Outfit der Mächtigen: Deutschland hat stylische Politiker dringend nötig
Zumindest modisch haben die Mächtigen in Deutschland nicht viel auf dem Kasten.
Foto: dpa, MontageMuss es immer der Drei-Knopf Blazer sein? Nein, Frau Merkel greift auch gerne, wie etwa beim TV-Duell, zur Schlandkette. Schlimmer geht schließlich immer. Doch wenn wir über unsere Grenzen hinwegschauen, sehen wir Gegenentwürfe zur tristen deutschen Politsphäre.
Nehmen wir Theresa May mit Ihrem eigenwilligen Schuhgeschmack. Sie offenbart so ganz nebenbei einen Hauch Selbstironie. Oder der stilsichere und selbstbewusste Auftritt von Michelle Obama. Die noch First Lady brilliert im maßgeschneiderten pinken Cocktailkleid, in einfach geschnittenen Jeans, genauso wie im mondänen Abendkleid und trifft den Modegeschmack der durchschnittlichen Amerikanerin. Die Harvard Absolventin repräsentiert damit die unerschrockene und moderne Frau. Warum nun werfen deutsche Politiker beim Amtsantritt jedes Stilgefühl über Bord? Gehört der schlechtsitzende Anzug zum Berufsbild, wie die Liebe zur Demokratie? Oder ist es gar verpönt gut gekleidet zu sein?
Stufe 1: Baseline Casual für Männer
Die Zeiten, in denen Anzug tragen Pflicht war, sind lange vorbei. Viele Unternehmen setzen jetzt auf den „Baseline Casual“-Look. Also: Hübsche T-Shirts oder Polohemden, dunkle Jeans ohne Waschungen und geschmackvolle, nicht zu sportliche Sneaker.
Aber Achtung: Folgen Sie immer der +1/-1 Regel. Sie können immer eine Stufe schicker gekleidet ins Büro kommen und am „Casual Friday“ oder zu anderen entspannteren Events auch mal eine Stufe weniger schick. Kleiden Sie sich dagegen gleich zwei Stufen schicker, wirkt das nur overdressed und überheblich.
Foto: WirtschaftsWocheStufe 2: Mainstream casual für Männer
Als Mann tragen Sie auf dieser Stufe am besten Shirts und Pullover in verschiedenen Farben. Gerne darf es auch kariert oder gestreift sein, Hauptsache, Sie treffen die richtige Mischung zwischen schick und locker. Auch die Kombination aus Hemd und einem lockeren Sakko bietet sich an. Untenrum machen Sie mit einer schicken Chino oder Leinenhose alles richtig. Dazu die passenden eleganten Schuhe, idealerweise aus hellem Leder, fertig ist ihr "Mainstream casual"-Look.
Foto: WirtschaftsWocheBusiness Casual
Hier bleibt die Jeans im Kleiderschrank, dafür darf die Krawatte raus – bei Bedarf. Grundsätzlich ist ein Anzug mit Hemd und darüber eventuell ein feiner Strickpulli absolut ausreichend.
Foto: dpaStufe 2: Mainstream casual für Männer
Als Mann tragen Sie auf dieser Stufe am besten Shirts und Pullover in verschiedenen Farben. Gerne darf es auch kariert oder gestreift sein, Hauptsache, Sie treffen die richtigen Mischung zwischen schick und locker. Auch die Kombination aus Hemd und einem lockeren Sakko bietet sich an. Untenrum machen Sie mit einer schicken Chino oder Leinenhose alles richtig. Dazu die passenden eleganten Schuhe, idealerweise aus hellem Leder, fertig ist ihr "Mainstream casual"-Look.
Foto: WirtschaftsWocheStufe 5: Boardroom attire für Männer
Schick, adrett und schwarz-weiß - diese drei Schlagworte sollten bei diesem Outfit im Vordergrund stehen. Als Mann kommen Sie um einen schwarzen oder dunkelgrauen Anzug nun nicht mehr herum. Auch die Qualität spielt jetzt eine große Rolle. Weißes Hemd und unifarbene Krawatte machen das Outfit komplett.
Foto: WirtschaftsWocheBlack Tie / Cravate Noire
Damit ist keine schwarze Krawatte, sondern eine schwarze Fliege gemeint – die zum Smoking getragen wird.
Foto: REUTERSWhite Tie / Cravate Blanche
Hier tragen Männer Frack mit weißer Fliege. Dies ist bei besonders festlichen Anlässen wie dem Wiener Opernball angesagt.
Und was ist mit den Damen? >>Das bedeuten Dresscodes für Frauen
Foto: dpaDie nationalen Hoffnungsträger sollen sich zwingend internationale Vorbilder suchen. Nicht zuletzt für Steffen Seibert wären Schlagzeilen, wie „Hans Müller macht Deutschland sexy“ eine willkommene Abwechslung.
Welcher Politiker hat Stil?
Die Liste ist kurz und ganz oben befindet sich: Justin Trudeau. Der kanadische Premierminister wird für seinen Charme und sein stilsicheres Auftreten weltweit gefeiert. Ob beim Boxkampf im eng anliegenden T-Shirt, oder im einreihigen dunkeln Anzug beim Staatsempfang, Trudeau hat Format. Die New York Times adelt ihn bereits als neuen Kennedy, während die Damen der Schöpfung ihm reihenweise zu Füßen liegen, inklusive der Duchess of Cambridge Kate Middleton.
