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Wirtschaft im WeitwinkelMüssen wir uns wegen Trump Sorgen machen?

Donald Trump wird anders regieren als seine Vorgänger. Damit wächst jedoch die Sorge, dass er nicht nur die USA, sondern auch die westliche Welt in größere Probleme stürzt. Doch müssen wir uns tatsächlich Sorgen machen?Stefan Bielmeier 16.11.2016 - 06:00 Uhr

Siemens-Chef Joe Kaeser

"Gebt ihm eine Chance", sagte der Manager am Donnerstag auf "CNBC" zur Wahl Donald Trumps. "Wir müssen schauen, was wir zusammen machen können. Lasst es uns positiv angehen." Der Siemens-Chef gratulierte Trump zum Wahlsieg und erhofft sich aufgrund der von Trump in Aussicht gestellten Erneuerung der US-Infrastruktur neue Aufträge. "Die USA sind unser größter Einzelmarkt", betonte Kaeser auf "Bloomberg TV". "Wir bieten gerne unsere Zusammenarbeit und unsere Stärke an."

Foto: AP

Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz

"Dieser Wahlausgang bestätigt, wie groß der Anteil der Amerikaner ist, der sich enttäuscht vom Establishment abgewendet hat. Die Riesenherausforderung für Trump besteht nun darin, die auseinanderstrebenden gesellschaftlichen Strömungen wieder zusammenzuführen", sagt Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz.

"Wir werden ein längere Phase der Unsicherheit erleben, bis sich das Regierungsprogramm Trumps kristallisiert. Ich rechne mit einer eher expansiven, stimulierenden Fiskalpolitik, aber auch mit der Neigung zu einer protektionistischen Handelspolitik mit weitreichend negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Der Präsident wird wohl TTIP einstellen. Doch steht zu hoffen, dass irgendwann ein neuer Anlauf zur stärkeren Marktintegration zwischen der EU und den USA erfolgt.

Trumps dringendste Aufgabe ist es, den amerikanischen Traum vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder zu beleben. Helfen würden dabei die Modernisierung der Infrastruktur, Verringerung des klaffenden Wohlstandsgefälles plus Maßnahmen des sozialen Ausgleichs und deutlich gerechtere Bildungschancen für alle Amerikaner. Dann könnte es ihm auch gelingen, die Gräben, die dieser beispiellos laute und rohe Wahlkampf aufgeworfen hat, wieder zuzuschütten. Und es wäre der richtige Ansatz, um die Enttäuschten und Zurückgelassenen in die gesellschaftliche Mitte zurückzuholen und mit ihrem Land und seinen tragenden Ideen zu versöhnen. Außenpolitisch ist Trump noch ein unbeschriebenes Blatt. Das schafft zusätzliche Unsicherheit."

Foto: REUTERS

Olaf Berlien, Vorstandsvorsitzender von Osram

"Ich glaube, dass die meisten Leute nicht damit gerechnet haben." Die Prognosen hätten das Ergebnis nicht abgebildet, so Berlien. Er betont: "Trump ist demokratisch gewählt." Es gelte jetzt den Blick nach vorne zu richten und darüber nachzudenken, wie das Land geeint werden kann.

Die Folgen für Osram selbst seien gering, sagt der Vorstandsvorsitzende. "Auf unser Geschäft hat es keine Auswirkungen, denn wir fertigen in den USA für die USA."

Foto: dpa

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer

„Nach einem intensiven Wahlkampf warten auf den neuen US-Präsidenten wichtige Herausforderungen. Zum Beispiel kommt es jetzt darauf an, die Partnerschaft zwischen den USA und der EU weiter zu stärken. Gerade der Ausbau unserer Handelsbeziehungen ist für den Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks von entscheidender Bedeutung", sagt Baumann, der gerade mitten in der Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto steckt. Die Übernahme ist die größte in der Geschichte der deutschen Wirtschaft.

Bayer will mit der Übernahme von Monsanto ein zweites Standbein zu seinem Pharmageschäft aufbauen, mit dem Bayer ebenfalls sehr stark in den USA ist. "Ein weiterer Schwerpunkt sollte sein, das Gesundheitssystem in den USA so weiterzuentwickeln, dass mehr Patienten Zugang zu neuen und innovativen Therapien erhalten", so Baumann.

