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Aktien mit HeimvorteilAnleger, kauft deutsch!

Anlagerisiken aus dem Ausland gibt es reichlich: Trump-Protektionismus, Brexit, geopolitische Konflikte. Wertpapiere von Unternehmen, die in Deutschland Geschäfte machen, sind nicht nur sicher, sondern auch lukrativ.Christof Schürmann 22.03.2017 - 06:00 Uhr

Aktien mit deutschem Potenzial.

Foto: Getty Images, Montage, dpa Picture-Alliance

Reus und Aubameyang gehen gut, dann kommt erst mal lange nichts“, sagt Angelika, die ihren vollständigen Namen lieber „nicht in der Zeitung lesen möchte“. Mit dem Namen von Marco Reus, der Mittelfeldgranate des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund (BVB), hat Angelika gerade erst ein Kindertrikot für eine stolze Mutter beflockt, wie es im Fachjargon heißt. Gerne genommen wird auch das Jersey von Pierre-Emerick Aubameyang, dem Stürmerstar des BVB.

Trikots zu beflocken, das ist Angelikas täglicher Job hier im BVB-Fanshop. Nicht irgendein Fanlädchen, sondern ein in den Vereinsfarben Schwarz-Gelb getauchtes Prunkstück im größten Shoppingcenter Europas. Das steht nicht in Paris, Hamburg oder Rom, sondern mitten im Ruhrgebiet, aber auch nicht in, sondern drei Städte weg von Dortmund: in Oberhausen.

Hier, im Centro mit seinen über 220 Geschäften, fängt der BVB nicht nur den klassischen Fan ein, sondern Kundschaft aus aller Welt. Jeder 20. Besucher des Centro reist beispielsweise aus den Niederlanden an. Bei Krawatten für 39,95 oder einem Radio für 299 Euro dürfte ordentlich was hängenbleiben für den BVB.

Der hegt und pflegt zwar seine schwarz-gelbe Vereinstümelei, ist aber auch ein knallharter Wirtschaftsbetrieb. Ein Mittelständler mit zuletzt 376 Millionen Euro Jahresumsatz, börsennotiert sogar, inzwischen gewinnträchtig und dividendenfähig. Dass die Aktie nach langer Talfahrt interessant ist und der Kurs kräftig zulegt, hat damit zu tun; aber auch damit, dass die Geschäfte des BVB sich völlig unabhängig von politischer Unbill entwickeln, von einem US-Präsidenten Donald Trump etwa oder einem drohenden Rechtsruck in Frankreich.

Fast doppelt so stark wie der Dax

Das BVB-Papier ist damit geeignet für Anleger, die nicht darauf wetten wollen, was eine US-Importsteuer bedeuten oder welchen Schaden ein möglicher Protektionswettlauf nach sich ziehen könnte. Sollte aber das dramatische Szenario eines Euro-Austritts Frankreichs Realität werden, wie ihn die Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen im Falle eines Sieges an die Wand gemalt hat, dann käme spätestens ein Konzept voll zum Tragen, das die WirtschaftsWoche schon einmal, auf dem Höhepunkt der Euro-Krise, vorgestellt hat: in deutsche Aktien zu investieren, die den Großteil ihrer Erlöse hierzulande erzielen.

Wo lässt es sich am besten nach Rendite fischen?

Zwischen 1900 und Ende 2016 gewannen die Aktienmärkte weltweit im Schnitt 5,1 Prozent pro Jahr, die Inflation herausgerechnet. Zu diesem Ergebnis kommt die Credit Suisse in ihrem „Global Investment Returns Yearbook“ 2017, das im Februar veröffentlicht wurde. Für die Berechnung stützt sich die Schweizer Bank auf die Daten der Professoren Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton von der London Business School. Der Datensatz erfasst die Performance von 70.000 Börsentagen und vergleicht die Aktienmärkte aus 21 Ländern. Wer trotzte den Krisen der vergangenen Jahrzehnte besonders gut? Ein Überblick.

