US-Präsident Nr. 44 und 45: Obama und Trump geben sich betont freundlich
Der zukünftige Präsident Trump und der amtierende Präsident Obama reichen sich die Hände.
Foto: APWie hingemalt und frischgewaschen liegt das Weiße Haus in der klaren Novembersonne. Der Sitz des mächtigsten Politikers der Welt. Barack Obama, der Amtsinhaber, trifft dort zum ersten Mal den Mann, über den er mehrfach gesagt hat, er sei ungeeignet, US-Präsident zu werden. Donald Trump wiederum hat seinen Vorgänger über Monate beschimpft, seine Herkunft in Frage gestellt. Nun wollen und müssen beide demonstrieren, dass die alte Demokratie USA nach einer historischen Wahlschlacht noch nicht alle Würde verloren hat.
An diesem Donnerstag sind die beiden Männer bemüht um freundliche Worte, wollen alles tun für eine friedliche Übergabe. Trump sagt sogar, er freue sich auf Obamas Rat, dieser sei „ein guter Mann“.
Angespannt wirken beide in den lederbezogenen Armstühlen am Ende des Oval Office vor dem Kamin, dem Schreibtisch gegenüber liegend. Verschränkte Hände während der kurzen Statements, nicht wirklich locker. Dass das Gespräch mit rund 90 Minuten viel länger dauert als geplant, werten manche als gutes Zeichen. Was das Land betreffe, so habe man über wundervolle und über schwierige Dinge gesprochen, sagt Trump. Kurzer Händedruck. Viele Fragen, keine Antworten.
Nicht jedem hat es gefallen, wie rasch Obama nach Trumps Sieg die Hand ausstreckte, das Land eindringlich zur Versöhnung mahnte. Den einen war das Würde und Staatskunst in Reinform, anderen ein viel zu schnelles Einknicken, Vergeben und Vergessen.
Keine 80 Tage mehr bis zum „Inauguration Day“, der Übergabe der Macht von Präsident 44 zu 45. Dass viel zu tun wäre, wäre untertrieben. „Washington steht vor einem Erdbeben“, schreibt die „Washington Post“. Eine Supermacht muss sich umkrempeln, auch innerlich und schlicht organisatorisch.
In New York protestierten am Mittwochabend (Ortszeit) Tausende Menschen mit der Parole „Nicht mein Präsident!“ gegen den zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump.
Foto: dpaViele Demonstranten hatten sich auch vor dem Trump-Tower in New York versammelt. Vor dem Gebäude standen sandgefüllte Sattelschlepper zum Schutz. Die Polizei war mit massiver Präsenz vor Ort.
Foto: dpa„New York hasst dich“, riefen die Demonstranten vor dem Hochhaus des nächsten US-Präsidenten und: „Wir lehnen den ausgesuchten Präsidenten ab.“ Auf Plakaten waren Sprüche wie „Ein Schritt nach vorne, 50 Jahre zurück“ oder „Finger weg von meiner Pussy“ zu lesen – eine Anspielung auf die sexistischen Äußerungen Trumps, die im Laufe des Wahlkampfs an die Öffentlichkeit drangen.
Foto: APDie Proteste in New York verliefen weitgehend friedlich, allerdings tauchten immer wieder Trump-Befürworter in der Menge auf und lieferten sich Schrei-Duelle mit Trump-Gegnern.
Foto: dpaIm nordkalifornischen Berkeley hatten mehr als 2000 Schüler am Mittwochvormittag (Ortszeit) den Unterricht ausfallen lassen. Stattdessen zogen sie - begleitet von ihren Lehrern - mit Plakaten und lauten Rufen durch die Universitätsstadt. Einige schwenkten die mexikanische Flagge und wetterten auf spanisch gegen Trump.
Foto: APAuch Studenten der University of California Berkeley protestierten gegen den zukünftigen Präsidenten - darunter einige Muslime und Studenten afro-amerikanischer oder mexikanischer Abstammung.
Foto: APSchon in der Wahlnacht war es in einigen US-Städten zu Kundgebungen gekommen. US-Medien wie „USA Today“ zeigten Bilder unter anderem aus dem kalifornischen Oakland und aus Portland in Oregon. Dort blockierten Demonstranten Straßen. In einigen Fällen wurde Müll angezündet, auch US-Flaggen wurden verbrannt.
Foto: APIm Bundesstaat Pennsylvania zogen hunderte Studenten der University of Pennsylvania durch die Straßen. In Sprechchören übten sie Kritik an Trump, riefen aber auch zu Einheit auf.
Foto: REUTERSIn der Hauptstadt Washington kamen in winterlicher Kälte hunderte Menschen zu einer Mahnwache mit Kerzen vor dem Weißen Haus zusammen.
Foto: dpa"Die Menschen haben einfach Angst", sagte einer der Organisatoren der Demonstration in Washington, Ben Wikler von der linksliberalen Basisgruppe MoveOn.org. "Wir sind hier, um in den dunkelsten Momenten nicht alleine zu sein."
