"Taco Trucks an jeder Ecke": Warum Latinos trotz allem Donald Trump wählen
Trompeten und Klaviergeklimper. Ein Mann singt auf Spanisch über eine verflossene Liebe. Die Finger von Victor Cuevas trommeln im Takt zu den Klängen aus den Musikboxen. Der 68-jährige Puerto Ricaner arbeitet in einem Plattenladen in „Spanish-Harlem“. In diesem Teil New Yorks, den seine Bewohner auch „El Barrio“, das Viertel, nennen, leben besonders viele Menschen Lateinamerikanischer Herkunft. Weiße sieht man dort nur wenige, das Straßenbild im Barrio dominieren Puerto Ricaner, Mexikaner, Menschen aus der Dominikanischen Republik, Afroamerikaner. Der Sänger und Schauspieler Marc Anthony stammt von hier, genau wie der Rapper Tupac Shakur.
Die Menschen aus dem Barrio mögen aus unterschiedlichen Regionen stammen, in einer Sache sind sich die meisten einig. Donald Trump wählen, das geht gar nicht. Sie ärgern sich über dessen Verbalattacken gegen mexikanischen Immigranten: „Sie bringen Drogen und Verbrechen ins Land, sie sind Vergewaltiger“ oder seine Sicht auf Schwarze: „Sie leben in Kriegszonen“. Der US-Wahlberechtigte Victor Cuevas, getrimmter Vollbart, goldene Ohrstecker, Baseballkappe der New York Yankees, sieht das anders. Er will am kommenden Dienstag für Donald Trump stimmen. Für einen Rassisten hält er Trump anders als viele seiner Landsleute nicht. „Die Dinge, die Trump über Hispanics sagt, richteten sich hauptsächlich gegen illegale Einwanderer und das hat seine Berechtigung“, meint Cuevas. "Die Menschen, die hier ohne Papiere leben und nichts tun, gehören raus.“
Man müsse junge Menschen vor Drogen schützen, fährt er fort, die kämen nun einmal hauptsächlich aus Mexiko. Cuevas, der 2001 nach New York zog, stört noch mehr. Der Schmutz in den Städten, die Kriminalität, kaputte Züge, veraltete Flughäfen. „Es kann nicht sein, dass das mächtigste Land der Welt technologisch hinter andere Staaten zurück fällt“, sagt Cuevas, während er CDs in eine Tüte packt. Trump könnte die Probleme bewältigen. Sein Traumkandidat ist er zwar nicht, aber Hillary Clinton findet Cuevas schlimmer. „Sie war eine miese Außenministerin. Außerdem weiß niemand, was in den Emails steht, die sie zurückhält.“
Mit seiner Sympathie für Trump ist Victor Cuevas unter den US-Latinos zwar ein Exot. Doch allein ist er nicht. Etliche haben sich in Gruppen wie "Hispanics-, Latinos- oder Latinas for Trump" zusammengetan. Sie machen auf Facebook oder Twitter Stimmung gegen Hillary Clinton. Sie verteilen Flyer und werben auf Veranstaltungen für den Mann, der an der Südgrenze der USA eine Mauer bauen und den Mexikanern die Kosten dafür aufbürden will.
Auch einflussreiche Latinos wie Alfonso Aguilar, Chef der konservativen Organisation “Latino Partnership for Conservative Principles“ flirtete zwischenzeitlich mit Trump. Javier Palomares, Chef der größten lateinamerikanischen Wirtschaftsorganisation in den USA, der United States Hispanic Chamber of Commerce, nannte den Republikaner gar einen Gentleman, bevor er sich im September endgültig distanzierte. Laird Bergad, der das Lateinamerikazentrum an der City University New York (CUNY) leitet, überrascht das nicht.
„Hillary Clinton will Amerikas Angela Merkel werden, und ihr wisst, was für eine Katastrophe diese massive Einwanderung für Deutschland und die Menschen Deutschlands ist“, sagte Trump Mitte August in einer außenpolitischen Rede in Youngstown (Ohio). „Die Kriminalität ist auf ein Niveau gestiegen, das niemand geglaubt hat, je zu sehen.“ Die USA hätten genug Probleme, ohne sich durch die ungezügelte Aufnahme syrischer Flüchtlinge weitere aufzubürden.
