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US-Parteien in der KriseZwischen Republikanern und Demokraten ist noch Platz

Evan McMullin ist der politische Aufsteiger des Jahres. Der unabhängige Präsidentschaftskandidat könnte den Bundesstaat Utah gewinnen. Die historische Sensation könnte der Startschuss für eine politische Revolution in Amerika werden.Christian Schlesiger 03.11.2016 - 07:49 Uhr

Die beiden US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump bei einer ihrer TV-Debatten.

Foto: AP

Wenn die US-Fernsehsender in diesen Tagen ihre aktuellen Wahlumfragen veröffentlichen, dann scheint, als hätten die Verantwortlichen vergessen, die Grafiken auszutauschen. Neben Donald Trump und Hillary Clinton erscheinen auf den Monitoren der libertäre Kandidat Gary Johnson und die Grüne Jill Stein. Die beiden Unabhängigen dümpeln auf dem unteren Niveau einstelliger Prozentpunkte. Sie werden keine Rolle im Wahlkampf spielen und gehören zu der Kategorie: Kämpfer in eigener Sache, aber chancenlos.

Auch Evan McMullin ist eigentlich so ein Kandidat. Seine Haare hat er abrasiert. Wenn er spricht, klingt seine Stimme ruhig und zurückhaltend. McMullin ist 40 Jahre alt, praktizierender Mormone aus Utah und Konservativer. Er gehörte einst der republikanischen Partei an und hat mal für den Geheimdienst CIA gearbeitet. Nun tritt er als Unabhängiger zur Präsidentschaftswahl in ein paar Dutzend Bundesstaaten an. Doch der Mann könnte Geschichte schreiben.

McMullin ist nämlich auf bestem Weg, der erste Kandidat seit 48 Jahren zu sein, der bei der Präsidentschaftswahl einen Staat für sich gewinnt. In Utah liegt er laut Umfragen im Schnitt nur wenige Prozentpunkte hinter Trump und noch vor Clinton. Eine Umfrage sieht den Kandidaten sogar vier Prozentpunkte vor dem Republikaner und noch weiter vor der Demokratin.

Der unabhängige Kandidat und Konservative Evan McMullin.

Foto: AP

Zwar vergibt Utah am Wahldienstag nur sechs Stimmen. Die Zahl der so genannten Wahlmänner ist abhängig von der Bevölkerungszahl und Utah gehört mit seinen knapp drei Millionen eher zu den kleineren Staaten. Doch sechs Stimmen könnten die Wahl entscheiden. Sie könnten sogar einen einzigartigen Patt herbeiführen, bei dem weder Trump noch Clinton die erforderliche Mehrheit auf sich vereinen, um zum 45. Präsident der Vereinigten Staaten gewählt werden zu können.

Außerdem könnte McMullin damit ein politisches Erdbeben auslösen, das den traditionellen Parteien eine neue Kraft entgegensetzt. Gelänge dem Aufsteiger am 8. November die Sensation, wäre dies ein Zeichen, dass die Wähler das politische Establishment satt sind, zu dem – ironischerweise – auch Donald Trump als Kandidat der Republikaner gehört.

McMullin versteht sich als konservative Alternative zu Trump. Er glaubt an den Wert der Familie, der Religion und die Freiheit des Einzelnen. Als CIA-Agent war er im Mittleren Osten stationiert. Ein Schwerpunkt seiner Agenda gilt der Außenpolitik. Doch vor allem will er eine „neue konservative Bewegung“ ins Leben rufen. Bis Anfang des Jahres war er aktives Mitglied Republikaner. Er war einer ihrer strategischen Organisatoren. Jetzt will er vor allem Trump verhindern.

Hillary Clinton

Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten steht im Mittelpunkt der so genannten E-Mail-Affäre. Clinton hatte als Außenministerin Teile ihres dienstlichen Mail-Verkehrs über ihren privaten Account abgewickelt. Ihre Kritiker meinen: Damit sei sie ein Risiko für die Nationale Sicherheit eingegangen. Die Bundespolizei FBI untersuchte ein Jahr lang den Fall und beschloss im Juli, es gebe keinen Grund für eine Anklage.

