USA: Das sind Trumps mächtigste Gegner
Die Münchner Sicherheitskonferenz ist ein Treffen ernster Männer und (weniger) Frauen, die über ernste Themen sprechen, die Sicherheit dieser Welt etwa. Doch in einem verwinkelten Gang des Tagungshotels in München stand am vergangenen Samstag ein laut gestikulierendes Grüppchen beisammen, man diskutierte nicht Syrien, Russland oder den Sudan, es ging um eine TV-Serie. Genauer: um „Homeland“, jene legendäre US-Serie über eine bipolare CIA-Agentin, gespielt von Claire Danes. Die sechste Staffel läuft, darin berät Danes eine US-Präsidentin, die Ärger mit ihrem CIA-Chef hat. Also versuchen Danes und die Präsidentin diesen loszuwerden, durch gezielte Leaks.
Die Codes für den Atomwaffen-Einsatz
„Atom-Football“ heißt der etwas überdimensionierte Aktenkoffer, mit dessen Hilfe der Präsident den Abschuss von Nuklearwaffen befehlen kann.
Foto: dpaDas Weiße Haus
Die Adresse des Präsidentensitzes lautet 1600 Pennsylvania Avenue in Washington D.C. Nun zieht der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, Donald J. Trump, hier mit seiner Familie ein.
Foto: dpaDas Oval Office
Das Büro des Präsidenten. Hier bespricht sich das Staatsoberhaupt mit Vertrauten oder empfängt Gäste.
Foto: REUTERSDer Präsidenten-Schreibtisch
Im Zentrum des Oval Office steht ein historischer Schreibtisch, den schon viele Präsidenten genutzt haben. Wichtige Telefonate mit Staatschefs anderer Länder werden hier geführt.
Foto: dpaDer Kabinettstisch im Weißen Haus
An diesem Tisch wird künftig das Kabinett von Donald Trump sitzen.
Foto: dpaPrivaträume im Weißen Haus
Der „Yellow Oval Room“ bietet einen perfekten Blick auf das Washington Monument. Designer Michael S. Smith hat den Raum gestaltet. (Michael Mundy/Architectural Digest via AP)
Foto: APPrivaträume im Weißen Haus
Der „Treaty Room“ liegt ebenfalls in der ersten Etage des Weißen Hauses. Derzeit ist er noch mit Erinnerungsstücken aus der Zeit des Präsidenten Barack Obama gefüllt. (Michael Mundy/Architectural Digest via AP)
Foto: APCommander in Chief
Der US-Präsident ist Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte.
Foto: dpaDer „Situation Room“
Im Keller des Weißen Hauses versammelt sich die Spitze der Regierung in Krisenlagen – wie hier am 1. Mai 2011 bei der Tötung des Top-Terroristen Osama bin Laden.
Foto: REUTERSDie Air Force One
In dem mächtigen Jumbo Jet fliegt der US-Präsident durch das Land – oder um die Welt.
Foto: REUTERS„Marine One“
Der Helikopter der Marines trägt die Rufbezeichnung „Marine One“, wenn der Präsident an Bord ist.
Foto: REUTERSLandeplatz im eigenen Garten
Der Hubschrauber darf im Garten des Weißen Hauses landen und erleichtert dem Präsidenten den Heimweg enorm.
Foto: AP„The Beast“
Die gepanzerte Limousine des US-Präsidenten wirkt klotzig wegen ihrer massiven Panzerung. Aber das Fahrzeug hat eine beachtliche Beschleunigung und könnte auch mit zerschossenen Reifen weiter fahren.
Foto: dpaNeues Modell in Arbeit
Gerüchteweise soll das Nachfolgemodell des Cadillacs zur Amtseinführung von Donald Trump zum Einsatz kommen.
Foto: dpaBesondere Momente
Der eigene Fotograf kann spezielle Momente einfangen. Präsident Barack Obama traf in London beispielsweise im engsten Kreise auf Prinz George (r.).
Foto: APEin eigenes Küchenteam
Cristeta Comerford (vorne links) ist Küchenchefin im Weißen Haus. Das Foto zeigt sie auf einem Gewürzmarkt in China.
Foto: APEmpfangskomitee
Das „United States Army Old Guard Fife and Drum Corps“ marschiert bei Staatsempfängen auf – wie hier bei einem Besuch des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi im Oktober in Washington.
