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Trumps Krieg gegen die MedienDonald Trumps zweiter Wahlkampf

Medienschelte ist in Wahlkämpfen gang und gäbe. Aber Donald Trump setzt auch hier neue Maßstäbe mit einem persönlichen Feldzug gegen die „niedrigste Form des Lebens“ – gemeint sind Journalisten. 15.08.2016 - 08:09 Uhr

„Hillary Clinton will Amerikas Angela Merkel werden, und ihr wisst, was für eine Katastrophe diese massive Einwanderung für Deutschland und die Menschen Deutschlands ist“, sagte Trump Mitte August in einer außenpolitischen Rede in Youngstown (Ohio). „Die Kriminalität ist auf ein Niveau gestiegen, das niemand geglaubt hat, je zu sehen.“ Die USA hätten genug Probleme, ohne sich durch die ungezügelte Aufnahme syrischer Flüchtlinge weitere aufzubürden.

Foto: AP

„Jämmerlich unvorbereitet“, um die USA als Präsident führen zu können, ist Donald Trump nach Aussagen von US-Präsident Barack Obama. Auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus forderte Obama die Republikaner am Dienstag auf, Trump nicht mehr zu unterstützen. Dabei gehe es um mehr als unterschiedliche Ansichten politischer Natur, sagte Obama. Trotz des wachsenden Unmuts gegenüber Trump hat bisher kein Republikaner ihm seine Unterstützung entzogen. Obama sagte, republikanische Politiker hätten wiederholt feststellen müssen, dass Äußerungen Trumps inakzeptabel seien. „Warum unterstützen Sie ihn dann noch?“, fragte Obama.

Foto: dpa

„Belgien ist eine wunderschöne Stadt und ein herrlicher Ort - großartige Gebäude“, sagte Donald Trump in einer Rede und zeigte, wie es um seine geographischen Kenntnissen bestellt ist. „Ich war mal dort, vor vielen, vielen Jahren. Vor ein paar Monaten habe ich dann ein Statement abgegeben, nach dem Motto, Belgien ist ein elendes Loch. Dafür wurde ich dann schwer kritisiert, man hat gesagt, was für eine böse Sache - und dann hatten sie in Belgien dieses massive Problem.“

Foto: dpa

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat die Washington Post von künftigen Wahlkampfauftritten ausgeschlossen: Auf Facebook bezeichnete er das Blatt als "unehrlich und verlogen". Die Washington Post hatte erst kürzlich kritisch über den Milliardär berichtet. In den Augen von Trump sei die Berichterstattung "unglaublich fehlerhaft", deshalb habe er der Zeitung die Akkreditierung für seine Wahlkampfveranstaltungen entzogen.

Der umstrittene republikanische Präsidentschaftsbewerber Trump ist ein Quereinsteiger und hat noch nie ein politisches Amt bekleidet. Im Wahlkampf macht er immer wieder mit skurrilen Aussprüchen auf sich aufmerksam.

Foto: AP

Donald Trump hat Hillary Clinton als „verlogene, unehrliche Hillary“ bezeichnet. Sie habe seine Ansichten zur Außenpolitik bewusst falsch interpretiert und sie sich ausgedacht. Clinton hatte Trump zuvor die charakterliche Eignung für das höchste Staatsamt abgesprochen. Darauf antwortete Trump: „Mein Temperament ist so viel robuster, so viel besser als ihres.“ Clinton hatte gesagt, Trump zu wählen, wäre ein „historischer Fehler“. Trump werde Amerika in Krieg und Wirtschaftskrise führen.

Trump kritisierte auch Clintons umstrittene E-Mail-Praxis in ihrer Zeit als Außenministerin. „Hillary Clinton muss ins Gefängnis gehen“, sagte er. Clinton hatte als Chefdiplomatin von 2009 bis 2013 ihren E-Mail-Verkehr über einen privaten Server abgewickelt, statt über den des Außenministeriums.

Foto: REUTERS

Am 21. März sagte er der „Washington Post“: „Die Nato kostet uns ein Vermögen, und ja, wir beschützen Europa mit der Nato, aber wir zahlen viel Geld.“ In einem Interview des Senders CNN stellte er später klar, dass die USA das Militärbündnis seiner Meinung nach nicht verlassen sollten, aber weniger dafür zahlen müssten. „Warum kümmert sich Deutschland mit der Nato nicht um die Ukraine? Warum machen andere Länder nichts, die in der Nachbarschaft der Ukraine liegen? Warum sind immer wir diejenigen, die führen, möglicherweise den dritten Weltkrieg mit Russland", fügte Trump hinzu.

Foto: dpa

Trumps Knaller nach dem Sieg in den Vorwahlen von Nevada: „Wir haben bei den Evangelikalen gewonnen. Wir haben bei den Jungen gewonnen, wir haben bei den Alten gewonnen. Wir haben bei den gut Gebildeten gewonnen, wir haben bei den schlecht Gebildeten gewonnen. Ich liebe die schlecht Gebildeten.“

Foto: REUTERS

„Wenn Mexiko seine Leute schickt, dann schickt es uns nicht seine Besten. … Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, vermute ich, sind gute Leute.“ Aus Trumps Rede vom 16. Juni 2015, in der er seine Kandidatur ankündigte.

