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Opel-ChefKarl-Thomas Neumann tritt zurück

Es hatte sich bereits angedeutet, jetzt ist klar: Opel-Chef Karl-Thomas Neumann wird den Autobauer bald verlassen. Was bedeutet das für die Übernahme durch PSA? Wer wird sein Nachfolger? Und was könnte Neumann machen? 12.06.2017 - 15:21 Uhr aktualisiert

Michael Lohscheller

Der vorherige Opel-Finanzchef Michael Lohscheller ist seit dem 12. Juni 2017 Chef von Opel. Er gehört seit September 2012 dem Opel-Vorstand an und ist seit 2014 Finanzvorstand und Geschäftsführer Finanzen der Opel Group. Der Diplom-Kaufmann sammelte schon vor seiner Zeit bei Opel über viele Jahre Erfahrungen in der Autobranche. Lohscheller arbeitete bei Daimler, Mitsubishi und Volkswagen – dort zuletzt als Finanzvorstand der US-Sparte. Sein Vorgänger Karl-Thomas Neumann bleibt noch bis zum Abschluss der Übernahme durch PSA Mitglied der Geschäftsführung. Danach wird es die Aufgabe des 48-Jährigen sein, wie von PSA-Chef Tavares gefordert, Opel zurück in die schwarzen Zahlen zu führen.

Foto: Opel

Karl-Thomas Neumann

Karl-Thomas Neumann hatte zum 1. März 2013 den Chefposten in Rüsselsheim übernommen. Der gebürtige Niedersachse (Jahrgang 1961) studierte Elektrotechnik in Dortmund und Duisburg. Zunächst arbeitete er bei Motorola, 1999 wechselte er dann zu VW. Von 2004 bis 2009 war er bei dem Autozulieferer Continental tätig, danach ging Neumann zurück zu Volkswagen. Er hat dort das Geschäft in China ausgebaut und gilt als Freund der Elektromobilität. In Rüsselsheim erarbeitete er sich einen guten Ruf, obwohl er sich zuvor nicht als Krisenmanager profiliert hatte. Selbst Kritiker loben heute bei Opel die griffige Werbung, das frische Image und die technisch stark verbesserte Produktpalette. Nur die Rückkehr in die Gewinnzone hat Neumann bis zuletzt nicht geschafft. Am 12. Juni 2017 erklärte Neumann seinen Rücktritt.

Foto: CLARK/obs

Thomas Sedran

Ab Mitte Juli 2012 leitete der damalige Strategievorstand die Geschäfte des kriselnden Autobauers. Der promovierte Ökonom wechselte erst im April 2011 in den Vorstand der Adam Opel AG und leitete seither das neu geschaffene Ressort Operations, Geschäftsentwicklung und Unternehmensstrategien. Seine Aufgabe: Er sollte Strategien für profitables Wachstum entwickeln und umsetzen – auch außerhalb Europas. Dann wurde er zusätzlich Vize-Chef des Autobauers und führte einstweilen die Geschäfte. Sedran kam auch die Aufgabe zu, die Schließung des Werks in Bochum zu verkünden. Nach einer kurzen Station bei der Unternehmensberatung Accenture ist Sedran inzwischen bei Volkswagen tätig.

Foto: dpa

Stephen Girsky

Girsky (rechts) war ein Kurzzeit-Chef in Rüsselsheim: Er übernahm am 12. Juli 2012 das Ruder, nachdem der damalige General Motors-Vorstandsvorsitzender Dan Akerson (links) den bisherigen Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke kurzerhand absetzte. Girskys Amtszeit dauerte genau fünf Tage. Zeit genug, um von den Mitarbeiter mehr Engagement einzufordern. In einer E-Mail schrieb er: „Unsere erfolgreiche Revitalisierung erfordert von uns allen die Bereitschaft, das Geschäft anders zu machen als bisher und dabei schnell zu handeln. Jeder Einzelne von uns ist verantwortlich für die Ergebnisse.“

Foto: dpa

Karl-Friedrich Stracke

Stracke war nur etwas über ein Jahr Chef in Rüsselsheim, er hatte am 11. April 2011 den Vorstandsvorsitz der Opel AG übernommen. Zu diesem Zeitpunkt war der Hesse seit mehr als 30 Jahren bei dem deutschen Traditionsautobauer beschäftigt. Sein Abtritt kam plötzlich: Ende Juni 2012 stellte er noch ein umfangreiches Sanierungsprogramm vor, um die krisengeplagte GM-Tochter wieder auf Kurs zu bringen. Auch sein Vorgänger....