Foto: dpa

Österreich

Mit einem jährlichen realen Kurswachstum von 0,8 Prozent in den letzten 117 Jahre liegt Österreich hinter jedem anderen Land in der Auswertung der Schweizer Großbank. Allerdings haben die österreichischen Aktien in den jüngeren Jahrzehnten etwas besser geschlagen:

1900-2016: + 0,8 %

1980-1999: +5,8 %

2000-2016: +4,9 %

Foto: WirtschaftsWoche

Italien

Auch italienische Aktien schaffen es lediglich ans hintere Ende des Rankings. Wer seit 2000 sein Geld in italienische Papier steckte, fuhr sogar Verluste ein.

1900-2016: + 2,0 %

1980-1999: +10,3 %

2000-2016: -2,0 %

Foto: REUTERS

Belgien

Wer in Belgien in der Achtziger und Neunziger investierte, wurde mit zweistelligen Jahres-Durchschnittsrenditen belohnt. In den vergangenen Jahren verlor der Aktienmarkt des Landes allerdings an Schwung.

1900-2016: + 2,7 %

1980-1999: +12,4 %

2000-2016: +2,9 %

Foto: Fotolia

Frankreich

Auch in Frankreich erlebten die Aktienmärkte am Ende des vergangenen Jahrhunderts eine Blütezeit, wie die zweistelligen Renditen in diesem Zeitraum zeigen.

1900-2016: + 3,3 %

1980-1999: +13,5 %

2000-2016: +1,7 %

Foto: REUTERS

Deutschland

Gleichauf mit Frankreich liegt Deutschland mit einem Plus von 3,3 Prozent. So richtig an Fahrt gewannen die Märkte im Jahr 2015. Damals markierte der Dax binnen weniger Wochen gleich zwei Rekordhochs: 11.000 und 12.000 Punkte.

1900-2016: + 3,3 %

1980-1999: +11,0 %

2000-2016: +2,2 %

Foto: dpa

Portugal

Als „Krisen-Portugiesen“ wurde das Land 2011 in den Medien verschrien. Auf dem Aktienmarkt spiegelte sich das Misstrauen der Anleger in die südeuropäische Wirtschaft wieder. Wer in den vergangenen Jahren in portugiesische Papiere investierte, fuhr Verluste ein. Allerdings gehörte das Land vor der Jahrtausendwende zu den Lieblingen der Anleger, was auch die solide durchschnittliche Jahresrendite der letzten 117 Jahre erklärt.

1900-2016: + 3,5 %

1980-1999: +15,2 %

2000-2016: -2,4 %

Foto: dpa

Spanien

Knapp hinter dem portugiesischen Markt, liegt der Aktienmarkt in Spanien. Anders als bei seinem westlichen Nachbarn, konnten die spanischen Anleger auch in den Nuller- und Zehnerjahren dieses Jahrhunderts im Schnitt positive Jahresrenditen einfahren.

1900-2016: + 3,6 %

1980-1999: +15,3 %

2000-2016: -2,3 %

Foto: dpa

Japan

Die japanischen Börsen locken die Anleger schon seit Langem. Bereits 1730 gab es in der Stadt Osaka die erste Terminbörse für Reis – weshalb das Land als die Geburtsstätte für Futures gilt. In den vergangenen 117 Jahren mussten die Anleger so einiges mitmachen, Booms wie auch Abstürze. So war zwischen 1900 und 1939 der japanische Aktienmarkt der am zweitbesten laufende Markt der Welt. In den 1990ern verfügte das Land über den größten Aktienmarkt der Welt (Anteil vom 41 Prozent). Allerdings platzte zu diesem Zeitpunkt auch die Aktienmarkt-Blase. Von 1990 bis 2009 war der japanische Aktienmarkt weltweit der schwächste.

1900-2016: + 4,2 %

1980-1999: + 5,8 %

2000-2016: + 0,8 %

Foto: WirtschaftsWoche

Norwegen

Norwegen ist zwar ein kleines Land, aber sehr reich. Das Pro-Kopf-Einkommen der Norweger gehört zu den größten weltweit. Es sind vor allem die natürlichen Ressourcen, welche das nördliche Land so wohlhabend machen: die Fischbestände der Nordsee und das Öl, das ebenfalls aus der See gefördert wird. Die Osloer Börse trägt der Seeverbundenheit der Norweger Rechnung: 1819 wurde sie als „Christiania Bors“ gegründet, um Schiffe, Rohstoffe und Währungen zu handeln.

