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Werner knallhartMacht endlich sonntags die Läden auf!

Eine große Mehrheit der Deutschen will, dass sonntags die Läden öffnen dürfen. Und die Argumente dagegen stammen noch aus einer Zeit vor dem Internet. Können wir bitte modern sein?Marcus Werner 07.06.2017 - 06:00 Uhr
Foto: dpa

Laut einer aktuellen Emnid-Umfrage der Bild am Sonntag wollen 61 Prozent der Deutschen, dass die Geschäfte mehr selbst entscheiden dürfen, ob sie sonntags aufmachen oder nicht. Ich finde es lieb von der Mehrheit der Deutschen, dass sie anderen nicht reinreden wollen, wann sie zu arbeiten haben.

39 Prozent hingegen wollen, dass Händler am Sonntag zuhause im Garten sitzen. Ein Freund von mir sagt auch: „Ich finde es so schön, wenn wenigstens einmal pro Woche die Innenstadt so schön ruhig ist.“ Ich sage: „Ja, da habe ich eine gute Nachricht für dich: Bald kannst du in allen deutschen Kleinstädten von Montag bis Sonntag in aller Ruhe durchs Zentrum laufen. Weil es gar keine Geschäfte mehr gibt.“

Ist doch wahr: In vielen Regionen sind die Innenstädte ja heute schon tot. Weil es sich für den Einzelhandel nicht mehr lohnt. Früher waren die Einkaufszentren in den Nachbarorten schuld, heute kommt noch der Online-Handel dazu.

Die beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands 2017
An einem Wochentag und einem Samstag im März und April wurden händisch an mehr als 100 Zählpunkten in 36 deutschen Städten die Zahl der Passanten erfasst. Von Papenburg mit 35.000 Einwohnern bis Berlin mit 3,5 Millionen Einwohnern. Berücksichtigt wurde dabei auch das Wetter. Quelle: Engel & Völkers Commercial, Passantenfrequenzzählung 2017, 01.04.2017
HamburgEinkaufsstraße: SpitalerstraßeDurchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde2017: 92482016: 7564Differenz (2017/2016): +22%Wetter: sonnig/bewölkt
FreiburgEinkaufsstraße: Kaiser-Joseph-StraßeDurchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde2017: 95942016: 1623Differenz (2017/2016): +491%Wetter: sonnig
KölnEinkaufsstraße: Hohe StraßeDurchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde2017: 97172016: 8800Differenz (2017/2016): +10%Wetter: sonnig/bewölkt
DortmundEinkaufsstraße: WestenhellwegDurchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde2017: 10.9462016: 9113Differenz (2017/2016): +20%Wetter: bewölkt/Regenschauer
FrankfurtEinkaufsstraße: ZeilDurchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde2017: 11.3542016: 10.145Differenz (2017/2016): +12%Wetter: sonnig/bewölkt
HannoverEinkaufsstraße: GeorgstraßeDurchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde2017: 14.1892016: 8583Differenz (2017/2016): +65%Wetter: sonnig
MünchenEinkaufsstraße: KaufingerstraßeDurchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde2017: 14.8162016: 17.653Differenz (2017/2016): -16%Wetter: sonnig/bewölkt
KölnEinkaufsstraße: SchildergasseDurchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde2017: 15.0892016: 11.201Differenz (2017/2016): +35%Wetter: sonnig/bewölkt
MünchenEinkaufsstraße: Neuhauser StraßeDurchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde2017: 15.2482016: 17.010Differenz (2017/2016): -10%Wetter: sonnig/bewölkt
StuttgartEinkaufsstraße: KönigstraßeDurchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde2017: 17.0182016: 7.430Differenz (2017/2016): +129%Wetter: sonnig/bewölkt

Doch jetzt kommt der Knaller: Es gibt Händler, die wollen lieber, dass alles so bleibt, wie es ist. Die wollen keine Freiheit. Spiegel Online schreibt: dm und Rossmann legen aktuell keinen Wert auf mehr Flexibilität.