Foto: dpa

Nick Reilly

...war nur gut 14 Monate Chef des Traditionsautobauers. Der Brite Nick Reilly trat im Januar 2010 an und verabschiedete sich bereits im März 2011 wieder – allerdings um in den Aufsichtsrat berufen zu werden. Reilly war als harter Sanierer bekannt und wurde von der GM-Mutter zur Krisentochter nach Europa geschickt, um Opel wieder auf Kurs zu bringen.

Foto: REUTERS

Hans Demant

Demant war von Juni 2004 bis Januar 2010 Vorsitzender der Opel-Geschäftsführung. Der Ingenieur galt als zurückhaltend – einer der sich nicht gegen die Interessen der amerikanischen Eigentümer aufbäumte. Genutzt hat es ihm nicht. Er nahm wenige Monate nach dem damaligen Europa-Chef Carl-Peter Forster seinen Hut. Zu diesem Zeitpunkt musste Opel 12.000 Mitarbeiter für mehrere Monate in Kurzarbeit schicken – rund die Hälfte der damaligen deutschen Belegschaft.

Foto: AP

Carl-Peter Forster

Forster war von April 2001 bis Juni 2004 Opel-Chef. Später Europa-Chef von General Motors. Forster hatte der Marke mit dem Blitz zu vielfach ausgezeichneten Modellen wie dem Insignia verholfen und die Qualität der Modelle deutlich verbessert. Im November 2011 trat er als Europa-Chef ab. Grund für seinen Abgang war offenbar der plötzliche Schwenk des GM-Verwaltungsrats, der Opel nach langen Verhandlungen auf einmal doch nicht mehr an das Magna-Konsortium verkaufen wollte. Nach dem geplatzten Verkauf wechselte Forster zum indischen Autobauer Tata.

Foto: AP

Die Tage von Karl-Thomas Neumann bei Opel schienen bereits am Wochenende gezählt: Die „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ berichtete, er wolle das Unternehmen verlassen, sobald der Verkauf von General Motors an die französische Peugeot-Mutter PSA vollzogen sei.

Am Montag trat Neumann als Vorsitzender der Geschäftsführung des Autobauers zurück. Wie vermutet will er als Mitglied der Geschäftsführung an Bord bleiben, bis der Verkauf der GM-Tochter an Peugeot abgeschlossen sei – das teilte er zumindest über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Warum will Neumann Opel verlassen?

Seit den ersten Nachrichten über den Deal gab es Spekulationen über einen Abschied des 56 Jahre alten Neumann, dem eine Unterordnung unter PSA-Chef Carlos Tavares nicht zugetraut wurde. Schließlich hat Neumann den traditionsreichen Autobauer, der seit 1929 zum US-Konzern General Motors (GM) gehört, seit 2013 weitgehend eigenständig gelenkt. Diese Eigenständigkeit hätte Neumann eingebüßt, Paris wird Opel wohl an eine deutlich kürzere Leine nehmen als das die GM-Führung in Detroit gemacht hat. „Ich persönlich habe schon lange mit Neumanns baldigem Abschied gerechnet, denn eine Persönlichkeit wie er kann schlicht und einfach nicht unter einem PSA-Chef Carlos Tavares arbeiten“, sagte der frühere Opel-Betriebsratschef Klaus Franz im Gespräch mit der „Automobilwoche“.

Zudem wird ein Dissens über die künftige Strategie von Opel vermutet. Neumann wollte Berichten zufolge die Rüsselsheimer – innerhalb von General Motors – zu einer reinen Elektromarke umbauen. Das sollte bis 2030 geschehen, wie das „Manager Magazin“ im Frühjahr berichtet hatte. An dem Fokus auf die Elektromobilität soll Neumann auch nach dem sich anbahnenden Eigentümerwechsel festgehalten haben. Er habe Sorge, ob die Franzosen die einschneidende Wirkung der Elektromobilität richtig erkennen.

Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer erklärte jedoch, die Komplett-Umstellung von Opel bis 2030 sei unrealistisch. Man dürfe bei einer Volumen-Marke wie Opel die konventionellen Antriebe nicht so stark vernachlässigen, weil sie zu dem Zeitpunkt noch das weitaus größere Geschäftsfeld sein könnten. Das sieht die PSA-Spitze offenbar ganz ähnlich.