Foto: dpa

Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von Innogy

"Ich bin ein großer Freund von Wettbewerb und fairem Wettkampf – aber diesen US-Wahlkampf empfand ich persönlich als sehr hart und stellenweise auch als unerträglich. Jetzt herrscht Klarheit. Wir Europäer brauchen ein starkes Amerika an unserer Seite, denn die globalen Probleme lösen wir nicht allein", sagt Terium über den Wahlkampf. Doch er hofft weiter auf eine Energiewende in den USA: "Was die Energiewelt betrifft, glaube ich nicht, dass der Ausgang der US-Wahl große Auswirkungen etwa auf die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien hat. Das UN-Abkommen von Paris verpflichtet ja jede US-Regierung zum Klimaschutz. Und eine Revolution geht nie vom König aus. Die zahlreichen Initiativen für erneuerbare Energien oder auch Elektromobilität, die es in den USA auf regionaler und lokaler Ebene gibt, lassen sich nicht einfach so von Washington aus stoppen. Und im Silicon Valley ist es der Business Community ohnehin weitgehend egal, wer an der Ostküste im Weißen Haus regiert."

Foto: dpa

Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA)

„Was die Wahl von Trump für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in den USA konkret bedeutet, ist noch nicht vollständig erkennbar. Als Präsident der größten Volkswirtschaft trägt er große Verantwortung für sein Land, aber auch für die Weltkonjunktur und die internationalen Beziehungen. Es ist zu hoffen, dass viele seiner Ankündigungen dem Wahlkampf geschuldet waren und dass sein Regierungshandeln selbst durch einen moderateren Kurs geprägt sein wird", sagt Matthias Wissmann, oberster Interessensvertreter der deutschen Autobranche.

Er hofft, dass Trump von seiner ablehnenden Position gegen TTIP abrückt: "Mehr Protektionismus oder zusätzliche Handelsbarrieren würden den Vereinigten Staaten ebenso schaden wie ihren Handelspartnern. Deswegen ist TTIP von besonderer Bedeutung. So hoffen wir, dass es auch mit Donald Trump weitere Impulse für die TTIP-Verhandlungen gibt."

Eines zeige die Wahl in den USA ganz deutlich, so Wissmann: "Der Wettbewerb der großen Industrienationen wird härter, das Ringen um industrielle Produktionsstandorte nimmt zu. Es steht zu befürchten, dass die USA unter ihrem neuen Präsidenten ebenso wie China vor allem auf ihre eigene Wirtschaft schauen – zu Lasten internationaler Beziehungen und Handelsströme."

Foto: dpa

Dieter Zetsche, Vorstandschef Daimler

"Nach den Brexit-Prognosen und dem Ausgang der Wahl in Großbritannien war ich gewarnt vor Prognosen. Das Ergebnis in USA habe ich so aber nicht erwartet. Ich versuche mich offen zu halten. Dass jetzt aber eine gehörige Portion Skepsis da ist, ist klar."

Foto: REUTERS

Harald Krüger, Vorstandschef BMW

"Es ist viel zu früh, das zu bewerten. Aber klar ist: Wir brauchen einen offenen Welthandel. Wir leben von offenen Märkten."

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Matthias Müller, Vorstandschef Volkswagen

"Wir sind in einer spezifischen Situation. Ich hoffe, dass sich das Wahlergebnis nicht noch nachteilig auf VW auswirkt. Wir verhandeln seit Monaten mit den US-Behörden (über den Dieselskandal, Anm. d. Red.) und wollen das alsbald zu einem gedeihlichen Ende bringen. Wir warten nun gespannt, wie die Behörden Anfang des Jahres neu besetzt werden."

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Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG

„Ich bin zuversichtlich, dass der zukünftige Präsident der USA die wirtschaftliche Partnerschaft mit Deutschland und der ganzen Welt fortführen wird. Die Vergangenheit hat klar gezeigt, dass insbesondere die amerikanische Wirtschaft, wie auch Gesellschaft, vom freien und globalen Handel profitierte", sagt Karl-Heinz Streibich.

Die Software AG ist Deutschlands zweitgrößter IT-Konzern nach SAP. Das Unternehmen erwirtschaftet rund 31 Prozent des Jahresumsatzes in US-Dollar.

