Querdenker: Die Erfolgsrezepte von zehn Regelbrechern
Wie sich Kreativität managen lässt.
Foto: imago, MontageEs gibt eine schöne Anekdote über den Künstler Damien Hirst. Der hatte mal die Idee, Tierkadaver in Formaldehyd einzulegen und in Museen auszustellen. Eines Tages murrte ein Besucher, auf die Idee hätte ja jeder kommen können. Darauf Hirst: „But I did.“ Drei Wörter, die den Geist des Erfindertums perfekt versinnbildlichen. Denn dazu gehört nicht nur die Kreativität, eine Idee zu haben – sondern auch der Mut, sie umzusetzen. Zehn Menschen, die es anders machten.
1. Der Verkäufer
Christopher Bailey pfeift auf Regeln. Als Chef des Modehauses Burberry gelang es dem 46-jährigen Designer nicht nur, die angestaubte britische Marke zu modernisieren, sondern gleichzeitig mit vermeintlichen Dogmen der Branche zu brechen. Bailey entschied, Männer- und Frauenmode in einer gemeinsamen Modeshow zu zeigen und via Livestream zu übertragen – und die dort präsentierten Kollektionen nicht erst Monate später, sondern sofort zu verkaufen. Andere Labels wie Tommy Hilfiger und Tom Ford machten es ihm nach. Nach 17 Jahren wird Bailey das Unternehmen im März verlassen.
James Dyson, Designer, Erfinder und Gründer des Unternehmens Dyson
"Ich liebe Fehlschläge. Aufgegeben habe ich nie. In den 1980er Jahren habe ich in meiner Werkstatt an 5126 Staubsauger-Prototypen getüftelt, die alle nicht funktionierten. Aber Nummer 5127 tat, was er sollte. Der Erfolg von Dyson geht zurück auf den einzigartigen Pioniergeist und außergewöhnlichen Einsatz aller meiner Ingenieure."
Foto: WirtschaftsWocheSimone Frömming, Deutschland-Chefin von VMware, einem der Top-Ten-Softwareproduzenten
"Über Nacht zur Führungskraft? Bei mir war das genau der Fall! Bei einem Vortrag zum Thema "Go-To-Market im Softwarevertrieb" konnte ich meinen damaligen Geschäftsführer derart überzeugen, dass er mich von heute auf morgen befördert hat. Alle meine Ideen waren recht unpolitisch und leidenschaftlich - aber dafür stets zielorientiert. Als Account Managerin hätte ich damals nie gedacht, dass ein einzelner Vortrag der Wendepunkt meiner ganzen Karriere sein kann. Nach einem ersten sprachlosen Moment hat mich dieses Angebot aber darin bestätigt, Dinge auch entgegen der gängigen Meinung anzusprechen und verändern zu wollen. Eine wichtige Eigenschaft in der IT-Branche, in der jeden Tag aufs Neue ein Wettrennen um aufregende Ideen ausgetragen wird. Und letztlich auch eine Eigenschaft, die mich dahin gebracht hat, wo ich heute stehe."
Foto: WirtschaftsWocheEckart von Hirschhausen, Moderator und Kabarettist, gelernter Mediziner
"1997 wurde ich von einem Radiosender engagiert für eine Tour durch Kinderkrankenhäuser. In der Kinderpsychiatrie in München machte ich eine Zaubershow. Alle Kinder wurden involviert, mussten laut zählen, pusten und mitmachen. Nach der Show kam ein Arzt auf mich zu und erzählte von einem kleinen „Wunder“. Ein Junge war seit Wochen schon in Behandlung wegen „Mutismus“, einer seelischen Störung bei der Kinder aufhören zu sprechen. Der Junge „vergaß“ während der Show seine Störung und machte munter mit. Seitdem nehme ich die Rolle von positiven Gemeinschaftserlebnissen, von Humor, Musik, Kunst und anderen Wegen uns zu „verzaubern“ viel ernster, seit 2006 auch mit meiner Stiftung Humor hilft heilen."
Foto: WirtschaftsWocheRichard Quest, Chef der Wirtschaftsredaktion und Anchorman bei CNN
Gibt es einen Moment, an den ich zurückdenke und sagen kann „Heureka!“, das war der Moment, an dem ich es geschafft hatte? Nein. Es gab viele Momente, an denen eine Geschichte Aufmerksamkeit für mein Schaffen erzeugt hat. Jeden dieser Momente habe ich dann genutzt, um mich auf meiner rutschigen Karriereleiter eine Sprosse weiter nach oben zu hangeln. Dazu gehören mein erster Hurricane-Bericht über Hurricane Gilbert im Jahr 1988, meine erste Berichterstattung zu einer US-Präsidentschaftswahl, mein Bericht von Queen Mums Beerdigung, die Berichterstattung zu Queen Elizabeths Kronjubiläum und meine Arbeit zur Einführung des Euro. Wenn ich wählen müsste, was DIE Story gewesen ist, dann wäre das der Schwarze Montag, der 19. Oktober 1987. Ich war ganz neu als Finanzreporter in London. Der Abwärtstrend an der New Yorker Börse hatte begonnen. Und bevor der Tag vorbei war, hatte der Dow Jones mehr als 500 Punkte (= 25 Prozent) verloren. Dies gilt nach wie vor als der anteilsmäßig stärkste Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones. Ich war im Dienst. Ich habe dabei zugesehen, wie der Markt sich in den Sekunden nach Börsenschluss um 100 Punkte verschlechtert hat und berichtete während der nächsten paar Tage morgens, mittags und abends – auf allen Programmen. Ich wurde dann eilig weggeschickt, um die Berichterstattung in New York aufzunehmen. Die Arbeit, der ich damals nachging, brachte mir die Aufmerksamkeit des Chefredakteurs ein, ich hatte mich als Finanzreporter etabliert.