Foto: dpaIn Chicago kamen am Mittwoch (Ortszeit) mehrere Tausend Protestler zusammen. Sie marschierten durchs Zentrum und versammelten sich dann vor dem Trump Tower, wo sie „Not my president!“ skandierten.
Foto: APEin Teilnehmer der Demonstration in Chicago, Michael Burke, sagte, der designierte Präsident werde „das Land spalten und Hass schüren.“ Es gebe eine verfassungsgemäße Pflicht, das nicht zu akzeptieren.
Foto: REUTERSAuch im Zentrum von Seattle hatten sich am Abend Gegner des designierten Präsidenten versammelt.
Foto: AP
Das Weiße Haus betont, der neue Commander in Chief solle von Tag eins an in der Lage sein, auf alle Krisen ausreichend vorbereitet reagieren zu können. Noch im Wahlkampf hatten die Kandidaten erste Überblicke zur Sicherheitslage erhalten. Nun wird Trump nicht nur täglich von Geheimdiensten gebrieft. Er erhält auch Stück für Stück die so genannten Kronjuwelen: Wo stehen CIA und Pentagon, wie beurteilen die Dienste welche Lage?
Während des Wahlkampfs war wiederholt berichtet worden, Trump könne mit dicken Akten, akribischer Vorbereitung und Ordnern voller Szenarien herzlich wenig anfangen. Das könnte er als Präsident ändern müssen.
Schon seit Jahresbeginn hat Obama begonnen, die Übergabe vorzubereiten, so früh wie kaum eine Regierung zuvor. Dabei geht es auch um Hinterlassenschaften: 122 000 Gigabyte werden an eine spezielle Regierungsbehörde überspielt. Dazu kommen alle Text-, Ton- und elektronischen Aufnahmen Obamas, sie wandern nach Chicago und sollen dort in die (noch zu bauende) Barack-Obama-Bibliothek gehen. Ebenso zehntausende Geschenke aus acht Jahren Präsidentschaft.
Trumps Regierung ist für rund 4000 Ernennungen zuständig, von denen 1000 der Senat bewilligen muss. Da die Welle dieser Wahl den Republikanern eine Mehrheit in beide Kammern des Kongresses gespült hat, dürfte das wenig Probleme geben. Das Trump-Team schaltete für die Übergangszeit eine Webseite, da kann man sich bewerben. An der Spitze von Trumps Übergangsteam steht Chris Christie, der allerdings wegen eines Skandals politisch schwer angeschlagen ist.
Blick auf den Central Park
Ein Umzug ins Weiße Haus brächte vermutlich doch einige Einschränkungen mit sich. Begleiter beschreiben allein den Lebenswandel der künftigen First Lady Melania Trump als sehr luxuriös. In New York lebt sie mit Blick über den Central Park an der 5th Avenue in einem 100-Millionen-Dollar-Penthouse. Es heißt, das traute Heim sei Schloss Versailles nachempfunden: Marmor, kostbarste Ausstattungen, Deckengemälde, Gold. Da kann 1600 Pennsylvania Avenue in Washington nicht mithalten. Dafür wird es mehr fotografiert.
Foto: REUTERSAn diesem Schreibtisch wird bald Donald Trump sitzen
First Lady Melania wird ihre Büros im Ostflügel haben. Präsident Trump wird im West Wing arbeiten, dort liegt auch das 1909 eingerichtete Präsidentenbüro, das „Oval Office“.
Foto: dpaBlick in den "Yellow Oval Room" in den Privaträumen der Präsidentenfamilie
132 Räume, sechs Etagen, 35 Badezimmer, acht Treppenhäuser und drei Fahrstühle: Jeder Präsident setzt in dem riesigen Haus seine eigenen Akzente, so richtig umbauen kann er den offiziellen Teil aber nicht. In den Obergeschossen dagegen hat die Präsidentenfamilie ihre Privaträume. Die Obamas gewährten zuletzt über „Architectural Digest“ einen seltenen Einblick in diese Residenz. Diese werden sich nun auch die Trumps so persönlich einrichten, wie es geht.
Foto: APDas Trump International Hotel in Washington
Hartnäckig hält sich das Gerücht, als Präsident werde Trump in seinem neuen Hotel in der Hauptstadt residieren. Burgartig und mit schmuckem Turm liegt es in Laufweite zum Weißen Haus.
Das Kino und den Swimmingpool im Untergeschoss wird Trump sicher beibehalten. Aber ob er den Tennisplatz oder das Basketballfeld nutzen wird? Der junge Donald Trump war ein begeisterter Sportler, er spielte Squash, Tennis, Football und Golf. Eine bombige Gesundheit. Erst als er 1968 zum Militär eingezogen werden sollte, wurde rechtzeitig ein Leiden diagnostiziert. Fersensporn statt Vietnam.
Foto: APDer Gemüsegarten des Weißen Hauses
Kartoffeln, Salat und Grünzeug: Wird Trump den Gemüsegarten Michelle Obamas fortführen? Unwahrscheinlich, auch wenn er sich bisher noch nicht geäußert hat. 2009 hatte Obama das Gärtchen anlegen lassen, als Werbung für gesündere Ernährung. Vor kurzem legte sie nochmals nach, präsentierte im Oktober eine größere Version des Gartens inklusive Beton, Stein und Stahl. Ein Statement, das nicht nach „reiß mich ab“ aussah. Von Trump, einem eher schweren Mann, sind Aussagen zu gesunder Ernährung nicht hinterlegt.