1900-2016: + 4,3 %

1980-1999: + 7,9 %

2000-2016: + 6,7 %

Foto: Presse

Irland

Wer in Irland investieren will, muss starke Nerven haben – das zumindest legt die Geschichte der „Grünen Insel“ der letzten 117 Jahre nahe. Während Mitte des letzten Jahrhunderts viele Iren ihrer Heimat den Rücken kehrten, machte das Land in den Neunzigern und den Nuller-Jahren als „Celtic Tiger“ von sich reden. Die Finanzkrise 2007/2008 wies die irische Wirtschaft allerdings wieder in ihre Schranken. Der Aktienmarkt des Landes ist einer der kleinsten der Welt, gleichwohl mit langer Tradition. Die ersten Börsen gab es in Dublin und Cork schon 1793.

1900-2016: + 4,4 %

1980-1999: + 12,9 %

2000-2016: + 2,0 %

Foto: dpa

Die Schweiz

Gerade einmal 0,1 Prozent der Weltbevölkerung lebt in der Schweiz – dafür aber besonders gut. Im Jahr 2015 belegte das Land den ersten Platz im Welt-Glücksreport der Vereinten Nationen. Auch jene, die ihr Geld in den Alpenstaat stecken, dürften langfristig glücklich sein. Immerhin konnten sie im Schnitt eine jährliche Realrendite von 4,4 Prozent in den vergangenen 117 Jahren verbuchen.

1900-2016: + 4,4 %

1980-1999: + 10,4 %

2000-2016: + 3,0 %

Foto: dpa

Niederlande

Die Niederlande besitzen einen der ältesten Aktienmärkte weltweit. Bereits 1611 gab es die Börse in Amsterdam. Dort wurde zwar nur eine Aktie gehandelt, die der „Niederländischen Ostindien-Kompanie“. Dennoch gab es auch unter diesen minimalistischen Bedingungen sowohl Bullen und Bären unter den Investoren, Blasen, Panikverkäufe und Booms, wie der Spanier Joseph de la Vega in seinem „Confusión de confusiones“ von 1688 beschrieb. Die jüngere Börsen-Geschichte der Niederlande fiel für die Anleger eher ernüchternd aus. Wer zwischen 2000 und 2016 in niederländische Aktien investierte, erzielte im Schnitt jährliche Nullrenditen.

1900-2016: + 5,0 %

1980-1999: + 17,3 %

2000-2016: + 0,0 %

Foto: dpa

Dänemark

Ganz anders liefen die letzten Jahre für Dänemark-Anleger. Diese erzielten mit Aktien eine durchschnittliche jährliche Realrendite von satten acht Prozent – der zweithöchste Wert des Ratings in diesem Zeitraum. In einer Zeit der Krisen erwies sich Deutschlands nördlicher Nachbar als sicherer Hafen für die Anleger. Dafür, dass es dort still und friedlich zugeht, ist Dänemark übrigens bekannt. Im „Global Peace Index“ der Zeitschrift „The Economist“ und der Universität von Sydney belegte das Land 2015 den ersten Platz.

1900-2016: + 5,4 %

1980-1999: + 12,2 %

2000-2016: + 8,0 %

Foto: dpa

Finnland

In Finnland der Achtziger und Neunziger Jahre müsste man gelebt haben. Wer damals in finnische Aktien investierte konnte im Schnitt mit einer Rendite von 20,6 Prozent rechnen – fast das Doppelte des Wertes weltweit (10,6 Prozent). Kein Land im Credit-Suisse-Ranking kommt in diesem Zeitraum auf einen höheren Wert. Allerdings ging auch für Finnland – wie für die meisten Länder im Ranking – das „goldene Zeitalter“ in den Nullerjahren zu Ende.