Ich werde den Schwarzen Montag nie vergessen. Als der Vorsitzende der New Yorker Börse sagte, dieser Tag sei am nächsten an einen Zusammenbruch der Finanzmärkte herangekommen, als alles, was wir uns hätten vorstellen können. Dies galt natürlich nur bis zum nächsten Finanzcrash. Zum letzteren Zeitpunkt war ich älter und weiser – aber interessanterweise war ich genauso erschrocken.
Foto: WirtschaftsWocheKarsten Eichmann, CEO des Gothaer-Konzerns
"Aha- da gibt es ja noch so viel Spannendes" – für die entscheidenden Karriereschritte war meine Neugierde ein wesentliches Momentum. So auch als ich mit 43 Jahren meine berufliche Komfortzone aus Erfolg und Sicherheit verlassen und von München nach Hamburg gegangen bin, um als Vorstandschef der Advocard eine neue, spannende Herausforderung anzupacken. Nur durch das "Loslassen" von Gewohntem war der Weg bis zum CEO des Gothaer-Konzerns möglich - und diese Neugierde auf die Zukunft werde ich mir bewahren."
Foto: WirtschaftsWocheUwe Schuricht, Geschäftsführer der Personalberatung Change Group
"Mein Lebensweg hat entscheidende Weichenstellungen auf dem Tennisplatz bekommen: Mit Tennisunterricht habe ich mein Jura-Studium finanziert und schon damals davon geträumt, Headhunter zu werden. Dank Tennis habe ich einen Förderer gefunden, der mich bei der Promotion unterstützt hat. Die Promotion hat mich zu einer amerikanischen Kanzlei nach Paris geführt. Dort wurde ich als Manager entdeckt und danach war es nur noch ein kleiner Schritt zu meinem Traumberuf."
Foto: WirtschaftsWocheSven Eggert, Eggert Group Werbeagentur
"Nach einem Studium im Ausland (Oxford und Paris) nahm ich eine Stellung als Vorstandsassistent an. Mein Chef öffnete mir schnell die Augen, dass ich mit dem Europa-Hintergrund nicht so international aufgestellt war, wie uns im Studium suggeriert wurde. Die Entscheidung, daraufhin noch für vier Jahre in den USA zu arbeiten, war goldrichtig."
Foto: WirtschaftsWocheKaren Heumann, Vorstandssprecherin und Mitinhaberin der Agenturgruppe thjnk
"Mit 31 Jahren war ich Chefin der Strategischen Planung bei KNSK/BBDO, als mir ein Headhunter einen Geschäftsführerposten bei der britischen Agentur Leagas Delaney anbot. Ein heißer Laden mit Kunden wie Adidas und Patek Philippe. Ich flog nach London und verbrachte einen gesamten Tag mit den Chefs. Auf dem Rückflug war klar: Ich wollte es unbedingt machen! Denn England ist das Land, aus dem meine Profession kommt, ich würde nie mehr so viel lernen können. Aber ich war mir auch sicher: Die wollen mich nicht, ich war zu jung, der Schuh vielleicht doch zu groß – warum sonst hätten diese Werbe-Lichtgestalten all die Stunden ausschließlich über persönliche Interessen und allgemeine Weltbetrachtungen mit mir gesprochen? Engländer sind halt höflich, dachte ich mir, die wollten mich nicht einfach zurückschicken. Am Tag darauf hatte ich den Job. Und ich machte tatsächlich riesige Lernsprünge in kurzer Zeit, hatte endlich den nötigen Hebel, um inhaltlich etwas zu bewegen. Ein paar Jahre später wollte ich von Bruce Haines, dem CEO, wissen, wieso man mir damals keine einzige berufliche Frage gestellt hatte. Und er sagte: „Wir sind davon ausgegangen, dass Du weißt, wie es geht. Wir mussten rauskriegen, ob Du weißt, wie es gehen könnte!“ Denn nur ein freier Geist könne die Zukunft mitgestalten und im Driver’s Seat sitzen. Diese Erkenntnis prägt mich bis heute."
Foto: WirtschaftsWocheBernd Rödl, Gründer der internationalen Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner
"Bei einer Beiratssitzung der Gothaer Versicherung lernte ich 1992 Abtprimas Notker Wolf in Brüssel kennen. Der christliche Glaube war für mich schon immer ein starker Halt gewesen. Notker Wolf hat mir für die Regeln des Benedikt und die Bedeutung der Demut die Augen geöffnet. Die Erkenntnis, dass wir nie unseren menschlichen Ursprung vergessen dürfen, hat mich mein ganzes Leben lang geprägt."
Foto: WirtschaftsWocheTjorven Jorzik, Gründer der digitalen Weinberatung „Frag‘ Henry! GmbH“
"Mein Schlüsselerlebnis hatte ich mit 34, damals noch Global Sales Director bei Danone: An einem Freitag den Flieger in Istanbul verpasst, musste ich mal wieder das Wochenende statt bei meiner hochschwangeren Frau im Hotel verbringen. Da hat es Click gemacht. Was ist wirklich wichtig im Leben, wie stelle ich mir die Zukunft vor? Ich nahm vier Monate Elternzeit und lernte die hiesigen Winzer auf den Spaziergängen mit dem Kinderwagen kennen. Anschließend begann ich die Sommelier-Ausbildung und beschloss den Konzern zu verlassen, um ein StartUp zu gründen. Heute steigern unsere Weinempfehlungs-Terminals bei Globus, Kaufland und Edeka den Weinabsatz und die europäische Expansion schreitet voran."