Foto: APBarack und Michelle Obama
Ganze Welten liegen zwischen Auftreten, Art und Selbstverständnis der beiden Paare. Der Stil der beiden Frauen unterscheidet sich sehr, wenn auch Teile der US-Presse darauf hoffen, das ehemalige Model Melania werde zumindest etwas von dem Glanz und Glamour weiterführen, den Michelle Obama der Präsidentschaft ihres Gatten gebracht hat.
Foto: dpaDonald und Melania Trump
Barack Obama hatte eine Aura natürlicher, lässiger Eleganz. Donald Trump nicht. Seine Anzüge sind teuer, aber kastenartig, die Krawatten solide und einfarbig. Einen eigenen Zuständigen für die dann präsidiale Frisur zu finden, sollte im Weißen Haus nicht schwierig sein, auch wenn Trump beteuert, für das sichtbare Ergebnis kunstvollen Kämmens stets selber zu sorgen.
Washington beginnt die Obamas bereits jetzt zu vermissen, ihre Bälle, ihre Reden. Ein wenig bangt fragt man sich, welchen Stil denn wohl die Trumps der Hauptstadt beibringen werden.
Foto: APBarack Obama treibt gerne Sport, Trump eher nicht
Donald Trump im Fitnessstudio? Vielleicht nicht. Dass Trump Freizeit per se nicht sehr schätzt und jede freie Minute für die Pflege seines so engen wie eigenen Verhältnisses zu sozialen Medien nutzt, ist bekannt. Auch er golft ausgesprochen gern, wenn auch nicht so leidenschaftlich wie Obama. Bücher liest Trump angeblich nicht.
Barack Obama ist ein so begeisterter Golfer, dass er sich oft Hohn und Spott anhören musste. Auf Reisen wurden regelmäßige Stopps für Golfplätze eingebaut, Freitagnachmittag brauste er los, um mit Freunden die Schläger zu schwingen. Seine Bilder vom Basketball mit Mitarbeitern sind berühmt. Auch, dass der Präsident regelmäßig das Gym aufsuchte, um an Hanteln und Maschinen zu zerren, sollte jeder wissen.
Foto: APDonald Trump liebt Eiscreme
Der künftige Präsident isst gern Hamburger. Und er liebt Eiscreme: Reporter berichten, die Kühlschränke seiner Häuser seien voll mit großen Bechern einer bestimmten Marke (Häagen Dazs), Vanille oder Vanille Kirsch. Trump sagt, er trinke keinen Alkohol, keinen Kaffee und keinen Tee. Von einer Pizza verzehrt er angeblich nur den Belag, aber nie den Teig.
Zu Mittag, gab Trump einmal an, esse er meistens am Schreibtisch. Ob der bald 45. Präsident der USA das im Oval Office durchhalten wird, im berühmtesten Büro der Welt, wird man sehen
Foto: dpa
Insgesamt stehen bei der US-Bundesregierung allein 2,8 Millionen zivile Beschäftigte in Lohn und Brot. Zumindest noch. Newt Gingrich, früherer Sprecher des Abgeordnetenhauses und besonders nah an Trumps rechter Seite, sagte: „Will Trump Leute rekrutieren, die regieren, oder Leute, die die Regierung ändern? Das sind sehr verschiedene Jobbeschreibungen.“
Im Anschluss an das Treffen im Weißen Haus nahm Trump am Donnerstag Kurs auf den „Hill“, den sanften Hügel, der vom Kapitol gekrönt wird. Dort wollte er mit mächtigen Republikanern zu Mittag essen. Im gegenseitigen Verhältnis gibt es sehr viel zu klären.
Auch hier gilt: ein brüllender Wahlkampf ist das eine, ordentlich regieren etwas anderes. Aus Trumps eigenem Team zitierte die „Washington Post“ Patrick Caddell: „Trump muss jetzt überlegen, wie er so etwas wie einen Volksaufstand und eine Bewegung in Regierungshandeln übersetzt.“ Auch für die vielen Tausend Lobbyisten in der US-Hauptstadt brechen nun ganz neue Zeiten an.
Die Begeisterung für Trumps Äußerungen zum Handel ist im Kongress zum Beispiel eher verhalten, für Trumps Mauer zu Mexiko ebenso. Der Präsident kennt sich als Immobilienmilliardär zwar mit Bauwerken aus, braucht für dieses milliardenschwere spezielle Projekt aber den Kongress. Eine Steuerreform, die Trump dem Vernehmen nach mit als erstes Projekt auf den Weg bringen möchte, läge da sehr viel mehr auf der Linie der Partei.
Kenneth Duberstein, unter Ronald Reagan Stabschef im Weißen Haus, sagte der „Washington Post“: Die Republikaner hätten nun die Chance zu zeigen, dass sie nicht nur gerne regieren würden, sondern es auch können.