1900-2016: + 5,4 %

1980-1999: + 20,6 %

2000-2016: - 0,6 %

Foto: dpa

Vereinigtes Königreich

Im Nachkriegs-Europa galt London als der Finanzplatz schlichthin – und das hat Tradition. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfügte Großbritannien über den größten Aktienmarkt weltweit. Damals machte die aufstrebende Börse der USA den Briten Konkurrenz. Nach dem „Brexit“ 2016 ist sie eher auf europäischen Festland angesiedelt. Finanzzentren wie Frankfurt und Paris würden London nur zu gerne den Rang als Finanzmetropole streitig machen. Doch noch ist es nicht soweit. Noch immer wird mehr als die Hälfte der institutionellen Aktieninvestments in Europa in London verwaltet. In einem Ranking des US-Magazins „Forbes“ wird die Stadt as „Top-Finanzmarktplatz“ genannt.

1900-2016: + 5,5 %

1980-1999: + 13,7 %

2000-2016: + 2,4 %

Foto: dpa

Kanada

Seit 1861 werden an der Börse Toronto Aktien gehandelt, meist mit Erfolg wie die historische Auswertung zeigt. Vor allem Banken- und Ölfirmenaktien dominieren den kanadischen Aktienmarkt.

1900-2016: + 5,7 %

1980-1999: + 6,9 %

2000-2016: + 4,2 %

Foto: REUTERS

Schweden

Gebe es einen Nobelpreis für das Investieren, würde Schweden ihn bekommen. Nicht nur ist das Land unter den besten fünf, was Aktieninvestments betrifft. Auch auf dem Anleihenmarkt lief es für die Schweden rund. Rund 2,7 Prozent betrug die durchschnittliche jährliche Realrendite auf Anleihen in den letzten 117 Jahren.

1900-2016: + 5,9 %

1980-1999: + 19,1 %

2000-2016: + 5,0 %

Foto: dpa

Neuseeland

Manchmal muss man ans andere Ende der Welt, um sein Geld zu vermehren. Neuseeland scheint jedenfalls ein guter Ort dafür zu sein. Die ersten Regionalbörsen gab es in Neuseeland in den 1870er Jahren, als der Goldrausch viele Abenteurer in das Land lockte. Seit 1974 werden Aktien auf der „New Seeland Stock Exchange“ gehandelt, die aus dem Zusammenschluss der Regionalbörsen hervorging.

1900-2016: + 6,2 %

1980-1999: + 8,9 %

2000-2016: + 6,4 %

Foto: REUTERS

US-Markt

Allen Banken und Finanzkrisen zum Trotz gelten die USA als das Mekka der Investoren – und das seit mehr als 117 Jahren. Rund 53 Prozent des weltweiten Aktienwertes entfallen auf die USA. Im Schnitt konnten die Anleger mit US-Aktien hohe jährliche Realrenditen erzielen, aber nicht die höchsten....

1900-2016: + 6,4 %

1980-1999: + 12,4 %

2000-2016: + 2,7 %

Foto: dpa

Australien

... in Australien gab es für Anleger in den vergangenen Jahrzehnten noch mehr zu holen. Anders als die USA befand sich das Land nicht im Epizentrum der Finanzkrise 2007/2008. So konnten die Anleger Renditen einfahren – und dabei die Nerven schonen.

1900-2016: + 6,8 %

1980-1999: + 8,8 %

2000-2016: + 5,1 %

Foto: REUTERS

Südafrika

Als eine „goldene Gelegenheit“ bezeichnen die Credit-Suisse Analysten den südafrikanischen Aktienmarkt. Kein Wunder, seine Entstehung und Geschichte sind aufs Engste mit dem glänzenden Metall verbunden. Der Goldrausch von 1866 ließ Goldminen-Betreiber wie Pilze aus dem Boden schießen. Um ihnen Kapital zu geben, wurde die Johannesburg Stock Exchange 1887 eröffnet. Goldminen gibt es in dem Land noch immer. Allerdings belegt das Land auf der Goldproduzenten-Liste weltweit nur noch Rang fünf. Auf Rang eins rangiert das Land unter Mangan-, Chrom- und Platinförderern. Der südafrikanische Aktienmarkt hat sich zum langfristig erfolgreichsten Aktienmarkt weltweit entwickelt.