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Mit seinem republikanischen Parteifreund, Senator John McCain, legte sich Trump persönlich an. McCain war in nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft. Trump meinte dazu: „Er ist kein Held. Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen genommen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen wurden.“

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In einer Fernsehdebatte am 6. August 2015 wurde Trump auf vorangegangene Aussagen angesprochen, die man als sexistisch interpretieren könnte. Einen Tag darauf sagte Trump über die Moderatorin Megyn Kelly: „Man konnte sehen, dass Blut aus ihren Augen kam. Blut kam aus ihrer… wo auch immer.“

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An Selbstbewusstsein mangelt es Trump wahrlich nicht. „Es ist sehr schwierig, mich wegen meines Aussehens zu kritisieren. Weil ich so gut aussehe“, sagte er in Reaktion auf jenen denkwürdigen Auftritt mit Megyn Kelly.

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Seine mittlerweile aus dem Rennen geschiedene Konkurrentin Carly Fiorina hält Trump dagegen für nicht sehr schön: „Schauen Sie dieses Gesicht an! Würde irgendjemand dieses Gesicht wählen? Können Sie es sich als das Gesicht des nächsten Präsidenten vorstellen?“

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An der Treue seiner Anhänger hat Trump offenbar nicht den geringsten Zweifel. „Ich könnte mitten auf der 5th Avenue stehen und jemanden erschießen, ohne einen einzigen Wähler zu verlieren“, sagte er bei einem Auftritt am 24. Januar 2016 in Sioux Center, Iowa.

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Trump fordert eine “totale und komplette Abschließung” der USA gegen alle Muslime. Alle Muslime, die in die USA kommen wollen, sollten bleiben, wo sie sind, “bis die Vertreter unseres Landes erfahren, was zur Hölle, los ist”, sagte er bei einer Rede auf dem Flugzeugträger Yorktown.  

Foto: AP,AP

Über seine jungen Jahre sagte Trump: „Mein Leben war ein ‚Nein‘ und ich habe mich durchgekämpft. Es war nicht einfach für mich … Mein Vater gab mir nur ein kleines Darlehen von einer Million Dollar.“ Das Mitleid der meisten Menschen wird sich in Grenzen halten.

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Auch in Erziehungsfragen hat Trump eindeutige Prioritäten klargemacht: „Seinen Kindern nichts über Geld beizubringen, ist wie wenn man sich nicht darum kümmert, dass sie essen.“

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Ein Lieblingsthema seiner unzähligen Karikaturisten ist Trumps eigenwillige Frisur. Aber auch das bringt ihn nicht aus dem inneren Gleichgewicht. „Wie jeder weiß, nur die Hasser und Verlierer wollen es nicht zugeben, trage ich keine Perücke. Mein Haar ist vielleicht nicht perfekt, aber es ist mein eigenes.“

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Zum Klimawandel hat Trump eine einfache Ansicht: „Das Konzept der weltweiten Erwärmung wurde von den Chinesen und für die Chinesen erfunden, um die US-Industrie weniger wettbewerbsfähig zu machen.“

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Das Recht der Amerikaner auf Schusswaffen verteidigt Trump mit Hilfe der Terroranschläge von Paris: „Wenn die so gewaltsam erschossenen Leute in Paris Waffen getragen hätten, hätten sie zumindest eine Chance gehabt zu kämpfen.“ 

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Nicht ganz so einfach verständlich sind manche anderen wirtschaftspolitischen Aussagen Trumps. Zum Beispiel diese: „Freihandel ist schrecklich. Freihandel kann wunderbar sein, wenn man pfiffige Leute hat. Aber wir haben dumme Leute.“

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Auf die Frage, was ihn denn vor anderen Kandidaten auszeichne, erklärte Trump: „Ich glaube der einzige Unterschied zwischen mir und den anderen Kandidaten ist, dass ich ehrlicher bin und schönere Frauen habe.“

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Journalisten wissen, dass sie nicht zur beliebtesten Spezies gehören. Aber es ist noch viel schlimmer. Sie sind die „niedrigste Form des Lebens“, die „niedrigste Form der Menschheit“. Müll. Schleim. Abschaum. Orginalton Donald Trump.

Schon im Vorwahlkampf hatte der Republikaner zunehmend stark gegen die Medien in den USA geschossen, einzelne Reporter bei Veranstaltungen direkt angegriffen, manche aus dem Saal verwiesen – nie zimperlich in seiner Wortwahl: Verlierer, Lügner, Betrüger.

Eine Reihe von Medien setzte er gar auf eine schwarze Liste, sie sind von seinen Wahlkampfauftritten verbannt, so die „Washington Post“, „Politico“ und der „National Review“.

Nun ist Medienschelte in Wahlkämpfen gang und gäbe, besonders bei den Konservativen, aber nicht nur. Die Republikaner beklagen sich stets, dass die nationalen Medien die andere Seite bevorzugten. Auch Hillary Clinton beschwert sich im laufenden Wahlkampf routinemäßig über unfaire Behandlung.