Foto: AP„Jämmerlich unvorbereitet“, um die USA als Präsident führen zu können, ist Donald Trump nach Aussagen von US-Präsident Barack Obama. Auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus forderte Obama die Republikaner am Dienstag auf, Trump nicht mehr zu unterstützen. Dabei gehe es um mehr als unterschiedliche Ansichten politischer Natur, sagte Obama. Trotz des wachsenden Unmuts gegenüber Trump hat bisher kein Republikaner ihm seine Unterstützung entzogen. Obama sagte, republikanische Politiker hätten wiederholt feststellen müssen, dass Äußerungen Trumps inakzeptabel seien. „Warum unterstützen Sie ihn dann noch?“, fragte Obama.
„Belgien ist eine wunderschöne Stadt und ein herrlicher Ort - großartige Gebäude“, sagte Donald Trump in einer Rede und zeigte, wie es um seine geographischen Kenntnissen bestellt ist. „Ich war mal dort, vor vielen, vielen Jahren. Vor ein paar Monaten habe ich dann ein Statement abgegeben, nach dem Motto, Belgien ist ein elendes Loch. Dafür wurde ich dann schwer kritisiert, man hat gesagt, was für eine böse Sache - und dann hatten sie in Belgien dieses massive Problem.“
Foto: dpaUS-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat die Washington Post von künftigen Wahlkampfauftritten ausgeschlossen: Auf Facebook bezeichnete er das Blatt als "unehrlich und verlogen". Die Washington Post hatte erst kürzlich kritisch über den Milliardär berichtet. In den Augen von Trump sei die Berichterstattung "unglaublich fehlerhaft", deshalb habe er der Zeitung die Akkreditierung für seine Wahlkampfveranstaltungen entzogen.
Der umstrittene republikanische Präsidentschaftsbewerber Trump ist ein Quereinsteiger und hat noch nie ein politisches Amt bekleidet. Im Wahlkampf macht er immer wieder mit skurrilen Aussprüchen auf sich aufmerksam.
Foto: APDonald Trump hat Hillary Clinton als „verlogene, unehrliche Hillary“ bezeichnet. Sie habe seine Ansichten zur Außenpolitik bewusst falsch interpretiert und sie sich ausgedacht. Clinton hatte Trump zuvor die charakterliche Eignung für das höchste Staatsamt abgesprochen. Darauf antwortete Trump: „Mein Temperament ist so viel robuster, so viel besser als ihres.“ Clinton hatte gesagt, Trump zu wählen, wäre ein „historischer Fehler“. Trump werde Amerika in Krieg und Wirtschaftskrise führen.
Trump kritisierte auch Clintons umstrittene E-Mail-Praxis in ihrer Zeit als Außenministerin. „Hillary Clinton muss ins Gefängnis gehen“, sagte er. Clinton hatte als Chefdiplomatin von 2009 bis 2013 ihren E-Mail-Verkehr über einen privaten Server abgewickelt, statt über den des Außenministeriums.
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Am 21. März sagte er der „Washington Post“: „Die Nato kostet uns ein Vermögen, und ja, wir beschützen Europa mit der Nato, aber wir zahlen viel Geld.“ In einem Interview des Senders CNN stellte er später klar, dass die USA das Militärbündnis seiner Meinung nach nicht verlassen sollten, aber weniger dafür zahlen müssten. „Warum kümmert sich Deutschland mit der Nato nicht um die Ukraine? Warum machen andere Länder nichts, die in der Nachbarschaft der Ukraine liegen? Warum sind immer wir diejenigen, die führen, möglicherweise den dritten Weltkrieg mit Russland", fügte Trump hinzu.
Foto: dpaTrumps Knaller nach dem Sieg in den Vorwahlen von Nevada: „Wir haben bei den Evangelikalen gewonnen. Wir haben bei den Jungen gewonnen, wir haben bei den Alten gewonnen. Wir haben bei den gut Gebildeten gewonnen, wir haben bei den schlecht Gebildeten gewonnen. Ich liebe die schlecht Gebildeten.“
Foto: REUTERS„Wenn Mexiko seine Leute schickt, dann schickt es uns nicht seine Besten. … Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, vermute ich, sind gute Leute.“ Aus Trumps Rede vom 16. Juni 2015, in der er seine Kandidatur ankündigte.