1900-2016: + 7,2 %

1980-1999: + 6,7 %

2000-2016: + 8,2 %

Foto: dpa

Diese Strategie hat sich mehr als bewährt. Von den zehn vorgestellten Aktien vom Softwareunternehmen Atoss über Gefrierspezialist Frosta bis hin zum Netzwerk Xing liegt keine im Minus. Im Durchschnitt legten binnen gut fünf Jahren ihre Kurse um 155 Prozent zu, während der exportorientierte und daher eher auslandslastige Dax mit 81 Prozent nur gut die Hälfte schaffte. Anleger, die dem ewigen Werbemantra der Finanzindustrie folgten und weltweit ihre Aktien streuten, schafften sogar nur einen vergleichsweise kümmerlichen Zuwachs von 64 Prozent, gemessen am Weltaktienindex MSCI World – Dividenden jeweils nicht mitgerechnet.

Ein starker Fokus auf heimische Werte mit starkem Geschäft in Deutschland sollte sich weiterhin lohnen, auch wenn nicht gleich alle 14 Aktien, die die WirtschaftsWoche aus dem Kurszettel gefiltert hat, stante pede ein Kauf sind. Ihr gemeinsames Merkmal: Sie erzielen wenigstens 70 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland. Um mit ausgewählten Werten Rendite einzufahren, dafür muss nicht gleich Le Pen Paris erobern, den Euro verlassen und den Franc wieder einführen, was gleichzeitig diesseits des Rheins wohl die Renaissance der D-Mark einleiten würde. Ohnehin müssten sich Anleger dann auf einen Crash einstellen. Zwar könnte die starke D-Mark Anleger in deutsche Aktien locken. Doch insbesondere der Dax mit seinen international orientierten Gesellschaften dürfte erst einmal abstürzen.

Realistischer als ein Sieg Le Pens sind US-Zölle. Solche Einfuhrhürden in die USA würden beispielsweise die Autobauer und -zulieferer belasten. Schon greifbar sind offenbar geringere Preise für Medikamente in den USA, zumindest gemessen an jüngsten Verlautbarungen des neuen US-Präsidenten. „Ich arbeite an einem neuen System, wo es Wettbewerb in der Pharmaindustrie geben wird“, twitterte Trump vergangene Woche. „Die Preise für das amerikanische Volk werden deutlich purzeln.“

Fragt man die Deutschen nach attraktiven Anlageformen, sind sie sich weitgehend einig: Das Eigenheim, die betriebliche Altersvorsorge und Gold. Trotzdem setzt das Gros immer noch auf renditearme Sparbücher, Tages- und Festgeldkonten, wie das Investmentbarometer der GfK zeigt. Hier erfahren Sie, wie groß die Diskrepanz zwischen Einschätzung und Umsetzung ausfällt.

Zur Studie: Seit 1999 untersucht das GfK-Investmentbarometer, wie sich Privatanleger in den USA und Europa verhalten. Für die aktuelle Studie haben die Konsumforscher im November 2016 in Deutschland, den USA, Italien, Frankreich und Großbritannien rund 5000 Menschen danach befragt, welche Finanzanlagen die Menschen besitzen und wie attraktiv sie verschiedene Sparmöglichkeiten und Finanzprodukte finden. Allein in Deutschland wurden 2000 Menschen befragt.

Foto: dpa

Rang 1: Immobilien

Die attraktivste Form der Geldanlage ist für die Deutschen die eigene Immobilie. 76 Prozent der Befragten gaben an, dass Investitionen in eine private Wohnung oder ein Haus attraktiv oder sehr attraktiv seien. De facto haben hierzulande aber nur 46 Prozent ihr Geld in eine Immobilie investiert. Auch für die Franzosen, Italiener und Briten sind Immobilien die attraktivste Form der Geldanlage.

Foto: dpa

Rang 2: Betriebliche Altersvorsorge

Um sich auf dem Altenteil nicht auf die gesetzliche Rente verlassen zu müssen, sorgen Millionen Bundesbürger vor. Die beliebteste Form: die betriebliche Altersvorsorge, auf die seit 2002 jeder Arbeitnehmer qua Gesetz Anspruch hat. Arbeitnehmer können einen Teil ihres Gehalts oder Sonderzahlungen als Beiträge in ihre betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Der Arbeitgeber wiederum legt diesen Betrag für die Arbeitnehmer an – der Arbeitnehmer spart zudem Steuern und Sozialabgaben. 42 Prozent der Befragten gab an, die betriebliche Altersvorsorge für attraktiv oder sehr attraktiv zu halten. Die Realität zeigt: Aktuell nutzt sie nicht einmal jeder Fünfte. Nur 18 Prozent sind es.