Foto: WirtschaftsWocheConstanze Ulmer-Eilfort, Managing-Partnerin von Baker & McKenzie
"Ich hatte das große Glück, einen starken Mentor zu haben, einen älteren Partner unserer Sozietät. Auf meinem Karriereweg, wann immer ich eine Entscheidung treffen musste oder zur Partnerwahl anstand, hat er sich für mich eingesetzt, mir Mut gemacht und mir den Weg geebnet. Für eine Frau in einem von Männern dominierten beruflichen Umfeld kann ein solcher Mentor entscheidend sein."
Foto: WirtschaftsWocheThomas Klindt, Produkthaftungspapst und Partner der internationalen Großkanzlei Noerr
"Während der Examensvorbereitung in Münster saß ich stundenlang am Schreibtisch und habe mich dauernd über die gigantisch laute Baustelle gegenüber geärgert, die von 5:00 Uhr bis 20:00 Uhr den Boden zum Vibrieren gebracht hat. Mehr aus Wut entstand erst die Idee eines juristischen Aufsatzes, an dessen Stelle dann aber gleich die technikrechtliche Dissertation zu Baulärm und EU-Maschinenrecht wurde. Heute leite ich in der Industrieberatung die mehrköpfige Product Compliance bei Noerr LLP...."
Foto: WirtschaftsWochePhilipp Zeller, zweifacher Weltmeister im Feldhockey und Rechtsassessor bei Seitz Partner
"Zu Beginn meiner sportlichen Karriere wurde mir einmal gesagt, es gäbe viele Spieler die das Talent hätten Großes zu erreichen. Es würden aber nur diejenigen Großes erreichen, die auch gewillt seien trotz ihres Talents hart an sich zu arbeiten. Im Laufe der Zeit sind leider viele Spieler mit wesentlich mehr Talent als ich es hatte auf der Strecke geblieben. Mein Durchbruch war sicherlich der Moment, in dem ich die Bedeutung der damaligen Worte tatsächlich begriffen hatte. Jetzt stehe ich am Beginn meiner beruflichen Karriere. Auch hier gibt es wieder viele Talente."
Foto: WirtschaftsWocheViktoria Kickinger, Gründerin des TV-Senders Directors Channel
"Ich hatte nie Vorbilder, jedoch stets Menschen, die es gut mit mir gemeint haben und/oder an mich und meine Projekte und Ideen geglaubt haben. Friedrich Huemer, CEO und Gründer der Polytech Holding AG hat mich in meinen ersten Aufsichtsrat berufen und somit den Grundstock für meine berufliche Entwicklung gelegt, bis hin zum heutigen Director's Channel, dem nunmehr sich schon abzeichnend erfolgreichen Internet TV Sender für deutsche Aufsichtsräte.
Foto: WirtschaftsWocheAnton Klees, Geschäftsführer der Internet-Agentur active value
"Nach dem Besuch der Business School in den USA habe ich mich 1998 in New York bei einer Internet Agentur beworben. Ich wollte Teil der New Economy sein. Nach der Einstellung wurde ich sofort als Experte gehandelt. Viele Begriffe hatte ich in der Bewerbung zum ersten mal gehört. Unser erstes Projekt mit Pixelpark war der Online Shop für das Museum of Modern Art. Aber ich hatte nicht nur meine Industrie gefunden in der ich arbeiten wollte - in New York habe ich auch meine zukünftige Frau kennengelernt. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Heute bin ich immer noch begeistert wie am ersten Tag von den Möglichkeiten der digitalen Veränderung. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir erst am Anfang sind. Neben einer Online Agentur habe ich mit Partnern StartUps gegründet. Das neuste beschäftigt sich mit der Auswirkung von Social Media auf die Verbreitung von News."
Foto: WirtschaftsWocheSchuhproduzent Floris van Bommel, Creative Director der Schoenfabriek Wed.J.P. van Bommel
„In der Grundschule sollte ich während der Bastelstunde ein Musikinstrument aus Weinflaschenkorken erstellen. Leider funktionierte es nicht so wie ich es wollte, während es bei allen anderen Kindern besser zu klappen schien. Aber anstatt in Panik zu verfallen, fühlte ich ein tiefes Vertrauen, dass ich mit einer guten, kreativen Idee immer weiter komme. Am Ende war alles in bester Ordnung, mein Musikinstrument aus Kork sah genial aus und ich habe nie mehr an meinen kreativen Fähigkeiten gezweifelt.“
Foto: WirtschaftsWocheMarkus Bergmann, Geschäftsführer beim Autozulieferer Faurecia
"Meine früheren Kollegen waren ziemlich erstaunt, als ich nach 24 Jahren bei der MTU Aero Engines und der heutigen Airbus Defence and Space aus einer sicheren Position heraus entschied, als Geschäftsführer zum Autozulieferer Faurecia zu gehen. Mit zwei Kindern in der Ausbildung überlegt man jede Veränderung sehr genau. Aber mich reizte das Neuland und ich wollte gerne etwas Neues bewegen. Heute bin ich 50 Jahre alt, seit vier Jahren bei Faurecia und habe diesen Wechsel keinen Tag bereut."
Foto: WirtschaftsWocheElke Bartels, Polizeipräsidentin von Duisburg
"Bei meiner Bewerbung als Juristin im Landesdienst Nordrhein-Westfalen konnte ich als Einsatzorte Münster, Arnsberg, Detmold, Düsseldorf oder Köln angeben. Da ich in Bochum wohnte und das Rheinland für mich terra incognita war, gab ich als von mir favorisierten Einsatzort Münster an. Ich bin über die weise Entscheidung des Landes, mich in Düsseldorf einzustellen, ausgesprochen froh, denn mein beruflicher Werdegang wäre sonst ganz anders verlaufen. Wahrscheinlich hätte ich weder im Landtag noch in einem Ministerium gearbeitet und somit auch nicht die Weichen für meine jetzige Tätigkeit stellen können. Und an das Alt habe ich mich sehr schnell gewöhnt."