Foto: REUTERSMit seinem republikanischen Parteifreund, Senator John McCain, legte sich Trump persönlich an. McCain war in nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft. Trump meinte dazu: „Er ist kein Held. Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen genommen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen wurden.“
Foto: APIn einer Fernsehdebatte am 6. August 2015 wurde Trump auf vorangegangene Aussagen angesprochen, die man als sexistisch interpretieren könnte. Einen Tag darauf sagte Trump über die Moderatorin Megyn Kelly: „Man konnte sehen, dass Blut aus ihren Augen kam. Blut kam aus ihrer… wo auch immer.“
Foto: APAn Selbstbewusstsein mangelt es Trump wahrlich nicht. „Es ist sehr schwierig, mich wegen meines Aussehens zu kritisieren. Weil ich so gut aussehe“, sagte er in Reaktion auf jenen denkwürdigen Auftritt mit Megyn Kelly.
Foto: APSeine mittlerweile aus dem Rennen geschiedene Konkurrentin Carly Fiorina hält Trump dagegen für nicht sehr schön: „Schauen Sie dieses Gesicht an! Würde irgendjemand dieses Gesicht wählen? Können Sie es sich als das Gesicht des nächsten Präsidenten vorstellen?“
Foto: REUTERSAn der Treue seiner Anhänger hat Trump offenbar nicht den geringsten Zweifel. „Ich könnte mitten auf der 5th Avenue stehen und jemanden erschießen, ohne einen einzigen Wähler zu verlieren“, sagte er bei einem Auftritt am 24. Januar 2016 in Sioux Center, Iowa.
Foto: APTrump fordert eine “totale und komplette Abschließung” der USA gegen alle Muslime. Alle Muslime, die in die USA kommen wollen, sollten bleiben, wo sie sind, “bis die Vertreter unseres Landes erfahren, was zur Hölle, los ist”, sagte er bei einer Rede auf dem Flugzeugträger Yorktown.
Foto: AP,APÜber seine jungen Jahre sagte Trump: „Mein Leben war ein ‚Nein‘ und ich habe mich durchgekämpft. Es war nicht einfach für mich … Mein Vater gab mir nur ein kleines Darlehen von einer Million Dollar.“ Das Mitleid der meisten Menschen wird sich in Grenzen halten.
Foto: APAuch in Erziehungsfragen hat Trump eindeutige Prioritäten klargemacht: „Seinen Kindern nichts über Geld beizubringen, ist wie wenn man sich nicht darum kümmert, dass sie essen.“
Foto: REUTERSEin Lieblingsthema seiner unzähligen Karikaturisten ist Trumps eigenwillige Frisur. Aber auch das bringt ihn nicht aus dem inneren Gleichgewicht. „Wie jeder weiß, nur die Hasser und Verlierer wollen es nicht zugeben, trage ich keine Perücke. Mein Haar ist vielleicht nicht perfekt, aber es ist mein eigenes.“
Foto: REUTERSZum Klimawandel hat Trump eine einfache Ansicht: „Das Konzept der weltweiten Erwärmung wurde von den Chinesen und für die Chinesen erfunden, um die US-Industrie weniger wettbewerbsfähig zu machen.“
Foto: APDas Recht der Amerikaner auf Schusswaffen verteidigt Trump mit Hilfe der Terroranschläge von Paris: „Wenn die so gewaltsam erschossenen Leute in Paris Waffen getragen hätten, hätten sie zumindest eine Chance gehabt zu kämpfen.“
Foto: REUTERSNicht ganz so einfach verständlich sind manche anderen wirtschaftspolitischen Aussagen Trumps. Zum Beispiel diese: „Freihandel ist schrecklich. Freihandel kann wunderbar sein, wenn man pfiffige Leute hat. Aber wir haben dumme Leute.“
Foto: REUTERSAuf die Frage, was ihn denn vor anderen Kandidaten auszeichne, erklärte Trump: „Ich glaube der einzige Unterschied zwischen mir und den anderen Kandidaten ist, dass ich ehrlicher bin und schönere Frauen habe.“
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„Die Hispanics in den USA sind keine homogene Gruppe“, sagt er. Es gehöre zur Meinungsvielfalt, dass sich neben den vielen Latinos, die Trump verabscheuten, auch einige mit ihm identifizierten. „Gerade konservative, rechtsgerichtete Latinos lieben Trump, weil er den starken Mann und Macho mimt“.