Händler, die ihre sonntägliche Unfreiheit lieben, haben vor allem eins: Angst. Angst davor, dass ihre eigene Kundschaft nicht mehr kauft als vorher, sondern gleich viel - nur über sieben Tage pro Woche verteilt statt über sechs. Gleich viel Umsatz bei mehr Kosten für Personal. Klingt nicht sehr verlockend. Und warum sollten die Menschen künftig mehr Duschgel benötigen, nur weil sie auch sonntags einkaufen können?

Klingt erstmal logisch. Aber dieses Argument passt doch nicht mehr in die Zeit.

Bleiben wir mal bei dm und Rossmann. Amazon steht Gerüchten zufolge in den Startlöchern mit einem eigenen großen Drogerie-Angebot online. Da kann man dann gemütlich auch am Sonntag sein Duschgel bestellen. Wozu dann noch am Samstag in die überfüllten Läden der altehrwürdigen Filialisten rennen? Die Kunden verbrauchen dann zwar nicht mehr Duschgel als früher. Aber sie kaufen es dann eben bei den Amerikanern.

Innenstädte

Der Einzelhandel braucht Events, um zu überleben

In Deutschlands Innenstädten tummeln sich mehr Kunden als im Jahr zuvor. Im Wettbewerb mit dem Onlinehandel können die Citys aber nur überstehen, wenn sie Atmosphäre und Erlebnis bieten.

von Thorsten Firlus

Und so wie die Buchhändler einst werden dann womöglich auch die Drogeristen bald sagen: Hups!

Aber dafür sind dann eben die Innenstädte sonntags so schön ruhig. Dann hört man die Kirchenglocken besser. Pfarrer dürfen übrigens sonntags arbeiten. Und haben dann mehr Luft an anderen Tagen. Die haben´s gut. Dann haben die Geschäfte auf.

Gut, aber zumindest die katholischen Priester müssen ja auch nicht Familie und Job unter einen Hut bringen. Denn das ist ja noch so ein Argument gegen das Sonntags-Shopping. Dieses Mal kommt es von den Gewerkschaften. Wie sollen denn die Verkäuferinnen und Verkäufer bloß Job und Familienleben unter einen Hut bringen, wenn sie sonntags arbeiten müssen?

Deutschlands beliebteste Waren- und Kaufhäuser
Knapp sechs Prozent der Deutschen haben in den letzten sechs Monaten bei Strauss Innovation eingekauft. Das macht das Kaufhaus immerhin zum fünft beliebtesten im ganzen Land.Zur Umfrage: Das Ergebnis einer Umfrage zu den beliebtesten Waren- und Kaufhäusern in Deutschland zeigt, wie viele Menschen innerhalb von sechs Monaten im vergangenen Jahr in den verschiedenen Warenhäusern eingekauft haben.Quelle: Statista / VuMA
KODi wurde in diesem Jahr erstmals abgefragt und steigt mit einem Anteil von 6,7 Prozent in den vergangenen sechs Monaten direkt auf dem vierten Platz der beliebtesten Waren- und Kaufhäuser ein.
Platz drei geht mit 12,1 Prozent der Kunden an die Einzelhandelskette Woolworth mit rund 300 Filialen in Deutschland.
Mit einem Anteil von 24,3 Prozent an der gesamten deutschen Kauf- und Warenhauskundschaft hat es die Karstadt Warenhaus GmbH mit Sitz in Essen auf Platz zwei der beliebtesten Kaufhäuser geschafft.
Die meisten Kunden konnte die Galeria Kaufhof in sechs Monaten im Jahr 2016 in ihre Filialen locken. 30,2 Prozent der Deutschen über 14 Jahren haben dort eingekauft.

Hmm, das klingt natürlich wirklich wie eine unlösbare Aufgabe. Aber hey! Vielleicht könnte man ja mal die Blumenhändler fragen - und die Bäcker. Wie haben es die Verkäufer da hinbekommen?