Foto: WirtschaftsWocheRainer Brune, Vorstandsvorsitzender von Roland Rechtsschutz
"Der vielleicht wichtigste Schritt auf meinem beruflichen Weg war meine zweijährige Tätigkeit als Vorstandsassistent. Dadurch konnte ich intensiv hinter die Kulissen blicken und früh ein Gefühl für strategische Prioritäten und Entscheidungsfindung entwickeln."
Foto: WirtschaftsWochePeter Rohrbach, Vorstand der cellent AG
"Am meisten geprägt und verändert hat mich meine Auslandstätigkeit in den USA von 1999 bis 2001. Dort traf ich auf eine andere Kultur und kam nicht nur mit vielen Amerikanern zusammen, sondern mit Indern, Chinesen und Hispanics. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland waren all meine folgenden Assignments internationaler Natur, so beispielsweise im Bereich Application Management, das stark mit Indien verbunden ist. Das Projektgeschäft verstehe ich nach wie vor als globale Verantwortung. Ohne meine Erfahrungen in den USA hätte ich meine zukünftigen Projekte niemals so erfolgreich umsetzen können."
Foto: WirtschaftsWoche
Reza Vaziri, Deutschlandchef des US-Konzerns 3M
"Ich bin 1994 mit knapp 40 Jahren aus meiner eher beschaulichen Schweizer Heimat nach Deutschland gekommen und das war mit Sicherheit ein Wendepunkt in meinem Berufsleben. Die Arbeitsweise hierzulande habe ich als besonders dynamisch, offen und weitsichtig empfunden; das hat mir auf Anhieb sehr zugesagt. Ich fand und finde, dass dies wunderbar zu der mir eigenen Beharrlichkeit und Wertorientierung passt. Denn Ideen, Werte und Visionen dürfen nicht der Schnelllebigkeit des Zeitgeistes zum Opfer fallen, sondern sie müssen mit Ausdauer, Präzision und Leidenschaft verfolgt werden."
Foto: WirtschaftsWocheTorsten Klein, Mitbegründer der Unternehmensberatung IT-Economics
"Der Meteorologe Edward Lorenz prägte 1972 den Begriff „Schmetterlingseffekt“: Kleinste Änderungen in den Ausgangsbedingungen können größte Auswirkungen auf die Ergebnisse in nichtlinearen dynamischen Systemen haben. Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann also das Wetter in Texas beeinflussen. Mein persönlicher Schmetterlingseffekt: Als ich noch in einer internationalen Unternehmensberatung angestellt war, fragte mich ein Kunde, ob ich ihn als selbstständiger IT-Unternehmensberater weiter begleiten wolle. Ich sagte Ja. Das legte den Grundstein für die it-economics GmbH. Seitdem halte ich bewusster Ausschau nach positiven Schmetterlingseffekten - für mich, meine Kollegen und unsere Kunden."
Foto: WirtschaftsWocheManuela Mackert, Chief Compliance Officer bei der Deutschen Telekom
"Meinen Traumberuf habe ich auf ungeplantem Weg gefunden: Als ich für internationales Human-Ressource-Management verantwortlich war, wurde mir plötzlich die Aufarbeitung eines Korruptionsfalls übertragen. Ich hatte das Vertrauen meiner Chefs, ein Faible für analytisches Arbeiten und das Lösen verzwickter Sachverhalte. Da wurde mir klar: Die Aufgabe und die Herausforderungen machen mir Spaß. Ich will mit dafür sorgen, dass die Telekom sauber bleibt. So wurde ich zum Chief Compliance Officer berufen. Was ich bei dem Sprung ins kalte Wasser noch gelernt habe: Entscheidend ist das Team und damit die Menschen, mit denen man arbeitet. Wenn man die richtigen Leute an Bord hat, ist alles möglich."
Foto: WirtschaftsWocheBurkhard Schulte, Inhaber des Fleischproduzenten Schulte + Sohn
"Nachdem ich ein Jahr als Marketing-Angestellter eines Handelsunternehmens gearbeitet habe, dachte ich mir, 'das kann es doch nicht gewesen sein' und fand Selbständigkeit - wenn auch nicht in der Branche meines Vertrauens - viel interessanter! Das war die beste Entscheidung meines Lebens und mein Beruf ist mein Hobby geworden! Und die Kantine von Ikea in Kaarst war mein erster Kunde!!"
Foto: WirtschaftsWocheRegina Ziegler, Professorin und Filmproduzentin
"Ausgerechnet das ZDF, der Sender, mit dem ich als Produzentin seit vielen Jahre in bestem Einvernehmen bin, hat mich dazu gebracht, Produzentin zu werden. "Das kleine Fernsehspiel" hat den Erstling von Wolf Gremm "Ich dachte, ich wäre tot" nicht produzieren wollen. Also war ich gezwungen, das selbst zu machen. Und wir haben nicht nur einen Kritiker- und Bundesfilmpreis dafür bekommen, sondern das ZDF als langjährigen zuverlässigen Partner gewonnen."