Hinter Trumps Medien-Attacken steckt mehr

Aber Trumps Attacken gehen weit über das normale Ausmaß in Präsidentschaftsrennen hinaus. Sie sind längst nicht mehr einzelne Retourkutschen eines Mannes, der bekanntlich gerne austeilt, aber selber wenig einstecken kann. Die Tiraden haben sich zu einer wütenden Kampagne ausgewachsen – oder einem zweiten Wahlkampf gegen einen zweiten Feind, wie es Trump selber jetzt formulierte.

„Ich trete nicht gegen Betrüger-Hillary an, sondern gegen die Betrüger-Medien“, sagte der Milliardär am Samstag bei einem Auftritt in Connecticut.

Clintons und Trumps Wirtschaftspläne

Freihandel adé, Wachstum adé

Tatsächlich widmete er sich in seiner Rede den „unehrlichen“ Medien fast genauso stark wie seiner Rivalin, insbesondere der „New York Times“ („wirklicher Müll“) und CNN („schleimig“).

Aktueller Anlass für den Zorn auf die Zeitung war ein Bericht am Samstag über die fruchtlosen Bemühungen im Trump-Lager, den Kandidaten im Zaum zu halten. Dem Sender kreidete er unfaire Berichterstattung über eine jüngste Äußerung an, der zufolge Präsident Barack Obama und Hillary Clinton „Gründer“ der Terrormiliz IS sind (was, wie Trump im nachhinein sagte, sarkastisch gemeint war).

Wahlen in den USA

Clinton verspricht Millionen neuer Jobs

Aber es steckt mehr dahinter. Trumps Rundumschläge haben sich vor allem in den vergangenen Wochen verstärkt – seit Umfragen ihn in möglicherweise wahlentscheidenden „Swing States“ deutlich hinter Clinton zeigen. Das legt die Vermutung nahe, dass Trump sich für den Fall einer Niederlage einen Schuldigen aufbauen will.

Und vielleicht glaubt er ja auch wirklich, dass das so ist. „Wenn verabscheuungswürdige und korrupte Medien ehrlich über mich berichten und nicht jedes Wort, das ich sage, falsch auslegen würden, würde ich Hillary mit 20 Prozent schlagen“, twitterte Trump am Sonntag.

Und dann: „Meine Kundgebungen werden nicht angemessen von den Medien gecovert. Sie diskutieren niemals die wirkliche Botschaft und zeigen nie, wie groß das Publikum oder die Begeisterung sind.“

Tatsächlich berichten die Medien weitaus mehr über Trump als über Clinton, die aber beileibe auch kein Darling der Journaille ist. Trump liefert mehr Stoff, schon allein durch seine Flut oft gehässiger Tweets, ist selber „mehr Medien als Politik“, wie es der frühere „Time“-Chefredakteur John Huey am Sonntag formulierte.

Donald Trumps Auftritt in Fairfield, Connecticut.

Foto: REUTERS

Aber etwas hat sich in der Berichterstattung über Trump geändert, deutlich spürbar mit dem Voranschreiten der Vorwahlen. Man reißt sich zwar weiter um Interviews mit ihm, wie in den Anfängen, als der Außenseiter oft auf allen Kanälen war . und ihm genau das Forum geboten wurde, das er sich wünschte und das zu seinem Aufbau beitrug.

Aus einem Witz ist Ernst geworden

Aber Trump wird jetzt bei weitem stärker geprüft, getestet, herausgefordert – und im Zweifel fällt das Urteil gegen den Angeklagten.

Anfangs hätten sich viele Journalisten davon leiten lassen, „wow, wenn das hier kein verrückter Wahlkampf ist“, hieß es unlängst in einem Meinungsartikel der „Washington Post“. Mittlerweile hätten die Medien aber einen Wendepunkt erreicht, „und Donald Trump wird das vielleicht nicht überleben“.

Mit anderen Worten: Viele Medien hielten Trumps Kandidatur anfangs für einen Witz, Entertainment. Jetzt haben sie erkannt, wie ernst die Sache ist. Und überziehen vielleicht nun auch etwas, aus einer Art journalistischem Schuldgefühl?

TV-Sender, die anfangs mit Blick auf die Einschaltquoten eifrig auf den Trump-Zug aufgesprungen seien, bedauerten es jetzt, ihm so viel Sendezeit gegeben zu haben, meint der republikanische Stratege Alex Patton. „Was wir erleben, ist in einigen Fällen eine Überreaktion der Medien. Ich glaube, sie haben erkannt, dass sie Donald Trump geschaffen haben.“

„New York Times“-Kolumnist Jim Rutenberg glaubt, dass eine objektive Berichterstattung über Trump für Journalisten eine Herausforderung ist, weil viele ihn als schädlich für das Land betrachteten.

„Herrn Trump als einen unnormalen und potenziell gefährlichen Kandidaten zu covern, ist mehr als nur ein Schock für das journalistische System“, schrieb Rutenberg. „Es droht seine Gegnerin Hillary Clinton zu bevorteilen, die Pressekonferenzen scheut und selber viel mehr kompromisslose Berichterstattung auf sich ziehen sollte.“

dpa
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