Was bedeutet das für Opel?

Obwohl Neumann sich in seinen vier Jahren in Rüsselsheim bei vielen Respekt verschafft hat – selbst Kritiker loben die griffige Werbung, das frische Image und die technisch stark verbesserte Produktpalette –, könnte es für das Unternehmen besser sein, wenn er Opel verlässt. PSA-Chef Tavares hat für Opel ambitionierte Pläne – regelmäßige Streitigkeiten zwischen den Managern würden das ganze Unterfangen lähmen. Und wenn PSA die Geduld verliert, stünde Opel wieder einmal vor einer ungewissen Zukunft.

Opels Produktionsstandorte in Europa
Am Opel-Hauptsitz arbeiten 14.850 Beschäftigte, davon gut die Hälfte im Entwicklungszentrum. Die Produktion hat rund 3000 Arbeitnehmer. Sie bauen den Mittelklassewagen Insignia in mehreren Varianten, den Zafira sowie Getriebe und Komponenten.Quelle: Reuters, Stand: 19. April 2018
Der Standort in Rheinland-Pfalz hat 2130 Beschäftigte. Sie produzieren Motoren und Fahrwerkskomponenten.
In Thüringen laufen die Kleinwagen Corsa und Adam vom Band. Im Werk Eisenach arbeiten 1790 Menschen.
In dem polnischen Werk sind knapp 3050 Mitarbeiter beschäftigt. Sie bauen den Kompaktwagen Astra und das Cabrio Cascada und den Sportwagen Opel GTC. In Tychy stellen 400 Beschäftigte Motoren her.
In dem spanischen Standort bei Saragossa laufen Corsa, Meriva, der SUV Mokka und der Stadtgeländewagen Crossland X vom Band. Der Standort hat 5170 Arbeitsplätze.
Im Werk Ellesmere Port arbeiten 1470 Beschäftigte. Hier werden ebenfalls Astra-Modelle produziert.Der Standort Luton nördlich von London hat 1240 Arbeitnehmer und baut den Kleintransporter Vivaro.
In dem österreichischen Werk nahe Wien arbeiten 1330 Menschen. Dort werden Motoren und Getriebe hergestellt.
Die Fabrik in Ungarn produziert mit 1160 Arbeitnehmern Motoren und Komponenten.

Dass Opel nun wohl ohne seinen technik-affinen Leitwolf nach Paris umparken muss, schwächt die Position des Unternehmens im neuen Konzern, glaubt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut der Universität Duisburg-Essen. Schon während der Übergangsarbeiten konnte Neumann seine neue Machtlosigkeit erleben, wenn Betriebsräte und IG Metall die vereinbarten Produktions- und Entwicklungsvolumina in einem Tarifvertrag festschreiben wollten. Ihre Verhandlungspartner dafür kamen vom Mutterkonzern GM, der ein Übergangsteam nach Rüsselsheim entsandt hat.

Wer wird auf Neumann folgen?

Finanzchef Michael Lohscheller (48) übernimmt den Vorsitz der Geschäftsführung. „Glückwunsch, Michael Lohscheller! Mit Ihnen bekommt #Opel einen CEO, der das Unternehmen genau kennt. Das ist die gute Nachricht des Tages!“, schrieb Neumann bei Twitter.

Michael Lohscheller, der neue Opel-Chef.

Foto: Opel

Lohscheller ist seit September 2012 Chief Financial Officer und Geschäftsführer Finanzen und wechselte von VW nach Rüsselsheim. Bei den Wolfsburgern war er von 2004 bis 2007 Leiter Konzernmarketing und Vertriebssteuerung, danach leitete er bis zu seinem Wechsel das Finanzressort der Volkswagen Group of America. „Ich danke dem Aufsichtsrat für das Vertrauen. Wir werden den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und als Teil der PSA-Gruppe weiter an Schlagkraft gewinnen“, sagte Lohscheller laut einer Opel-Mitteilung. „Denn hier entsteht nach dem erwarteten Closing des Vertrags ein neuer europäischer Champion. “

Bereits zuvor war spekuliert worden, dass PSA auf eine interne Nachfolge setzt. Neben Lohscheller wurde auch Vertriebschef Peter Küspert für den Chefposten gehandelt, zudem wurden Marketing-Chefin Tina Müller in dem FAS-Bericht Chancen eingeräumt. Doch wie bei Neumann gab es auch um die Zukunft von Müller Gerüchte, seitdem der Verkauf an PSA bekannt wurde. Die von Müller ersonnene Kampagne „Umparken im Kopf“ war zwar unbestritten erfolgreich – doch ob es aus Paris künftig solche Freiheiten geben wird wie einst aus Detroit, ist unklar.

