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KandidatenVolkssport: Hillary hassen

Sie sah schon aus wie die sichere Präsidentin. Doch dann kam eine alte Mail-Affäre, die Amerikaner sind entrüstet. Das FBI hat Hillary Clinton mittlerweile entlastet, aber die Amerikaner trauen ihr nicht.Simon Book, Jacqueline Goebel, Tim Rahmann, Christian Schlesiger und Gregor Peter Schmitz 07.11.2016 - 10:30 Uhr

Hassliebe: Wohl keine öffentliche Figur entzweit die Amerikaner so wie Hillary Clinton – und das seit Jahrzehnten.

Foto: Getty Images

Sidney Blumenthal ist ein netter älterer Herr, natürlich verabredet er sich immer gern auf einen Kaffee, in einer Hotelbar einen Steinwurf vom Weißen Haus. Dort hat der Exjournalist Blumenthal lange gearbeitet, er war Kommunikationsberater von Bill und Hillary Clinton während der Lewinsky-Affäre, so was schweißt zusammen, bis heute. Blumenthal, 67, gilt als einer der besten Freunde von Hillary, und sitzt man länger mit ihm zusammen, blickt er früher oder später auf sein Display und sagt, er müsse los, eine wichtige E-Mail.

Womöglich von Hillary?

Wie häufig Blumenthal ihr mailte– manchmal zigmal am Tag, bisweilen nah an Mitternacht –, ist haarklein nachzulesen, seit die Internetplattform WikiLeaks gehackte E-Mails von Vertrauten der demokratischen Präsidentschaftskandidaten öffentlich gemacht hat und diese nun (wieder) die amerikanische Bundespolizei FBI beschäftigen. Deren Direktor James Comey nahm vorigen Freitag, elf Tage vor dem nationalen Urnengang, wieder eine Ermittlung auf, ob Clinton als Außenministerin bis 2013 durch die Nutzung eines privaten E-Mail-Servers die „nationale Sicherheit“ gefährdet habe. Der Server stand im Keller von Clintons Wohnhaus in Chappaqua bei New York (ein Domain-Name, ganz schön optimistisch: www.presidentclinton.com). Von dort jagte sie E-Mails in alle Welt, obwohl die IT-Experten des Ministeriums ihr dringend einen öffentlichen Server empfohlen hatten – und jeder stinknormale Diplomat in der Regel gefeuert würde, wäre er ähnlich „privat“.

Nicht aber Clinton. Bislang hatte das FBI ihr zwar extremen Leichtsinn bescheinigt, aber, nach Durchsicht von rund 30.000 Mails, keine böse Absicht. Denn die enthielten neben viel Klatsch und Tratsch mit Menschen wie Blumenthal und Heiterem aus dem Leben einer wenig technikaffinen älteren Dame („Stupid question: Auf welchem Kanal läuft noch mal Showtime?“) kaum Brisantes, auch nicht zum größten Verdachtsmoment der Clinton-Hasser: Sie habe als Außenministerin ihre Schuld an einem „IS“-Angriff auf US- Einrichtungen in Libyen vertuscht. Das FBI hat Hillary Clinton in ihrer E-Mail-Affäre mittlerweile entlastet. Eine Prüfung neu entdeckter Nachrichten gebe keinen Anlass für ein Strafverfahren gegen die Präsidentschaftskandidatin, teilte FBI-Direktor James Comey in einem Brief an den US-Kongress mit.

Hillary Clinton (zweite von links, Aufnahme aus dem Jahr 1969) wird am 26. Oktober 1947 als erstes von drei Kindern von Dorothy und Hugh E. Rodham, mittelständischer Textilunternehmer, geboren. Von 1961 bis 1965 ist sie Schülerin der Maine Township East High und Maine South High in Park Ridge, Illinois. Von 1965 bis 1969: Studium der Politikwissenschaften mit Nebenfach Psychologie am Wellesley College.

Foto: REUTERS

Hillary Clinton (rechts im Bild, Aufnahme aus dem Jahr 1992 mit ihren Eltern Dorothy und Hugh).

Erste politische Schritte macht sie 1964 als Wahlhelferin des konservativen Republikaners Barry Goldwater. 1969 bis 1973: Studium der Rechtswissenschaften an der Yale Law School in New Haven; Engagement für Kinder- und Familienrecht. 1970 engagiert sie sich als Wahlkampfhelferin für die Senatskampagne des Demokraten Jospeh Duffey

Foto: AP

1973 bis 1974 war Clinton Juristin für den "Children's Defense Fund" sowie den Justizausschuss des Repräsentantenhauses während des Watergate-Skandals um Präsident Nixon. Im Bild zu sehen ist die Gründerin der Non-Profit-Organisation, Marian Wright Edelman (Mitte).

Zwischen 1974 und 1978 ging sie einer Lehrtätigkeit an der University of Arkansas School of Law nach.