75 Prozent aller wahlberechtigten Latinos wurden in den USA geboren. Gerade solche, die seit mehreren Generationen im Land lebten, störten sich wenig an Trumps Parolen. Sie betrifft es nicht, wenn Trump fordert, illegal eingewanderte Mexikaner „sofort zu deportieren“. Im Südwesten der USA leben viele Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln. Die wüssten aber nichts über Mexiko, sagt Bergad.
Marco Gutierrez, in Mexiko geboren und Mitgründer der "Latinos4Trump" aus Kalifornien, geht noch einen Schritt weiter. In einem Interview mit dem TV-Sender MSNBC sagt er Sätze wie diesen: „Meine Kultur ist dominant und verursacht Probleme. Wenn nichts passiert, wird es bald an jeder Ecke Taco-Trucks (mobile Verkaufsstände für mexikanische Maisfladen) geben“.
Eigentlich sei es ganz einfach, meint Bergad. Latinos unterstützen Trump aus denselben Gründen wie seine weißen Anhänger. „Sie eint ein tiefes Misstrauen gegenüber dem System in Washington. Hillary Clinton, die viele von ihnen für korrupt halten, verkörpert in deren Logik dieses System.“ Der Politiker Donald Trump lebe davon, dass seine Anhänger wenig über Politik wüssten.
Gleichzeitig ist aber auch klar: Amerikaweit unterstützen nur wenige Hispanics Donald Trump. Schon 2012 wählten etwa 75 Prozent der Latinos Barack Obama. Bergad schätzt, dass am Dienstag noch mehr für Hillary Clinton stimmen werde. „Es würde mich nicht überraschen, wenn sie 80 Prozent der Latino-Stimmen bekäme. „Das liegt zum einen daran, dass die große Mehrheit der US-Latinos bei Präsidentschaftswahlen seit jeher Demokraten unterstützt. Zum anderen, dass der Milliardär die meisten Latinos mit seinen Bemerkungen längst vergrault hat.
Trumps Lücken und Lügen
Belgien ist eine wunderschöne Stadt und ein herrlicher Ort - großartige Gebäude. Ich war mal dort, vor vielen, vielen Jahren.“ Trump fiel im Wahlkampf oft mit unfreiwilliger Komik auf. Einmal verwechselte er in einem Interview Kurden (Kurds) und Al-Kuds-Brigaden (Kuds). Die Grenze zwischen Wissenslücke, Ignoranz und Propaganda ist aber fließend. An mancher Stelle muss man wohl von gezielt gestreuten Lügen ausgehen. So behauptete Trump schon 2011, Präsident Barack Obama sei nicht in den USA geboren. Das Weiße Haus sah sich schließlich gezwungen, Obamas Geburtsurkunde zu veröffentlichen.
Foto: dpaClintons Gesundheitszustand
Wegen einer verschleppten Lungenentzündung erlitt Clinton bei einer Gedenkfeier für die Terroropfer vom 11. September 2001 in New York einen Schwächeanfall. Die Bilder, wie Bodyguards sie in einen Bus geleiteten, gingen um die Welt. Sie säten Zweifel, ob die 68-Jährige dem Amt körperlich gewachsen ist. Clinton musste daraufhin widerwillig Auskunft über ihre Gesundheit geben.
Foto: APTrumps bedenkliche Äußerungen
Trump versetzte die Welt immer wieder in Erstaunen, zu welch drastischen Äußerungen ein möglicher nächster US-Präsident fähig ist. Einmal sagte er, er würde Waterboarding - also Folter durch vorgetäuschtes Ertränken - wieder als Verhörmethode einführen. Nach einer Terrorattacke forderte er ein komplettes Einreiseverbot für Muslime. Mexikaner bezeichnete Trump als Vergewaltiger. Er will sein Land gegen die südlichen Nachbarn mit einer Mauer abschirmen. Dem Sender CNBC zufolge soll Trump im Gespräch mit einem außenpolitischen Berater drei Mal gefragt haben, warum die USA Atomwaffen nicht nutzten. Auch abfällige Äußerungen über den Kriegsveteranen John McCain und die muslimische Familie eines gestorbenen US-Soldaten stießen vielen negativ auf.