Foto: APBesuch von Prominenten
Im Weißen Haus empfängt der Präsident regelmäßig bekannte Gäste – ob Schauspieler George Clooney dazu gehören wird, wie hier im Gespräch mit Barack Obama, ist nicht bekannt.
Foto: dpaDer künftige Hausherr
Eine Nachbildung des Oval Office hat Donald Trump (2.v.l.) im Wahlkampf besucht. Dieser Nachbau steht in der „Ford Presidential Museum“ in Grand Rapids in Michigan.
Foto: REUTERS
„Schreibt Trump jetzt auch noch Drehbücher?“, rief jemand aus der Runde vergnügt. In der Tat stellt sich in diesen Tagen (mal wieder) die Frage, wie sehr sich Fiktion und Realität noch vermischen wollen. Wenige Tage vor der Münchner Konferenz hatte schließlich US-Präsident Donald Trump seinen sehr realen Krieg mit den Geheimdiensten ausgerufen und ihnen vorgehalten, „unamerikanisch“ zu handeln – weil sie die Information an die Medien durchgestochen hätten, dass Michael Flynn, Trumps Sicherheitsberater, vor Amtsantritt mit russischen Regierungsleuten sprach. Das ist nicht nur verboten, sondern auch brisant. Schließlich steht Russland im Verdacht, die US-Wahlen durch Hacks manipuliert zu haben.
Flynn musste längst gehen, Trump hat einen Nachfolger ernannt, aber der Skandal bleibt. Und der Furor von Trump unterstreicht, wie ernst dieser Kampf des Präsidenten gegen seinen Sicherheitsapparat ist. Hat er sich mit Gegnern angelegt, die er nicht mehr mit einem Tweet aushebeln kann?
Amerikas Präsident gegen Amerikas Sicherheitsbehörden, das ist ein ewiger Kampf. Schon Dwight D. Eisenhower stöhnte über den „militärisch-industriellen“ Komplex, der die USA im Griff halte. FBI-Chef J. Edgar Hoover erpresste gleich mehrere Präsidenten mit brisanten Informationen, der CIA wird verdächtigt, bei der Ermordung von John F. Kennedy seine Finger im Spiel gehabt zu haben. Das FBI leitete die Ermittlungen zum Einbruch im Watergate-Hotel, der schließlich Richard Nixon aus dem Amt kegelte.
Wiederholt sich Geschichte nun, erleben wir „Watergate 2.0“, wie das Trump in herzlicher Abneigung verbundene Hochglanzmagazin „Vanity Fair“ mutmaßt? Ein Präsident, der (auch) an den Schlapphüten aus dem eigenen Land scheitert? Oder ist Trump denen einfach noch hilfloser ausgeliefert als jeder seiner Vorgänger?
Denn FBI, CIA, NSA und rund ein Dutzend weiterer Organisationen, die das Land sicher halten sollen, haben sich dieses Land auch untertan gemacht. Die US-Sicherheitsbehörden waren schon immer mächtig, aber der „War on Terror“ nach den Anschlägen im Jahr 2001 hat sie noch viel mächtiger werden lassen. Zig Milliarden Dollar verschlingen ihre gesammelten Budgets jedes Jahr, sie wuchsen um satte Prozentzahlen seit 2001. Hunderttausende Agenten wurden vergangenes Jahrzehnt zusätzlich eingestellt, sage und schreibe 1,5 Millionen Amerikaner verfügen über eine Top Security Clearance, also Zugang zu Geheimnissen.
1946
Geboren am 14. Juni als viertes von fünf Kindern von Mary und Frederick C. Trump (links): Donald Trump ist der Sohn deutscher Einwanderer und erfolgreicher Immobilienunternehmer.
1959-1964
Schüler der New York Military Academy.
1964-1966
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fordham University in New York.
1966-1968
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Wharton Business School in Philadelphia (im Bild).
1968
Eintritt ins Familienunternehmen "Elizabeth Trump & Son", Bauträger und Immobilien.
1971
Übernahme des Unternehmens vom Vater.
ab 1974
Investitionen in Hotels, Casinos und Luxus-Apartment-Gebäude; Rechte an Miss-Wahlen, mehrere Biografien, eigene Möbel- und Modemarken.
