Adidas: Was Kasper Rorsted jetzt liefern muss
Eigenes Fitnessstudio – Reebok
Die US-Tochter von Adidas bleibt bei Mitarbeiter-Benefits in ihrem Element: Für die Angestellten stellt das Unternehmen ein eigenes Fitnessstudio bereit. " Es ist ok, sich eine Stunde am Tag für Fitness zu nehmen und man wird ermutigt, daran teilzunehmen", erklärt dazu ein Mitarbeiter auf Glassdoor.
Foto: dpaFußballturniere – Bain
Auch bei der Unternehmensberatung Bain geht es sportlich zu. Getreu dem Motto "Ein Bainie lässt einen anderen Bainie niemals im Stich" fördern die Fußballturniere den Teamgeist, weiß ein Mitarbeiter zu berichten.
Foto: dpaGeschlechtsangleichende Operation – Goldman Sachs
Goldman Sachs ist mit einigen Ex-Bankern in Präsident Trumps Kabinett vertreten. Wer aktuell für die Investment-Bank arbeitet, kann sich über "eine Kultur, die dir dabei hilft, das beste in dir Herauszuholen" freuen, sagen die Mitarbeiter bei Glassdoor über ihren Arbeitgeber. Außerdem zahlt die Bank ihren transsexuellen Mitarbeitern eine geschlechtsangleichende Operation.
Foto: REUTERSKrankenversicherung für Haustiere – Scripps Health
Scripps Health, ein amerikanischer Non-Profit-Betreiber von Krankenhäusern, sorgt sich auch um die Gesundheit von Haustieren. So bietet das Unternehmen seinen Mitarbeitern eine Krankenversicherung für ihre Vierbeiner.
Foto: dpaVollständige Erstattung der Studiengebühren – Starbucks
Mitarbeiter der amerikanischen Kaffeehauskette Starbucks müssen sich um die horrenden Studiengebühren in Amerika keine Sorgen machen. Der Konzern erstattet sie. Außerdem gibt es Aktienoptionen, wie ein ehemaliger Barista auf Glassdoor schreibt.
Foto: dpa60-Dollar-Wellnessgutschein –Eventbrite
"Ich habe nie zuvor etwas vergleichbares erlebt. Das Unternehmen beweist immer wieder, dass es sich wirklich um seine Mitarbeiter sorgt", schreibt ein Mitarbeiter von Eventbrite über seinen Arbeitgeber. Eventbrite ist ein Soziales Netzwerk und Event-Marktplatz, bei dem Angestellte unter anderem einen 60-Dollar-Wellnessgutschein als Incentive bekommen.
Foto: APKostenloser Eintritt ins Museum – Gap
Der amerikanische Bekleidungshersteller Gap legt Wert auf die kulturelle Bildung seiner Mitarbeiter. Sie bekommen freien Eintritt in das San Francisco Museum of Modern Art.
Foto: REUTERS800 Dollar für Fitness – Microsoft
Der Softwarekonzern stellt seinen Mitarbeitern 800 Dollar zur Verfügung, die sie entweder für das Fitnessstudio oder andere sportliche Aktivitäten ausgeben können.
Foto: dpaHaarschnitt – Genentech
Das amerikanische Biotech-Unternehmen Genentech bezahlt seinen Mitarbeitern den Friseurbesuch. Außerdem die Autowäsche und den Zahnarzt.
Foto: dpa40 Stunden für freiwillige Arbeit – Timberland
Der Schuhhersteller Timberland ermutigt seine Mitarbeiter zu freiwilliger Arbeit und stellt sie dafür 40 Stunden im Jahr frei.
Foto: dpaMan hat es ja schon fast wieder vergessen: Als Adidas im vergangenen Januar bekannt gab, dass Kasper Rorsted neuer Chef in Herzogenaurach wird, tat der Aktienkurs des Konzerns einen Sprung: von 84 auf 92 Euro in vier Tagen stieg der Wert des Papiers. Die Hoffnung der Anleger: Rorsted möge Adidas noch größer und vor allem profitabler machen. Selten zuvor war ein kommender Vorstandschef eines Dax-Konzerns an der Börse mit so viel Vorschusslorbeeren und großen Erwartungen begrüßt worden.
