Infineon: USA funken bei geplanter Übernahme dazwischen
US-Prüfer behindern Infineons Übernahmepläne.
Foto: dpaDer überraschende Widerstand der US-Behörden gegen die Übernahme des amerikanischen Chipherstellers Wolfspeed bringt Deutschlands größten Halbleiterhersteller Infineon in Bedrängnis. An der Börse sackte die Aktie des Dax-Konzerns am Donnerstagmorgen um rund drei Prozent ab. "Es sieht so aus, als ob die Akquisition nicht zustande kommen wird", schrieb Harald Schnitzer von der DZ Bank in einer Kurzanalyse. "Dies ist ein Rückschlag für Infineon." Der Kauf von Wolfspeed sei für die Bayern wichtig, um die technologische Führung zu erhalten, hieß es in einer Analyse der Baader Bank. Infineon und die Wolfspeed-Mutter Cree hatten in der Nacht vom Widerstand der US-Behörden berichtet
Der Genehmigungsausschuss der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump, das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS), habe beide Unternehmen darüber informiert, dass die Übernahme als Risiko für die nationale Sicherheit der USA angesehen werde, hieß es.
Worin die Behörde genau die Gefahr sieht, blieb zunächst offen. Vor diesem Hintergrund bestehe ein "substanzielles Risiko", dass die anvisierte Übernahme nicht in der vereinbarten Form vollzogen werden könne, teilte Infineon mit. Cree ergänzte in einer Stellungnahme, man erwäge eine Modifizierung der Transaktion. Eine Garantie dafür, dass dadurch die Bedenken des CFIUS ausgeräumt werden könnten, gebe es nicht. Auch Infineon erklärte, man werde weiterhin mit CFIUS eng zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden, die die Bedenken ausräumen könnten.
Malaysische Tänzerinnen begleiten Infineon-Chef Reinhard Ploss (Mitte) und Malaysias Minister für Industrie und Handel Mustapa Mohamed (rechts daneben) zur Eröffnung einer neuen Chipfabrik in Kulim. Seine erste Fabrik hatte der Konzern aus der Nähe von München in der nordmalaysischen Stadt vor zehn Jahren eröffnet.
Foto: InfineonIm Beisein der Infineon-Führungsmannschaft wird ein Maschine in dem neuen Halbleiterwerk in Kulim platziert. Bei voller Auslastung werden in der Fertigung etwa 1000 Menschen arbeiten. Dann ist Malaysia der weltweit größte Standort für Infineon.
Foto: InfineonDie feierliche Eröffnungszeremonie findet unter einem Freiluftzelt hinter einer der Fabrikhallen statt. Drei Infineon-Mitarbeiterinnen stimmen das Publikum mit Tänzen auf den Festakt ein.
Foto: InfineonMalaysias Wirtschaftsminister Mustapa Mohamed (3. v.l.), Infineon-Chef Reinhard Ploss (4. v.l.) und Infineon-Kulim-Chef Tan Soo Hee (5. v.l.) eröffnen offiziell das neue Halbleiterwerk des deutschen Konzerns. Infineon beschäftig in Malaysia zusammen mit seinen Werken im südmalaysischen Malakka insgesamt etwa 10.000 Mitarbeiter und ist einer der wichtigsten deutschen Investoren im Land.
Foto: InfineonInfineon-Management und Malaysias Politprominenz haben die Reinräume des neuen Werks abgenommen: Alles okay!
Foto: InfineonDie Werke des Halbleiterherstellers im malaysischen Kulim. Der amerikanische Chipkonzern Intel und der deutsche Chemieriese BASF unterhalten Fertigungen in der Nachbarschaft.
Foto: InfineonInfineon-Chef Reinhard Ploss zeigt wo es langgeht. Bislang hat der Konzern in Kulim rund 1,1 Milliarden Euro investiert. Bis 2021 sollen nochmal knapp 900 Millionen Euro dazukommen. Die Mannschaft dort soll von 2000 Mitarbeiter auf etwa 3000 anwachsen.
Foto: InfineonMalaysias Wirtschaftsminister Mustapa Mohamed (2. v.r.), Infineon-Chef Reinhard Ploss (3. v.r.) und Infineon-Kulim-Chef Tan Soo Hee (4. v.r.) amüsieren sich über das Unterhaltungsprogramm des Moderators.
Foto: InfineonEs ist geschafft: Die Fertigung in den neuen Reinräumen in Malaysia kann beginn. Geht es nach Ploss, wird der Infineon-Standort Malaysia in Zukunft auch eine wichtigere Rolle bei der Forschung und Entwicklung spielen.
Foto: InfineonDer Betrieb in dem neuen Werk ist angelaufen. Für Infineon ist Asien der wichtigste Wachstumsmarkt. Gut die Hälfte seines Umsatzes von 5,8 Milliarden Euro erzielt der Konzern in der Region. Vor allem der Ausbau der Elektromobilität in China biete große Chancen für den Konzern, glaubt Ploss.
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Infineon-Chef Reinhard Ploss hatte noch in der vergangenen Woche gesagt, dass er für die fast abgeschlossene Übernahme des Chipspezialisten vom LED-Hersteller Cree nicht mit Störfeuern auf den letzten Metern rechne. Er ging davon aus, dass der Deal im laufenden Quartal unter Dach und Fach gebracht wird. Die Deutschen hatten im vergangenen Sommer die Übernahme von Wolfspeed für 850 Millionen Dollar angekündigt; mit Hilfe des US-Herstellers will der Konzern seine Position als Zulieferer für Elektroautos und den Mobilfunk ausbauen. Die Expertise der rund 550 Mitarbeiter und die Anlagen von Wolfspeed sollen etwa beim Bau kleinerer und effizienterer Ladegeräte für E-Autos helfen.
"Mit Wolfspeed hätte Infineon über das umfassendsten Portfolio von Verbindungshalbleitern verfügt und seine Position als führender Anbieter von Leistungshalbleitern und Hochfrequenz (HF)-Leistungsbauelementen für wichtige Wachstumsmärkte wie Elektromobilität, erneuerbare Energien und die Mobilfunkinfrastruktur der nächsten Generation für das Internet der Dinge gestärkt", schrieb Schnitzer von der DZ Bank.
Es ist bereits das zweite Mal in kurzer Zeit, dass die US-Behörden mit Hinweis auf Sicherheitsbedenken bei geplanten Übernahmen intervenieren. Im Dezember hatte der chinesische Investor Fujian Grand Chip Investment die Übernahme des deutschen Chipanlagenbauers Aixtron abgeblasen, nachdem die US-Regierung - damals noch unter Präsident Barack Obama - unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken die Übernahme des US-Geschäfts von Aixtron durch den chinesischen Investor blockiert hatte.