Opel Adam

Werk: Eisenach
Plattform: GM-SCCS (Small Common Components and Systems), 2005 von Opel und Fiat gemeinsam entwickelt
Schwestermodelle: Opel Corsa D/E, Alfa Romeo MiTo, Fiat Qubo, Fiat Grande Punto (in einer Abwandlung der Plattform auch der Jeep Renegade, Fiat 500X und Fiat 500L)

Foto: Opel

Opel Karl

Werk: Changwon (Südkorea)
Plattform: GM Gamma II
Schwestermodelle: Opel Mokka, Chevrolet Spark, Chevrolet Aveo, Chevrolet Trax

Foto: Opel

Opel Corsa E

Werk: Eisenach und Saragossa (Spanien)
Plattform: GM-SCCS (Small Common Components and Systems), 2005 von Opel und Fiat gemeinsam entwickelt
Schwestermodelle: Opel Corsa D, Opel Adam, Alfa Romeo MiTo, Fiat Qubo, Fiat Grande Punto (in einer Abwandlung der Plattform auch der Jeep Renegade, Fiat 500X und Fiat 500L)

Foto: Opel

Opel Mokka

Werk: Bupyeong-gu (Südkorea) und Saragossa (Spanien)
Plattform: GM Gamma II
Schwestermodelle: Opel Karl, Chevrolet Spark, Chevrolet Aveo, Chevrolet Trax

Foto: Opel

Opel Ampera-e

Werk: Orion (USA)
Plattform: GM BEV II
Schwestermodelle: Chevrolet Bolt

Foto: Opel

Opel Astra K

Werk: Ellesmere Port (England) und Gliwice (Polen)
Plattform: GM D2XX, eine Weiterentwicklung der Delta-Plattform
Schwestermodelle: Chevrolet Cruze, Chevrolet Volt, Buick Envision, Buick Verano (für den chinesischen Markt), GMC Terrain, Chevrolet Equinox

Foto: Opel

Opel Cascada

Werk: Gliwice (Polen)
Plattform: GM Delta II, Vorgänger der D2XX-Plattform
Schwestermodelle: Opel Astra J, Opel Zafira Tourer, Opel Ampera, Chevrolet Volt, Chevrolet Orlando, Cadillac ELR

Foto: Opel

Opel Crossland X

Werk: Saragossa (Spanien)
Plattform: PSA PF1
Schwestermodelle: Citroën C3 Picasso, Peugeot 2008

Foto: Opel

Opel Grandland X (wird noch 2017 vorgestellt)

Werk: -
Plattform: PSA PF2
Schwestermodelle: Citroën C4, Citroën DS4, Peugeot 3008

Foto: Opel

Opel Zafira Tourer

Werk: Rüsselsheim, künftig im PSA-Werk Sochaux
Plattform: GM Delta II, Vorgänger der D2XX-Plattform
Schwestermodelle: Opel Astra J, Opel Zafira Tourer, Opel Cascada, Chevrolet Volt, Chevrolet Orlando, Cadillac ELR

Foto: Opel

Opel Insignia Grand Sport

Werk: Rüsselsheim
Plattform: GM E2XX, Weiterentwicklung der Epsilon-II-Plattform
Schwestermodelle: Chevrolet Malibu, Chevrolet Impala

Foto: Opel

Was hat PSA mit Opel vor?

Opel soll so schnell wie möglich schwarze Zahlen schreiben. In einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montag) bekräftigte Tavares seine Vorgabe, dass Opel spätestens 2020 Gewinn machen muss – allein mit dieser Zielmarke wären die von Neumann geplanten hohen Investitionen in die Elektromobilität utopisch. Den Plan für die Rückkehr in die Gewinnzone solle das Opel-Management innerhalb von 100 Tagen nach der Übernahme vorlegen und ihn dann umsetzen. Die FAZ spekuliert als Datum auf den 12. September, dem Beginn der Automesse IAA.