Wie er das anstellen will, dazu hat der Däne, der seit Oktober als Nachfolger von Herbert Hainer Europas größten Sportkonzern führt, bislang weitgehend geschwiegen. Warum sollte er sich auch äußern – bei Adidas lief es im vergangenen Jahr wie geschmiert. Hainer übergab den Konzern in sehr guter Form. Erst morgen, bei der Vorlage der Bilanz für das erfolgreiche Jahr 2016, will er Einzelheiten seiner Strategie auf den Tisch legen.
Die dürfte im Großen und Ganzen vor allem eine Weiterentwicklung jenes Plans sein, den Hainer und seine Leute auf die Beine gestellt und 2015 („Creating the new“) vorgestellt hatten. Erwartet wird nun, dass Rorsted sich wohl vor allem drei Punkte auf drei Punkte konzentrieren wird: die weitere Offensive auf dem US-Markt, dem größten und einflussreichsten für Sportartikel weltweit.
Die Frage, wie der Konzern künftig Daten und Digitalisierung noch besser für sich einspannen will. Und drittens erwarten Investoren, denen Rorsted in der kommenden Woche seine Pläne in einer eigenen Veranstaltung noch mal im Detail vorstellen will, eine deutliche Ansage zur künftigen Profitabilität des Unternehmens.
Denn hier hechelt Adidas dem ewigen Konkurrenten Nike noch immer klar hinterher. So erwarten Analysten, dass im erfolgreichen vergangenen Jahr, in dem alle Adidas-Marken gewachsen sind, die operative Marge bei 7,5 Prozent gelegen haben dürfte. Das wäre zwar eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr, als sie noch 6,3 Prozent betrug. Doch einerseits ist die Marge von Nike doppelt so hoch. Und zweitens ist unvergessen, dass Hainer ursprünglich bereits für 2015 eine Marge von elf Prozent als Ziel eines ehrgeizigen Fünf-Jahres-Plans ausgerufen hatte. Dieses Ziel hatte der Konzern klar verfehlt.
Wesentlichen Anteil daran hatte – neben dem Einbruch des Marktes in Russland und dem kollabierenden Golfgeschäft - vor allem das schwache US-Business, das im Jahr 2014 den Konzern nach unten zog. Hainer selbst hatte das erkannt und massiv gegengesteuert. Lohn der Mühe: Adidas erlebte in den beiden vergangenen Jahren ein furioses Comeback, dessen Tempo sich sogar noch immer zu verstärken scheint.
Vor allem dank seiner Lifestyle-Sneaker wie dem Klassiker Superstar oder auch den Tennis-Schlappen Stan Smith, aber auch neuer hochpreisiger Laufschuhe wie dem Ultra Boost, die von Mode-Fans gern auch als Modeschuh getragen werden, zogen die Franken in den Vereinigten Staaten auch wieder am aufmüpfigen Neuling Under Armour vorbei.
Platz 10: Continental
Welche Unternehmen bekamen von ihren Mitarbeitern das meiste positive Feedback in Bezug auf die Work-Life-Balance? Das Arbeitgeberportal Glassdoor hat die Mitarbeiterbewertungen für deutsche Unternehmen verglichen, die im Laufe des vergangenen Jahres (August 2015 - August 2016) auf Glassdoor gepostet wurden und ein - wenn auch nicht repräsentatives - Ranking der Unternehmen ausgestellt, die in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit am besten abschnitten. Dabei wurden nur Unternehmen berücksichtigt, die mindestens 30 Bewertungen in der genannten Kategorie erhielten.
Die Continental AG hat es mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3,9 von 5 möglichen Punkten auf Rang zehn im Work-Life-Balance-Ranking geschafft. Auf dem Bewertungsportal werden von einem aktiven Mitarbeiter beispielsweise die "flexiblen Arbeitszeiten" als positiver Aspekt genannt, ein ehemaliger Auslandspraktikant lobt die "Work-Life-Balance" explizit.
