Value-Fonds: Diese Fonds profitieren bei einer Zinswende
Value-Fonds: Welche Werte von der Zinswende profitieren.
Foto: Marcel Stahn, Getty ImagesInzwischen zweifelt kaum ein Marktteilnehmer daran, dass die Phase der fortwährend sinkenden Zinsen ganz allmählich beendet ist. Fraglich ist nur noch, wann die Zinswende auch in Europa vollzogen wird und wie zügig erste Leitzinserhöhungen der EZB stattfinden werden. Bereits jetzt stehen für die meisten Experten die Verlierer dieser Entwicklung fest: In erster Linie sind dies Anleihen höchster Bonität und natürlich auch Investmentfonds mit entsprechendem Schwerpunkt.
10. Platz: Aktien
Der comdirect Spar- und Anlageindex ist im September den sechsten Monat in Folge gesunken. Er erreichte mit 93,8 Punkten den niedrigsten Stand seit Dezember 2015. Die Deutschen sparen also immer weniger. 40 Prozent legten im September gar nichts oder weniger als 50 Euro zurück. Im Schnitt sparte jeder Deutsche 105,62 Euro.
Aktien sind als Geldanlage bei den Deutschen nicht sehr beliebt. Mit einem Anteil von 14 Prozent reicht es nur für den zehnten Platz des Rankings.
(Quelle: comdirect)
Foto: dpa9. Platz: Festgeld
Schon etwas beliebter als die Aktien ist das Festgeld. Immerhin 19 Prozent der Geldanlagen fallen in diesen Bereich.
Dass insgesamt wenig angelegt wird, hängt unter anderem mit der andauernden Niedrigzinsphase zusammen. Da noch nicht klar ist ob, und falls ja, wann die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder hebt, wird Anlegern empfohlen, ihr Geld in Produkten mit höheren Renditechancen (und gleichzeitig aber auch höherem Risiko) als den aktuell sehr schlecht verzinsten klassischen Sparprodukten anzulegen.
Foto: dpa8. Platz: Fonds
Fonds befinden sich mit dem Festgeld gleichauf. Sie liegen ebenfalls bei 19 Prozent. Im Gegensatz zum August konnten sie um drei Prozent zulegen und sich so einen Platz nach oben schieben.
Im Norden und im Osten Deutschlands wurde im September vergleichsweise besonders wenig gespart. Im Norden sparte man durchschnittlich 94,37 Euro und im Osten 91,96 Euro pro Person. Im Süden legte der Durchschnittsparer mit 121,26 Euro deutlich mehr zurück.
Foto: gms7. Platz: Altersvorsorge
Die Altersvorsorge wird in Deutschland zu einem immer wichtigeren Thema. Immerhin 26 Prozent der Ersparnisse werden hierzulande in diesem Bereich angelegt, was der Anlageform zu einem siebten Platz in diesem Ranking verhilft.
Absolut gesehen planen die Deutschen gemäß der Studie aber zukünftig weniger zurück zu legen. Nur 11 Prozent der 1.600 Befragten gaben an, dass sie ihre Sparrate erhöhen möchten. 13 Prozent wollen ihr Verhalten nicht ändern und 13 Prozent sagten, dass sie in Zukunft weniger sparen möchten.
Foto: dpa6. Platz: Lebensversicherung
Die Lebensversicherung schafft es in diesem Ranking auf den sechsten Platz. Mit 29 Prozent ist sie aber auch weit vom Spitzenplatz der beliebtesten Geldanlage für die Ersparnisse entfernt.
Dass die Sparquote insgesamt zurück gegangen ist, liegt vor allem an dem hohen Anteil der Menschen, die so gut wie nichts sparen. Insgesamt legten 40 Prozent der Deutschen weniger als als 50 Euro zurück.
Foto: dpa5. Platz: Bausparvertrag
Im Mittelfeld dieses Rankings findet sich der Bausparvertrag. Die Deutschen legen 30 Prozent ihrer Ersparnisse in dieser Form an. Somit ist der Bausparvertrag deutlich beliebter als die Aktien, Fonds und das Festgeld. Auch zu den nächsten Plätzen fehlt nicht viel.
Foto: dpa4. Platz: Bargeld
Nur ein Prozent vor dem Bausparvertrag liegt das Bargeld. Es bewahren also 31 Prozent der Deutschen ihre Ersparnisse als Bargeld auf. Die Vorstellung, dass viele Deutsche ihr Geld in einem Sparstrumpf „anlegen“ ist also weiterhin zutreffend.
Foto: dpa3. Platz: Tagesgeld
Auf das Treppchen dieser Einordnung hat es das Tagesgeld geschafft. 34 Prozent reichten, um sich vor den anderen Geldanlagemöglichkeiten zu platzieren. Der Abstand zu den ersten beiden Plätzen ist allerdings groß.
Der Anteil des Einkommens, den Deutsche insgesamt sparten, betrug im September knapp 7 Prozent.
Foto: dpa2. Platz: Sparbuch
Großer Beliebtheit erfreut sich immer noch das Sparbuch. Mit 51 Prozent wurde es ganz knapp Zweiter. Trotz geringer Rendite ist es also eine der häufigsten Anlageformen in Deutschland. Im Gegensatz zum Vormonat hat es allerdings zwei Prozent eingebüßt.
Foto: dpa1. Platz: Girokonto
An der Spitze thront auch im September das Girokonto. Wie auch im Vormonat nahm es die Spitzenposition ein. 55 Prozent deutscher Ersparnisse liegen auf Girokonten. Allerdings hat auch das Girokonto – wie das Sparbuch – im Vergleich zum August ein paar Prozent verloren.