1975 heiratete sie Bill Clinton, seinerzeit ebenfalls Dozent an der University of Arkansas School of Law, unter Beibehaltung ihres Mädchennamens Rodham.

Foto: AP

Von 1977 bis 1992 war Hillary Clinton Anwältin und Partnerin der Kanzlei Rose in Little Rock, Arkansas. Von 1979 bis 1981 dauerte die erste Amtszeit von Ehemann Bill als Gouverneur von Arkansas

Foto: AP

1980 wurde Tochter Chelsea geboren, zwei Jahre später entschied Hillary Clinton sich doch zur Annahme des Nachnamens Clinton.

Foto: AP

1993 bis 2001 war sie First Lady der USA während der Präsidentschaft von Ehemann Bill. Sie arbeitete an der Reform des US-Gesundheitssystems mit.

Foto: AP

2008 erlitt Hillary Clinton eine Niederlage gegen Barack Obama bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. 2009 bis 2013 war sie die US-Außenministerin während der ersten Amtszeit Obamas (im Bild mit Li Keqiang 2012).

Foto: AP

2016 wird Hillary Clinton Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Sie tritt gegen ihren republikanischen Konkurrenten Donald Trump an.

Foto: AP

Trump im Glück

Donald Trump, bereits totgesagter Republikaner-Kandidat, kann sein Glück kaum fassen. Bei Trump-Reden tragen Anhänger nun T-Shirts, die Clintons Konterfei hinter breiten Gitterstäben zeigen. Und im Clinton-Lager macht sich Panik breit: „So könnten wir noch alles verspielen“, sagt ein Mitarbeiter.

Stimmt. Immerhin 34 Prozent potenzieller US-Wähler geben an, die neue alte E-Mail-Affäre könne sie beeinflussen – eine Menge, weil in manchen Bundesstaaten nur ein paar Prozentpunkte den Ausschlag für einen der Kandidaten geben. Zwar führt Clinton weiter in den meisten Swing States, in denen sich die Wahl wegen noch unklarer Mehrheit entscheidet. Doch ihre Beliebtheitswerte sind weiterhin im Sturzflug, eine klare Mehrheit der Amerikaner gibt mittlerweile an, ihr nicht über den Weg zu trauen, sogar Mitglieder ihrer eigenen Partei. Also: Orangenes Haar im Oval Office, das ist nicht mehr nur der Stoff für Horrorfilme.

Clintons wirtschaftspolitische Pläne
Clinton will in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit das umfassendste Investitionsprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg in Infrastruktur, Industrie, Forschung und Entwicklung, Klimaschutz und Mittelstandförderung anstoßen. Sie will über fünf Jahre aus staatlichen und privaten Quellen 275 Milliarden Dollar mobilisieren, um die Verkehrs- und Netz-Infrastruktur zu verbessern. Damit und mit anderen Mitteln will sie über zehn Millionen neue Jobs schaffen. Die Industrie soll stärker werden. Gelingen soll das mit einer Partnerschaft von Wirtschaft, Arbeitnehmern, der Regierung und Verwaltungen sowie der Wissenschaft. Firmen sollen sich verpflichten, Jobs und Investitionen statt in Übersee in den USA zu halten. Dafür sollen sie finanzielle Vorteile genießen. Besonders gefördert werden sollen strukturschwache Regionen. Die Position der Arbeitnehmer und ihrer Gewerkschaften will Clinton stärken. Der Mindestlohn soll von 7,25 Dollar je Stunde auf zwölf, zuletzt war gar von 15 Dollar die Rede, erhöht werden.
Clinton verspricht ein gerechteres und einfacheres Steuersystem. Multi-Millionäre und Milliardäre sollen einen Steueraufschlag zahlen, Arbeitnehmerhaushalte und Familien entlastet werden. Steuerschlupflöcher für Firmen und Privatpersonen will Clinton schließen. Unternehmen, die ihre Gewinne in Steueroasen transferieren, sollen eine Extra-Steuer zahlen. Investitionen von Unternehmen in den USA selbst will sie begünstigen und dabei kleine Firmen besonders entlasten. Gleiches gilt für Familien, die Sonderlasten tragen, weil sie beispielsweise ältere und erkrankte Familienangehörige pflegen.
Die US-Finanzindustrie will Clinton enger an die Leine legen. Wall-Street-Riesen sollen einen Extra-Zuschlag zahlen, der sich nach ihrer Größe und ihrem Risikogewicht für die Branche richtet. Bestehende Möglichkeiten für Großbanken, Kundengelder in Hochrisikofeldern zu investieren, will sie beschneiden. Top-Banker sollen bei Verlusten ihrer Institute mit Bonus-Einbußen rechnen. Der Hochfrequenzhandel soll besteuert werden. Riesige und undurchschaubare Finanzriesen sollen stärker kontrolliert und im Zweifel aufgespalten werden. Clinton will Finanzmanager auch stärker in Mithaftung nehmen, wenn in ihren Instituten gegen geltendes Recht verstoßen wird.
Clinton verspricht, schärfer gegen Länder wie China vorzugehen, wenn diese internationale Freihandelsregeln verletzen und damit amerikanischen Arbeitsplätzen schaden. Sie will Nein sagen zu Handelsabkommen, wie der Trans-Pazifischen Partnerschaft (TPP), die nicht den US-Standards genügen, etwa mit Blick auf die Bezahlung von Arbeitnehmern. Das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will sie neu verhandeln. Zum US-EU-Freihandelsabkommen TTIP, das derzeit verhandelt wird, äußerte sie sich in jüngster Zeit zwar nicht direkt, doch war sie schon früher auch dazu auf Distanz gegangen und will in Freihandelsabkommen generell die amerikanischen Interessen besser zum Tragen kommen lassen. „Amerika fürchtet den Wettbewerb nicht“, gibt sie sich insgesamt kämpferisch.
In Umwelt- und Energiepolitik will Clinton Zeichen setzen. Sie will Amerika zur weltweiten „Supermacht“ des 21. Jahrhunderts in Sachen saubere Energie machen.
Clinton will Schluss damit machen damit, dass sich US-Bürger wegen einer College- oder Universitätsausbildung hoch verschulden. Sie will für eine bessere Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie und gleiche Bezahlung von Männern und Frauen sorgen. Bei Krankheit und im Alter soll es mehr soziale Sicherheit geben.