Foto: WirtschaftsWoche2. Die Herzforscherin
Svenja Hinderer will Organe im Labor züchten. Die Chemikerin entwickelte am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik eine künstliche Herzklappe, die im Körper der Patienten mitwächst. Diese Innovation würde vor allem Kindern helfen, deren Herzklappen bisher regelmäßig ausgetauscht werden müssen. Die Redaktion des Magazins „Technology Review“ vom Massachusetts Institute of Technology zählt Hinderer zu den 35 wichtigsten Nachwuchs-Erfindern (unter 35 Jahre alt).
3. Der Süße
René Frank war es leid. Sechs Jahre lang war er als Chef-Pâtissier im Osnabrücker Drei-Sterne-Restaurant La Vie zuständig für die Süßigkeiten. Aber warum serviert man die Desserts immer zum Abschluss eines Menüs, wenn die Mägen schon voll sind? Und wer sagt eigentlich, dass es immer Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch geben muss? Franks Berliner Restaurant Coda ist seit Spätsommer 2016 Deutschlands erste Dessert-Bar. Die Gäste können zwischen vier oder sechs Gängen wählen – und auf den Teller kommt ausschließlich Süßes.
4. Der Exzentriker
Teodor Currentzis macht seit einigen Jahren als Enfant terrible des Klassikbetriebs Furore. Der exzentrische griechische Dirigent hat mit seinem MusicAeterna Ensemble aus dem sibirischen Nowosibirsk fulminant flotte Deutungen von Mozarts Da-Ponte-Opern (Don Giovanni, Hochzeit des Figaro, Così fan tutte) vorgelegt. Mit seinem Neuen Sibirischen Sänger-Kammerchor verwandelt er Konzertsäle in sakrale Gebäude, taucht sie in Kerzenschein und feuert das Ensemble mit höchster Emotionalität zu spirituellen Sternstunden an – ein Priester im Dienst des überzeitlich Schönen in der Musik. In einigen Monaten wird Currentzis Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters.
5. Der Weitwerfer
Stephen Curry sucht sein Glück in der Ferne – notgedrungen. Weil er für einen Basketballspieler der amerikanischen Profiliga NBA eigentlich zu klein und zu schmächtig ist, hat er sich auf Weitwürfe spezialisiert. Für die gibt es drei statt zwei Punkte – und keiner sammelt so erfolgreich „Dreier“ wie Curry. Sein Team, die Golden State Warriors, gewann in den vergangenen drei Jahren zweimal die Meisterschaft – und Curry wurde dabei zweimal zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. Eine hübsche Erinnerung daran, dass kleine Dinge den großen Unterschied machen können.
6. Die Kupplerin
Whitney Wolfe möchte die Partnersuche verändern. Die 28-Jährige ist Gründerin der App Bumble. Das Prinzip der Kuppel-Plattform gleicht dem von Tinder: Die Nutzer sehen Profilfotos; wischen zwei auf ihrem Smartphone nach rechts, können sie sich gegenseitig kontaktieren. Bei Bumble allerdings geht nur von Frauen die Initiative aus. Die App hat mehr als 20 Millionen Nutzer – und Wolfe macht ihrem ehemaligen Arbeitgeber Tinder damit ganz schön zu schaffen.
Gründen erfordert Mut
Unternehmensgründer werden rar in Deutschland, beklagt der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD). „Noch 2003 wurde jedem Arbeitslosen geraten, doch einen Senfladen aufzumachen. Heute haben wir aber das Gegenteil: Selbstständigkeit wird systematisch schlecht geredet, mit Scheinselbstständigkeit gleichgesetzt und unter staatliches Kuratel gestellt“, kritisiert Verbandschef Andreas Lutz. Als Beispiel verweist er auf die derzeit diskutierte und von vielen Freiberuflern abgelehnte Rentenversicherungspflicht für Solo-Selbstständige. Schon die zweifelhaft berechneten Krankenkassenbeiträge könnten Teilzeit-Selbstständige oft nur schwer aufbringen.
Angesichts der weitgehend gestrichenen staatlichen Gründungsförderung wagten oftmals nur jene den Sprung in die Selbstständigkeit, die eine wohlhabende Familie hinter sich wissen, die sie dabei finanziell unterstütze. Auf der anderen Seite braucht der Schritt in die Selbstständigkeit aber vor allem eines: Mut. Zwölf deutsche Gründer erzählen in "Lionhearted" (Bourdon Verlag, 16. August 2017) von ihrem – manchmal steinigen – Weg in die Selbstständigkeit und was sie daraus gelernt haben.
Foto: Pressebild, MontageAnna Alex, Outfittery: "Wir haben nicht angefangen zu überlegen, was alles schiefgehen könnte. Wir haben eher überlegt, was alles gut gehen könnte."
Anna Alex ist Mitbegründerin von Outfittery, einer Online-Variante des Personal Shoppings. Der Kunde beantwortet auf der Homepage einige Fragen zu Kleidungsstil und Größe und erhält dann zwei bis drei für ihn zusammengestellte Outfits auf dem Postweg. Was ihm gefällt, behält er, den Rest schickt er zurück. Alex interessierte sich schon während des Studiums für die Start-up-Welt und arbeitete bei Rocket Internet und in einem Schweizer Start-up, bevor sie ihr eigenes Unternehmen gründete. Für die damals 26-Jährige keine mutige, sondern eine unabwendbare Entscheidung. „Weil ich mir einfach in den Kopf gesetzt hatte, es mir zu beweisen.“ Das sei vielleicht naiv gewesen, aber auch entscheidend fürs Durchhalten: „So und so und so läuft das und das sind die Gründe, warum eure Idee nicht funktionieren wird“, mussten sich die Gründerinnen oft sagen lassen. Ihr Weg: Weder grübeln, noch zweifeln, sondern Schritt für Schritt ein Problem nach dem anderen lösen und positiv denken.