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Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post DHL

„Unser Unternehmen ist in den USA auf Wachstumskurs und wir möchten diese Entwicklung auch nach der US-Wahl fortsetzen. Unser Ziel ist es, globalen Handel weiter voranzutreiben und wir sind überzeugt, dass die USA dabei auch zukünftig eine konstruktive Rolle spielen werden. Unser Hauptfokus liegt darauf, unseren Kunden auch in Zukunft den qualitativ hochwertigen Service zu bieten, der weltweit zum Markenzeichen von DHL geworden ist.“

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Lutz Goebel, Präsident des Verbandes der Familienunternehmer

"Ein Black Tuesday für den Welthandel."

Foto: dpa

Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie

Grillo hat den neuen US-Präsidenten Donald Trump davor gewarnt, die amerikanische Wirtschaft abzuschotten. „Die Vereinigten Staaten müssen weiter auf offene Märkte setzen. Alles andere wäre Gift für die US-Wirtschaft“, sagte Grillo. Die USA seien einer der wichtigsten Partner Europas, um den weltweiten Handel zu gestalten. Die deutsche Wirtschaft werde weiter für ein faires Handelsabkommen TTIP mit guten Regeln für Europa und die USA werben. Trump hatte TTIP im Wahlkampf als „größte Gefahr“ für US-Unternehmen kritisiert.

Foto: dpa

Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA)

„Mit großer Sorge blickt die Maschinenbauindustrie daher auf das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten. Der künftige US-Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf eine Kehrtwende in der amerikanischen Handelspolitik angekündigt und will Zölle und andere Handelshemmnisse wieder aufbauen. Zwar rechnet der VDMA derzeit noch nicht mit einer Anhebung der Einfuhrzölle auf deutsche Maschinenbauprodukte. Aber die protektionistischen Vorschläge von Donald Trump würden sich direkt auf das Investitionsklima in den USA auswirken und damit auch auf die Maschinenimporte aus Deutschland", sagt Brodtmann.

„Natürlich respektieren wir dieses demokratische Wahlergebnis. Donald Trump würde aber, falls er seine angekündigten Maßnahmen als Präsident tatsächlich umsetzt, vor allem seinem eigenen Land schaden. Falls die größte Wirtschaftsmacht der Welt einen protektionistischen Kurs fährt, wird das rund um den Globus zu spüren sein. Wir können nur hoffen, dass er seinen Worten keine entsprechenden Taten folgen lässt."

Foto: WirtschaftsWoche

Jörg Schneider, Finanzvorstand des Rückversicherers Munich RE

"Die USA sind nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern auch der wichtigstes Versicherungsmarkt der Welt. Und zwar nicht nur gemessen am Umsatz, sondern auch seiner Innovationskraft", sagt Jörg Schneider, Finanzvorstand der Munich RE. "Wir hoffen, dass es jetzt schnell Klarheit über die wirtschaftspolitische Ausrichtung gibt. Für Munich Re ist die globale Diversifikation ein wesentliches Unternehmensmerkmal. Protektionismus schadet jeder wirtschaftlichen Entwicklung, deshalb hoffen wir auf ein Bekenntnis der USA zum freien Handel. Was die Kapitalmärkte angeht, sehen wir im Moment erhebliche Volatilitäten. In jüngster Zeit – nach dem Brexit-Votum – hat sich aber auch gezeigt, dass die Märkte sich wieder schnell beruhigten. Das bleibt abzuwarten."

Foto: dpa

Steven Holland, Vorstandsvorsitzender Brenntag

Der weltgrößte Chemie-Händler Brenntag sieht nach Trumps Wahlsieg auch Chancen. Es sei mit einem wirtschaftsfreundlicheren Umfeld zu rechnen. "Wenn er sein Versprechen einlöst und für Wirtschaftswachstum sorgt, wird das wie jeder makro-ökonomische Aufschwung zum Vorteil von Brenntag sein", sagte Steven Holland, Vorstandsvorsitzender von Brenntag.

Gerade in seinem wichtigen Markt USA hat das Unternehmen derzeit mit einer schwachen Nachfrage aus der Industrie zu kämpfen. Durch den Ölpreisverfall halten sich Kunden in der Öl- und Gasbranche der USA seit Längerem zurück.

Foto: dpa

Donald Trump hat nicht die meisten Stimmen erhalten. Doch das ist in den USA auch nicht notwendig. Aufgrund des Wahlsystems hat derjenige die Wahl gewonnen, der die Mehrheit der Wahlmänner auf sich vereint. Und hier liegt Trump haushoch vorn. Sollten die noch immer nicht finalen Ergebnisse von Michigan und New Hampshire bestätigt werden, hat Trump 306 Wahlmänner gewonnen und Hillary Clinton nur 232.