Foto: dpa

Hillary Clinton

Das Thema hat Clinton durch den Wahlkampf hindurch verfolgt. Sie räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben, spielte ihr Verhalten ansonsten aber herunter. Rivale Donald Trump und die Republikaner dagegen zogen mit dem Schimpfnamen „Crooked Hillary“ („Betrügerische Hillary“) in die Schlacht. Trump drohte ihr im zweiten TV-Duell mit seinem Sonderermittler und mit Gefängnis, sollte er Präsident werden.

Eigentlich schien die E-Mail-Affäre im Schlussspurt des Wahlkampfes für Clinton fast ausgestanden zu sein – bis der FBI-Chef auf den Plan trat.

Foto: AP

James Comey

Der FBI-Chef, ein Republikaner, sorgte wenige Tage vor der Wahl dafür, dass die Affäre wieder aufflammte: Comey schrieb an ranghohe Kongressmitglieder, es seien neue Mails aufgetaucht, die in einem Zusammenhang mit den früheren Ermittlungen stehen könnten. Sofort kannten die US-Medien kein anderes Thema mehr, Trump nahm die Nachrichten dankbar auf, Clinton büßte in Umfragen teils deutlich ein.

Die Demokraten werfen Comey nun vor, er habe aus politischem Kalkül so kurz vor dem Wahltermin in den Wahlkampf eingegriffen. Dabei sei es doch üblich, dass sich hohe Beamte in der kritischen Phase mit möglicherweise wahlentscheidenden Schritten zurückhalten sollen. Selbst mancher Republikaner wundert sich über Comeys Motive.

Der FBI-Chef selbst sagt, er habe sich – nach eingehenden Gesprächen mit seinen Beratern – in der Pflicht gefühlt, die Parlamentarier über die neu entdeckten E-Mails informieren zu müssen. Aufgetaucht waren die Mails…

Foto: AP

Anthony Weiner und Huma Abedin

… auf einem gemeinsam genutzten Computer von Huma Abedin und ihrem Noch-Ehemann Anthony Weiner. Abedin gehört zu den engsten Mitarbeiterinnen Clintons, der Ex-Kongressabgeordnete Weiner war einst die Nachwuchshoffnung der Demokraten. Mehrere Schmuddelaffären allerdings brachten Weiner zu Fall, das FBI ermittelt gegen ihn, Abedin will die Scheidung.

Bis jetzt ist noch völlig unklar, um wie viele neu entdeckte E-Mails es sich handelt und was drinsteht. Die Demokraten beeilen sich derweil, das Thema so kurz vor der Wahl wieder einzufangen, und versuchen aus der Clinton-Affäre eine Trump-Affäre zu machen.

Foto: AP

Donald Trump

Der Nutznießer des vermeintlichen Skandals konnte am Freitag sein Glück kaum fassen, dass FBI-Chef Comey die E-Mail-Affäre zum dominierenden Wahlkampfthema machte. Seitdem hat der zuvor zurückliegende Trump in den Umfragen aufgeholt – und bringt das Thema bei jedem Auftritt zur Sprache. „Der schlimmste Skandal seit Watergate“, tönte er.

Dem FBI-Chef werfen die Demokraten nun Parteilichkeit vor. Wenn er schon E-Mails öffentlich mache, solle er auch alles auf den Tisch legen, was das FBI über Trump wisse – nämlich Details über angebliche dubiose Verbindungen Trumps zur russischen Regierung. Comey besitze „explosive Informationen“ über eine Trump-Putin-Connection, behauptete der Top-Demokrat im Senat, Harry Reid.

Eine Rolle spielt dabei Trumps ehemaliger Berater…

Foto: AP

Paul Manafort

Für Schlagzeilen sorgte der Fall Paul Manafort . Im Sommer wurden Verbindungen von Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager zu russischen Oligarchen enthüllt, die teils dem Kreml nahestehen sollen. Im August, nachdem Trump im Zuge des Demokraten-Parteitags in Umfragen deutlich verloren hatte, trat Manafort zurück.

