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Post aus HarvardWas bringt Trumps große Steuerreform?

Kommt Donald Trump mit seinen Plänen durch, wird dies die internationalen Kapitalströme verändern – und womöglich auch in anderen Staaten zu neuen Steuergesetzen führen. Eine ökonomische Analyse.Martin S. Feldstein 28.09.2017 - 18:17 Uhr

Kommt Donald Trump mit seinen Plänen durch, hätte dies bedeutende Folgen für die Steuergesetze auf der ganzen Welt.

Foto: REUTERS

Der Kongress der Vereinigten Staaten wird wohl innerhalb der nächsten sechs Monate eine große Steuerreform verabschieden. Obwohl die neuen Bestimmungen nur für amerikanische Steuerzahler gelten würden, hätten sie Auswirkungen auf Unternehmen und Märkte weltweit.

Die wichtigsten Änderungen werden weniger die einzelnen Steuerzahler als vielmehr die US-Konzerne betreffen. Im Mittelpunkt stehen dabei neue Steuerregeln  für ausländische Tochterfirmen amerikanischer Konzerne.

Die bestehende Gesetzeslage in den USA ist einzigartig unter allen wichtigen Industrieländern. Nehmen wir das Beispiel einer ausländischen Tochterfirma eines US-Konzerns, die in Irland Gewinne erwirtschaftet. Diese Tochterfirma zahlt die niedrige irische Körperschaftssteuer von 12 Prozent. Anschließend kann der Nachsteuergewinn in Irland, in Wertpapiere oder in Betriebe auf der ganzen Welt  reinvestiert werden - mit Ausnahme der USA.

Zum Autor
Martin Feldstein ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Harvard und emeritierter Präsident des US-Wirtschaftsforschungsinstituts National Bureau of Economic Research. Von 1982 bis 1984 war er Vorsitzender des wirtschaftlichen Beraterstabes von US-Präsident Ronald Reagan. Unter Reagan gab es in den USA die letzte große Steuerreform in den USA.

Führt die Muttergesellschaft die im Ausland erzielten Gewinne nämlich in die USA zurück, um dort zu investieren oder die Mittel an Aktionäre auszuschütten, muss sie dafür nochmals Steuern zahlen. Fällig wird dann die in den USA geltende Körperschaftsteuer von 35 Prozent (auf den in Irland erwirtschafteten Gewinn vor Steuern). Für die bereits bezahlten 12 Prozent gibt es eine  Steuergutschrift.

Aufgrund dieser „Strafe“ von 23 Prozent entscheiden sich US-Konzerne bisher in der Regel dafür, die Gewinne ihrer ausländischen Tochtergesellschaften nicht zurückzuführen. Das US-Finanzministerium schätzt, dass sich die im Ausland erwirtschafteten kumulierten Gewinne amerikanischer Tochtergesellschaften mittlerweile auf 2,5 Billionen Dollar belaufen.

Der Kongress dürfte nun wohl eine  „territoriale” Besteuerung der Gewinne ausländischer Tochtergesellschaften beschließen. Diese praktisch in allen anderen Industrieländern angewandte Methode würde es US-Konzernen ermöglichen, die Nachsteuergewinne ihrer ausländischen Tochtergesellschaften nach Hause zu holen und dafür wenig oder gar keine zusätzlichen Steuern zu zahlen.

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Außerdem wird der Kongress wahrscheinlich eine einmalige Steuer auf im Ausland erwirtschaftete, aber nicht der US-Steuergesetzgebung unterworfenen Gewinne ausländischer Tochtergesellschaften im Ausmaß von 2,5 Billionen Dollar beschließen. Obwohl die Details noch unklar sind, besteht die grundsätzliche Idee darin, eine Steuer von 10 Prozent auf nicht besteuerte Gewinne aus dem Ausland zu erheben, wobei diese Steuer über einen Zeitraum von ein paar Jahren zu bezahlen ist. Im Gegenzug für diese neue Steuer könnte ein US-Konzern kumulierte Gewinne zu einem von ihm gewählten Zeitpunkt zurückführen.

Die Umstellung auf ein territoriales Steuersystem hat weitreichende Folgen auf die Strategie der Unternehmen. Ein großer Teil der künftigen Gewinne ausländischer Tochterfirmen werden dann wahrscheinlich in die USA transferiert. Dadurch verringern sich die US-Investitionen in Europa und Asien. Auch ein Teil der in der Vergangenheit im Ausland erwirtschafteten Gewinne dürfte repatriiert werden.

Überdies hätten US-Konzerne keinen Anreiz mehr, Gründungs- und Unternehmensstandorte in andere Länder zu verlegen, um ihre im Ausland erwirtschafteten Gewinne an ihre Aktionäre ausschütten zu können. Gleichzeitig werden ausländische Firmen einen Anreiz haben, ihren Sitze in die USA zu verlegen, wo sie die Vorteile eines US-Konzerns genießen können, ohne die damit verbundene Strafsteuer bezahlen zu müssen.

Post aus Harvard

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von Martin S. Feldstein

Obwohl die Umstellung auf ein territoriales Besteuerungssystem die offenkundigsten Auswirkungen auf andere Länder hätte, könnte die geplante Senkung der Körperschaftssteuer noch größere Wirkung zeigen. Der gesetzliche Steuersatz von 35 Prozent auf Unternehmensgewinne ist einer der höchsten Sätze in den Industrieländern. Der Gesetzesentwurf des Kongresses würde die Körperschaftsteuer auf 20 Prozent senken. Präsident Donald Trump fordert einen Steuersatz von 15 Prozent.  

Ein niedrigerer Körperschaftsteuersatz und die Umstellung auf ein territoriales Besteuerungssystem würden Kapitalströme aus dem Ausland in die USA lenken. Denkbar sind Investitionen in US-Konzerne, aber auch in Wohneigentum und die Landwirtschaft. Dadurch würden Produktivität und Wachstum steigen und zu höheren Steuereinnahmen führen, die den direkten Effekt einer geringeren Körperschaftsteuer zumindest teilweise ausgleichen.

Doch es gibt ein Problem: Die Staatseinnahmen aus der Körperschaftsteuer liegen derzeit bei etwa 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Halbiert man nun den Steuersatz, brechen die Einnahmen beim derzeitigen Produktionsniveau um etwa 0,8 Prozent des BIP oder 160 Milliarden Dollar jährlich ein. Die USA können sich einen derartigen Anstieg des Haushaltsdefizits nicht leisten. Und da nur wenige Merkmale des Körperschaftssteuergesetzes geändert werden können, um den Einnahmenverlust zu begrenzen, glaube ich, dass die Körperschaftssteuer nur auf etwa 25 Prozent gesenkt werden wird. Damit läge sie immer noch erheblich unter dem derzeitigen Steuersatz und im Einklang mit dem OECD-Durchschnitt.

In den vergangenen Jahrzehnten waren die Körperschaftsteuersätze auf der ganzen Welt rückläufig. Es ist durchaus möglich, dass Donald Trumps Steuerpläne auch andere Industrieländer veranlassen wird, ihre Körperschaftsteuer zu senken, um ihre relative Attraktivität für international mobiles Kapital zu erhöhen.

Kurzum: Kommt die große Steuerreform in den USA, hat dies bedeutende Auswirkungen auf die internationalen Kapitalströme ­ und womöglich beträchtliche Folgen für die Steuergesetze auf der ganzen Welt.

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