Warum trifft Clinton diese Affäre so? Auch gegen Trump steht schließlich der Vorwurf im Raum, er habe mit russischen Hackern kooperiert; wäre das nicht eine ungleich größere Gefahr für die nationale Sicherheit?

Die einfache Antwort: Weil Hillary eine Clinton ist. Und denen trauen die Amerikaner alles zu, auch so gut wie alles Schlechte. Vor allem: Unaufrichtigkeit.

Während aber Expräsident Bill seinen Hang zur Flunkerei als liebenswerte Macke zu vermarkten verstand, gilt die mögliche Präsidentin Hillary vielen als eiskalte Lügnerin. Immer wieder ist in US-Medien, und keineswegs denen von der Supermarktkasse, zu lesen, Clinton könne gar nicht anders, sie sei genetisch zum Lügen vorbestimmt.

Hillary Clinton

Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten steht im Mittelpunkt der so genannten E-Mail-Affäre. Clinton hatte als Außenministerin Teile ihres dienstlichen Mail-Verkehrs über ihren privaten Account abgewickelt. Ihre Kritiker meinen: Damit sei sie ein Risiko für die Nationale Sicherheit eingegangen. Die Bundespolizei FBI untersuchte ein Jahr lang den Fall und beschloss im Juli, es gebe keinen Grund für eine Anklage.

Foto: dpa

Hillary Clinton

Das Thema hat Clinton durch den Wahlkampf hindurch verfolgt. Sie räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben, spielte ihr Verhalten ansonsten aber herunter. Rivale Donald Trump und die Republikaner dagegen zogen mit dem Schimpfnamen „Crooked Hillary“ („Betrügerische Hillary“) in die Schlacht. Trump drohte ihr im zweiten TV-Duell mit seinem Sonderermittler und mit Gefängnis, sollte er Präsident werden.

Eigentlich schien die E-Mail-Affäre im Schlussspurt des Wahlkampfes für Clinton fast ausgestanden zu sein – bis der FBI-Chef auf den Plan trat.

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James Comey

Der FBI-Chef, ein Republikaner, sorgte wenige Tage vor der Wahl dafür, dass die Affäre wieder aufflammte: Comey schrieb an ranghohe Kongressmitglieder, es seien neue Mails aufgetaucht, die in einem Zusammenhang mit den früheren Ermittlungen stehen könnten. Sofort kannten die US-Medien kein anderes Thema mehr, Trump nahm die Nachrichten dankbar auf, Clinton büßte in Umfragen teils deutlich ein.

Die Demokraten werfen Comey nun vor, er habe aus politischem Kalkül so kurz vor dem Wahltermin in den Wahlkampf eingegriffen. Dabei sei es doch üblich, dass sich hohe Beamte in der kritischen Phase mit möglicherweise wahlentscheidenden Schritten zurückhalten sollen. Selbst mancher Republikaner wundert sich über Comeys Motive.

Der FBI-Chef selbst sagt, er habe sich – nach eingehenden Gesprächen mit seinen Beratern – in der Pflicht gefühlt, die Parlamentarier über die neu entdeckten E-Mails informieren zu müssen. Aufgetaucht waren die Mails…

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Anthony Weiner und Huma Abedin

… auf einem gemeinsam genutzten Computer von Huma Abedin und ihrem Noch-Ehemann Anthony Weiner. Abedin gehört zu den engsten Mitarbeiterinnen Clintons, der Ex-Kongressabgeordnete Weiner war einst die Nachwuchshoffnung der Demokraten. Mehrere Schmuddelaffären allerdings brachten Weiner zu Fall, das FBI ermittelt gegen ihn, Abedin will die Scheidung.