Quelle: Top 10 Arbeitgeberranking von Glassdoor, Stand: 30. August 2016
Foto: dpaPlatz 9: Daimler
Auch der börsennotierte Pkw-Hersteller Daimler konnte im letzten Jahr in Bezug auf die Work-Life-Balance bei seinen Mitarbeitern kräftig punkten - zumindest ergibt sich dieses Bild aus den bei Glassdoor abgegebenen Bewertungen. Mit einer durchschnittlichen Punktzahl von 4 landet die Daimler AG auf einem soliden neunten Platz im Ranking.
Foto: dpaPlatz 8: BMW
Immerhin 80 Prozent der Mitarbeiter bei BMW würden ihren Job - laut Bewertungen - einem Freund weiterempfehlen. Besonders lukrativ scheint der Berufseinstieg bei dem bayrischen Automobil- und Motorradhersteller für Arbeitnehmer zu sein, die Wert auf eine ausgeglichene Balance zwischen Berufsleben und Freizeit legen. In dieser Kategorie schneidet BMW - genauso wie Daimler - mit rund 4 Punkten überdurchschnittlich gut ab.
Foto: dpaPlatz 7: Volkswagen
Durch die Volkswagen AG ist ein weiterer deutscher Automobilhersteller in der Top Ten der beliebtesten Arbeitgeber mit der besten Work-Life-Balance vertreten. Der Konzern, der aktuell mit den Folgen des Abgasskandals zu kämpfen hat, erhält nur von 56 Prozent der Mitarbeiter, die im letzten Jahr eine Online-Bewertung abgegeben haben, eine positive Geschäftsprognose. Mit der Work-Life-Balance scheinen die Mitarbeiter dennoch zufrieden zu sein: Mit durchschnittlich 4 Punkten bewerten sie VW in dieser Kategorie ausgesprochen gut.
Foto: dpaPlatz 6: ZF Friedrichshafen
Stefan Sommer, der Vorstandschef des deutschen Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen, wurde im Juni dieses Jahres bereits zu einem der beliebtesten Manager Deutschlands gekürt. Ein besonderes Augenmerk scheint er als Führungsperson unter anderem auf die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit zu legen. Seine Mitarbeiter danken es ihm mit einer Bewertung von 4,1 Punkten in der Kategorie "Work-Life-Balance".
Foto: dpaPlatz 5: SAP
Auf dem fünften Rang des Glassdoor-Rankings landet der größte europäische Softwarehersteller SAP, der mit einer Gesamtbewertung von 4,3 von 5 Punkten außerordentlich gut abschneidet. Auch die Balance zwischen Beruf und Freizeit scheint in dem Unternehmen leicht zu finden zu sein. 4,1 Punkte erhält SAP dafür im Schnitt.
Foto: dpaPlatz 4: Robert Bosch
Die Bosch-Gruppe zählt zu den international führenden Technologie- und Dienstleistungsunternehmen. Die Mitarbeiter wissen die freie Zeit, die ihnen neben der Arbeit zur Verfügung steht, zu schätzen. In den Bewertungen ist von "flexiblen Arbeitszeiten", "35 Stunden-Wochen" und einer "guten Work-Life-Balance" die Rede. Das macht 4,1 von 5 möglichen Punkten und Rang vier im Ranking.
Foto: dpaPlatz 3: Fraunhofer Gesellschaft
Rund 23.000 Mitarbeiter sind zurzeit für die Fraunhofer Gesellschaft tätig. 237 davon haben ihren Arbeitgeber auf dem Onlineportal bewertet. Das Ergebnis: 4,3 Punkte in der Kategorie "Work-Life-Balance". Macht Platz drei.
Foto: dpaPlatz 2: Airbus Group
Bei einer durchschnittlichen Work-Life-Balance-Bewertung von 4,4 Punkten schneidet die Airbus Group noch etwas besser ab. Auch hier werden in einer Vielzahl der Bewertungen "flexible Arbeitszeiten" als positiver Aspekt hervorgehoben. Verbesserungsbedarf besteht laut Mitarbeiterbewertung zum Beispiel bei den Möglichkeiten zur Einbringung neuer Ideen.