Nun berichtete der US-Sender NBC, dass Manafort ins Visier des FBI geraten sei und die Bundespolizei dessen ausländische Geschäftskontakte prüfe. Manafort wies den Bericht als „Propaganda der Demokraten“ zurück.

Foto: REUTERS

Wladimir Putin

Der russische Präsident hat Trump einmal gelobt, hält sich ansonsten mit öffentlichen Äußerungen über den US-Wahlkampf zurück. Umgekehrt vergeht kaum ein Auftritt, bei dem Trump nicht Putins Führungsqualitäten preist und für eine Annährung mit Russland wirbt. Für die Demokraten ist das ein Indiz dafür, dass Trump Unterstützung aus dem Kreml bekommt.

Laut „New York Times“ wurde bislang aber keine direkte „Putin-Trump-Connection“ nachgewiesen und der Republikaner bestreitet solche Anschuldigungen. Ebenso wenig habe er mit den mysteriösen Hackerangriffen auf Servern der Demokratischen Partei zu tun. Wiederholt wurden dort E-Mails abgefischt und über die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht. Deren Gründer…

Foto: REUTERS

Julian Assange

… sitzt noch immer im Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Von dort hat er in den vergangenen Monaten immer wieder große Enthüllungen angekündigt. Woher Wikileaks die abgefangenen E-Maisl bekommen hat, ist unklar. Die US-Regierung beschuldigte offiziell Russland, Cyber-Angriffe auf die Demokratische Partei ausgeführt zu haben.

Einige der Wikileaks-Enthüllungen waren für Clinton und die Demokraten tatsächlich peinlich und folgenschwer, am Ende standen prominente Rücktritte.

Foto: AP

Donna Brazile

Die Interims-Chefin der Demokraten wurde vom Sender CNN als TV-Expertin entlassen – weil sie laut Wikileaks-Mails unerlaubte Wahlkampfhilfe gegeben haben soll. Brazil hatte demnach Clinton bei von CNN veranstalteten TV-Duellen gegen ihrem einstigen Partei-Rivalen Bernie Sanders vorab mit geplanten Publikumsfragen versorgt, damit sich die Kandidatin darauf vorbereiten konnte.

Auf das Konto von Wikileaks ging auch der Rücktritt von Braziles Vorgängerin…

Foto: AP

Debbie Wasserman Schultz

Sie musste als Parteichefin der Demokraten gehen, nachdem geleakte E-Mails enthüllt hatten, dass die Parteiführung Strategien entwickelt hatte, Sanders aus dem Rennen gegen Clinton zu werfen.

Foto: REUTERS

Möglich ist das. Denn Trump benötigt jede Stimme, um US-Präsident zu werden. Zwar sieht ihn eine nationale Umfrage wieder knapp vor Hillary Clinton, doch dies bezog sich auf eine bundesweite Befragung. Entscheidend sind die so genannten Wahlmännerstimmen, die jeder Bundesstaat abhängig von seiner Größe nach Washington schickt. Denn der US-Präsident wird indirekt gewählt. Jeder Bundesstaat verteilt seine Stimmen nach dem Winner-takes-it-all-Prinzip. Derjenige Kandidat, der in einem Staat die Wahl gewinnt, erhält alle dem Staat zustehenden Stimmen.

Wer US-Präsident werden will, braucht 270 Stimmen und McMullin könnte dies verhindern. Gewinnt der Unabhängige in Utah, einem traditionellen Republikaner-Staat, würde zunächst einmal Trump ein Problem haben. Denn der Immobilienmilliardär rechnet fest mit den Stimmen des vor allem ländlich und mormonisch geprägten Staates. Trump warnte in einem Fernsehinterview bereits vor McMullin. Er renne „von einem Café ins nächste“, um Wahlkampf zu machen. Dies könne „uns richtig wehtun“, sagte Trump. McMullins Kandidatur sei „zerstörerisch“.