Bis jetzt ist noch völlig unklar, um wie viele neu entdeckte E-Mails es sich handelt und was drinsteht. Die Demokraten beeilen sich derweil, das Thema so kurz vor der Wahl wieder einzufangen, und versuchen aus der Clinton-Affäre eine Trump-Affäre zu machen.

Foto: AP

Donald Trump

Der Nutznießer des vermeintlichen Skandals konnte am Freitag sein Glück kaum fassen, dass FBI-Chef Comey die E-Mail-Affäre zum dominierenden Wahlkampfthema machte. Seitdem hat der zuvor zurückliegende Trump in den Umfragen aufgeholt – und bringt das Thema bei jedem Auftritt zur Sprache. „Der schlimmste Skandal seit Watergate“, tönte er.

Dem FBI-Chef werfen die Demokraten nun Parteilichkeit vor. Wenn er schon E-Mails öffentlich mache, solle er auch alles auf den Tisch legen, was das FBI über Trump wisse – nämlich Details über angebliche dubiose Verbindungen Trumps zur russischen Regierung. Comey besitze „explosive Informationen“ über eine Trump-Putin-Connection, behauptete der Top-Demokrat im Senat, Harry Reid.

Eine Rolle spielt dabei Trumps ehemaliger Berater…

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Paul Manafort

Für Schlagzeilen sorgte der Fall Paul Manafort . Im Sommer wurden Verbindungen von Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager zu russischen Oligarchen enthüllt, die teils dem Kreml nahestehen sollen. Im August, nachdem Trump im Zuge des Demokraten-Parteitags in Umfragen deutlich verloren hatte, trat Manafort zurück.

Nun berichtete der US-Sender NBC, dass Manafort ins Visier des FBI geraten sei und die Bundespolizei dessen ausländische Geschäftskontakte prüfe. Manafort wies den Bericht als „Propaganda der Demokraten“ zurück.

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Wladimir Putin

Der russische Präsident hat Trump einmal gelobt, hält sich ansonsten mit öffentlichen Äußerungen über den US-Wahlkampf zurück. Umgekehrt vergeht kaum ein Auftritt, bei dem Trump nicht Putins Führungsqualitäten preist und für eine Annährung mit Russland wirbt. Für die Demokraten ist das ein Indiz dafür, dass Trump Unterstützung aus dem Kreml bekommt.

Laut „New York Times“ wurde bislang aber keine direkte „Putin-Trump-Connection“ nachgewiesen und der Republikaner bestreitet solche Anschuldigungen. Ebenso wenig habe er mit den mysteriösen Hackerangriffen auf Servern der Demokratischen Partei zu tun. Wiederholt wurden dort E-Mails abgefischt und über die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht. Deren Gründer…

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Julian Assange

… sitzt noch immer im Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Von dort hat er in den vergangenen Monaten immer wieder große Enthüllungen angekündigt. Woher Wikileaks die abgefangenen E-Maisl bekommen hat, ist unklar. Die US-Regierung beschuldigte offiziell Russland, Cyber-Angriffe auf die Demokratische Partei ausgeführt zu haben.

Einige der Wikileaks-Enthüllungen waren für Clinton und die Demokraten tatsächlich peinlich und folgenschwer, am Ende standen prominente Rücktritte.

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Donna Brazile

Die Interims-Chefin der Demokraten wurde vom Sender CNN als TV-Expertin entlassen – weil sie laut Wikileaks-Mails unerlaubte Wahlkampfhilfe gegeben haben soll. Brazil hatte demnach Clinton bei von CNN veranstalteten TV-Duellen gegen ihrem einstigen Partei-Rivalen Bernie Sanders vorab mit geplanten Publikumsfragen versorgt, damit sich die Kandidatin darauf vorbereiten konnte.

Auf das Konto von Wikileaks ging auch der Rücktritt von Braziles Vorgängerin…

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Debbie Wasserman Schultz

Sie musste als Parteichefin der Demokraten gehen, nachdem geleakte E-Mails enthüllt hatten, dass die Parteiführung Strategien entwickelt hatte, Sanders aus dem Rennen gegen Clinton zu werfen.

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Diese vorhandenen Vorbehalte bedient die nun wieder aufploppende E-Mail-Geheimniskrämerei von Clinton perfekt. Und diese Schwäche unterstreicht leider niemand besser als Clintons häufiger E-Mail-Partner Blumenthal. Er ist nämlich keineswegs nur ein älterer netter Herr. Blumenthal gilt als begnadeter Spin-Doktor. Über ihn wird erzählt, er habe gestreut, Obama sei vielleicht in Kenia geboren, und böse Gerüchte über Frauen, denen Affären mit Bill Clinton nachgesagt werden, in Umlauf gebracht. Fest steht: Blumenthal kennt geradezu manisch nur Clinton-Freunde und Clinton-Feinde.