Ein Sieg, der nicht alle Amerikaner begeistert. Seit der Wahl gibt es in den USA jede Nacht Demonstrationen gegen den künftigen Präsidenten, ein bislang einmaliger Vorgang. In seinem Kernteam, das seine Präsidentschaft vorbereiten soll, hat er drei seiner Kinder aufgenommen. Sie sollen aber auch seine Unternehmen während seiner Präsidentschaft leiten, was auf einen ausgeprägten Interessenkonflikt hindeutet.

Ein großer Teil der Zukunftssorgen fußt auf dem Gedanken, dass Trump ein irrationaler Populist ist. Das glaube ich jedoch nicht. Trump mag sehr ungewöhnliche Ansichten haben und sich nicht an übliche Vorgehensweisen halten, jedoch scheint er durchaus rational vorzugehen. Damit dürfte er den zwei wichtigen Zielen von demokratisch gewählten Politikern folgen.

Zum einen, das es den Menschen in seinem Land besser geht, hier spielen die politischen Überzeugungen auch eine wichtige Rolle. Zum anderen: Machterhalt. Da die Präsidentschaft in den USA auf acht Jahre beschränkt ist, geht Letzteres auch damit einher, sich einen angemessenen Platz in den Geschichtsbüchern zu erarbeiten.

Künftiger US-Präsident

Trump kommt nicht recht in Tritt

Bei diesen zwei Zielen ist noch eine wichtige Nebenbedingung zu beachten. Trump hat mit der Mehrheit in den beiden Kammern des Kongresses die größtmöglichen Gestaltungsmöglichkeiten, dies ist seit 1968 bisher nur in zwölf Jahren der Fall gewesen. Jedoch dürfte diese sehr komfortable Situation nicht lange halten. In der Regel verliert ein amtierender US-Präsident bereits nach zwei Jahren, in den Halbzeitwahlen, seine Mehrheit im Senat. Das Regieren wird dann schwieriger.

Generell gilt die einfache Regel: Für innenpolitische Themen und Budgets braucht der US-Präsident den Kongress, die Außenpolitik kann er größtenteils alleine bestimmen. Somit sollte der Trump die volle Gestaltungsmöglichkeit nutzen und schnell einige Wahlversprechen umsetzen. Insbesondere ein schuldenfinanziertes Wirtschaftsprogramm sollte zeitnah verabschiedet werden. Dieses sollte ab Mitte 2017 bis 2018 einige Wachstumsimpulse geben. Die gesamtwirtschaftlichen Effekte werden jedoch überschaubar bleiben, da sich private Investoren etwas zurückziehen dürften. Die Aussagen zur Einwanderungspolitik werden vermutlich nur teilweise umgesetzt, da ansonsten die notwendigen Arbeitskräfte fehlen.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne
Trump will für mehr Wachstum in der US-Wirtschaft sorgen. „Bessere Jobs und höhere Löhne“, lautet eines seiner Kernziele. Der Immobilien-Unternehmer will die Staatsschuldenlast der USA von fast 19 Billionen Dollar abbauen. Er bezeichnet die Schuldenlast als unfair gegenüber der jungen Generation und verspricht: „Wir werden Euch nicht damit alleine lassen“. Defiziten im Staatshaushalt will er ein Ende bereiten.
Trump hat umfangreiche Steuersenkungen sowohl für die Konzerne als auch für Familien und Normalverdiener angekündigt. Er spricht von der größten „Steuer-Revolution“ seit der Reform von Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Wer weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient, soll dank eines Freibetrages künftig gar keine Einkommensteuer mehr zahlen. Den Höchstsatz in der Einkommensteuer will er von momentan 39,6 Prozent auf 33 Prozent kappen. Ursprünglich hatte er eine Absenkung auf 25 Prozent in Aussicht gestellt. Die steuerliche Belastung für Unternehmen will Trump auf 15 Prozent von bislang 35 Prozent vermindern. Das soll US-Firmen im internationalen Wettbewerb stärken. Firmen, die profitable Aktivitäten aus dem Ausland nach Amerika zurückholen, sollen darauf eine Steuerermäßigung erhalten. Die Erbschaftsteuer will der Republikaner ganz abschaffen. Eltern sollen in größerem Umfang Kinderbetreuungs-Ausgaben steuerlich absetzen können.
Trump verspricht, der „größte Job-produzierende Präsident“ der USA zu werden, „den Gott jemals geschaffen hat“. Bereits als Unternehmer habe er Zehntausende neue Stellen geschaffen.
Um amerikanische Arbeitsplätze zu sichern, will Trump die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen. China, aber auch Mexiko, Japan, Vietnam und Indien wirft Trump beispielsweise vor, die Amerikaner „auszubeuten“, indem sie ihre Währungen zum Schaden von US-Exporten abwerten und manipulieren.
Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) lehnt Trump ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt – vor allem zum staatlichen Beschaffungsmarkt – den amerikanischen Firmen. Das geltende Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln, die TPP-Handelsvereinbarung mit asiatischen Staaten aufkündigen. Trump setzt generell anstatt auf multilaterale Handelsabkommen, etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation, auf bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten und Wirtschaftsräumen.
Die Handelsbeziehungen zu China, der nach den USA zweitgrößten Wirtschaftsmacht weltweit, will Trump grundlegend überarbeiten. Er wirft der Volksrepublik vor, ihre Währung künstlich zu drücken, um im Handel Vorteile zu erlangen. Er will das Land daher in Verhandlungen zwingen, damit Schluss zu machen. Auch „illegale“ Exportsubventionen soll die Volksrepublik nicht mehr zahlen dürfen. Verstöße gegen internationale Standards in China sollen der Vergangenheit angehören. Mit all diesen Maßnahmen hofft er, Millionen von Arbeitsplätzen in der US-Industrie zurückzugewinnen.
In der Energie- und Klimapolitik hat Trump eine Kehrtwende angekündigt. Er will die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern und eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger einläuten: „Wir werden die Kohle retten.“ Die umstrittene Fracking-Energiegewinnung sieht Trump positiv.
Trump verspricht der Wirtschaft eine umfassende Vereinfachung bei den staatlichen Vorschriften. Er werde ein Moratorium für jede weitere Regulierung durch die Behörden verhängen, kündigte er an. Trump will Milliarden in die Hand nehmen, um Straßen, Brücken, Flughäfen und Häfen zu bauen und zu modernisieren. Finanzieren will er das unter anderem dadurch, dass die US-Verbündeten einen größeren Teil an den Kosten für Sicherheit und Verteidigung in der Welt übernehmen sollen.