Trumps Lücken und Lügen

Belgien ist eine wunderschöne Stadt und ein herrlicher Ort - großartige Gebäude. Ich war mal dort, vor vielen, vielen Jahren.“ Trump fiel im Wahlkampf oft mit unfreiwilliger Komik auf. Einmal verwechselte er in einem Interview Kurden (Kurds) und Al-Kuds-Brigaden (Kuds). Die Grenze zwischen Wissenslücke, Ignoranz und Propaganda ist aber fließend. An mancher Stelle muss man wohl von gezielt gestreuten Lügen ausgehen. So behauptete Trump schon 2011, Präsident Barack Obama sei nicht in den USA geboren. Das Weiße Haus sah sich schließlich gezwungen, Obamas Geburtsurkunde zu veröffentlichen.

Foto: dpa

Clintons Gesundheitszustand

Wegen einer verschleppten Lungenentzündung erlitt Clinton bei einer Gedenkfeier für die Terroropfer vom 11. September 2001 in New York einen Schwächeanfall. Die Bilder, wie Bodyguards sie in einen Bus geleiteten, gingen um die Welt. Sie säten Zweifel, ob die 68-Jährige dem Amt körperlich gewachsen ist. Clinton musste daraufhin widerwillig Auskunft über ihre Gesundheit geben.

Foto: AP

Trumps bedenkliche Äußerungen

Trump versetzte die Welt immer wieder in Erstaunen, zu welch drastischen Äußerungen ein möglicher nächster US-Präsident fähig ist. Einmal sagte er, er würde Waterboarding - also Folter durch vorgetäuschtes Ertränken - wieder als Verhörmethode einführen. Nach einer Terrorattacke forderte er ein komplettes Einreiseverbot für Muslime. Mexikaner bezeichnete Trump als Vergewaltiger. Er will sein Land gegen die südlichen Nachbarn mit einer Mauer abschirmen. Dem Sender CNBC zufolge soll Trump im Gespräch mit einem außenpolitischen Berater drei Mal gefragt haben, warum die USA Atomwaffen nicht nutzten. Auch abfällige Äußerungen über den Kriegsveteranen John McCain und die muslimische Familie eines gestorbenen US-Soldaten stießen vielen negativ auf.

Foto: AP

Clintons Stiftung im Zwielicht

Der Clinton Stiftung werden Interessenkonflikte, die Vermischung politischer und privater Interessen sowie fehlerhafte Steuererklärungen vorgeworfen. Auf der Spenderliste fallen autoritäre Golfstaaten auf. Saudi-Arabien hat, wie es auf der Webseite der Stiftung heißt, zwischen 10 und 25 Millionen Dollar überwiesen, Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate zwischen 1 und 5 Millionen. Viele Amerikaner finden das bedenklich.

Foto: AP

Clintons Rolle in Libyen

Republikaner versuchen seit Jahren, die Demokratin persönlich für eine Terrorattacke im libyschen Bengasi im Jahr 2012 verantwortlich zu machen. Dabei waren vier Amerikaner gestorben, darunter der Botschafter Chris Stevens. Allerdings ergab keine der vielen Untersuchungen und Kongressanhörungen dafür einen Anhaltspunkt. Nach Medienberichten werfen Hinterbliebene Clinton vor, ihre Nutzung eines privaten Servers für teilweise vertrauliche Dienst-E-Mails habe die Terrorattacke von Bengasi direkt verursacht.

Foto: REUTERS

Clintons E-Mail-Affäre

Gegen den Vorschriften hatte Clinton als US-Außenministerin ihre Dienst-Korrespondenz über einen privaten Server abgewickelt. Ende 2014 übergab sie rund 30.000 E-Mails an das State Department und die Bundespolizei FBI. Diese wurden Stück für Stück komplett veröffentlicht. Allerdings entschied sich Clinton auch, 31.000 weitere E-Mails zu löschen - ihrer Ansicht nach waren sie privat. Bis heute gibt es Zweifel, ob Clinton Informationen verschwinden ließ, die ihre politische Kompetenz infrage stellen könnten. Kurz vor der Wahl kochte das Thema neu hoch.