Oder man fragt mal die anderen Leute, die sonntags ausnahmsweise nicht ruhen, obwohl es eigentlich seit Entstehung der Erde vorgesehen ist. Wie machen das die Flugbegleiterinnen? Oder die Zugbegleiter? Die Eisverkäufer? Die Kellnerinnen? Die Köche? Die Döner-Verkäufer? Die Hostessen auf Messen? Die Polizisten? Die Kino-Karten-Abreißer? Die Tierpfleger im Zoo? Die Schwimmmeister? Die Platzanweiser im Theater? U-Bahn-Fahrer? Zeitungsredakteure? Fernsehmoderatorinnen? Musiker im Symphonie-Orchester? Die Rezeptionisten im Hotel? Das Bodenpersonal im Flughafen? Zuckerwatte-Verkäufer im Freizeitpark? Stadtführer? Tankwarte? Schiffskapitäne? Radiosprecher? Krankenschwestern? Busfahrer? Pizza-Boten? Taxifahrer? Trainer im Fitnessstudio? Landwirte? Reiseleiter? Die Sicherheitsleute bei Rockkonzerten?

Die haben doch auch Familie. Ist deren Leben ruiniert? Finden die keine Zeit für soziales Leben jenseits des Jobs?

Handel

Warenhäuser wollen an Sonntagen häufiger öffnen

Sonntags schnell zum Shoppen in die Stadt? Warenhäuser und Einzelhändler wollen ihre Geschäfte öfter öffnen, um im Wettbewerb mit Onlinehändlern zu bestehen. Doch es gibt Widerstände.

Anders herum: Warum gilt es als eine dem Sonntag angemessene Erholung vom Alltagsstress, mit seinen Freunden und der Familie gemütlich in einem Café frühstücken zu gehen, nicht aber, mit Freunden und Familie in Ruhe einen Stadtbummel zu machen, um ein paar hübsche neue Sachen zu kaufen? Warum ist das eine geschätzt, das andere als billiger Konsum-Terror verpönt?

Gucken Sie sich mal die Kölner Schildergasse an einem Sonntag an. Während der Woche eine der umsatzstärksten Shopping-Meilen Deutschlands. Sonntags bummeln da tausende Leute durch und gucken in die Schaufenster der geschlossenen Läden. Was wäre anders, wenn sie die betreten könnten? Stünde die Welt dann kopf?

Wie entrückt der Ladenschluss am Sonntag ist, zeigt sich in großen Städten wie Berlin. Dort dürfen Geschäfte an großen Bahnhöfen öffnen. Begründung: Die Leute brauchen ja schließlich die Möglichkeit, sich mit Reisebedarf einzudecken. Und so decken sich die Menschen dort am Ostbahnhof bei Rewe für ihre Reise mit dem ICE ein mit Einkaufswagen voller Getränkekisten, frischem Hackfleisch, Kartoffelsäcken, Küchenrollen und Waschmitteln. Und schleppen das alles dann zum Auto auf dem Rewe-Parkplatz in der Tiefgarage des Bahnhofs.

Am Berliner Hauptbahnhof gibt es im Mediamarkt eine Abteilung, die heißt „Smart Home“. Weil das ja Reisebedarf ist.

Immer wenn sich in einer Gesellschaft solche irrsinnigen Notlösungen entwickeln, ist das ein Zeichen: Da gibt es Bedarf für was neues Vernünftiges. In der Berliner Oranienstraße gibt es einen Blumenhändler, der hat 24 Stunden am Tag auf. Aber ausgerechnet am Sonntag muss er einige Stunden lang schließen. Weil das irgendwo so geregelt ist.

Können wir bitte mehr 2017 sein? Und den Einzelhändlern genauso viel Geschäftssinn zutrauen, wie allen anderen Branchen? Und genauso viel Kompetenz und Rücksichtnahme im Umgang mit den Mitarbeitern wie in allen anderen Branchen? Und Händler, die glauben, das Geschäft am Sonntag lohne sich für sie nicht, die lassen ihren Laden dann einfach zu. Und können dann im Garten in den Himmel gucken und wenn sie dann ein Flugzeug sehen, dann können sie denken: Hihi, ich hab frei und die da oben müssen arbeiten.

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