Tavares schweben dabei tiefgreifende Änderungen vor, um den Turnaround zu schaffen. „Es sind alle Führungskräfte eingeladen, mit mir den Weg zu gehen. Sie müssen nur wissen, dass es so wie bisher nicht bleiben kann“, so der Portugiese. Den erwarteten Abgang von Opel-Chef Karl-Thomas Neumann kommentierte der PSA-Boss nur indirekt. Jeder müsse seine persönliche Entscheidung treffen, sagte er der Zeitung zufolge.

Opel-Übernahme

PSA-Chef will Opel "mit unabhängigen Marken" weiterführen

von Annina Reimann

Opel solle so deutsch wie möglich bleiben, um sich mit den anderen Marken zu ergänzen meinte Tavares. Einsparmöglichkeiten sehe er insbesondere im Einkauf, beim Vertrieb und im Export. Beschäftigungsgarantien für die rund 38.000 Opel-Mitarbeiter über die bis 2018 laufenden Tarifverträge hinaus lehnte er aber ab. „Da muss man offen und ehrlich sein: Das Einzige, was Mitarbeiter schützt, ist Gewinn.“

Der neue Opel Crossland X fährt als erstes Modell eines französisch-deutschen Dreigestirns zu den Kunden. Der hochbeinige Crossover ist eine gelungene Mixtur aus Kombi, Familien-Van und SUV und ersetzt den inzwischen nicht mehr gebauten Meriva.

Foto: Opel

Erst vor wenigen Wochen wurde verkündet, dass der französische PSA-Konzern (Peugeot, Citroën) die deutsche Traditionsmarke Opel unter seine Fittiche nehmen will. Und jetzt schon startet das erste gemeinsame Baby der Rivalen von einst, noch bevor die Verträge unterzeichnet sind. Wie geht das denn? Des Rätsels Lösung ist simpel. Schon vor gut fünf Jahren vereinbarten PSA und Opel die gemeinsame Produktion von kompakten Crossover-Modellen. Da war noch nicht die Rede davon, dass der Crossland X genannte Opel bald ein Mitglied der PSA-Familie werden könnte.

Foto: Opel

Das Timing für die ersten Testfahrten im ersten „Peugopel“ könnte also nicht besser sein, liefert der Crossland X doch einen deutlichen Hinweis darauf, was da in Zukunft auf uns zurollt. Ein schmucker Fünftürer mit Opel-Blitz im Kühler, der auf einer Peugeot-Plattform fährt und auch von französischen Motoren bewegt wird. Bei alledem klar als ein typischer Opel der Neuzeit zu erkennen, der Innenraum orientiert sich am Erfolgsmodell Mokka X, der auch für die Gestaltung des Cockpits Pate stand. Ansonsten hat der Neuling allerdings nichts mit dem nur um sieben Zentimeter längeren Mokka zu tun, auch wenn er ebenfalls das magische „X“ im Namen trägt.

Foto: Opel

Denn im Opel-Typenalphabet steht das „X“ nicht für Allradantrieb, den es beim Mokka immerhin gegen Aufpreis gibt. Der Crossland X wird nur von den Vorderrädern gezogen, will auch nicht gegen die in jedem Schaufenster präsenten SUV-Modelle antreten. Ein Crossover eben, der das jeweils Beste aus der Welt der Kombis und kleinen Vans mit der Optik eines höher gebauten SUV kombiniert. Wer sich vor dem Start zur ersten Crossland-Runde im Innenraum umschaut und nacheinander alle Plätze ausprobiert, kommt ins Grübeln. Wirklich nur 4,21 Meter lang, dieser Opel? Und dann dieser üppige Kofferraum, der 410 Liter einladen kann. Das sind 40 Liter mehr als beim um 16 Zentimeter längeren Astra. Die Designer schafften das Raumwunder, indem die beiden Achsen so weit wie möglich an die Ränder der Karosse gerückt wurden. Zudem ist der Motorraum recht kurz geraten.