Foto: REUTERS

Trumps Versuche Steuern zu vermeiden

Bei der ersten TV-Debatte mit seiner Kontrahentin prahlte Trump noch damit, dass er keine Steuern zahle. Inzwischen formuliert Trump es so, dass er US-Steuergesetze „auf brillante Art“ ausgenutzt habe - „zu meinem eigenen Nutzen und zum Nutzen meiner Firma, meiner Investoren und meiner Angestellten“. Die Zeitung „New York Times“ veröffentlichte Anfang Oktober eine alte Steuererklärung Trumps. Demnach machte er im Jahr 1995 Verluste von knapp 916 Millionen US-Dollar (etwa 815 Millionen Euro) geltend. Das könnte es ihm, so schrieb die Zeitung, 18 Jahre lang erspart haben, Einkommensteuer an die Bundessteuerbehörde abzuführen.

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Clintons sehr gut bezahlte Reden

Hillary Clinton und das große Geld - eine unendliche Geschichte. Sie und ihr Mann Bill, selbst Ex-Präsident, haben nach dem Jahr 2001 Millionen Dollar für Auftritte als Redner erhalten. Vor allem Hillary Clinton werden hoch dotierte Auftritte bei der Investmentbank Goldman Sachs vorgeworfen. Die Veröffentlichung der Redetexte verweigert sie strikt. Ist so jemand eine Präsidentin auch für die kleinen Leute? Clintons Nähe zum Establishment ist für viele eine ihrer größten Schwächen.

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Trumps Gesundheitszustand

Der 70-jährige Trump hatte um seine Gesundheit zunächst ein ähnliches Geheimnis gemacht wie Clinton. Schließlich geriet er unter Zugzwang. Wenig überraschend attestierte sein Leibarzt ihm in einem Brief eine „glänzende körperlicher Verfassung“. Trump rauche nicht und trinke keinen Alkohol, habe einen leicht erhöhten Blutfettwert und sei mit 107 Kilo bei 1,90 Meter Größe zwar ein bisschen dick. Insgesamt sei er aber völlig gesund. Er nehme ein paar Mittel gegen erhöhte Cholesterinwerte und vorsichtshalber eine niedrige Dosis Aspirin. Der Brief verschweigt mögliche Probleme in der Vergangenheit und ist nur ein Ausschnitt aus der Gesundheitsakte.

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Trumps Frauenfeindichkeit

Trumps Haltung zu Frauen gilt als befremdlich. Zahlreiche Affären werden ihm nachgesagt, einige soll er dazuerfunden haben. Der Immobilienmagnat, der zum dritten Mal verheiratet ist, sieht sich immer neuen Vorwürfen sexueller Belästigung ausgesetzt. In einem Fall soll er einer heute 74-Jährigen im Flugzeug an die Brust und unter den Rock gefasst haben. In einem kürzlich aufgetauchten Video aus dem Jahr 2005 erzählt Donald Trump (hier im Bild mit Ivanka und Melania Trump), dass er als Star jeder Frau in den Schritt fassen könne, ohne aufgehalten zu werden.

Foto: AP

Doch Trumps Kritik könnte sogar nach hinten losgegangen sein. „Das Lustige ist, dass viele Leute in Utah keinen Kaffee trinken, weil sie Mormonen sind“, sagt McMullin. „Wir haben keinen Wahlkampf in Coffeeshops gemacht.“ Wenn Trump wirklich interessiert sei an dem Staat Utah und seinen Wählern, würde er vielleicht das ein oder andere darüber wissen.“

Peter Thiel

Warum die Tech-Legende Trump unterstützt

von Christian Schlesiger

Trumps Überheblichkeit könnte dem Republikaner nun die nötigen Stimmen kosten, um den Staat für sich zu reklamieren. Seit Jahrzehnten hat Utah republikanisch gewählt. Doch von Trump sind immer weniger Menschen überzeugt. Die Mehrheit der Utah-Bewohner sind Mormonen und die Tageszeitung „Deseret News“, die der Mormonen-Kirche "Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" gehört, hat Trump nach den sexistischen Videos im Oktober aufgefordert, von der Kandidatur zurück zu treten.

Doch auch Clinton könnte unter McMullin in eine schwierige Lage kommen. Denn theoretisch, wenn auch wenig wahrscheinlich, könnte die Wahl am 8. November eine Patt-Situation herbeiführen, die weder Trump noch Clinton den Sieg bringen würde.