Foto: APClintons Stiftung im Zwielicht
Der Clinton Stiftung werden Interessenkonflikte, die Vermischung politischer und privater Interessen sowie fehlerhafte Steuererklärungen vorgeworfen. Auf der Spenderliste fallen autoritäre Golfstaaten auf. Saudi-Arabien hat, wie es auf der Webseite der Stiftung heißt, zwischen 10 und 25 Millionen Dollar überwiesen, Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate zwischen 1 und 5 Millionen. Viele Amerikaner finden das bedenklich.
Foto: APClintons Rolle in Libyen
Republikaner versuchen seit Jahren, die Demokratin persönlich für eine Terrorattacke im libyschen Bengasi im Jahr 2012 verantwortlich zu machen. Dabei waren vier Amerikaner gestorben, darunter der Botschafter Chris Stevens. Allerdings ergab keine der vielen Untersuchungen und Kongressanhörungen dafür einen Anhaltspunkt. Nach Medienberichten werfen Hinterbliebene Clinton vor, ihre Nutzung eines privaten Servers für teilweise vertrauliche Dienst-E-Mails habe die Terrorattacke von Bengasi direkt verursacht.
Foto: REUTERSClintons E-Mail-Affäre
Gegen den Vorschriften hatte Clinton als US-Außenministerin ihre Dienst-Korrespondenz über einen privaten Server abgewickelt. Ende 2014 übergab sie rund 30.000 E-Mails an das State Department und die Bundespolizei FBI. Diese wurden Stück für Stück komplett veröffentlicht. Allerdings entschied sich Clinton auch, 31.000 weitere E-Mails zu löschen - ihrer Ansicht nach waren sie privat. Bis heute gibt es Zweifel, ob Clinton Informationen verschwinden ließ, die ihre politische Kompetenz infrage stellen könnten. Kurz vor der Wahl kochte das Thema neu hoch.
Foto: REUTERSTrumps Versuche Steuern zu vermeiden
Bei der ersten TV-Debatte mit seiner Kontrahentin prahlte Trump noch damit, dass er keine Steuern zahle. Inzwischen formuliert Trump es so, dass er US-Steuergesetze „auf brillante Art“ ausgenutzt habe - „zu meinem eigenen Nutzen und zum Nutzen meiner Firma, meiner Investoren und meiner Angestellten“. Die Zeitung „New York Times“ veröffentlichte Anfang Oktober eine alte Steuererklärung Trumps. Demnach machte er im Jahr 1995 Verluste von knapp 916 Millionen US-Dollar (etwa 815 Millionen Euro) geltend. Das könnte es ihm, so schrieb die Zeitung, 18 Jahre lang erspart haben, Einkommensteuer an die Bundessteuerbehörde abzuführen.
Foto: dpaClintons sehr gut bezahlte Reden
Hillary Clinton und das große Geld - eine unendliche Geschichte. Sie und ihr Mann Bill, selbst Ex-Präsident, haben nach dem Jahr 2001 Millionen Dollar für Auftritte als Redner erhalten. Vor allem Hillary Clinton werden hoch dotierte Auftritte bei der Investmentbank Goldman Sachs vorgeworfen. Die Veröffentlichung der Redetexte verweigert sie strikt. Ist so jemand eine Präsidentin auch für die kleinen Leute? Clintons Nähe zum Establishment ist für viele eine ihrer größten Schwächen.
Foto: APTrumps Gesundheitszustand
Der 70-jährige Trump hatte um seine Gesundheit zunächst ein ähnliches Geheimnis gemacht wie Clinton. Schließlich geriet er unter Zugzwang. Wenig überraschend attestierte sein Leibarzt ihm in einem Brief eine „glänzende körperlicher Verfassung“. Trump rauche nicht und trinke keinen Alkohol, habe einen leicht erhöhten Blutfettwert und sei mit 107 Kilo bei 1,90 Meter Größe zwar ein bisschen dick. Insgesamt sei er aber völlig gesund. Er nehme ein paar Mittel gegen erhöhte Cholesterinwerte und vorsichtshalber eine niedrige Dosis Aspirin. Der Brief verschweigt mögliche Probleme in der Vergangenheit und ist nur ein Ausschnitt aus der Gesundheitsakte.