Foto: obs

Rang 3: Gold

Gold gilt vor allem in unsicheren Zeiten als sichere Anlageform. 38 Prozent der Deutschen finden es als Anlageform attraktiv. Allerdings sind es nur 6 Prozent, die ihr Geld wirklich in Gold anlegen – nirgendwo ist die Diskrepanz zwischen Ideal und Realität so groß.

Foto: REUTERS

Rang 4: Bausparvertrag

Der Bausparvertrag ist insbesondere bei den Deutschen beliebt – was laut den Autoren das Bedürfnis der Deutschen nach sicheren Anlagen unterstreicht. 32 Prozent geben an, Bausparen attraktiv oder sehr attraktiv zu finden – und 29 Prozent legen ihr Geld auch wirklich so an.

Foto: dpa

Rang 5: Private Rentenversicherung

Die private Rentenversicherung sagt immerhin 28 Prozent der Deutschen als Form der Geldanlage zu. 21 Prozent der Befragten sorgen tatsächlich privat für ihre Rente vor.

Foto: dpa

Rang 6: Private Kapitallebensversicherung

Die private Kapitallebensversicherung ist eine Kombination aus Kapitalaufbau und Hinterbliebenenschutz. 21 Prozent der Befragten empfindet sie als eine attraktive Geldanlage – genauso viele legen einen Teil ihres Geldes auch dort an.

Foto: dpa

Rang 7: Aktien

Trotz der Präferenz der Deutschen zur sicheren Geldanlagen werden Aktien immer beliebter. 20 Prozent der Deutschen finden es attraktiv, einen Teil ihres Vermögens in Aktien zu investieren – immerhin 12 Prozent handeln auch entsprechend.

Foto: dpa

Rang 8: Investmentfonds

Ebenfalls 20 Prozent sprechen sich für Investmentfonds als attraktive Geldanlage aus. 15 Prozent legen ihr Geld auch de facto entsprechend an.

Foto: gms

Rang 9: Tagesgeldkonto

Das Tagesgeldkonto gilt immerhin noch 18 Prozent der Deutschen als attraktive Form der Geldanlage. Der Anteil derer, die ein Tagesgeldkonto führen ist deckungsgleich.

Foto: WirtschaftsWoche

Rang 10: Zu Hause sparen

Die Großmutter, die ihr gesamtes Ersparnis unter der Matratze aufbewahrt, entspricht nicht nur einem Klischee. 18 Prozent der Deutschen halten es für attraktiv, ihr Geld daheim zu lagern. 23 Prozent verfahren sogar so.

Foto: dpa

Rang 11: Festgeldkonto

Das Festgeldkonto ist für 17 Prozent der Befragten eine attraktive Geldanlage. 12 Prozent besitzen eines.

Foto: WirtschaftsWoche

Rang 12: Festverzinsliche Wertpapiere

15 Prozent der Befragten gibt an, festverzinsliche Wertpapiere attraktiv zu finden. Aber nur vier Prozent der Befragten haben tatsächlichen Anleihen und Co. im Depot.

Foto: WirtschaftsWoche

Rang 13: Sparplan

Den Sparplan halten immerhin noch 14 Prozent für eine attraktive Anlageform. 9 Prozent haben wirklich einen.

Foto: WirtschaftsWoche

Rang 14: Fondsgebundene Lebensversicherung

13 Prozent der Befragten empfinden fondsgebundene Lebensversicherungen als eine gute Geldanlage. De facto investieren aber nur vier Prozent in eine solche Versicherung.

Foto: dpa

Rang 15: Sparbuch

In Zeiten des Niedrigzinses hat das Sparbuch stark an Beliebtheit eingebüßt. Nur noch 12 Prozent der Deutschen halten es für attraktiv – trotzdem haben noch 40 Prozent ein entsprechendes Sparbuch. Allerdings nimmt die Nutzung mehr und mehr ab.