Sollte McMullin die sechs Stimmen aus Utah gewinnen, könnten den Kandidaten der Großparteien Stimmen zur Mehrheitsschwelle von 270 Stimmen fehlen. Finanzjournalist Chris Krueger hält den Fall “nicht für unmöglich”. Dann würde die zweite Kammer des Kongresses, das House of Representatives, den US-Präsidenten bestimmen. Theoretisch könnte eine republikanische Mehrheit dann auch einen Konservativen wie McMullin wählen. Das wäre allerdings ein wirklich unwahrscheinliches Szenario.

Hillary Clintons Doppelgängerin

Nach ihrem Schwächeanfall während einer Veranstaltung zum 11. September trat Clinton nur zwei Stunden später wieder in die Öffentlichkeit. Für Verschwörungstheoretiker war das ganz klar eine Doppelgängerin. Sogenannte Beweise wurden in sozialen Medien gesammelt. Ob Nase oder Finger – es seien klare Unterschiede zu sehen. Weitere Spekulationen: Die Doppelgängerin soll Schauspielerin Teresa Lilly Barnwell sein, eine Clinton-Imitatorin.

Foto: AP

Von Hirntumor bis Zungenkrebs – Clintons Krankheiten im Überblick

Epilepsie, Parkinson oder Hirntumor – um Clintons Gesundheit ranken sich die wildesten Spekulationen. Bereits 2015 verkündete die Zeitung „National Enquirer“ das baldige Ableben der Demokratin. In einem Video der Seite „Infowars“ analysieren Experten Clintons Lachen als eine Persönlichkeitsstörung. Der Blog „The Conservative Tree House“ stelle einen Fleck auf Clintons Zunge fest. Diagnose: Zungenkrebs.

Foto: dpa

Der Knopf in Clintons Ohr

„Ein Knopf im Ohr?“, mit dieser Frage löste Schauspieler James Woods eine heftige Diskussion aus. Der Grund: ein Foto, das Clinton bei einem Auftritt im Sender NBC mit einem kleinen Gegenstand im Ohr zeigt. Woods postete auch eine Wikileaks-E-Mail von 2009, in der Clinton-Vertraute Huma Abedin fragt: „Hast du Deinen Knopf im Ohr mitgenommen, oder soll ich ihn holen?“. Die Seite „True Pundit“ mutmaßt, dass Clinton schon früher Ansagen über den Knopf bekam.

Foto: AP

Mysteriöser Begleiter
Er weicht ihr nicht von der Seite: Clintons Begleiter. Einige sehen in ihm keinen Bodyguard, sondern eine Gefahr. Der Autor Mike Cernovich: „Jeder Sicherheitsagent trägt einen Anzug. Hillarys Begleiter ist leger angezogen. Etwas Großes bahnt sich da an.“ Auf einem Foto soll der Begleiter eine Diazepamspritze halten, einen Arzneistoff gegen Panikattacken. Es wurde geraunt, der Mann sei ein Psychiater, der Clinton auch hypnotisiere. Das beweise angeblich ein Video, in dem der Begleiter ihr etwas ins Ohr flüstert.

Foto: AP

Donald Trump – der Antichrist

Der Antichrist – eine Figur aus der Bibel, die Gegenmacht zu Jesus Christus. Laut Bibel soll sich der Mond vor der Ankunft des Antichristen in Blut verwandeln. Die Verbindung zu Trump: An seinem Geburtstag, dem 14. Juni 1946, gab es eine totale Mondfinsternis, auch als „Blutmond“ bekannt. Auch die Zahl des Antichristen (666) tauche in Trumps Leben auf. Eines seiner Gebäude hat er in der 666 Fifth Avenue in New York gekauft. Selbst lebt er im 66. Stock des Trump Towers. Für viele ist das sehr mysteriös.