Und doch oder gerade deswegen: Clinton hat den umstrittenen Freund nie fallen gelassen – weil, mutmaßen Kritiker, sie ebenso denkt. Sie hat Blumenthal sogar 10.000 Dollar pro Monat gezahlt, damit er in ihrer Stiftung arbeitet. Ebenso hält sie nun an Abedin fest, der Frau von Skandal-Weiner. Als sie die Krise nach den jüngsten Mail-Enthüllungen durchstehen musste, war an ihrer Seite: Huma Abedin.

Diese Bunkermentalität erinnert viele Amerikaner daran, dass Hillary wohl der einzige Mensch auf dem Planeten ist, der Skandale zuverlässiger anzieht als Trump. Und ungleich geheimniskrämerischer ist. Als Clinton im September an einer Lungenentzündung litt, erfuhr die Öffentlichkeit das erst, als sie vor allen Augen fast zusammenbrach.

Hillary Clinton im Portrait
Rechtsanwältin
26. Oktober 1947, 69 Jahre alt
Skorpion
Chicago
1,67 Meter
Verheiratet mit Ex-US-Präsident Bill Clinton, mit dem sie Tochter Chelsea hat.
„Stronger Together“

Das Netz der Clinton-Hasser

Doch ist ein gewisser Hang zum Selbstschutz durchaus nachvollziehbar. Einen, der professionell beobachtet, wie die Clintons seit Jahren gejagt werden, kann man in New York treffen, nur seinen Namen darf man nicht schreiben. Der Mann hat genau aufgelistet, welche Netzwerke mittlerweile was machen. Das „Arkansas“-Projekt des rechten Milliardärs Richard Scaife seziert etwa, was die Clintons während ihrer Zeit in dem Bundesstaat getrieben haben. Dann gibt es Judicial Watch, in rund 20 Klagen gegen Hillary involviert. Eine weitere Organisation hat sogar im Deep Net geforscht, um Papiere über die Clinton Foundation zu finden. Und natürlich alle jene Spinner und Bestsellerautoren, die Clinton mal lesbisch nennen, mal nymphoman, mal gar eine Mörderin, ihr Kokainsucht oder Tablettenabhängigkeit unterstellen. „Hillary-Hassen ist zu einem nationalen Zeitvertreib geworden, den Elite und Pöbel teilen“, resümierte der New Yorker. So entsteht ein Narrativ: der einer Frau, der man schlicht nicht trauen kann.

Trumps Lücken und Lügen

Belgien ist eine wunderschöne Stadt und ein herrlicher Ort - großartige Gebäude. Ich war mal dort, vor vielen, vielen Jahren.“ Trump fiel im Wahlkampf oft mit unfreiwilliger Komik auf. Einmal verwechselte er in einem Interview Kurden (Kurds) und Al-Kuds-Brigaden (Kuds). Die Grenze zwischen Wissenslücke, Ignoranz und Propaganda ist aber fließend. An mancher Stelle muss man wohl von gezielt gestreuten Lügen ausgehen. So behauptete Trump schon 2011, Präsident Barack Obama sei nicht in den USA geboren. Das Weiße Haus sah sich schließlich gezwungen, Obamas Geburtsurkunde zu veröffentlichen.

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Clintons Gesundheitszustand

Wegen einer verschleppten Lungenentzündung erlitt Clinton bei einer Gedenkfeier für die Terroropfer vom 11. September 2001 in New York einen Schwächeanfall. Die Bilder, wie Bodyguards sie in einen Bus geleiteten, gingen um die Welt. Sie säten Zweifel, ob die 68-Jährige dem Amt körperlich gewachsen ist. Clinton musste daraufhin widerwillig Auskunft über ihre Gesundheit geben.

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Trumps bedenkliche Äußerungen

Trump versetzte die Welt immer wieder in Erstaunen, zu welch drastischen Äußerungen ein möglicher nächster US-Präsident fähig ist. Einmal sagte er, er würde Waterboarding - also Folter durch vorgetäuschtes Ertränken - wieder als Verhörmethode einführen. Nach einer Terrorattacke forderte er ein komplettes Einreiseverbot für Muslime. Mexikaner bezeichnete Trump als Vergewaltiger. Er will sein Land gegen die südlichen Nachbarn mit einer Mauer abschirmen. Dem Sender CNBC zufolge soll Trump im Gespräch mit einem außenpolitischen Berater drei Mal gefragt haben, warum die USA Atomwaffen nicht nutzten. Auch abfällige Äußerungen über den Kriegsveteranen John McCain und die muslimische Familie eines gestorbenen US-Soldaten stießen vielen negativ auf.