Foto: Opel

Im Test-Crossland meldet sich nach dem Druck auf den Startknopf ein Dreizylinder-Turbobenziner, der zum Beispiel auch im Peugeot 308 Dienst tut. Schon nach wenigen Kilometern wird klar, dass der 1,2-Liter mit dem 1,27 Tonnen schweren Opel wenig Mühe hat. Auf den engen Serpentinen zwischen venezianischen Weinbergen kommt sogar ein Hauch von Sportlichkeit auf, auch wenn das von dieser Art Autos nun gar nicht erwartet wird. Dazu muss allerdings das Sechsgang-Schaltgetriebe eifrig genutzt werden, dessen recht lange Schaltwege gewöhnungsbedürftig sind. Wenn der Direkteinspritzer mit seinen 130 PS samt Turbo bei Laune gehalten wird, tobt er in weniger als 10 Sekunden auf Tempo 100. Die Spitze von 206 km/h wird sich erst später auf deutschen Autobahnen beweisen müssen, wenn´s denn mal flott gehen muss.

Foto: Opel

Gute Noten verdienen sich die Opel-Fahrwerksingenieure auf jeden Fall für die straffe, aber dennoch komfortable Abstimmung von Dämpfern und Federn, die alles andere als typisch französisch ist. Obwohl der Crossland X zehn Zentimeter höher als ein Astra ist, hält sich auch die Seitenneigung in erfreulichen Grenzen. Unterm Strich ein richtig erwachsenes Auto, das aber vor allem beim gelassenen Gleiten seine Trümpfe ausspielt. Hier kann die Schalthand Pause machen, die gute Dämmung sorgt ebenso für Behaglichkeit wie das in dieser Klasse nicht branchenübliche Ambiente. Natürlich viel Kunststoff, der aber recht sorgsam aufbereitet wurde. Wer sich für die Opel-typischen rückenschonenden Vordersitze entscheidet (495 Euro) bleibt dabei auch auf Langstrecken schmerzfrei.

Foto: Opel

Bei Studium der dicken Preisliste, die eine Fülle von Ausstattungspaketen bietet, fällt zuerst die großzügige Serienausstattung auf, die schon in den Basismodellen lockt. Müdigkeitswarner, Spurassistent, LED-Tagfahrlicht, Verkehrsschilderkennung, Tempomat und vieles mehr sind im Grundpreis immer mit drin. Wer mehr Geld ausgeben will, kann u.a. LED-Scheinwerfer mit Fernlichtassistent, Head-Up-Display, Toter-Winkel-Warner, Rückfahrkamera, Einparkautomatik, Internet-Anbindung oder um 15 Zentimeter verschiebbare Rücksitze bestellen. Viele dieser Schmankerln sind in miteinander mehr oder weniger kombinierbaren Paketen versteckt, die nur mit Hilfe eines Opel-Gelehrten durchschaubar werden. Der eifrige Verkäufer im Autohaus wird‘s schon richten.

Foto: Opel

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hofft zu Recht auf viele neue Kunden, die sich vom Crossland X trotz fehlendem Allradantrieb anlocken lassen. Und natürlich auf ehemalige Meriva-Käufer, die jetzt ja heimatlos sind. Und Neumann hat noch einen Trumpf im Crossover-Ärmel: Im Herbst erscheint der größere Grandland X, der mit seinen 4,48 Metern bei den Maßen des Innenraums noch mal mehr bietet. Auch dieser Opel, ein Schwestermodell des Peugeot 3008, wird zusammen mit dem PSA-Konzern produziert. Er soll es mit dem Branchenprimus VW Tiguan aufnehmen – allerdings wieder ohne Allrad.

Foto: Opel

Opel Crossland X – 1,2 Turbo - Technische Daten:

Fünftüriger Crossover mit fünf Sitzen. Länge: 4,21 Meter, Breite (ohne Spiegel): 1,76 Meter, Höhe: 1,60 Meter. Radstand: 2,60 Meter, Kofferraumvolumen: 410 – 1.255 Liter, Leergewicht (mit Fahrer): 1.274 kg.
Antrieb: Dreizylinder-Benziner mit Turbo und Direkteinspritzung, 1.199 ccm, 96 kW/130 PS, max. Drehmoment: 230 Nm bei 1.750 U/min, Vmax: 206 km/h, 0-100 km/h in 9,1 sec., Sechsgang-Schaltgetriebe: Normverbrauch: 5,1 l/100 km, CO2-Ausstoß: 116 g/km, EU 6. Effizienzklasse B
Preis ab: 21.100 Euro