Foto: REUTERSTrumps Frauenfeindichkeit
Trumps Haltung zu Frauen gilt als befremdlich. Zahlreiche Affären werden ihm nachgesagt, einige soll er dazuerfunden haben. Der Immobilienmagnat, der zum dritten Mal verheiratet ist, sieht sich immer neuen Vorwürfen sexueller Belästigung ausgesetzt. In einem Fall soll er einer heute 74-Jährigen im Flugzeug an die Brust und unter den Rock gefasst haben. In einem kürzlich aufgetauchten Video aus dem Jahr 2005 erzählt Donald Trump (hier im Bild mit Ivanka und Melania Trump), dass er als Star jeder Frau in den Schritt fassen könne, ohne aufgehalten zu werden.
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Sie denken wie die Mexikanerin Roberta Ramirez (Name von der Redaktion geändert), die vor 13 Jahren in die USA eingewandert ist. Sie verkauft traditionelle Produkte aus der Heimat wie Cowboystiefel, Marienstatuen oder Gürtelschnallen im „Plaza Mexico“, einem Geschäft im Barrio. Ihren richtigen Namen will sie aus privaten Gründen nicht nennen. „Trump hat keine politische Agenda, also beleidigt er jede Minderheit, nicht nur uns Hispanics“. Ramirez spricht fließend Englisch, besitzt eine Greencard und damit ein unbefristetes Aufenthaltsrecht in den USA. „Mich treffen seine Anfeindungen weniger als die meisten meiner Kunden, die nur Spanisch sprechen, ihre Rechte nicht kennen und keine Papiere haben“.
So wie Maria Mendez, die vor 14 Jahren aus Mexiko in die USA migrierte und Ramirez im Geschäft hilft. „Ich bin in der Hoffnung auf ein besseres Leben hierher gekommen. Ich schäme mich nicht, illegal eingewandert zu sein. Ich arbeite hart und versuche, ein Bleiberecht zu bekommen. Wenn Trump die Wahlen gewinnt, wer weiß, was dann aus mir wird.“ Sie fischt Süßigkeiten aus einem Karton und verteilt sie an Spiderman, einen Vampir und ein Skelett, die gerade auf Halloween-Beutezug in der Plaza Mexico einfallen. Ihr fehlt genau wie der 20-jährigen Paulina, ebenfalls aus Mexiko, jedes Verständnis für Trump-Bewunderer wie Marco Gutierrez. „Es ist doch verrückt jemanden zu unterstützen, der Dir schaden will. Trump pflanzt Samen des Hasses in die Menschen, das macht kein guter Führer“, sagt Paulina. „Er sagt, wir nehmen den Amerikanern die Jobs weg. Dabei verrichten viele Mexikaner die Jobs, die andere nicht machen wollen. “
27,4 Millionen Latinos sind zu den Präsidentschaftswahlen 2016 zugelassen, schätzt das US-Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center. Das sind vier Millionen mehr als 2012 und insgesamt zwölf Prozent aller US-Wähler. Der Anteil der Latinos in den so genannten Swing States ist ebenfalls gewachsen. So auch im wichtigen Florida, dem Staat mit den drittmeisten Wahlmännern im Land.
„Nach aktuellem Stand gewinnt Hillary Clinton die Wahlen auch ohne Florida. Trump hingegen kann das Weiße Haus ohne die Stimmen aus Florida vergessen“, sagt Lateinamerikaprofessor Bergard. In Florida stellen Latinos inzwischen 20 Prozent der Bevölkerung. Auch hier dürfte sich der bundesweite Trend durchsetzen. Schon 2012 stimmten dort 60 Prozent der Latinos für Barack Obama. Bergard schätzt, dass sogar 70 Prozent für Clinton stimmen werden. „Die Latinos in Florida dürften ein Schlüssel für den Ausgang der nationalen Wahlen sein“.
Umso mehr verwundert es, dass Trump diese entscheidende Wählergruppe - 2050 wird einer von drei Amerikanern Latino sein - mehrfach brüskierte. Trump sei nun einmal kein strategisch denkender Politiker, konstatiert Bergad. Was er wolle, sei Beifall. „Wäre er mit den Latinos vorsichtiger umgegangen, er hätte bei den Wahlen eine echte Chance“.