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Clintons Stiftung im Zwielicht

Der Clinton Stiftung werden Interessenkonflikte, die Vermischung politischer und privater Interessen sowie fehlerhafte Steuererklärungen vorgeworfen. Auf der Spenderliste fallen autoritäre Golfstaaten auf. Saudi-Arabien hat, wie es auf der Webseite der Stiftung heißt, zwischen 10 und 25 Millionen Dollar überwiesen, Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate zwischen 1 und 5 Millionen. Viele Amerikaner finden das bedenklich.

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Clintons Rolle in Libyen

Republikaner versuchen seit Jahren, die Demokratin persönlich für eine Terrorattacke im libyschen Bengasi im Jahr 2012 verantwortlich zu machen. Dabei waren vier Amerikaner gestorben, darunter der Botschafter Chris Stevens. Allerdings ergab keine der vielen Untersuchungen und Kongressanhörungen dafür einen Anhaltspunkt. Nach Medienberichten werfen Hinterbliebene Clinton vor, ihre Nutzung eines privaten Servers für teilweise vertrauliche Dienst-E-Mails habe die Terrorattacke von Bengasi direkt verursacht.

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Clintons E-Mail-Affäre

Gegen den Vorschriften hatte Clinton als US-Außenministerin ihre Dienst-Korrespondenz über einen privaten Server abgewickelt. Ende 2014 übergab sie rund 30.000 E-Mails an das State Department und die Bundespolizei FBI. Diese wurden Stück für Stück komplett veröffentlicht. Allerdings entschied sich Clinton auch, 31.000 weitere E-Mails zu löschen - ihrer Ansicht nach waren sie privat. Bis heute gibt es Zweifel, ob Clinton Informationen verschwinden ließ, die ihre politische Kompetenz infrage stellen könnten. Kurz vor der Wahl kochte das Thema neu hoch.

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Trumps Versuche Steuern zu vermeiden

Bei der ersten TV-Debatte mit seiner Kontrahentin prahlte Trump noch damit, dass er keine Steuern zahle. Inzwischen formuliert Trump es so, dass er US-Steuergesetze „auf brillante Art“ ausgenutzt habe - „zu meinem eigenen Nutzen und zum Nutzen meiner Firma, meiner Investoren und meiner Angestellten“. Die Zeitung „New York Times“ veröffentlichte Anfang Oktober eine alte Steuererklärung Trumps. Demnach machte er im Jahr 1995 Verluste von knapp 916 Millionen US-Dollar (etwa 815 Millionen Euro) geltend. Das könnte es ihm, so schrieb die Zeitung, 18 Jahre lang erspart haben, Einkommensteuer an die Bundessteuerbehörde abzuführen.

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Clintons sehr gut bezahlte Reden

Hillary Clinton und das große Geld - eine unendliche Geschichte. Sie und ihr Mann Bill, selbst Ex-Präsident, haben nach dem Jahr 2001 Millionen Dollar für Auftritte als Redner erhalten. Vor allem Hillary Clinton werden hoch dotierte Auftritte bei der Investmentbank Goldman Sachs vorgeworfen. Die Veröffentlichung der Redetexte verweigert sie strikt. Ist so jemand eine Präsidentin auch für die kleinen Leute? Clintons Nähe zum Establishment ist für viele eine ihrer größten Schwächen.

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Trumps Gesundheitszustand

Der 70-jährige Trump hatte um seine Gesundheit zunächst ein ähnliches Geheimnis gemacht wie Clinton. Schließlich geriet er unter Zugzwang. Wenig überraschend attestierte sein Leibarzt ihm in einem Brief eine „glänzende körperlicher Verfassung“. Trump rauche nicht und trinke keinen Alkohol, habe einen leicht erhöhten Blutfettwert und sei mit 107 Kilo bei 1,90 Meter Größe zwar ein bisschen dick. Insgesamt sei er aber völlig gesund. Er nehme ein paar Mittel gegen erhöhte Cholesterinwerte und vorsichtshalber eine niedrige Dosis Aspirin. Der Brief verschweigt mögliche Probleme in der Vergangenheit und ist nur ein Ausschnitt aus der Gesundheitsakte.

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Trumps Frauenfeindichkeit

Trumps Haltung zu Frauen gilt als befremdlich. Zahlreiche Affären werden ihm nachgesagt, einige soll er dazuerfunden haben. Der Immobilienmagnat, der zum dritten Mal verheiratet ist, sieht sich immer neuen Vorwürfen sexueller Belästigung ausgesetzt. In einem Fall soll er einer heute 74-Jährigen im Flugzeug an die Brust und unter den Rock gefasst haben. In einem kürzlich aufgetauchten Video aus dem Jahr 2005 erzählt Donald Trump (hier im Bild mit Ivanka und Melania Trump), dass er als Star jeder Frau in den Schritt fassen könne, ohne aufgehalten zu werden.