Albrecht Krockow, Post Collective: "Ich glaube, es ist bei jeder Firmengründung so, dass man sich das am Anfang ein bisschen romantisch vorstellt"
Albrecht Krockow ist Mitbegründer von Post Collective, einer Online-Galerie für „Social Influencer“, also Fotografen, die bei der Fotosharing-Plattform Instagram viele Follower haben. Ihre Werke können bei Post Collective in verschiedenen Materialien und Rahmungen erworben werden.
Kein ungewöhnlicher Weg für jemanden, der sich schon im Studium auf das „Digital Business“ spezialisiert und anschließend eigens bei der Holding Rocket Internet einsteigt, um das Gründen als Handwerk zu lernen. Was nicht bedeutet, dass immer alles glatt läuft: Die Erwartung „wir haben dann dieses Produkt und das ist so super, das reißen uns die Leute aus den Händen“ hielt in der Umsetzung nicht stand. Stattdessen treten komplexere Probleme auf, „die man am Anfang gar nicht antizipieren konnte“, so Krockow. Sein Weg: Nicht zu sehr auf die allererste Vorstellung fokussieren, flexibel bleiben und sich vernetzen: „Es hilft einem wahnsinnig, wenn man sich mit anderen Gründern austauschen kann.“
Foto: WirtschaftsWocheDetlef Isermann, P&M Cosmetics: "Man kann kein Unternehmen gründen oder führen, wenn man nicht lernbereit ist und konstant daran arbeitet."
Detlef Isermann ist einer der Gründer von P&M Cosmetics mit der Marke Dermasence. In Zusammenarbeit mit Hautärzten wurde diese für Menschen mit Problemhaut oder Hauterkrankungen entwickelt und deckt inzwischen ein breites Spektrum an Pflege-Produkten für jeden Hauttyp ab. Dabei hatte Isermann eigentlich die „Zucht und Haltung von Pferden“ im Sinn, als er sich bei den Agrarwissenschaften einschrieb. Doch der Markt für Pferdezüchter erwies sich als zu eng und Isermann wollte sich nicht hinten anstellen.
Über den Kontakt zu Dermatologen, die einen Bedarf in der täglichen Praxis sahen, entstand die Geschäftsidee, für die der 29-Jährige belächelt wurde – auch noch Jahre nach der Gründung: „Die wenigsten haben allerdings verstanden, was wir genau vorhaben, und haben sich auch über unseren Erfolg immer gewundert.“ Den Gründer wiederum wundert, „warum nicht mehr Leute gründen, um Unternehmer statt Unterlasser zu sein.“
Foto: WirtschaftsWocheFridtjof Detzner, Jimdo: "Wenn mehr Leute das tun, was sie lieben, macht es die Welt ein bisschen besser."
Fridtjof Detzner ist einer von drei Jimdo-Gründern – so der Name eines kostenlosen, einfachen Webseiten-Baukastens. Ohne Vorkenntnisse lässt sich damit eine eigene Online-Präsenz mit vielen Zusatzfunktionen wie Blog, Bildergalerien oder einem Online-Shop erstellen – über 20 Millionen Webseitenbetreiber haben das bereits weltweit getan. Detzner gründete das Unternehmen bereits als Schüler. Zunächst ging es darum, Computer zu verkaufen, als die drei 16-Jährigen es noch toll fanden, Computer zusammenzubauen. „Das ist Gott sei Dank schnell vorbeigegangen“, sagt Detzner.
Anfragen, Webseiten zu bauen, sind hinzugekommen. Aber auch dabei entstehen Routinetätigkeiten: „Und da ist bei uns die Idee entstanden, wie cool wäre das eigentlich, nicht die Serviceleistung anzubieten, sondern ein Produkt zu haben, welches das Problem löst.“ Ein Experiment, das die drei Jungs am Anfang nicht so ernst genommen – einerseits. Andererseits waren sie stur genug, die Sache durchzuziehen: „Wie lange glaubst du an eine Idee? Letztendlich geht es darum, als Unternehmer etwas sehen und zeichnen zu können, was es noch gar nicht gibt.“
Foto: WirtschaftsWocheKai Böringschulte, Compeon: "Wenn ich es jetzt nicht tue und in ein paar Jahren lese, jemand anderes hat es getan, dann würde ich es bereuen."
Kai Böringschulte ist einer von drei Compeon-Gründern, einem Finanzportal für den Mittelstand. Unternehmer oder Freiberufler können dort ihren Finanzierungsbedarf ausschreiben, die angeschlossenen Banken ein Angebot abgeben und bei der Auswahl des besten Angebotes wird der Kunde neutral beraten.
Vor der Gründung arbeitete Böringschulte bei einer Bank und einer Unternehmensberatung – die solide Basis für den Schritt in die Selbstständigkeit, wie er sagt: „Ich war ich gut ausgebildet, hatte viel Erfahrung im Berufsleben gesammelt und auch Jobangebote als Backup.“ Der Wunsch, eine neue Idee selbst zu realisieren gab den Ausschlag, auch wenn sich der Gründer damals schon in einer Lebensphase befand, „in der die Risikoaffinität schon nachlässt: Da war ich 38 Jahre alt, hatte gerade ein Haus gebaut, und Kind Nummer zwei war auf dem Weg.“ Sein Weg: Das Risiko überschaubar halten, auch eigenes Geld investieren und das Modell immer wieder genau hinterfragen.
Foto: WirtschaftsWocheFranziska von Hardenberg, Bloomy Days: "Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass noch niemand diese Idee hatte."