Platz 1: adidas Group
Die adidas Group konnte ihre Mitarbeiter im vergangenen Jahr am meisten in Punkto Work-Life-Balance überzeugen. 4,7 von 5 Punkten erhielt sie im Schnitt - besser geht es kaum. Besonders für Sportliebhaber bietet der Sportartikelhersteller Freizeitmöglichkeiten an. Ein aktiver Mitarbeiter spricht von einem "einzigartigen Arbeitsumfeld mit verschiedenen Sportstätten", ein anderer Mitarbeiter in Herzogenaurach spricht in höchsten Tönen von der "Verbindung zwischen Arbeit und Leidenschaft zum Sport". Alles in allem verhilft das der adidas Group zur Spitzenposition.
Foto: REUTERSNach Zahlen des US-Marktforschers NPD Group konnte Adidas bis zum Januar seinen Marktanteil im US-Sportschuhmarkt auf zehn Prozent verdoppeln. Platzhirsch Nike ist zwar mit einem Anteil von 45 Prozent noch immer das Maß aller Dinge. Doch Analysten trauen den Deutschen durchaus einen Anteil von 15 Prozent zu. Voraussetzung dafür ist vor allem weiteres Wachstum zwischen Boston und Los Angeles. Gelingt dies, dürfet sich auch die Marge Stück für Stück verbessern.
Ob sich Rorsted indes reizen lässt und eine konkrete Zahl nennt, an der er sich dann später wird messen lassen müssen? Sein Vorgänger Hainer ist damit nicht gut gefahren. Bei jeder Gelegenheit bekam er seine steilen Ziele vor die Nase gehalten. Und vor allem im Seuchen-Jahr 2014 wünschte sich der ehrgeizige Manager mehr als einmal, er wäre besser im vagen geblieben.
Klar gekennzeichnet hat Rorsted bereits im vergangenen November indes eine andere Baustelle: Die 2006 für drei Milliarden Euro teuer zugekaufte Tochtermarke Reebok muss auch auf ihrem Heimatmarkt in den USA endlich sichtbar in die Puschen kommen. So nachvollziehbar und klug die Ausrichtung als Fitness-Marke auch sein mag: Dies muss sich möglichst rasch auch sichtbar in den Zahlen niederschlagen. Geschieht das nicht, dürften die Tage im Konzern wohl wirklich gezählt sein. Für diesen Fall baut Rorsted gerade vor und trennt die Tochtermarke für alle sichtbar durch einen Umzug in die Innenstadt von Boston schon mal vom Rest des Konzerns. Ob und wann eines Tages dann ein Verkauf ansteht, wird sich zeigen.
Wie schwer indes sich der Verkauf einer Marke gestalten kann, erlebt Rorsted ohnehin gerade. Er wird die schwächelnde Golfsparte TaylorMade nicht los. Den einstigen Hoffnungsträger, der dem Konzern jahrelang wachsende Umsätze und Erträge beschert hatte, stellte schon Vorgänger Hainer ins Schaufenster. Vor allem in den USA wenden sich die Sportler vom Golfsport ab; vor allem die sogenannten Millennials haben schlicht keinen Spaß daran, mit Schlägern übers Grün zu latschen. Eine Wende ist im Geschäft mit Puttern und Drivern nicht in Sicht. Da Adidas dem Vernehmen nach aber noch immer mindestens eine halbe Milliarde Dollar für das Geschäft aufruft, herrscht recht überschaubarer Andrang auf der Käuferseite.
Entsprechend wird sich Rorsted auch daran messen lassen müssen, wie er mit dem Ladenhüter verfährt. Schließlich hängt auch der wie Blei an der Marge.
Einstweilen jedoch hält das Adidas-Hoch an der Börse unvermindert an. In diesen Tagen kreist der Kurs um die Rekordmarke von 160 Euro. Es bleibt abzuwarten, wie Investoren nun auf Rorsteds Ankündigungen reagieren werden. An fehlenden oder mäßig attraktiven Produkten dürfte es indes nicht hapern: Die Herzogenauracher Turnschuhmaschine spuckt derzeit in bemerkenswerter Regelmäßigkeit Sneaker und Laufschuhe aus, für die Kunden weltweit Schlange stehen.