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An dem Narrativ schreiben viele gerade wieder mit. Aus Sicht von Clinton-Verbündeten auch der FBI-Chef, dessen späte Interventionen im Wahlkampf gegen den Rat vieler hochrangiger Mitarbeiter erfolgten. Vor allem aber natürlich Trump. Er geht sie als nasty woman an, als scheußliche Frau, er ruft dazu auf, sie zu erschießen, und versteht das als großen Spaß.

Die Anti-Clinton-Industrie kann aber auch auf all jene Wähler bauen, die sich ebenso wenig wie einen schwarzen Mann eine weiße Frau im Oval Office vorstellen wollen. Schon als First Lady musste Clinton rasch lernen, dass eine unabhängige Mitgestalterin vielen Bürgern nicht behagte. Erst als sie sich als häusliche Gattin neu erfand – und später als betrogene Ehefrau, die sich tapfer schlug –, stieg ihre Popularität. Aber noch im Jahr 2016 gilt: Dürften nur männliche Amerikaner abstimmen, läge Trump vorne.

Clintons wirtschaftspolitische Pläne
Clinton will in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit das umfassendste Investitionsprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg in Infrastruktur, Industrie, Forschung und Entwicklung, Klimaschutz und Mittelstandförderung anstoßen. Sie will über fünf Jahre aus staatlichen und privaten Quellen 275 Milliarden Dollar mobilisieren, um die Verkehrs- und Netz-Infrastruktur zu verbessern. Damit und mit anderen Mitteln will sie über zehn Millionen neue Jobs schaffen. Die Industrie soll stärker werden. Gelingen soll das mit einer Partnerschaft von Wirtschaft, Arbeitnehmern, der Regierung und Verwaltungen sowie der Wissenschaft. Firmen sollen sich verpflichten, Jobs und Investitionen statt in Übersee in den USA zu halten. Dafür sollen sie finanzielle Vorteile genießen. Besonders gefördert werden sollen strukturschwache Regionen. Die Position der Arbeitnehmer und ihrer Gewerkschaften will Clinton stärken. Der Mindestlohn soll von 7,25 Dollar je Stunde auf zwölf, zuletzt war gar von 15 Dollar die Rede, erhöht werden.
Clinton verspricht ein gerechteres und einfacheres Steuersystem. Multi-Millionäre und Milliardäre sollen einen Steueraufschlag zahlen, Arbeitnehmerhaushalte und Familien entlastet werden. Steuerschlupflöcher für Firmen und Privatpersonen will Clinton schließen. Unternehmen, die ihre Gewinne in Steueroasen transferieren, sollen eine Extra-Steuer zahlen. Investitionen von Unternehmen in den USA selbst will sie begünstigen und dabei kleine Firmen besonders entlasten. Gleiches gilt für Familien, die Sonderlasten tragen, weil sie beispielsweise ältere und erkrankte Familienangehörige pflegen.
Die US-Finanzindustrie will Clinton enger an die Leine legen. Wall-Street-Riesen sollen einen Extra-Zuschlag zahlen, der sich nach ihrer Größe und ihrem Risikogewicht für die Branche richtet. Bestehende Möglichkeiten für Großbanken, Kundengelder in Hochrisikofeldern zu investieren, will sie beschneiden. Top-Banker sollen bei Verlusten ihrer Institute mit Bonus-Einbußen rechnen. Der Hochfrequenzhandel soll besteuert werden. Riesige und undurchschaubare Finanzriesen sollen stärker kontrolliert und im Zweifel aufgespalten werden. Clinton will Finanzmanager auch stärker in Mithaftung nehmen, wenn in ihren Instituten gegen geltendes Recht verstoßen wird.
Clinton verspricht, schärfer gegen Länder wie China vorzugehen, wenn diese internationale Freihandelsregeln verletzen und damit amerikanischen Arbeitsplätzen schaden. Sie will Nein sagen zu Handelsabkommen, wie der Trans-Pazifischen Partnerschaft (TPP), die nicht den US-Standards genügen, etwa mit Blick auf die Bezahlung von Arbeitnehmern. Das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will sie neu verhandeln. Zum US-EU-Freihandelsabkommen TTIP, das derzeit verhandelt wird, äußerte sie sich in jüngster Zeit zwar nicht direkt, doch war sie schon früher auch dazu auf Distanz gegangen und will in Freihandelsabkommen generell die amerikanischen Interessen besser zum Tragen kommen lassen. „Amerika fürchtet den Wettbewerb nicht“, gibt sie sich insgesamt kämpferisch.
In Umwelt- und Energiepolitik will Clinton Zeichen setzen. Sie will Amerika zur weltweiten „Supermacht“ des 21. Jahrhunderts in Sachen saubere Energie machen.
Clinton will Schluss damit machen damit, dass sich US-Bürger wegen einer College- oder Universitätsausbildung hoch verschulden. Sie will für eine bessere Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie und gleiche Bezahlung von Männern und Frauen sorgen. Bei Krankheit und im Alter soll es mehr soziale Sicherheit geben.