Auch der mittelfristige Wirtschaftsausblick ist mit und ohne Trump nicht vielversprechend. Es zeichnet sich seit Längerem ab, dass die US-Wirtschaft ihren Zenit im aktuellen Konjunkturzyklus überschritten hat. Nun kommt es darauf an, wie stark Trump seine protektionistischen Ansichten umsetzt. Protektionismus ist in einigen Ländern politischer Mainstream geworden. Daher muss man damit rechnen, dass sich eine größere Allianz für einen geringeren Freihandel einsetzten wird.

Es sind weniger ideologische Überzeugungen, die dies vorantreiben. Vielmehr spiegeln sich hier die Ängste der Menschen wider, von der immer schnelllebigen Entwicklung im wirtschaftlichen und sozialen Bereich abgehängt zu werden. Somit dürfte die weltweite Wachstumsdynamik ab 2019 langsam sinken und sich auf ein Niveau von gut 2 Prozent einpendeln - aktuell liegt dies bei rund 2,75 Prozent. Die Inflation dürfte sich sehr moderat weiterentwickeln. Einzig eine zu restriktive Einwanderungspolitik in den USA sollte zu einem kräftigen Anstieg der Löhne führen. Das wiederum würde die Inflation beschleunigen.

Donald Trump gewinnt

Was Sie jetzt wissen müssen

Weltpolitisch könnte das ungewöhnliche Verhaltensmuster von Trump eingespielte Strukturen aufbrechen. Damit wird der neue US-Präsident sicherlich nicht den Weltfrieden in Gefahr bringen. Aber viele europäische Überzeugungen, die auf Konsens und dem Ziel des individuellen Machterhalts beruhen, aufbrechen beziehungsweise in Frage stellen.

Die negative Seite hiervon dürfte eine Welle des Populismus sein. Insbesondere in den kommenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland. Der Wahlkampf in den USA hat gezeigt, dass man mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen die Menschen erreicht. Selbst, wenn die Antworten falsch sind oder die Probleme nicht lösen. Dieses Vorgehen dürfte in den kommenden Wahlkämpfen von einigen Parteien kopiert werden.