Franziska von Hardenberg ist die Gründerin von Bloomy Days, einem Versandhandel für frische Schnittblumen. Die Bouquets sind im flexiblen Abo oder als Einzelbestellungen erhältlich. Für den Geschäftsbereich werden Blumen etwa für das Beschwerdemanagement oder als Kundengeschenke angeboten. Von Hardenberg gründete ihr Unternehmen mit 27 Jahren, hatte zuvor Marketing und Kommunikationswissenschaften studiert und in der Start-up-Schmiede Rocket Internet gearbeitet.
Dort hat sie auch schon immer Schnittblumen auf den Tischen der Mitarbeiter verteilt und sich überlegt, was man sonst noch alles besser machen könnte: „Ich habe mich in meiner Festanstellung über so viele Dinge aufgeregt, weil ich so viel Verbesserungspotenzial gesehen habe und ich so viele Entscheidungen von anderen nicht gut fand.“ Als die Firma umzog und der Blumenladen nicht mehr auf dem Weg lag, entstand die Idee. „Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Der Wille etwas zu tun, mich weiterzuentwickeln und etwas zu erschaffen, der ist intrinsisch.“
Foto: WirtschaftsWocheMaurice Schadowske, Paulibird: "Man darf es nicht machen, nur weil man selbständig sein möchte. Man muss wirklich viel Spaß daran haben."
Maurice Schadowske ist der Gründer von Paulibird. Das Kreativlabel steht für Handgefertigtes wie Schmuck, Lampenschirme oder Pokale aus Cellulose-Acetat und gebrauchten Skateboards. Durch die unterschiedlichen Farben der einzelnen Holzschichten der Skateboards entsteht ein charakteristisches Muster. Den thermoplastischen Kunststoff Cellulose-Acetat lernte Schadowske bereits in seiner Ausbildung zum Optiker kennen.
„Wenn ich früher fertig und die Zeit noch da war, fing ich an Ringe zu machen und ganz viel anderes kurioses Zeugs. Wie zum Beispiel einen kleinen Tennisschläger.“ Eine Art Hobby, aus dem der Wunsch entstand, sich damit selbstständig zu machen. „In der Werkstatt sitzen und das machen, was man möchte. Einfach basteln.“ Anfangs lebte der Künstler davon von der Hand in den Mund, durch einen TV-Spot wurde er über Nacht berühmt: „Das, was ich jetzt anbiete, ist auch nur der Anfang. Mein Buch ist voll mit Ideen.“
Foto: WirtschaftsWocheMirco Wiegert: "Man kann nur große Ziele erreichen, wenn man große Ziele hat."
Mirco Wiegert ist Mitbegründer von Fritz Kola, einem Hersteller von Kola und Limonaden. Seit 2015 lässt das Unternehmen die alte Limo-Marke Anjola aufleben und nimmt damit Bio- und Fairtrade-Limonaden mit ins Sortiment. Dass Wiegert einmal Unternehmer werden wollte, war spätestens in der Ausbildung zum Speditionskaufmann klar, wo der Azubi regelmäßig mit seinen Verbesserungsvorschlägen scheiterte. „Das hat mich bestätigt, dass ich mich selbständig machen muss“, sagt Wiegert, der sich selbst eine Machermentalität ausstellt.
Das Studium „Außenwirtschaft und Internationales Management“ an der HAW Hamburg sollte dafür das nötige Handwerkszeug liefern. „Für mich ist das wie Sport. Dieses: Was kostet etwas, was kann man damit machen, kann man das verwerten, kann man das verkaufen und wie funktioniert etwas überhaupt?“ Sich nicht ausbeuten lassen und unabhängig arbeiten, war das Ziel. Womit? Damals gab es in der Gastronomie nur eine Kola. „Eine bessere Kola zu machen, wurde unser Traum.“
Foto: WirtschaftsWocheTitus Dittmann, Titus: "Man muss sich inhaltliche Ziele setzen. Und wenn man das alles gut macht, kommt die Kohle von alleine hinterher."
Der Gymnasiallehrer Titus Dittmann brauchte eigentlich nur neue Skateboards für die Schüler seiner Skate-AG – in den 1970ern ein schwieriges Unterfangen. Anfänglich besorgte er einzelne Boards aus den USA. Als die Nachfrage größer wurde, professionalisierte er den Handel und wurde zum führenden Einzelhändel für Skateboards und Zubehör in Europa. Dass er dafür den sicheren Beamtenstatus aufgab, als gerade der Sohn geboren war, stieß das überall auf Unverständnis.
Aber Dittmann war sich seiner Sache sicher: „Ich habe schon ganz früh gemerkt: Alle finden zwar, dass ich nichts auf die Reihe kriege, aber mir ging das, was ich erreichen wollte, immer ganz locker von der Hand. Solange ich den anderen nicht erzählt habe, was ich erreichen wollte.“
Sein Ziel war es, eine Skater-Szene in Deutschland aufzubauen und nicht, Unternehmer zu werden. „So eine Type wollte ich doch nie werden!“ Mit brennendem Herzen ist aus dem „Vater der deutschen Skateboard-Szene“ dann aber doch ein erfolgreicher Unternehmer geworden.
Foto: WirtschaftsWocheWolfgang Hölker, Die Spiegelburg: "Du musst aufzeigen, wenn es den Kuchen zu verteilen gibt."
Wolfgang Hölker übernahm 1977 den traditionsreichen Coppenrath Verlag und schlug mit der Edition „Die Spiegelburg“, einer Kombination aus Buch und passenden Non-Book-Artikeln neue Wege ein. Prinzessin Lillifee und der Hase Felix sind zumindest für Kinder berühmte Beispiele, aber auch Erwachsene finden Geschenkideen in der „Spiegelburg Collection.“ Damals war aber Hölker schon längst Gründer: Mit 18 Jahren eröffnete er bereits gemeinsam mit einem Freund eine Galerie in einem leerstehenden Schusterladen, ganz ohne Business-Plan und langfristige Ziele – die Galerie gibt es inzwischen seit 50 Jahren.