Foto: dpaDenn ganz selbstverständlich würde ein Anstieg der Zinsen eine Verkaufswelle bei Anleihen, vor allem bei Staatsanleihen führender Industriestaaten, auslösen. Schon zum jetzigen Zeitpunkt haben erste Äußerungen von Seiten der Zentralbanken, wonach die Beendigung der jemals da gewesenen Lockerung der Geldpolitik bevorsteht, bei Abflüssen aus dem Rentensektor geführt. Besonders wichtig für Anleger, welche Segmente des Finanzmarkts am deutlichsten davon profitieren werden.
Gewinner des Jahres 2017: Experten raten zu Value-Aktien
Führende Experten gehen davon aus, dass der Bereich der Value-Aktien einer der größten Gewinner sein wird. Bereits im Januar hatte Jens Ehrhardt, Börsenprofi und Fondsmanager, 2017 als Jahr der Value-Aktien ausgerufen. Dabei ist es vor allem das Segment der zyklischen Value-Aktien, welches in den zurückliegenden Jahren von Investoren vernachlässigt wurde, trotz einer deutlichen Erholung seit etwa zwölf Monaten noch immer stark unterbewertet. Zuletzt hatten Wachstumstitel, die in vielen Portfolios stark vertreten waren, unterdurchschnittlich abgeschnitten. Bei verschiedenen Wachstumswerten sind die Bewertungen übertrieben. Laut Morningstar verlor das Large Cap Growth Segment im Juni rund 3,0 Prozent, der entsprechende Mid Cap Bereich 2,5 Prozent.
Einstige Highflyer heute weniger attraktiv
Während in den vorangegangenen Jahren mit sinkenden Zinssätzen von Investoren ähnlich wie Anleihen wahrgenommene Sektoren wie Pharma, Nahrungsmittel und nichtzyklische Konsumgüter eine sehr gute Performance hingelegt hatten, werden deren weiteren Aussichten zunehmend kritisch betrachtet. Ein Beispiel für einen solchen Wert ist die Nestlé-Aktie. Die Aktie des Schweizer Lebensmittelproduzenten weist derzeit mit einem KGV von 23,51 eine sehr hohe und damit unattraktive Bewertung auf. Unabhängig von den strukturellen Problemen des Konzerns weist die mäßige Kursentwicklung der Nestlé-Aktie von plus 0,6 Prozent im zurückliegenden Jahr ebenfalls darauf hin, dass Aktien mit niedriger Volatilität und vorhersehbaren Cashflows aus dem Fokus von Marktteilnehmern geraten sind.
Interessanter sind da schon Value-Werte wie Heidelberg Cement, dessen Management praktisch von einer Verdopplung des Gewinns bis zum Jahr 2020 ausgeht. Auch verschiedene Aktien des europäischen Finanzsektors wie die Schweizer UBS Group, die italienische Unicredit und die deutsche Münchener Rück erscheinen unter diesen Aspekten besonders aussichtsreich.
Europäische Rohstoffaktien und Finanztitel im Blickpunkt des Interesses
Wie Nicolas Simar, Leiter der Equity Value Boutique bei NN Investment Partners (früher bekannt als ING Investment Management), im WirtschaftsWoche-Interview erklärte, dürften europäische Value-Aktien zu den größten Nutznießern der voraussichtlichen Verkaufswelle am Anleihemarkt und des positiven makroökonomischen Umfelds gehören. Die politischen Risiken in der Eurozone seien nach den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden stark zurückgegangen. Diese hatten die Peripherie der Value-Aktien stark belastet.
Einen weiteren Grund für Investoren in Value-Aktien umzuschichten, sieht der Fondsmanager in der Bewertungslücke überteuerter und günstig bewerteter europäischer Aktien. Nicolas Simar setzt vor allem auf die Sektoren Rohstoffe und Banken. Daher präferiert er Value- und Dividendenpapiere.
Das Anlegerinteresse dürfte sich mit den immer freundlicheren Wachstumsperspektiven in Europa vor allem konjunkturabhängigen Bereichen zuwenden. In der Euro-Zone ist die Stimmung bei Konsumenten und Anbietern gut: Im Juni dieses Jahres lagen die entsprechenden Indikatoren auf dem höchsten Stand seit vielen Jahren. Darüber hinaus weisen die makroökonomischen Daten des Kontinents auf weiteres Wirtschaftswachstum.
Value-Aktienfonds im Vergleich
Auch wenn es die Performance der Aktienmärkte in den wie fast immer recht schwachen Sommermonaten kaum vermuten lassen, verbessern sich das Aufwärtspotenzial an den Börsen und die Ertragsentwicklung der Gesellschaften zusehends. Value-Aktienfonds mit dem Fokus Europa anderer Fondsgesellschaften bieten ebenfalls gute bis sehr gute Renditechancen.
Die nach wie vor sehr große Unsicherheit im Hinblick auf die Politik von US-Präsident Trump spricht derzeit nicht gerade für ein Engagement in amerikanische Value-Aktien. Insbesondere wird es darauf ankommen, inwieweit er seine Vorstellungen zur angekündigten Steuerreform umsetzen kann. Erste Aufschlüsse darüber werden Ende des Jahres erwartet. Global anlegende Value-Fonds bieten dagegen ähnlich gute Perspektiven wie ihre europäischen Pendants.
Die Value Strategie, die Investition ist Substanzwerte, gilt in bestimmten Börsenphasen als aussichtsreichste Vorgehensweise. Nicht zuletzt ist einer ihrer berühmtesten Verfechter Warren Buffet, der mit dieser Anlagestrategie zu einem der reichsten Männer der Erde geworden ist - und dessen Anlagestil von vielen Investoren nachgeahmt wird.