Foto: dpa

Rang 15: Sparbrief

Die unattraktivste Anlageform in Deutschland ist der Sparbrief (10 Prozent). Nur 6 Prozent der Deutschen haben ihr Geld in einem solchen angelegt.

Foto: gms

Die Finanzmärkte reagierten prompt auf die Ankündigung. So fielen Aktien von Medikamentenherstellern wie AstraZeneca, GlaxoSmithKline oder Pfizer um bis zu zwei Prozent, Pharmaanleger verloren binnen Stunden mehrere Milliarden.

Unbeeindruckt davon ziehen die Kurse heimstarker Papiere ihre Kreise. Optiker-Marktführer Fielmann etwa dürfte – Trump hin oder Le Pen her – weiter Brillen ohne Verlust verkaufen, der SAP-Dienstleister All for One Steeb sollte uneingeschränkt in der Softwareberatung unterwegs sein, und der Erfolg von ProSiebenSat.1 hängt mehr von Joko und Klaas, Elton, den „Simpsons“ und Blockbuster-Filmen ab als von Einlassungen des neuen US-Präsidenten.

Zudem spielt allen Anlegern mit Heimatvorteil in die Hände, dass deutsche Unternehmen nach dem Brexit-Votum noch mehr in den Blick internationaler Finanzinvestoren gerückt sind. Im vergangenen Jahr kauften Beteiligungsgesellschaften für rund 25 Milliarden Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu und gaben damit gut 80 Prozent mehr für Firmenübernahmen aus als 2015. Das sagen neueste Daten der Beratungsfirmen PwC und Bain Capital. In ganz Europa stagnierte das Volumen dagegen.

Um den hessischen Arzneimittelhersteller Stada buhlen derzeit mehrere Finanzinvestoren (Private Equity), der Kurs liegt deshalb um fast die Hälfte höher als noch im November. Der Roboterhersteller Kuka ist schon teuer nach China gewandert, selbst Dax-Konzerne wie aktuell Linde stehen im Übernahme- und Fusionsfokus. „Es kommen viele neue Investoren nach Deutschland. Wenn Sie heute ein Unternehmen für 300 Millionen Euro verkaufen wollen, schauen sich das 50 Private-Equity-Firmen an – vor zehn Jahren waren es vielleicht 20“, so Ken Oliver Fritz, Deutschland-Co-Chef der Investmentbank Lazard.

Der Grund: Institutionelle Investoren wollen dem Niedrigzins entfliehen und üben deshalb Druck auf die Beteiligungsgesellschaften aus, die mit ihrem Geld mehr als ein, zwei Prozent verdienen sollen. Versicherer, Pensionskassen und die Superreichen haben der Beteiligungsbranche eine Menge Geld anvertraut, mit dem sie über den Kauf und Weiterverkauf hohe Renditen erzielen sollen – weltweit gab es für diese Geschäfte allein im vergangenen Jahr fast 600 Milliarden an frischen Dollar. „Wir investieren sehr gerne in Deutschland“, verriet David Rubenstein gerade dem „Handelsblatt“.

Rubenstein steht dem Finanzinvestor-Riesen Carlyle vor, der sich gerade anschickt, über vier Jahre 100 Milliarden Dollar bei Anlegern einzuwerben. Alleine wohlgemerkt. Das würde die massiven Mittel, die die Branche ohnehin schon aufgetürmt hat, noch einmal steigern. Bain schätzt, dass Private-Equity-Fonds noch rund 500 Milliarden Dollar für Aufkäufe in der Hinterhand haben.

Mit nur 0,1 Prozent davon könnten internationale Finanzhaie den BVB kaufen. Doch darauf zu spekulieren, das wäre sinnlos. Denn noch verbieten die Vereinsregularien des Deutschen Fußball-Bundes eine Übernahme. So muss auch Angelika keinen Arbeitgeberwechsel befürchten. Denn die Fan-Shop-Verkäuferin ist nicht beim Centro Oberhausen angestellt, sondern „direkt beim BVB-Marketing“, wie sie sagt – nicht ohne Stolz.

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