Sie steht für das, was Hölker immer machen wollte: „Die Geschäftsidee bei Gründung war Unabhängigkeit.“ Aus einem ersten regionalen Kochbuch aus dem Münsterland entstand eine Serie und der Kontakt zum Coppenrath Verlag: „Ich bin in viele Dinge hineingestolpert und habe an gewissen Lebenskreuzungen andere ungewöhnliche und inspirierende Menschen kennengelernt“, sagt Hölker. Sein Weg: Antennen entwickeln, aufpassen und sich gut vernetzen.
Foto: WirtschaftsWocheLea-Sophie Cramer, Amorelie: "Es heißt nicht, nur weil Rocket alles anders macht, dass es auch der beste Weg für deine Company sein muss."
Lea-Sophie Cramer ist Mitbegründerin des Online-Sexshops Amorelie. Ziel war es, die Branche von ihrem angestaubten Schmuddel-Image zu befreien und mehr Menschen erfüllte Beziehungen ohne Routine zu ermöglichen. Schon in ihrem BWL-Studium riet ihr ein Mentor, Unternehmerin zu werden: „Er meinte, dass ich Dinge überdenke, die andere als gegeben hinnehmen.“
Zunächst arbeitete Cramer aber bei einer Unternehmensberatung, dann bei der Start-up Schmiede Rocket Internet, wo sie schnell Karriere machte und einen asiatischen Bereich mit insgesamt 1200 Leuten leitete. Ihre Kündigung und Gründung eines Online-Shop für Sexspielzeug waren daher ein Schock für die Eltern, der Freundeskreis reagierte mit Unverständnis – für Cramer beides ein Ansporn: „Mir war es wichtig, nicht in der Masse von BWLern unterzugehen.“ Als Cramer feststellte, dass die erotische Romantrilogie „Shades of Grey“ öffentlich im Zug gelesen wurde, gab das den Anstoß: „Ich glaube, dass man seinem inneren Antrieb und seinem inneren Ziel folgen muss.“
Foto: WirtschaftsWocheBruno Lammers, Saertex: "Und nicht nur sagen: „Die Mitarbeiter sind das Kapital der Firma“, sondern es auch wirklich meinen und leben."
Bruno Lammers ist Mitbegründer von Saertex, einem Produzenten für Höchstleistungstextilien und Leichtbaulösungen an neun Standorten auf fünf Kontinenten. Die Faserverbundstoffe, die bei einem Bruchteil des Gewichtes härter als Stahl sind, werden etwa in Windkraftanlagen, Flugzeugen, Raketen, aber auch in Rohren verwendet.
Dabei hatte der angehende Textilingenieur im Grunde schon bei seiner Studienwahl aus Familientradition auf das falsche Pferd gesetzt, wie er sagt: „Zu dieser Zeit ging in Deutschland die Textilindustrie steil bergab.“ Als sein Arbeitgeber Insolvenz anmelden musste, fragte ihn ein älterer Kollege, ob man sich nicht zusammen selbständig machen wollte. Die Idee der beiden Ingenieure: das Fachwissen über konventionelle Textilien für technische Anwendungen zu nutzen. Mutige Pioniere? „Der Mut kam einmal aus der Not, weil man ja auf der Straße stand, genauso wie alle anderen auch. Und dem Wissen, dass man schon was kann. Die zwei Faktoren hat man zusammengepackt.“
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7. Der Einzel-Händler
Der Wu-Tang Clan hat ein vermeintliches Gesetz der Musikbranche ignoriert: Ein Album ist erfolgreich, wenn es sich gut verkauft. Die Hip-Hopper pressten ihr Album Once Upon a Time in Shaolin nur einmal auf CD. Im Jahr 2015 wurde es bei einer Auktion für zwei Millionen Dollar versteigert. Den Zuschlag bekam der umstrittene Pharmamanager Martin Shkreli.
8. Die Medienmogulin
Jessica Lessin beweist, dass man mit seriösem Internetjournalismus Geld verdienen kann – ganz ohne Katzenbildchen und Klickstrecken. 2013 hat die damalige „Wall Street Journal“-Redakteurin „The Information“ gegründet. Das Portal analysiert die Techbranche und finanziert sich vor allem über Abonnements und Konferenzen. Lessin beschäftigt rund 30 Angestellte.
9. Die Sprachlehrerin
Anne Kjær Riechert findet Computercodes wichtiger als Grammatik. Deshalb gründete sie im August 2015 in Berlin die gemeinnützige ReDI School of Digital Integration. Immigranten, findet Riechert, sollten nicht nur Deutsch lernen, sondern auch eine Programmiersprache wie Java oder Python – das mache fit für den Arbeitsmarkt. Deshalb erhalten Flüchtlinge an der gemeinnützigen Einrichtung kostenlose Kurse.
10. Der Zerstörer
Nicola Samorì attackiert seine eigenen Werke. Der italienische Künstler malt zunächst in dunklen Farben gehaltene Bilder, die an Barockgemälde erinnern: Heiligendarstellungen, Märtyrerporträts und Kreuzigungsszenen. Danach bricht er seine virtuosen Werke mit dem Messer oder verätzt sie durch Laugen. Zum Vorschein kommen geschundene, halb zerstörte Bildflächen, Körper, die ihr Inneres offenlegen: die darunter liegende Leinwand oder das Holz. Eine Kunst, der ihre vergängliche, zerbrechliche Schönheit buchstäblich eingebrannt ist.