Foto: dpa

Hillary Rodham Clinton Jimmy

„Es ist alles nur gespielt!“, schreibt der US-amerikanische Journalist Justin Raimondo auf seinem Blog. Donald Trump schauspielere, um seiner Freundin Hillary Clinton zur Präsidentschaft zu verhelfen. Die Gründe: seine gute Beziehung zu den Clintons, seine Unterstützung vergangener demokratische Kampagnen und seine kontroversen Aussagen, mit denen er die Republikaner zu spalten versuche. Rassismus, Hetzparolen und Populismus – Trump könne nur eine Karikatur des Konservatismus sein – erfunden von den Demokraten. Im Bild spielt Jimmy Fallon Donald Trump.

Foto: AP

Die Illuminati und Trump

Die Illuminati, eine Geheimgesellschaft, die im Jahr 1785 verboten wurde, besteht nach Meinung einiger Verschwörer weiter fort. Trump soll nun angeblich gezielt von dem Orden eingesetzt worden sein, um als nächster Präsident ihren Befehlen zu gehorchen. Befolgt er sie nicht, könnte er von den Illuminati umgebracht werden. Dies sei ja schon bei Präsident John F. Kennedy der Fall gewesen. „Beweisvideos“ sollen zeigen, dass Trump zu den Illuminati gehöre. Zu erkennen sei dies etwa an seinen Händen, die er zu einer Pyramide formt – eines der wichtigsten Symbole des Ordens.

Foto: REUTERS

Clinton und Trump sind Reptiloide

So absurd sie klingt, hat die Theorie der Reptiloide doch viele Anhänger. Erfinder David Icke beschreibt Reptiloide als intelligente Wesen, die von reptilienartigen Außerirdischen abstammen. Ihr Ziel: Kontrolle der Weltpolitik. Trump und Clinton sind die neuesten Verdächtigen. Videos sollen beweisen, dass Trump eine Maske trage. Clinton habe indessen Schuppen auf der Stirn. Dass die Videos stark bearbeitet sind, scheint die Anhänger der Theorie nicht im Geringsten zu stören.

Foto: dpa

Dennoch könnte das Ergebnis das politische System durcheinander wirbeln. Es würde den Weg für ganz neue Konstellationen eröffnen. Denn das amerikanische Wahlvolk ist müde von den Peinlichkeiten eines Donald Trump und der Doppelzüngigkeit einer Hillary Clinton. Es lechzt nach politischen Alternativen. McMullin hätte gezeigt, dass es möglich ist. Sein Erfolg könnte die Geburtsstunde einer dritten politischen Kraft werden.

Experten halten das für realistisch. Denn die Parteien sind in einem desolaten Zustand. Beide Präsidentschaftskandidaten sind so unbeliebt wie noch kein Bewerber auf das Amt des US-Präsidenten zuvor. Vor allem die republikanische Partei ist ein Schatten ihrer selbst. Die Führungsriege leistet sich peinliche Auftritte. Beispielsweise Paul Ryan, der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses. Wenn er über Trump redet, spricht er nur vom "Nominierten". Der Name Trump kommt nicht über seine Lippen. Ryan hat Trump nach dessen geleakten Video von Wahlkampfveranstaltungen ausgeladen.

Zudem hat Trump die "Grand Old Party" in eine Richtung manövriert, die vielen wirtschaftsliberalen Kräften der Partei zuwider sind. John Kasich etwa, der populäre Gouverneur aus Ohio, hält immer wieder ein flammendes Plädoyer auf Freihandel. Trump hingegen will die USA abschotten. Kasich hat bereits erklärt, dass er seinen Parteikollegen Trump nicht wählt.

„Es ist durchaus denkbar, dass wir irgendwann eine dritte Partei bekommen, die es zu einer relevanten Größe schafft“, sagt Steven Billet, Politikwissenschaftler an der George Washington Universität in Washington. Die Hürden seien zwar hoch. Aber ein reicher Spender könnte dies schaffen. Er müsste seine Partei in jedem Bundesstaat anmelden und fähige Leute rekrutieren.

Der Milliardär und ehemalige New Yorker Bürgermeister, Michael Bloomberg, wäre so ein Kandidat, glaubt Billet. Oder Microsoft-Gründer Bill Gates. Oder Facebook-Chef Mark Zuckerberg. „Die Frage ist nur, ob einer dieser Herren ein politischer Guru werden will.“

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