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AbgasskandalAudi zahlt Ex-Ingenieur Millionen-Abfindung

Giovanni P. hat zugegeben, am Abgasbetrug bei Audi mitgewirkt zu haben. Er hat auch ehemalige Kollegen belastet, darunter Rupert Stadler. Dennoch erhält P. jetzt eine Millionen-Abfindung – inklusive Schweigeklausel. 22.06.2018 - 10:13 Uhr

Dieselmotor in einem Audi A3.

Foto: dpa

Giovanni P. dürfte in Ingolstadt wohl nicht mehr so gut gelitten sein. Früher war das anders. Da leitete der Ingenieur noch die Dieselmotorenentwicklung bei Audi – und war in dieser Position voll über die Abgas-Manipulationssoftware im Bilde. Und er schwieg jahrelang.

Dieses Schweigen hat P. gebrochen. Ausgerechnet gegenüber der Staatsanwaltschaft, die ihn Mitte 2017 in Untersuchungshaft nahm. In monatelangen Vernehmungen packte der Ingenieur aus und gab den Ermittlern die Hinweise, die sie haben wollten. Sie brachten Licht ins Abgas-Dunkel. Und vor allem führten sie weiter nach oben. Zunächst zu Wolfgang Hatz, früher Leiter der Audi-Aggregate-Entwicklung und inzwischen Porsche-Entwicklungsvorstand. Hatz sitzt seit Ende September 2017 in U-Haft. Anwälte von Hatz weisen die Vorwürfe zurück, ihr Mandant habe von Manipulationen gewusst und dies vertuschen wollen.

Auch über den beurlaubten Audi-Chef Rupert Stadler soll P. ausgesagt haben. Wohl nicht so belastend wie die Dokumente über Wolfgang Hatz, die P. den Ermittlern übergeben haben soll. Aber immer noch so unschön, dass Audi diese Aussagen nicht in einem öffentlichen Gerichtsprozess hören will: Die VW-Tochter zahlt P. einem Bericht von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR zufolge eine Abfindung in Höhe von mehr als 1,5 Millionen Euro.

Beurlaubter Audi-Chef

Rupert Stadler bleibt vorerst in U-Haft

Der Abfindungsvertrag soll demnach von Ende 2017 stammen. Darin sei geregelt, dass P. den Behörden und Audi bei der Aufklärung der Affäre helfen müssen, aber sich nicht öffentlich über Audi und sein Wissen über die Abgasaffäre äußern dürfe. Aus Konzernkreisen zitiert die Süddeutsche Zeitung, dass die Millionenzahlung kein Schweigegeld sei.

Klar ist aber auch: Mit der außergerichtlichen Einigung wird es zu keinem Prozess vor dem Arbeitsgericht kommen. P. hatte gegen seine Kündigung geklagt. Vor Gericht wären die Anschuldigungen potenziell teuer geworden, denn sie hätten die Position von VW und Audi bei Aktionärsklagen schwächen können. Zu den unbewiesenen Vorwürfen gehört, dass Stadler im November 2015 intern angeordnet haben soll, Abgasmanipulationen gegenüber den US-Behörden zu verschweigen. Ein zentraler Punkt, den Stadler bis heute vehement bestreitet.

Der Millionenbetrag wird wohl erst nach und nach fällig. Er besteht aus Gehaltsnachzahlungen und einem Überbrückungsgeld bis zur Rente, zudem werden sogar Rentenansprüche abgegolten. Hinzu kommt – trotz der zugegebenen Mitwirkung an den Abgasmanipulationen – rückwirkend sogar eine Bonuszahlung.

Das Geld wird P. womöglich noch brauchen. Er sitzt zwar – anders als Hatz und Stadler – nicht mehr in Untersuchungshaft. Das Oberlandesgericht München kam aber im November 2017 zu dem Schluss, dass P. dringend tatverdächtig sei, am Betrug durch den Verkauf der manipulierten Autos in den USA mitgewirkt zu haben. Da er nicht als „maßgeblicher Entscheidungsträger“ anzusehen sei, kam er vorerst frei. Aus dem Schneider ist er damit aber noch nicht.

ses
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