1977
Hochzeit mit dem Model Ivana Marie Zelnickova und Geburt von Sohn Donald Jr. (im Bild).
1981
Geburt von Tochter Ivanka.
1983
Eröffnung des "Trump Tower" an der New Yorker 5th Avenue.
1991
Erste Insolvenz, danach zunächst erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
1992
Zweite Insolvenz, erneute Umstrukturierung des Unternehmens und Scheidung von Ehefrau Ivana.
1984
Geburt von Eric, dem zweiten Sohn.
1993
Hochzeit mit Schauspielerin Marla Maples und Geburt von Tiffany, der zweiten Tochter (im Bild).
1995
Börsengang von "Trump Hotels & Casino Resorts Inc."
1999
Scheidung von Marla, der zweiten Ehefrau.
1999-2000
Erfolgloser Versuch einer Präsidentschaftskandidatur in der von Ross Perot gegründeten Reform Party.
2004-2015
Eigene TV-Reality-Show "The Celebrity Apprentice".
2004
Dritte Insolvenz, wieder erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
2005
Hochzeit mit dem Model Melania Knauss.
2006
Geburt von Sohn Barron William, dem fünften Kind.
2009
Vierte Insolvenz, erneut erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
2016
Trump siegt in der Präsidentschaftswahl und wird der 45. US-Präsident.
Alles rund um die Wahl finden Sie hier
Foto: APSo geballt ist die Macht dieser Geheimniskrämer, dass sie sich vielleicht als Einzige in Washington keinen Moment lang einschüchtern ließen vom neuen Mann im Weißen Haus. Noch bevor der eingezogen war, erstellten die Geheimdienste einen verheerenden Bericht, die Präsidentschaftswahl sei ganz offensichtlich von den Russen gehackt worden, um Trump zum Sieg zu verhelfen. Kurz darauf sagte James Clapper, bis vor Kurzem Nationaler Geheimdienstdirektor, vor dem Senat aus, der neue Präsident verstünde anscheinend überhaupt nicht, wie sensibel Geheimdienstarbeit sein könne.
Gegen die Dienste kann aber ein noch so mächtiger Präsident schwer regieren. Schon kursieren US-Medienberichte, die Dienste hätten Trump als Sicherheitsrisiko eingestuft und hielten ihm gezielt Informationen vor – aus Furcht, diese könnten den Russen in die Hände fallen.
Stephen Hess, 83, arbeitet bei der Brookings Institution in Washington, er hat schon Eisenhower und Nixon beraten, kaum jemand in der US-Hauptstadt ist so vertraut mit den Anlaufschwierigkeiten einer neuen Regierung. Doch Hess wirkt erschüttert: „Der Konflikt zwischen Trump und den Geheimdiensten hat eine nie da gewesene Dimension angenommen.“ Erklärten die Dienste das Weiße Haus wirklich zu einem Sicherheitsrisiko, „kann ich nicht sehen, wie dessen Parteifreunde im Kongress weiter hinter ihm stehen können“, so der Brookings-Experte. „Da kommt ein Sturm auf uns zu.“
Diesen Sturm will etwa Jerrold Nadler nur zu gerne weiter anfachen. Seit 1992 sitzt der New Yorker im US-Repräsentantenhaus, er ist Mitglied im Justizausschuss, der eher selten im Brennpunkt steht. Doch Demokrat Nadler gilt als kampflustig, er tat sich etwa in den Diskussionen um die Kriege in Afghanistan und Irak hervor. Nun hat Nadler seinen Kleinkrieg gegen Trump begonnen – per offiziellem Gesuch bei Justizminister Jeff Sessions, dieser solle dem Kongress alle Informationen zu möglichen Interessenkonflikten und Kontakten der Trump-Leute zur russischen Regierung in den Wochen und Monaten vor der Präsidentschaftswahl zukommen lassen. „Amerika darf schließlich nicht von Moskau erpressbar sein“, sagt Nadler.
Bislang schweigt Sessions, der von Trump nominiert wurde und erst seit wenigen Wochen im Amt ist. Aber Nadler will weiter nerven. Bekomme er bis Anfang März keine Antwort, sagt er, werde er seine Anfrage vor den Justizausschuss bringen. Nadler will erreichen, dass Trump widerfährt, was Vorgänger Bill Clinton einst beinahe aus dem Amt fegte, allerdings erst nach mehreren Jahren im Amt und einer Affäre mit einer Praktikantin – die Nemesis eines präsidialen Sonderermittlers.