Michelle Obama
Note: 1
Die Outfits der noch amtierenden First Lady sind glamourös und selbstbewusst. Ihr Stil ist farbenfroh und feminin. Sie beherrscht den bedeutungsvollen Auftritt und strahlt Optimismus aus, damit repräsentiert sie als First Lady auch die politische Agenda. So trug sie zur Amtseinführung ihres Mannes einen zitronengelben Mantel. Außerdem trägt sie amerikanische Designer, wie den damals noch unbekannten Jason-Wu, der für sie eine weiße lange Abendgarderobe schneiderte. Sie spielt mit der Mode und traut sich was. In Amerika ist sie zur Stilikone emporgestiegen und ihre nackten Arme besitzen einen eigenen Instagram Hashtag. Michelle Obama ist stilsicher und eine Stylistin hat ihren Look perfektioniert.
Justin Trudeau
Note: 1
Der Premierminister von Kanada, Justin Trudeau (rechts), lebt den modernen Business Look par excellence. Trudeau ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Erscheinung eines Staatschefs zugleich Aushängeschild für die Staatspolitik sein kann. Er bleibt den Stilregeln treu und lotet dabei die Grenzen aus. Seine scharf geschnittene farbenfrohe Kleidung steht für eine neue Generation von Politikern. Damit verkörpert er eine gewisse Leichtigkeit, die etwa einer Angela Merkel noch fehlt.
Marissa Mayer
Note: 3-
Marissa Mayer posiert für das Cover der amerikanischen Vogue in High Heels und blauem Kleid, erscheint zum Fototermin für Yahoo in blauer Stickjacke. Obwohl sie sich immer dem Anlass entsprechend kleidet, haben ihre Outfits selten etwas Aufregendes an sich. Ihr Look erfüllt eher das Klischee der reichen Hausfrau als das einer taffen Karrierefrau. Manchmal könnten die Outfits ruhig ein wenig mehr Schärfe und Profil vertragen, so aber wirkt der Stil doch recht aus der Zeit gefallen.
Foto: AP
Angela Merkel
Note: 2
Der Dreiknopfblazer, meist von der Designerin Anna von Griesheim, ist Programm. Außer dem maßgeschneiderten Blazer verzichtet unsere Bundeskanzlerin auf sichtbaren Luxus und trägt unauffällige Handtaschen meist vom französischen Label Longchamp. Auch die Farbwahl trifft die Bundeskanzlerin mit Bedacht. Mit ihrem roten Blazer sticht sie heraus und steht für Energie. Rote Blazer sind auch in Situationen, wie bei Vorstellungsgesprächen, empfehlenswert. Der von ihr gern gewählte grüne Blazer hingegen strahlt Ruhe und Kompetenz aus. Ihr Look symbolisiert etwas sehr bodenständiges. Sie hat sich mit ihrem immer wiederkehrenden Outfit den nötigen Rahmen geschaffen, jederzeit als Stimme der Sicherheit auftreten zu können. Ein bisschen mehr Leichtigkeit würde ihr aber sicher auch bei der Auswahl des Outfits gut tun.
Bill Gates
Note: 4
Bill Gates Kleidungsstil symbolisiert seine sympathische Einstellung zu Geld. Ein gutes Essen, ein schöner Urlaub reicht ihm. Für einen maßgeschneiderten Anzug möchte er keine horrenden Summen ausgeben. Sein Stil ist seit der Gründung von Microsoft derselbe geblieben. Aber für ihn zählt eben der pragmatische Aspekt der Kleidung und so sind bei Gates schlecht sitzende Sakkos und teils skurrile Kombinationen Programm. Aber er kann sich so einen nachlässigen Look eben auch erlauben.
Delia Fischer
Note: 1
Die Gründerin des Onlinehändlers Westwing, Delia Fischer, verbindet Glamour mit femininer Eleganz. Das muss sie auch. Denn sie lebt den Lifestyle vor, von dem ihre Kundinnen träumen.
Oliver Samwer
Note:3
Bei Oliver Samwer (Mitte) ist eine modische Entwicklung zu beobachten. Früher hüllte er sich in Logo-Shirts und symbolisierte damit den jungen Wilden. Aber genau wie sein Unternehmen Rocket Internet ist auch er gewachsen und tritt fast nur noch im blauen Hemd auf die Bühne. Er ist älter geworden und das schlägt sich auch in seinem Erwachseneren, fast konservativem Stil nieder. Gleichzeitig hat es noch eine weit größere Symbolkraft: So wird eher als knallharter Geschäftsmann wahrgenommen.
Keine Frage, Trudeau weiß sich wie ein Popstar medial zu inszenieren. Das belegen nicht nur seine 824.000 Follower auf Instagram. Doch Trudeau verliert nicht den Blick fürs Wesentliche. Als selbsterklärter Feminist besteht sein Kabinett selbstverständlich zur Hälfte aus Frauen. Gerne posiert Trudeau auch mit seinem schwulen Kabinettsmitglied Scott Prison, dessen Partner und deren Zwillingstöchtern. Auch sein Verteidigungsminister Harijt Sajjan, inklusive Turban, darf auf keinem Gruppenfoto fehlen. Ohne Frage ist sein Kabinett mit Abstand die sexieste Sache an Justin Trudeau und sein Stilgefühl nur das Sahnehäubchen. Dennoch ist politische Leistung gepaart mit Stilgefühl und Charme einfach unschlagbar.
Die Kanadier haben Trudeau, die Amerikaner die Obama’s und die Engländer eine meist gut gestylte Premierministerin. Wir haben Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Anton Hofreiter. Ihr Stil? Mangelhaft. Doch es gibt Hoffnung. Glänzende Beispiele des deutschen Polit-Betriebs sind FDP-Vorsitzender Christian Lindner und Justizminister Heiko Maas. Selbstsicher bewegen Sie sich in dunkelblauen, maßgeschneiderten Anzügen auf dem nationalen Parkett. Ihr Stil ist schick und souverän zugleich. Wir brauchen mehr davon!