Doch selbst amerikanische Frauen sind in Sachen Clinton gespalten. Anne-Marie Slaughter, Planungschefin von Clinton im Außenamt und Autorin eines Weltbestsellers über die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf, kann verstehen, dass junge Frauen ganz gelassen bleiben. „Die sagen: Klar wird es bald eine Frau, ich habe Zeit – es muss nicht Hillary Clinton sein.“

Einblick

Der US-Wahlkampf ist der schmutzigste der Geschichte

Das Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump wird als der bislang abstoßendste Wahlkampf in die neuere Geschichte der USA eingehen. Sein erstes Opfer ist die Demokratie. Das zweite Opfer wird die Wirtschaft sein.

von Miriam Meckel

Clinton muss sie also über Themen abholen, nicht über ihr Charisma. Und das müsste ihr eigentlich entgegenkommen. Der bekannte US-Buchautor George Packer hat gerade wieder erstaunt beschrieben, wie Clinton im Gespräch regelrecht aufblühe, wenn sie über „langfristige Investitionen in Forschung und Arbeitskräfte“ dozieren dürfe. Clinton ist öffentliche Figur, seit sie als 22 Jahre alte Studentin in Wellesley eine Abschlussrede hielt, über die Medien quer durch die USA berichteten. Sie war eine von Inhalten getriebene Politikerin, lange bevor sie Bill kennenlernte.

„Aber Themen und Inhalte haben im Trump-Lärm ja keine Rolle gespielt“, sagt Peter Goldmark. Der Ex-Chef der Rockefeller Foundation empfängt in seinem New Yorker Büro, er bastelt gerade an Ideen, wie Clinton Amerikas Gesellschaft wieder vereinen könne. „Natürlich treibt sie eine tiefe Sorge um das öffentliche Wohl“, sagt er.

Doch Goldmark weiß auch um Clintons Schwächen. Dafür, dass sie so lange dabei ist, ist sie eine verblüffend schlechte Rednerin. Bei der Auswahl ihrer Vertrauten ist sie nachlässig bis naiv. Und Geld war ihr so wichtig, dass sie und ihr Mann zwischen 2001 und 2015 nicht weniger als 729 bezahlte Vorträge gehalten haben, Stückpreis: 210 795 Dollar. Morgan Stanley buchte Rednerin Clinton etwa, Goldman Sachs auch. Geht es noch elitärer?

Und für die Elite, so könnten Wähler Clinton unterstellen, gelten anscheinend andere Regeln, siehe E-Mail-Server. Rivale Trump erinnert daran stets: Er sagt, nicht nur das elitäre System sei „rigged“, also unfair. Sondern Hillary eben zentraler Teil dieses „Systems“.

Zweifel am System, Zweifel an Hillary

Laut einer Gallup-Umfrage haben die Amerikaner ihren Politikern und den politischen Institutionen noch nie so misstraut wie heute: 81 Prozent gaben im September an, ihrer Regierung nur ab und zu oder gar nicht mehr zu glauben. Und so ist die Krise des politischen Systems in jedem Winkel der USA zu spüren, auch im Palmetto Club Columbia, South Carolina. Hier ist der Holzboden gebohnert, das Klavier in der Ecke frisch gestimmt. Unternehmer und Anwälte machen es sich an einem Donnerstagabend bei Rotwein und Bourbon bequem. „Unwürdig“ sei der Wahlkampf, sagt ein Anwalt mit blonder Gelfrisur. „Beide Parteien haben bei ihrem einzigen Job versagt – der Auswahl guten Personals.“

Vorne auf der Bühne stehen zwei Mittdreißiger und versuchen eine Antwort: Matt Moore, junger Chef der Republikaner im Staat, und sein demokratischer Gegenpart. „Wir sind uns in vielen Themen uneinig“, beginnt Moore, ein schneidiger Mann mit lila Krawatte und Manschettenknöpfen. „Aber wir sind uns einig, dass wir den Glauben an die Institution Politik wieder herstellen müssen. Er ist in dieser Wahl verloren gegangen.“ Moores Worte klingen zugleich wie eine Schuldzuweisung an die Kandidatin Clinton. Und wie ein Arbeitsauftrag an die mögliche Präsidentin Clinton.

So scheint sich keine Druckwelle der Begeisterung über die erste amerikanische Präsidentin durch das Land zu schieben, sondern eine aus Frust und Ratlosigkeit. Sie schiebt sich aus der Provinz bis in die Metropolen im Osten des Landes, nach New York, ins rot geklinkerte Wahlkampfbüro von Clinton, nahe der Brooklyn Bridge.

Davor steht ein einzelner Demonstrant, auf seinem Schild steht: „Ich bin ein Demokrat, der Antworten will.“ Und auf der Rückseite bezieht er sich auf jenen einzigen Präsidenten, der zurücktreten musste, weil er Amerika zur Watergate-Affäre belogen hatte, Richard Nixon: „Hillary ist der neue Nixon.“

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