Weitere Motorisierungen:
Benziner:
1,2 Liter-Dreizylinder, 60 kW/81 PS, 1.199 ccm, max. Drehmoment: 118 Nm bei 2.750 U/min, Fünfgang-Schaltgetriebe, Vmax: 170 km/h, 0-100 km/h in 14,0 sec. Normverbrauch: 5,2 l/100 km, CO2-Ausstoß: 116 g/km, EU 6. Effizienzklasse C. Preis: ab 16.850 Euro
1,2 Ecotec: Dreizylinder, 81 kW/110 PS, 1.199 ccm, max. Drehmoment: 205 Nm bei 1.500 U/min, Fünfgang-Schaltgetriebe, Vmax: 188 km/h, 0-100 km/h in 10,6 sec. Normverbrauch: 4,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 111 g/km, EU 6. Effizienzklasse B, Preis: ab 20.650 Euro (mit 6-Gang-Automatik: 22.100 Euro

Diesel:
1,6 Diesel: Vierzylinder, 73 kW/99 PS, 1.560 ccm, max. Drehmoment: 254 Nm bei 1.750 U/min, Fünfgang-Schaltgetriebe, Vmax: 180 km/h, 0-100 km/h in 11,6 sec. Normverbrauch: 3,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 102 g/km, EU 6. Effizienzklasse A (mit Start/Stop A+), Preis: ab 20.650 Euro
1,6 Diesel: Vierzylinder, 88 kW/120 PS, 1.560 ccm, max. Drehmoment: 300 Nm bei 1.750 U/min, Sechsgang-Schaltgetriebe, Vmax: 187 km/h, 0-100 km/h in 9,9 sec. Normverbrauch: 4,0 l/100 km, CO2-Ausstoß: 105 g/km, EU 6. Effizienzklasse A, Preis: ab 22.800 Euro

Foto: Opel

Kurzcharakteristik Opel Crossland X:

Warum: Weil es richtig viel Auto fürs Geld gibt
Warum nicht: Weil man eben immer noch Fan von richtigen Limousinen ist
Was sonst: Jede Menge an Crossover im SUV-Look – aus Japan, Korea und Frankreich.

Foto: Opel

Wie ist der Stand bei der Übernahme?

Die Übernahme könnte bereits im Sommer über die Bühne gehen. Der 31. Juli sei der frühestmögliche Zeitpunkt, sagte ein Opel-Sprecher vergangene Woche. Bis dahin müssten allerdings alle Voraussetzungen erfüllt sein, insbesondere die Freigabe durch die Kartellbehörden. Dies sei in einem Brief des Opel-Managements der Belegschaft mitgeteilt worden. Bisher war nur die zweite Jahreshälfte als Zeitraum genannt worden.

Ärger im Abgas-Skandal

Audi-Chef spricht sich mit Dobrindt aus

Unter anderem sei auch eine Einigung in der Frage der Patente für Opel-Modelle erzielt worden, die dem bisherigen Mutterkonzern General Motors (GM) gehören. Es entstünde der zweitgrößte Autokonzern Europas nach Volkswagen.

Was macht Neumann nach seinem Ausscheiden bei Opel?

Die Zukunft des drahtigen Marathon-Läufers Neumann ist noch unklar. Der Elektro-Ingenieur hat in seiner Laufbahn für Motorola, Continental und in mehreren Positionen für den Volkswagen-Konzern gearbeitet und würde laut FAS gerne in der Branche bleiben. Hochrangige Entscheidungsträger bei Volkswagen könnten sich Neumann beispielsweise als Nachfolger des angeschlagenen Audi-Chefs Rupert Stadler gut vorstellen, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Neumann war lange Jahre bei VW. Unter anderem war er für die Elektromobilität zuständig und wurde später Chef des wichtigen China-Geschäfts. Der Niedersache würde Branchenexperten zufolge wegen seiner Affinität zur Elektromobilität gut zu Audi passen.

Der Vertrag von Audi-Chef Rupert Stadler ist zwar jüngst um fünf Jahre verlängert worden, doch dabei könnte es sich nur um ein taktisches Manöver gehandelt haben. Der Audi-Chef steht intern wegen seiner schlechten Kommunikation in der Dieselaffäre in der Kritik. Zuletzt hatte er in einem umstrittenen Interview mit der „Automobilwoche“ Verkehrsminister Dobrindt vorgeworfen, sich auf Kosten des Autobauers zu profilieren. Stadler hat Insidern zufolge nur unter der Bedingung eine Vertragsverlängerung erhalten, dass er vorzeitig von seinem Amt abtritt. Sprich: Stadler wird nur so lange gehalten, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist – was im Herbst der Fall sein könnte.

ses, dpa, rtr
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