à la Schwabenmetropole sieht Silke Cuno vom Berliner Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme die Zukunft. „Es braucht Angebote, mit denen jeder Einzelne anbieterunabhängig in Echtzeit die optimale Route von A nach B für sich ermitteln kann“, sagt die Leiterin des EU-geförderten Forschungsprojekts Streetlife. Es erkundet, wie sich Autofahrer zum Umstieg aufs Fahrrad oder die Straßenbahn bewegen lassen.
In Berlin haben Senat, Verkehrszentrale und Siemens eine IT-Plattform geschaffen, die Daten des öffentlichen Nahverkehrs mit Unfallstatistiken sowie Wettervorhersagen und Luftschadstoffwerten kombiniert. Daraus ist eine kostenlose Navigations-App entstanden. Sie weist Pendlern die kürzeste, die sicherste und die umweltfreundlichste Route zum Ziel. Auch nahe gelegene Haltestellen und Ausleihstationen für Fahrräder zeigt sie an. So wird intelligente Mobilität zum Kinderspiel – grün, günstig, flott.