Der dürfte sich dann durch Akten wühlen, Zeugen vorladen, vielleicht gar den Präsidenten. Und wer weiß schon, was es noch zu entdecken gibt? Wie eng waren die Russlandverbindungen von Trump wirklich, was ist mit jener bislang nur kolportierten Recherche eines Geheimdienstexperten über angebliche Orgien von Trump in Moskauer Hotelzimmern? Wie peinlich – und zugleich bedrohlich – kann es noch werden?
Doch auch Trump hat sich Unterstützung geholt. Die Angriffe der Geheimdienste auf seine Präsidentschaft soll für ihn ein Phantom abwehren: Stephen Feinberg. Der Großinvestor aus Manhattan – Chef von Cerberus Capital Management – hat von Trump den Auftrag erhalten, den US-Geheimdienstapparat einer gründlichen Prüfung zu unterziehen – und ihn notfalls zurechtzustutzen. Details sind bislang nicht bekannt. Doch klar ist, dass das Weiße Haus mehr Kontrolle und weniger Gegenwind will.
Eine Provokation in vielfacher Hinsicht. Feinberg verfügt über keinerlei Geheimdiensterfahrung, abgesehen von seiner – lukrativen – Erfahrung als Anleger. Feinbergs Firma, mehr als 30 Milliarden Dollar schwer, interessierte sich einst für den Kauf der privaten Sicherheits- und Söldnerfirma Blackwater. Als der Deal scheiterte, kaufte die Investmentgesellschaft DynCorp. Das Sicherheitsunternehmen wartet US-Militärgerät, bildet aber auch Polizisten und Soldaten in Irak oder Afghanistan aus. Nahezu alle Aufträge stammen vom Bund.
Feinberg hat aber nicht nur im Geheimen verdient, er ist auch ein professioneller Geheimniskrämer. Die Öffentlichkeit meidet der Milliardär konsequent, es existiert kaum eine Handvoll Fotos von ihm. Sie zeigen einen dürren 56-Jährigen mit markantem Schnäuzer und den lichten blonden Haaren. Interviewanfragen lehnt Feinberg seit über zehn Jahren kategorisch ab. Seinen Cerberus-Mitarbeitern drohte er intern, die Presse zu meiden. Ansonsten würden sie nicht nur entlassen, sondern „getötet“.
Wenig überraschend laufen Gesprächsanfragen bei Cerberus in Manhattan genauso ins Leere wie beim deutschen Ableger in Frankfurt. Dafür spricht einer, der einige Jahre in New York eng mit Feinberg gearbeitet hat. „Er ist eine komplizierte Persönlichkeit“, so der Investmentbanker, der heute in Europa arbeitet. Ein Zahlenmensch, der ohne Skrupel vorgehe. „In dem Unternehmen herrscht ein großer Konkurrenzkampf. Wer nicht liefert, wird abserviert.“
Feinberg möge sachlich und ruhig, fast schüchtern wirken, sagt der Exmitarbeiter, doch: „Er denkt wie Trump in einem klaren Freund-Feind-Schema.“ Sobald jemand Feinberg verärgere, werde dieser zu einem anderen Menschen.
Diese Seite dürften Geheimdienstmitarbeiter zu spüren bekommen, wenn Feinberg wohl angeht, was er am besten kann: Budgets kürzen und Stellen streichen. Wer den Kampf zwischen den sagenumwobenen US-Geheimdiensten und dem sagenhaft unverschämten Trump gewinnt, ist noch völlig offen. Ebenso wie die Frage, ob es überhaupt einen Gewinner geben kann. Glenn Greenwald, Vertrauter von NSA-Whisteblower Edward Snowden und erfahren in Amerikas Schattenwelt, mag sich in der Frage nicht entscheiden. „Die Trump-Präsidentschaft ist gefährlich“, sagt er. „Aber der Missbrauch von Geheimdienstkapazitäten, um eine gewählte Regierung zu sabotieren, ist ebenfalls gefährlich.“
Um in der Sprache zu bleiben, die Geschäftsmann Trump so schätzt: Es droht den USA, und vielleicht der Welt, eine Lose-lose-Situation.