Darum hat Trump gewonnen
Clinton schnitt trotz Trumps frauenfeindlicher Äußerungen in der Wählergruppe deutlich schwächer ab als im Vorfeld erwartet. Zwar erhielt sie von Frauen zwischen 18 und 34 Jahren deutlich mehr Unterstützung als Trump, insgesamt aber betrug ihr Vorsprung bei Frauen mit 49 Prozent nur zwei Prozentpunkte. Zum Vergleich: Der scheidende Präsident Barack Obama schnitt 2012 bei Frauen sieben Prozentpunkte besser ab als sein damaliger Herausforderer.
Clinton kam Umfragen zufolge deutlich besser bei Amerikanern mit spanischen Wurzeln, Afroamerikanern, und Amerikanern mit asiatischen Wurzeln an. Allerdings erhielt sie nicht so viel Rückhalt wie Obama vor vier Jahren, der seine Wiederwahl besonders den Stimmen der Minderheiten verdankte.
Trump punktete besonders bei Wählern ohne College-Ausbildung. Insgesamt betrug sein Vorsprung auf Clinton in dieser Gruppe zwölf Prozentpunkte. Bei weißen Männern ohne höheren Bildungsabschluss schnitt er sogar um 31 Prozentpunkte besser ab, bei weißen Frauen ohne Abschluss waren es 27 Prozentpunkte.
Streng gläubige weiße Amerikaner haben Trump die Treue gehalten - trotz der sexuellen Missbrauchsvorwürfe, die gegen den Milliardär im Wahlkampf erhoben wurden. Etwa 76 Prozent der Evangelikalen gaben an, für Trump gestimmt zu haben.
Clinton tat sich in Ballungsräumen schwer, obwohl dort in der Regel viele Anhänger der Demokraten leben. Ihr Vorsprung auf Trump betrug dort gerade einmal sechs Prozentpunkte. In ländlichen Regionen schnitt Trump dagegen um 27 Prozentpunkte besser ab.

Das Problem ist, dass der technische und wirtschaftliche Fortschritt weitergehen wird. Die Unternehmen haben viel Kapital und sind eigentlich einzelnen Regierungen nicht völlig ausgeliefert. Wenn die Politik mittelfristig zu unternehmerfeindlich wird, dürften sich die Strukturen hier verändern. Die Wachstumsdynamik entsteht in Ländern die sich entsprechend aufstellen und nicht in Ländern, die dies verhindern.

Die Zentralbanken werden vermutlich ihren unterschiedlichen Kurs beibehalten. Die US-Notenbank dürfte dem moderaten Zinsanhebungspfad weiter folgen, während die EZB die aktuelle sehr expansive Politik fortführt. Auch britische und die japanische Notenbanken sollten mit ihrer jeweiligen sehr lockeren Geldpolitik ebenfalls fortfahren. Somit sollten die Rentenmärkte bereits einiges der möglichen geldpolitischen Straffung verarbeitet haben und sind auf dem aktuellen Niveau eigentlich nicht mehr teuer. Die Aktienmärkte werden sich voraussichtlich weiterhin moderat freundlich entwickeln. Wobei die merklichen Kursverluste bei Schwellenländern wohl übertrieben sind. Jedoch dürfte in den kommenden Monaten mit wachsender politischer Unsicherheit auch die Volatilität an den Finanzmärkten steigen.

Müssen wir uns Sorgen machen? Ja, aber nur ein wenig.

Trump bringt Unsicherheit in ein gut eingespieltes politisches System, das aber großteils auf Machterhalt zielt. Jedoch kommt dies zu einer Zeit, die von einer großen wirtschaftlichen Fragilität gekennzeichnet ist. Damit besteht die Gefahr, dass rückwärtsgewandte Ansichten mehrheitsfähig werden und die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung behindern. Unternehmen werden sich hierauf mittelfristig einstellen und Investitionsstandorte entsprechend verändern.

Es liegt an uns, welche Gesellschaft wir wollen. Den Fortschritt kann man nicht verhindern, aber lenken. Kurzfristig muss man sich wirtschaftlich dagegen kaum Sorgen machen. Insgesamt wäre es wichtig, dass sich die Regierungen von Trump nicht provozieren lassen und somit auch einer Eskalation vorbeugen. Dies bedingt jedoch eine abgestimmte Position in Europa, was man sich zurzeit nur schwer vorstellen kann.

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